Der Valencianische Frühling geht weiter

Der Valencianische Frühling (primavera valenciana), wie die Schülerproteste für Bildung und gegen Polizeigewalt mittlerweile genannt werden, ging auch am Mittwoch weiter und erfasste neben seinem Ursprung auch weitere Städte.

Erneute Proteste in Valencia gegen Polizeigewalt

Die Proteste flauen nicht ab: Am dritten Tag in Folge demonstrierten gestern tausende Menschen auf den Straßen Valencias gegen Polizeigewalt und Kürzungen bei der Bildung. Die Demo war dieses Mal ordnungsgemäß angemeldet worden und die Polizei verhielt sich weitestgehend passiv. Neben Schülern, Eltern und Lehrern waren auch Vertreter aller Oppositionsparteien dabei.

Der Frontbanner
Foto von expectantes@Twitter

Die Teilnehmer versammelten sich 18:30 Uhr an dem Institut Lluís Vives – dem Zentrum der jüngsten spanischen Schülerproteste – und zogen bis zum Regierungssitz der Region Valencia. Auf dem Frontbanner prangte das Motto, unter dem die Veranstaltung stand: Som el poble, no l’enemic (Valencianisch für „wir sind das Volk und nicht der Feind).

Auf anderen Transparenten waren Botschaften zu lesen wie No nos callarán (sie werden uns nicht zum Schweigen bringen), Recortan educación para robarnos mejor (sie kürzen bei der Bildung um uns besser ausrauben zu können). Viele hielten als Symbol des Protests ein Buch in der Hand und riefen gemeinsam ¡Nuestras armas, estas son! (dies sind unsere Waffen). Sehr oft zu hören war auch die Forderungen Sánchez de León, dimisión (Sánchez de León Rücktritt jetzt) und ¡Sí a la educación, no a la represión! (Ja zu Bildung, nein zu Repression)

In der calle Colón
Foto von Expectantes@Twitter

Vor dem Regierungssitz
Foto von JAM_LP@Twitter

Ziel des Demozugs war der Regierungssitz der Landesabgeordneten für Valencia. Ein Sprecher der Schüler verlas von dort eine Mitteilung, in der nicht nur Rücktritt von Sánchez León verlangt wurde, weil sie die Polizeibarbarei gewähren ließ, sondern auch den Rücktritt des Polizeichefs Antonio Moreno, weil er die Schüler bei einer Pressekonferenz als Feinde bezeichnet hatte.

Die Polizei hatte eine Kette um das Gebäude gebildet und Absperrungen errichtet, um die Demoteilnehmer auf Distanz zu halten, blieb aber friedlich. Der Zorn über ihres brutales Vorgehen ist aber bei weitem noch nicht verflogen, ihnen wurden Parolen entgegen gerufen wie Ser policía, vergüenza me daría (ich würde mich schämen, ein Polizist zu sein), Los nacionales a los tribunales (die Bundespolizei gehört vor Gericht), Culpables, Culpables (ihr seid schuldig).

Rufe vor dem Regierungssitz: ¡Delegada, dimisión! (Tritt zurück, Abgeordnete)

Die Drohung, solange wieder zu kommen, bis die Landesabgeordnete zurücktritt, ist ernst gemeint: schon für den heutigen Donnerstag und nächsten Samstag sind weitere Demos angekündigt. Die Schüler wollen aber auch wieder auf ihr eigentliches Anliegen hinweisen, der Kampf für mehr Bildung, und planen aus diesem Grund auch andere Aktionsformen: sie möchten eine Menschenkette um das Schulzentrum bilden, bei der alle Teilnehmer ein Buch in der Hand halten. Die Schüler betonen, es gehe ihnen nicht um eine Auseinandersetzung mit der Polizei, sondern um die Bildung.

Wie berechtigt ihre Unzufriedenheit ist, erklärt ein 15-jähriger Schüler: „Wir haben keine Unterrichtsmaterialien, die Fenster sind kaputt und werden nicht repariert, das Dach zerfällt, es gibt kein Geld für Fotokopien.“ Er berichtet außerdem von vielen Unterrichtsausfällen durch Lehrermangel. Eine Schulfreundin von ihm fügt hinzu „wir wollen Chancengleichheit mit den privaten Schulen.“

Fernsehreportage von TV3 über die Demonstration:

Fotos der Demo in El País.

Quellen: La información | Público | 20 minutos

Tausende demonstrieren in Alicante für Bildung

Gestern demonstrierten in Alicante, einer Hafenstadt an der Costa Blanca, nach Veranstalterangaben 4000 bis 5000 Schüler und Angehörige gegen Sparmaßnahmen bei der Bildung und gegen die Polizeigewalt gegen Schüler in Valencia. Ausgerufen und organisiert wurde die Veranstaltung von Elternverbänden.

Der Demozug startete bei dem Institut Bahía de Babel und wurde von einem Banner mit der Aufschrift No recortes en educación angeführt. Viele Teilnehmer waren schwarz gekleidet, um symbolisch auf die Beerdigung der öffentlichen Bildung hinzuweisen. Die zwei mitgeführten Särge unterstrichen diese Botschaft auf drastische Weise. Auf den Transparenten standen Slogans wie Escuela pública de todos y para todos (Öffentliche Schule, von allen, für alle), Más educación y menos corrupción (mehr Bildung und weniger Korruption), Por su caradura, mi futuro a la basura (aus Dreistigkeit treten sie meine Zukunft in die Tonne).

Die Teilnehmer des Demozugs sorgten mit einer 20-minütigen Sitzblockade dafür, dass eine Straße für den Verkehr gesperrt werden musste. Die Polizei verhielt sich zurückhaltend und der Protestmarsch erreichte ohne Zwischenfälle sein Ziel, den Sitz des Kultusministeriums. Dort wurde wegen des Vorgehens der Polizei gegen Schüler der Rücktritt der Landesbeauftragten für Valencia gefordert und ein Manifest verlesen, in dem „die umgehende Bezahlung ausstehender Kosten für die Bildung“ verlangt wurde.

Quelle: La Información

Spontandemo auch in Castellón

Auch in Castellón, eine Stadt in der Autonomen Region Valencia, kam es nach einer Kundgebung zu einem spontanen Protestmarsch, der zum Wohnsitz des Präsidenten der Generalitat (autonome Landesregierung) führte.

Quelle: 20 minutos

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