Samira Ibrahim gibt nicht auf

„Nieder mit der Militärherrschaft!“ waren Samira Ibrahims erste Worte, als ein ägyptisches Militärgericht Mitte März den Militärarzt Ahmed Adel freisprach, der die Jungfrauentests (virginity tests) durchgeführt hatte.

Foto © Amina Ismail @ Global Post

Die 25-jährige war im März 2011 zusammen mit 17 weiteren Aktivistinnen bei Protesten auf dem Tahrir-Platz festgenommen und zu einer Militäreinrichtung gebracht worden. Dort zwang man sie und sechs Mitgefangene, sich vollständig zu entkleiden und einen Test über sich ergehen zu lassen, bei dem der Arzt feststellte, ob ihr Jungfernhäutchen noch intakt ist.

In einem Video berichtet Samira von ihrem Martyrium (englische Untertitel):

Allen Drohungen zum Trotz, brachte sie den Fall vor Gericht und erstritt einen Sieg: Im Dezember 2011 verbot ägyptisches Gericht die Jungfrauentests.

Der Rückschlag, als nun der ausführende Arzt freigesprochen wurde, setzte ihr anfangs sehr zu. In einem Interview mit der ägyptischen Journalistin Deena Adel sagte sie:

Ich war in der Woche nach dem Gerichtsurteil deprimiert. aber nach der massiven Unterstützung, die mir zuteil wurde, bin ich stärker als je zuvor. Ich erkannte, das ich es mit der Armee aufnehmen kann, weil ich nun eine Armee von Unterstützern auf der Straße habe. Es gab Proteste in Europa, New York und sogar Saudi-Arabien.

Aus dieser Solidarität schöpfte sie die Kraft, ihren Kampf für Gerechtigkeit fortzusetzen. Da sie kein Vertrauen mehr in die ägyptische Justiz hat, die sie für korrupt hält, ist sie nun gewillt, vor einen internationalen Gerichtshof zu ziehen, der nicht der Militärführung untersteht. Sie trifft Vorbereitungen, den Fall vor die Afrikanische Kommission der Menschenrechte und der Rechte der Völker zu bringen.

Wenn es eines gibt, das ich aus dieser schweren Prüfung gelernt habe, dann ist es Beharrlichkeit. Ich gelobe, diesen Kampf bis zum äußersten Ende fortzusetzen, bis Ägyptens ungerechte Gesetze geändert werden.

Es geht ihr dabei nicht nur um das eigene erlittene Unrecht: „Es ist mir sehr wichtig, das keine andere Frau durchmachen muss, was mir widerfahren ist,“ betont sie. Sie geht davon aus, dass die Armee gezielt Frauen als Opfer des Terrors aussuchte: „Wenn man eine Frau bricht, bricht man die ganze Gesellschaft.“

Die Täter bauten möglicherweise auch darauf, dass die Opfer aus Scham über die erlittene Folter schweigen würden. Nach Samiras Worten, gilt es in Ägypten als Tabu, über sexuelle Übergriffe zu sprechen. Sie brach sowohl Tabu als auch Schweigen und ermutigt andere Frauen, es ihr gleich zu tun:

Indem ich darüber spreche, hoffe ich, dass ich anderen Frauen Kraft gebe und sie ermutige, tapfer zu sein und sich gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr zu setzen. Jede Frau, der sexuelle Gewalt angetan wurde, sollte sich dem gesellschaftlichen Druck widersetzen und offen darüber sprechen.

Die Zukunft der Frauenrechte im heutigen Ägypten sieht sie nicht allzu rosig. Sie befürchtet, dass wenn die Frauen weiterhin schweigen, ihr Stellenwert in der Gesellschaft immer weiter abnimmt und ihre Rechte gezielt ausgehöhlt werden.

Samira bringt es folgendermaßen auf den Punkt:

Der Körper einer Frau sollte nicht als Mittel zur Einschüchterung benutzt werden und niemand sollte die Würde eines anderen Menschen verletzen.

Thank you kindly, Deena Adel, for permitting me to quote from your excellent article!
@ Samira Ibrahim: تضامن وتحية من ألمانيا (Solidarity and greetings from Germany)

Quellen:
„Samira Ibrahim, ‘Virginity Test’ Victim, Fights Egypt’s Military Rule“The daily beast, 19. März 2012
„Egyptian Army Performs “Virginity Checks” on Female Activists, Violates Women’s Rights“policiymic, 20. März 2012
Photo von Amina Ismail auf Global Post

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