Valencianischer Frühling: Schüler verkünden Generalstreik

vor dem Haus der Bürgermeisterin
Foto von jam_lp@Twitter

Die Schüler in Valencia meinen es offen- sichtlich ernst mit ihrer Aussage, so lange wieder zu kommen, bis ihre Forderungen erfüllt sind: Auch der gestrige Donnerstag stand im Zeichen ihrer Proteste für die öffentliche Bildung, die Einstellung der Sparmaßnahmen und das Ende der Polizeirepressionen.

Blumen und Dank
An der Schule IES Lluís Vives – Geburtsstätte des Valencianischen Frühlings – wurde gestern ein Plakat aufgehängt mit der Aufschrift Gracias por despertar Valencia (danke dafür, Valencia aufgeweckt zu haben). Das Schild wurde nach und nach mit immer mehr Blumen geschmückt, die von Menschen aus der Stadt im Osten Spaniens gebracht wurden.

Generalstreik ausgerufen
Zur Mittagsstunde marschierten hunderte Schüler hinter einem großen Banner mit der Aufschrift No més retalls a l’ensenyament públic (Valencianisch: „Keine weiteren Kürzungen bei der öffentlichen Bildung“) unbehelligt in den Innenhof des Kultusministeriums. Die Versammlung war von der Schülergewerkschaft Sindicat d’Estudiants ordnungsgemäß angemeldet worden. Carlos Naranjo, Leiter dieser Schülervereinigung, bekräftigte, dass der Kampf für die Bildung unbedingt weitergehen muss. Er kündigte juristische Schritte wegen der jüngsten Polizeigewalt an.

Auch seine Kollegin Beatriz García erklärte, dass sie die Kriminalisierung und Einschüchterung der gerechtfertigten Proteste durch die Polizei nicht hinnehmen werden. Für nächste Woche, den 29. Februar, ist ein Generalstreik an allen Schulen und Universitäten in ganz Katalonien angekündigt. Eine Ausweitung auf ganz Spanien wird nicht ausgeschlossen.

Im Anschluss an die Kundgebung wurde eine asamblea (Versammlung) abgehalten: die Schüler bekamen der Reihe nach das Megaphon in die Hand und berichteten von Mängeln an ihren Schulen, für die sie die Kürzungen verantwortlich machen: es herrscht Lehrermangel, teilweise entfallen ganz Schulfächer aus diesem Grund, für Heizung ist kein Geld vorhanden. Es fehlt an Unterrichtsmaterialien. Die Schüler machen sich große Sorgen um die Qualität ihrer Ausbildung und ihre Zukunft.

Nach Abschluss der asamblea bildeten sie eine Menschenkette um das Kultusministerium, an der sich nach Veranstalterangaben bis zu 2000 Schüler beteiligten. Viele hatten Transparente dabei mit unmissverständlichen Botschaften wie Queremos calefacción, no que nos calienten (wir wollen Heizung und nicht, dass sie uns einheizen), Somos estudiantes, no delincuentes (wir sind Schüler und keine Verbrecher), Nosotros pagamos vuestra corrupción (wir bezahlen eure Korruption) und No somos el enemigo (wir sind nicht der Feind).

Abendliche Protestmärsche

Sitzblockade
Foto von jam_lp@Twitter

Am Nachmittag marschierten abermals zahlreiche Demon- stranten durch die Innenstadt und legten mit Sitzblockaden gelegentlich den Verkehr für kurze Zeit lahm. Die Polizei übte sich in Zurückhaltung. Es scheint, als wollen sie die landesweiten Empörung über die Gewalt gegen Jugendliche nicht nicht noch weiter befeuern.

Foto von melderomerAV@Twitpic

Im Laufe der Abendstunden teilten sich die Demonstranten in mehrere kleine Gruppen auf, die verschiedene Ziele ansteuerten: die Wohnsitze von Francisco Camps, ex-Präsident der generalitat, der wegen Korruptionsverdacht letztes Jahr zurückgetreten war, und von der Bürgermeisterin Rita Barberá und die Parteizentrale der regierenden Partido Popular.

Foto von JAM_LP@Twitter

Die Proteste werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch in nächster Zeit weitergehen, auch wenn – oder vielmehr: gerade weil – die Verantwortlichen versuchen, die Angelegenheit auszusitzen. Juan Cosidó, Generaldirektor der Polizei, rechtfertigte bei einem Interview das Vorgehen der Einsatzkräfte: seiner Ansicht nach war das Polizeivorgehen aufgrund „der Gewalt auf den Straßen“ alternativlos. Er geht davon aus, dass „gewalttätige Elemente“ in die Demos eingeschleust wurden. Einen Beweis für seine Behauptungen konnte er freilich nicht erbringen.

Ich wünsche den Valencianern mehr Erfolg bei der Aufklärung der Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten, als ihn die Stuttgart nach dem Schwarzen Donnerstag hatten.

Quellen: 20 minutos | Público | La información

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: