200 Menschen verhindern Zwangsräumung

Große Revolutionen vergessen oft den einzelnen Menschen und seine Probleme. Diesen Vorwurf müssen sich die Indignados (Empörten) der Bewegung #15m aus Spanien nicht gefallen lassen. Sie setzen sich nicht nur im Großen für eine gerechtere Welt ein, sie verlieren auch die Einzelschicksale der Betroffenen nicht aus den Augen.

Ein großes Problem in Spanien sind die Zwangsräumungen. Einzelne Menschen, ganze Familien, die ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen können, werden auf die Straße geworfen. Seit 2007 wurden 300.000 Zwangsräumungen vollstreckt. Im ersten Drittel des Jahres 2011 waren es bereits 15.000. Im Durchschnitt verlieren 175 Familien pro Tag ihr Dach über dem Kopf (Quellen: 1: RTVE | 2: RTVE).

Die ersten Menschen versammeln sich...

Gestern versammelten sich Nachbarn, Mitglieder der örtlichen Asamblea (Versammlung) und der PAH (Plattform der von Hypotheken Betroffenen) vor einem Haus in Getafe, einer Stadt im Ballungsgebiet von Madrid, um die Zwangsräumung einer schwer depressiven Frau und ihrer kranken Tochter zu verhindern. Die beiden sind Opfer eines Hypothekenbetrugs und können die Raten nicht mehr bezahlen, seit Tochter Isabel arbeitslos ist.

Etwa 200 hilfsbereite Menschen konnten gemeinsam verhindern, dass der Zwangsvollstrecker die Wohnung betreten und die Räumung durchführen konnte. Vertreter der PAH handelten mit dem Gerichtsvollzieher einen Kompromiss aus: die beiden Frauen dürfen vorerst in ihrer Wohnung bleiben.

Isabel jubelt: Sie und ihre Mutter dürfen bleiben


In einem System, in dem die Politiker sich nur noch um das Wohl der Banken sorgen, den Bürger aber nur noch als Wert in einer Statistik, Konsumenten, Wahlvieh und Steuerzahler wahrnehmen, bleibt uns Menschen nur Zivilcourage und Solidarität. In meinen Augen kann uns dieser selbstlose Einsatz für vom Schicksal bedrohte Mitmenschen ein Vorbild sein.

Links

  • „Cerca de 200 personas paralizan el desahucio de una familia en la localidad de Getafe“ 20minutos
  • „El lunes 3 de octubre pararemos otro desahucio en Getafe“ PAH Madrid
  • Videoreportage: „Cuando el desahucio llama a la puerta“ RTVE

Quellen der Fotos – Twitter-Account von PAH_Madrid 1 | 2 | 3

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  1. PAH: Menschenrechte in Spanien in Gefahr | Bodenfrost - 13. April 2014

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