Schulbesetzungen und Menschenkette für öffentliche Bildung

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben sich Schüler, Lehrer und Eltern in 30 weiterführenden Schulen in der ganzen autonomen Gemeinschaft Valencia eingeschlossen, um gegen Kürzungen und ausstehende Zahlungen zu protestieren und die öffentliche Bildung zu verteidigen. Einige der Schulen haben seit Monaten keine Gelder bekommen und können nicht einmal mehr die Stromrechnung begleichen.
(Quelle: El País, 24. Februar 2012)

Die Straße vor einem der teilnehmenden Bildungszentren – die weiterführende Schule Joan Fuster – wurde heute aus Protest gegen Sparmaßnahmen kurzzeitig blockiert. Nach wenigen Minuten kam die Guardia Civil und nahm zwei Lehrer fest. Ihnen wird vorgeworfen „die Schüler auf die Straße gelassen zu haben.“ Nachdem ihre Personalien auf der Polizeiwache aufgenommen worden waren, durften sie zurück zu ihren Schülern.
(Quelle: Vila Web)

Unter lautstarkem Protest der Schüler werden die Lehrer abgeführt:

Zeitgleich, heute gegen 14:45 Uhr, nach Unterrichtsende, bildeten eine halbe Stunde lang hunderte Schüler, Eltern und Lehrer eine Menschenkette um das Schulgebäude der IES Lluís Vives. Die Teilnehmer hatten Pfeifen, Bücher und herzförmige Luftballons bei sich. Mit dieser Umarmung des Gebäudes sollte die nötige Solidarität für die Bildung symbolisiert werden. Auf einem der Transparente stand die dazu passende Botschaft Hartos de su indiferencia (wir haben eure Gleichgültigkeit satt).
(Quellen: La información | Vila Web)

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4 responses to “Schulbesetzungen und Menschenkette für öffentliche Bildung”

  1. Morrighan says :

    Mutig, mutig und doch schon so lange überfällig. Ich drücke den Jungen die Daumen, dass ihr Einsetzen einen Erfolg zeigt und sie nicht nur Brotkrumen oder Schläge ernten dafür. Das wäre das Schlimmste, was ein Land der jungen Generation antun könnte…

  2. bodenfrost says :

    Danke! Die Polizei verhält sich glücklicherweise zurückhaltender, seit die Bilder von verprügelten Jugendlichen das Land erschüttert haben. Zumindest den Teil, der noch über menschliche Gefühle verfügt. Der Polizeichef von Valencia nennt sie schlicht „Feind“, der Generaldirektor der Polizei in Madrid „gewalttätige Elemente“.

    Manche Fotos von den verängstigten Jugendlichen kommen mir schrecklich vertraut vor. Valencia 2012: http://yfrog.com/z/odo6gjqj – Stuttgart 2010: http://yfrog.com/o0zuuzcj

    Hier die Kastanien, dort Mandarinen als angebliche Wurfgeschosse. Vertreter der konservativen Partei, die das Vorgehen der Polizei rechtfertigen. Eine angekündigte Untersuchung, von der man jetzt schon sagen kann, dass sie im Sande verlaufen wird.

    Ich hoffe, die jungen Leute werden sich nicht unterkriegen lassen. Es ist gut, dass sie von ihren Eltern und den Lehrern unterstützt werden.

  3. Juliane says :

    „Ich hoffe, die jungen Leute werden sich nicht unterkriegen lassen. Es ist gut, dass sie von ihren Eltern und den Lehrern unterstützt werden.“

    Ja.
    Und danke für Deine stetigen Informationen.

    • bodenfrost says :

      Immer wieder gerne!

      Zwei Zitate, die ich gerade gefunden habe, erklären die Situation ganz gut:

      „Von der PP [Partido Popular] werden hier Steuergelder vorwiegend für unrentable Prestigeobjekte wie den Freizeitpark »Terra Mítica«, einen supermodernen, aber noch immer nicht in Betrieb genommenen Flughafen in Castellón oder teure Großveranstaltungen wie die Formel eins ausgegeben, während für Bildung und Infrastrukturmaßnahmen die Mittel fehlen.“

      (Junge Welt, 23. Februar 2012)

      „Die Mittelmeerregion Valencia, die seit 17 Jahren von der konservativen Volkspartei (PP) regiert wird, ist die höchstverschuldete Region Spaniens. Die Vorliebe der dortigen Politiker für teure Prestigeprojekte und der Hang vieler Lokalfürsten, in die eigene Tasche zu wirtschaften, haben die öffentlichen Kassen geleert. Die Rechnung dafür zahlen die Bürger. Symbolisch für ihre Misere stehen Dutzende Schulen, die kein Geld mehr haben, ihre Klassenräume zu beheizen. Anfang des Jahres sind den Lehrern die Gehälter gekürzt worden.“

      (Stuttgarter Zeitung, 24. Februar 2012)

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