Aktuelle Woche der #spanishrevolution

Die Empörten auf der Puerta del Sol
(Bild bei Twitter gefunden)

Während die Ankunft der Sternmärsche in Madrid und die anschließende Demonstration am vergangenen Wochenende noch ein gewisses Echo in der deutschsprachigen Medienwelt fand (taz, Tagesschau, Spiegel, der Standard), ist dieses mittlerweile wieder verhallt. Das liegt aber nicht daran, dass es nichts zu berichten gäbe, sondern am Desinteresse der Presse – oder daran, dass durch diese Desinformation verhindert werden soll, dass die Proteste für „¡Democracia Real Ya! (Echte Demokratie Jetzt!) und soziale Gerechtigkeit sich auch auf andere europäische Ländern ausweiten.
Hier nun eine kurze Zusammenfassung, was diese Woche noch in Spanien geschehen ist:

Montag: unerwartete Unterstützung beim ersten landesweiten Treffen

Am Montag kamen die Empörten (indignados) in Madrid zu dem I Foro Social (das erste landesweite Treffen der Bewegung #15m zu einem Gespräch) zusammen und teilten dort ihre Erfahrungen. Die Sternmärsche auf Madrid hatten sie durch 300 spanische Ortschaften geführt, wobei sie offene Ohren für die Sorgen und Nöte der Menschen, die dort leben, hatten und diese notierten. Gemeinsam stellten sie eine Liste der gehörten Probleme zusammen, die dem Parlament übergeben werden sollte.

Joseph Stiglitz bei Wirtschaftsversammlung der Empörten

J. Stiglitz bei Wirtschaftsversammlung der Empörten (Bild von http://www.divinajuventud.es)

Am selben Tag fand auch eine Zusammenkunft (asamblea) statt, bei der über die wirtschaftlichen Probleme Spaniens gesprochen wurde und Lösungen gesucht werden sollten. Kein geringerer als Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, besuchte die Versammelten und erklärte sich mit ihnen solidarisch. Er stimmte ihnen zu, dass „die Marktwirtschaft nicht funktioniert, wie sie sollte“, erklärte, dass er „an der Stelle der Demonstranten sogar noch aufgebrachter als diese wäre“ und sieht gar in der #spanishrevolution eine Chance „dass die Marktwirtschaft sozialere Wege einschlage.“

 

Dienstag: der Marsch geht weiter

Die Empörten kamen auch darin überein, dass der Sternmarsch fortgesetzt wird. Am Dienstag, 18:30 Uhr, machten sich die ersten 50 Protestläufer auf den Weg. Ihr Ziel ist Brüssel, die Hauptstadt der Europäischen Union. Zweieinhalb Monate und 1500 Kilometer trennen sie von ihrem Ziel. Unterwegs sollen sich auch Demonstranten aus anderen Ländern anschließen. Bei Twitter kann man sich über den Hashtag #marchabruselas (Marsch auf Brüssel) über diese Aktion auf dem Laufenden halten. Eine englische Meldung dazu brachte BBC. In einem YouTube-Video sind die Augenblicke vor dem Aufbruch festgehalten.

 

Mittwoch: eine Demokratie, in der die Regierung sich dem Volk entzieht

Am Mittwoch wurde das Zeltlager von Neptuno, in der Nähe des Kongresses, von der Polizei gewaltsam geräumt. Auf 20minutos.es findet sich eine Fotogalerie dieser Räumung. Das Lager bei Paseo del Prado, in dem die Demonstranten seit dem Wochenende die Nächte zugebracht hatten, wurde verschont.

Auch direkt vor dem Kongress fand eine Versammlung der Empörten statt. Obwohl mit einer Polizeikette der Kongress vollständig abgeriegelt wurde, gelang es einigen Demonstranten mit einem Trick, das vorbereitete 17seitigeDokument, in dem die Probleme der Bevölkerung aufgelistet sind, abzugeben: einige von ihnen machten sich extra fein zurecht und konnten mit der Ausrede, dass sie in das Hotel Palace, beim Kongress, wollten, die Polizeiabsperrung passieren. Eine von ihnen gab anschließend das Dokument am Empfang des Kongresses ab. Einen eindringlichen Augenzeugenbericht auf englisch kann man bei Spanishrevolution11 nachlesen.

Protestdemo gegen Polizeigewalt

Protestdemo gegen Polizeigewalt in Madrid
(Bild bei Twitter gefunden)

Aus Protest gegen das unangemessen harte Vorgehen der Polizei bei der Räumung des Lagers und der Versammlung am Vormittag, kam es um 8 Uhr abends zu landesweiten Protest- und Solidaritätsveranstaltungen unter dem Twitter-Motto #Madridnoestasola (Madrid ist nicht allein). In Madrid blockierten sie dabei die Gran Vía in Madrid. Wie zu erwarten war, kam es zu keinen Ausschreitungen. Einmal mehr beantwortete die Bewegung #15m (15. Mai) die Gewalt mit friedlichem Protest und stellte damit unter Beweis, wie ernst es ihnen mit der Gewaltfreiheit ist.

Einen guten Überblick über die aktuelle Lage in Spanien bietet deutschsprachigen Lesern ein Artikel in der ND.

Einen deutschsprachigen Bericht über den Marsch nach Brüssel gibt es auf Comprendes.de.

Foto 1 und 3 hatte ich über einen Twitter-Link gefunden, den ich mir leider zu notieren vergaß. Meine Entschuldigung an die beiden mir unbekannten Urheber der Aufnahmen!

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8 responses to “Aktuelle Woche der #spanishrevolution”

  1. Miguel says :

    Las calles de Madrid el día 24/7 🙂

    Camino a la Puerta del Sol 24/7 😉

    Un fuerte abrazo Alemania !!!!

    • bodenfrost says :

      ¡Muchas gracias por tu visita, el vídeo y la foto! Me hubiese gustado tanto estar ahí con toda esta gente indignada y pacífica. Es muy impresionante y os deseo buena suerte y mucha fuerza.

      Saludos y solidaridad

      Svenceremos

      • Miguel says :

        Gracias a ti por difundir el mensaje.
        Hemos aprendido a mirarnos a los ojos, hablar, conocernos, hacer propios los problemas de los demás y juntos buscar soluciones, se realizan asambleas populares en pueblos y barrios de las grandes ciudades de todo el estado, las asambleas son semanales, cada asamblea tiene su web y entre todas hay comunicación permanente.
        El movimiento es horizontal y ciudadano.
        La marcha a Bruselas llegará al destino el 2 de octubre. 15 de octubre manifestación global.

        http://madrid.tomalaplaza.net/

        En EEUU están organizando un campamento permanente en Wall Street, la convocatoria es pacífica, en España estamos pendientes del 17 de septiembre.

        http://www.adbusters.org/blogs/adbusters-blog/occupywallstreet.html

        Otro mundo es posible.

        venceremos

        😉

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