Yo no pago: Polizeigewalt gegen Flashmob in U-Bahn

Polizeiknüppel gegen eine friedliche, symbolische Aktion: Für den vergangenen Sonntag hatte die Bewegung Yo no pago (ich zahle nicht) über soziale Netzwerke zu Flash-Mobs in spanischen U-Bahn-Stationen aufgerufen. Gemeinsam wollten sie die Drehkreuze zu den Bahnsteigen umgehen, um gegen Fahrpreiserhöhungen und Sozialkürzungen zu protestieren.

In Madrid war ursprünglich der U-Bahnhof Puerta del Sol für die Aktion vorgesehen. Aufgrund der massiven Polizeipräsenz sahen sich die 50 Aktivisten allerdings gezwungen, auf die nahegelegene Station Callao auszuweichen. Dort kletterten sie über die Absperrungen, umstehende Menschen folgten spontan ihrem Beispiel und sie skandierten den mittlerweile klassischen Schlachtruf „vuestra crisis no la pagamos“ (eure Krise bezahlen wir nicht) und hielten Plakate mit „Yo no pago“ in die zahlreichen Kameras.

Video vom Vorgehen der Polizei mit Knüppeln:


Video der ganzen Aktion:


Kurz darauf eilten 50 Polizisten des Sondereinsatzkommandos (die sogenannten antidisturbios) herbei und lösten die Versammlung gewaltsam auf. Sie drängten die Menschen grob beiseite und setzten auch ihre Schlagstöcke ein. Dabei wurden sechs Personen verletzt, eine davon am Kopf. Vier weitere Demonstranten wurden vorübergehend wegen angeblichen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen, aber noch am selben Abend wieder auf freien Fuß gesetzt.

Zeitgleich fanden auch vergleichbare Aktionen in Barcelona, Valencia, Sevilla und Bilbao statt. In Barcelona forderten die Teilnehmer, dass erst mal der unter Korruptionsverdacht stehende königliche Schwiegersohn Urdangarín bezahlt („¡qué pague Urdangarín!“) und dass die öffentliche Verkehrsmittel kostenlos für die zahlreichen Arbeitslosen sind („Transporte gratuito para los parados“).

Inspiriert wurde die Bewegung Yo no pago durch „Den Pliróno“ (ich zahle nicht) aus Griechenland. Das hellenische Vorbild entstand vor einem Jahr als Reaktion auf erhöhte Fahrpreise. Die dortigen Aktivisten fahren schwarz mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, verschließen die Fahrkarten-Verkaufsautomaten oder heben die Schranken der Mautstellen hoch, damit alle kostenlos die Straßen benutzen können.

Aktualisierung: mittlerweile haben sich auch die Deutschen-Mittelstands-Nachrichten des Themas angenommen.

Aktualisierung 3. Februar 2012: ein weitere Beitrag zu dem Thema, den ich heute entdeckt habe: „„Ich zahle nicht“: Tumulte und Festnahmen in der U-Bahn“ im Blog von Uhupardo.

Links:

  • Fotos der Aktion von Fotogracción
  • Die Bewegung Yo no pago bei Facebook und bei Twitter
  • „Yo no pago‘ los recortes sociales“ Público
  • „Carga policial en una protesta contra la subida del transporte“ Público
  • „La protesta ‚Yo no pago‘ en el metro de Madrid acaba con 4 detenidos y 6 heridos“ 20minutos
  • „Domingo de frío e indignación“ El País
  • „Detenidos cuatro manifestantes del movimiento ‚Yo no pago'“ El País
  • „El movimiento ‘Yo no pago’ se hace fuerte en Grecia“ Consciencia y Realidad

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  1. Anleitung für zivilen Ungehorsam in Europa [UPDATE] - Aponaut - 3. Februar 2012

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