Madrid: Polizeigewalt bei Protest gegen Arbeitsmarktreform

Foto von nadies@Yfrog

Die Polizei beendete gestern in Madrid gewaltsam einen spontanen Demozug: Neun Teilnehmer wurden festgenommen, eben so viele Menschen verletzt, darunter laut der spanischen Zeitung 20 minutos acht Polizisten. Ein Mitarbeiter des Notfalldienstes in Madrid sagte dazu, „dass nur der verletzte Demonstrant in ein Krankenhaus überstellt werden musste, um seinen Zustand näher zu untersuchen.“ Auch Tage später ist noch kein einziges Video oder Foto aufgetaucht, dass Gewalt seitens der Demonstranten belegen könnte.

Banner der marea violeta
Foto von 20mdirecto@Twitter

Dem Protestmarsch waren zwei zeitgleiche Demonstrationen auf der Puerta del Sol vorangegangen. Zum einen hatte die feministische Initiative marea violeta mobilisiert, die die unter der vergangenen November gewählten konservativen Regierung vorgenommene Verschärfung des Abtreibungsgesetzes kritisiert und befürchtet, dass die Mittel für Geschlechtergleichstellung gekürzt werden. „Saquen sus rosarios de nuestros ovarios“ (nehmt eure Rosenkränze aus unseren Eierstöcken raus), skandierten sie.

Foto von DiagoDirecto@Twitpic

Die zweite Veranstaltung richtetet sich gegen die frisch verabschiedete Arbeitsmarktreform, die die Rechte der Arbeitnehmer in vielerlei Hinsicht beschneidet und den Arbeitgebern Entlassungen leichter macht. Aufgerufen hatte zu dieser Versammlung – an der nach Polizeiangaben 800 Menschen teilnahmen – die Bewegung 15m und einige kleinere Gewerkschaften. Wie bereits vergangenen Dienstag, wurde auch gestern wieder der Ruf nach einem Generalstreik laut.

Spitze des Demozugs
Foto von 20mdirecto@Twitter

Im Anschluss an die Kundgebung zogen etwa 200 der Teilnehmer bei einem spontanen Demozug zum Abgeordneten- kongress. Dort wurden sie bereits von Einsatzkräften (den antidisturbios) mit Helmen und Schilden erwartet. Eine Polizeikette verhinderte, dass sich die Demonstranten dem Gebäude näherten. Um die Versammlung aufzulösen, ging die Polizei auf die versammelten Menschen los. Die Stockschläge und Stöße lösten unter den Versammelten eine panikartige Flucht in die umliegenden Straßen aus. Dorthin wurden sie von den Uniformierten verfolgt, es kam zu weiteren Festnahmen und zum Einsatz von Gummigeschossen. Auch auf Fernseh-Reporter von La Sexta und Telemadrid bei der Arbeit nahmen die antidisturbios keine Rücksicht.

Foto von DiagoDirecto@Twitpic

Foto von tomavistas@Twitter

Wie bedauerlicherweise üblich, trugen die Polizisten bei diesem Einsatz keine Erkennungsmarken, wie es eigentlich Pflicht wäre. Cristina Cifuentes, Abgeordnete der madrilenischen Regierung, sieht aber eher als Problem, dass die Versammlung angeblich nicht ordnungsgemäß angemeldet war und somit die öffentliche Ordnung gefährdet wird.

Für heute wurden bereits eine Demo angekündigt, um Solidarität mit den den Gefangenen zu demonstrieren und gegen das Vorgehen der Polizei zu protestieren. Treffpunkt ist – wie könnte es auch anders sein – die Puerta del Sol.

Videos:



Aktualisierung: Soli-Demo für die Gefangenen, 11. Februar

Am Samstag Abend versammelten sich mehrere hundert Menschen auf der Puerta del Sol, um gegen die Polizeigewalt vom Vortag zu protestieren und die Freilassung der neun festgenommenen Gefährten zu verlangen. Den Gefangenen werden Widerstand gegen die Staatsgewalt und Störung der öffentlichen Ordnung zur Last gelegt und sie sollen am Sonntag dem Gericht überstellt werden.

Aufgerufen zu der Versammlung hatte die acampada sol über ihre Webseite und soziale Netzwerke. Laut Lunera_moon war „mehr Polizei als Demonstranten“ vor Ort. Die antidisturbios (Einsatzkräfte) blieben an diesem Tag aber passiv, obwohl die Versammlung nicht angemeldet worden war.

Foto von Lunera_moon@Twitter

Ein Teilnehmer forderte die Regierungsabgeordnete Cristina Cifuentes mit dem Megaphon auf, sich zu dem Polizeivorgehen vom Freitag zu äußern. Am Ende der Veranstaltung wurde ein Manifest verlesen, in dem gefordert wird, nicht eine soziale Bewegung zu kriminalisieren, die sich für Meinungs- , Informations-, und Versammlungsfreiheit und Teilnahme am öffentlichen Leben einsetzt.

Eine weitere Protestkundgebung ist für heute (Sonntag, 12. Februar) angekündigt, direkt vor den Pforten des Gerichts auf der plaza de Castilla.

Fotos:

Berichte:

  • „Nueve detenidos tras la protesta contra la reforma laboral en el centro de Madrid“ El Economista
  • „Las protestas derivan en cargas policiales en Madrid“ El Correo
  • „Nueve detenidos tras la protesta contra la reforma laboral ante el Congreso de los Diputados“ 20 minutos
  • „Nueve detenidos tras la primera carga policial de la ‘era Rajoy’ en Madrid“ El País
  • „El 15-M protesta contra la reforma laboral y los recortes en igualdad“ Público
  • „Protesta en Sol contra los arrestos en la marcha anti-reforma laboral“ 20 minutos
Advertisements

Schlagwörter: , , , ,

One response to “Madrid: Polizeigewalt bei Protest gegen Arbeitsmarktreform”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: