Madrid: besetzte Häuser geräumt

Ein schwarzer Tag für die spanischen Hausbesetzer: in der Hauptstadt wurden heute mehrere „befreite Gebäude“ geräumt. Es handelt sich dabei um das Hotel Madrid, das angrenzende Teatro Albéniz und den Espacio Vecinal (Nachbarschaftsraum) in der calle Montamarta de San Blas.

vor dem Hotel Madrid
Foto via @Fanetin/Twitpic

Die Polizei drang in den frühen Morgenstunden in die Gebäude ein und ging dabei laut Betroffenen nicht zimperlich vor. Die Beamten stießen die Menschen vor sich her und jagten sie im Pyjama auf die Straße. Es wurde ihnen nicht erlaubt, ihre Habseligkeiten einzupacken. Sie stehen jetzt wieder mit nichts als dem, was sie am Leibe tragen, auf der Straße. Ein Betroffener beklagt, dass man ihm das Handy abgenommen habe, um zu verhindern, dass er sich mit anderen in Verbindung setzt.

Polizeiabsperrung
Foto von @almu_en_Sol/Twitter

Laut Polizei befanden sich im Hotel Madrid und Teatro Albéniz über 100 Personen. Gegen alle wird wegen „Besetzung einer Liegenschaft“ ermittelt. 30 Personen, die sich nicht ausweisen konnten, wurden zur Feststellung der Personalien auf die Wache gebracht. 10 Personen wurden festgenommen, eine wegen Besitz mehrerer Hanfpflanzen, die anderen 9 wegen Verstoß gegen das ley de extranjería (Ausländergesetz), da sie nicht nachweisen konnten, sich legal in Spanien aufhalten. Ihnen droht nun die Abschiebung. Zum Schluss der Aktion wurde die Eingangstür des Hotel Madrid zugemauert, um zu verhindern, dass die Indignados (die Empörten) wieder ins Gebäude gelangen.

Die Tür wird zugemauert
Foto von @FotogrAccion/Twitter

Das Hotel Madrid im Zentrum der spanischen Metropole war nach dem weltweiten Aktionstag in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober von Mitgliedern der Bewegung 15M besetzt worden. Das Gebäude diente als Versammlungsort für Asambleas (Versammlungen), Informationsstand, es gab kulturelle Aktivitäten wie das Vorführen von Filmen und Werkstätten. Außerdem konnten hier Familien, die ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten und deswegen auf die Straße gesetzt wurden, im Hotel Madrid und anderen besetzten Gebäuden, eine vorübergehende Bleibe finden. Vor der Besetzung waren die Häuser jahrelang leer gestanden.

Auch die Anwohner der Straße bedauern die Räumung des Hotel Madrid: „Es waren ruhige Nachbarn und sie gewährten den zwangsgeräumten Familien Unterschlupf.“ Einziger augenzwinkernder „Vorwurf“, den sie den Hausbesetzern machten, war, dass sie sich in ihr W-Lan einklinkten.

Für den den Abend riefen die Indignados unter dem Motto #sincasa (ohne Haus) zum Protestauf der Puerta del Sol gegen die Räumungen auf.

auf der Puerta del Sol
Foto von @almu_en_Sol/Twitter

Anschließend zogen die Demonstranten kreuz und quer stundenlang weiter durch die Innenstadt. Ein kurzes Video von der Versammlung auf Cibeles:

http://www.twitvid.com/embed.php?guid=SDZZ3&autoplay=0

Die Zeitung 20minutos schreibt in einem Absatz von „mehreren hundert“, in einem anderen von „mehreren tausend“ Teilnehmern. Die El País berichtet von „mehr als 2000“ Teilnehmern. Mehrere Versuche, unterwegs andere leerstehende Gebäude zu besetzen, scheiterten. Die häufigsten Sprechchöre waren „Qué pasa, qué pasa, que no tenemos casa“ (Was ist los? Wir haben kein Haus), „un desalojo otra ocupación“ (eine Räumung – eine weitere Besetzung) und „familia desahuciada casa ocupada“ (Zwangsgeräumte Familie – besetztes Haus). Es kam auch zu einer 20-minütige Sitzblockade auf einer Straße. Die Polizei griff nicht ein, folgte dem Demozug aber mit Einsatzfahrzeugen, dem vom Sommer her bekannten putohelicoptero (verflixter Polizeihubschrauber) und errichtete Absperrungen:

Polizeiabsperrung
Foto von @FotogrAccion/Yfrog

Über eine weitere Demo am Dienstag, 6. Dezember, auf dem Platz Tirso de Molina wurde nachgedacht, sie steht aber noch nicht fest.

Ein krankes System: Zehntausende Häuser und Wohnungen in Spanien stehen leer und können nicht vermietet werden, auf der anderen Seite verlieren Tag für Tag hunderte Familien ihr Dach über dem Kopf, weil sie die Hypotheken nicht mehr bezahlen können. Man muss weder links noch sozialistisch sein, um festzustellen, dass dies weder logisch noch menschlich sein kann. Menschen haben ein Recht auf ein Dach über dem Kopf und Polizei und Politik sollten diese Recht schützen, statt das der Immobilienspekulanten.

Quellen Fotos:

  • FotogrAcción 1 und 2
  • Fanetin
  • almu_en_Sol – 1 und 2

Mehr Fotos und Videos:

Berichte:

  • „Empörung über Räumungen in Madrid – Im spanischen Madrid setzte die Polizei gewaltsam 100 Opfer der Immobilienblase erneut auf die Straße“ Telepolis
  • „Hotel Madrid Evicted“ SpanishRevolution11
  • „‚Okupas‘ del Hotel Madrid critican las formas de la Policía en el desalojo“ Europapress
  • „10 detenidos en el desalojo del Hotel Madrid“ Público
  • „Diez detenidos en el desalojo del hotel ocupado por los indignados y el Teatro Albéniz“ ABC
  • „Diez detenidos en el desalojo de los 103 ‚okupas‘ del Hotel Madrid y el Teatro Albéniz20minutos
  • „Más de un centenar de personas desalojadas del Hotel Madrid y del Albéniz“ El mundo
  • „La Policía desaloja el okupado Hotel Madrid“ Madridiario
  • „La Policía procede al desalojo del ‚okupado‘ Hotel MadridEuropapress
  • „La policía desaloja el Hotel Madrid y las plantas superiores del Teatro Albéniz“ Cadena SER
  • „La Policía desaloja el Hotel Madrid ocupado por más de 100 ‚indignados‘ del 15M“ RTVE
  • „La policía desaloja a los ‚okupas‘ del hotel Madrid y del Albéniz“ El País
  • Vídeo: „Los vecinos lamentan el cierre del Hotel Madrid“ Europapress
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