Archive | Oktober 2012

„Das war kein Selbstmord, das war Mord“

Gestern demonstrierten in Madrid abermals tausende Menschen gegen Sparpolitik und Zwangsräumungen in Spanien. Sie trafen sich auf der plaza de España und zogen bis zum Parlament. Dort legten sie mit dem Rücken zu diesem eine Schweigeminute ein, drehten sich anschließend herum und forderten lauthals den Rücktritt der Regierung. Auch auf die Selbstmorde diese Woche wurde Bezug genommen mit dem Ruf „das war kein Selbstmord, das war Mord.“

An einer Bankia-Filiale wurde ein Spruchband angehängt, auf dem „Mörder“ zu lesen ist:

Foto von eldiarioes@Twitter

Weitere Fotos vom gestrigen #27O:
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Selbstmorde wegen Zwangsräumungen in Spanien

Viele Spanierinnen und Spanier tragen diese Woche schwarz bei Twitter. Mit dem #avatardeluto (Traueravatar) drücken sie ihre Anteilnahme mit den Opfern der Zwangsräumungen und deren Hinterbliebenen aus.

Am Dienstag stürzte sich in Las Palmas de Gran Canaria ein junger Mann, der arbeitslos geworden und dem von seiner Bank eine Räumungsaufforderung zugestellt worden war, von der Brücke.

Zwei Tage später sprang in Burjassot (Valencia) ein 53jähriger arbeitsloser Mann vom Balkon, als die Gerichtsvollzieher an seiner Wohnungstür klingelten, um ihm den Räumungsbeschluss zu zeigen. Er überlebte verletzt, sein Zustand wird als stabil beschrieben. Unmittelbar vor dem Sprung hatte er einem seiner Kinder einen Abschiedskuss gegeben,

Am selben Tag erhängte sich in Granada ein 54jähriger, dem ebenfalls die Zwangsräumung unmittelbar bevorstand (ausführlicher Bericht bei uhupardo).
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uhupardo

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Miguel Ángel Domingo hat die angespannte Situation nicht mehr ausgehalten. Der 54-Jährige hängte sich heute Morgen im Patio seines Hauses auf, nur eine Stunde bevor die Beamten zur Zwangsräumung seines Hauses erschienen. Sein Bruder fand ihn nach dem Frühstück gegen neun Uhr an einem Strick baumelnd im Patio seines Hauses in Granada und verständigte die Polizei. Während die Beamten noch im Haus waren, erschien wenig später das Zwangsräumungskommando plötzlich in der Tür und stellten per Datenabgleich fest, dass das Haus nicht mehr geräumt werden musste; nur noch die Leiche wurde zwangsgeräumt.

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526 Zwangsräumungen täglich in Spanien

„Menschen sollten in Häusern leben, nicht auf der Straße. Wie böse die von Bankia sind.“
Foto von asamcarabanchel@Twitter

Die Zahl der Zwangsräumungen in Spanien nimmt weiter zu: Das erste Quartal erreichte eine nie dagewesene Höchstmarke, 46.559 Zwangsräumungen, durchschnittlich 517 pro Tag. Dieser traurige Rekord wurde im zweiten Quartal noch übertroffen: 47.943 Einzelpersonen oder Familien verloren zwischen April und Juni ihr Dach über dem Kopf, das sind durchschnittlich 526 Zwangsräumungen pro Tag.

Seit Juli 2008 verloren insgesamt 247.188 Haushalte ihr Dach über dem Kopf, während 20 % der Häuser in Spanien leer stehen.

… und ihr glaubt immer noch, dass alles bleiben kann, wie es ist?

„Ich will nicht auf die Straße. Ich will mein Haus.“
Foto von PuntoSol@Twitter

Wie erklärt man diesen Kindern, die zusammen mit Eltern und Nachbarn im Juli 2012 in Madrid-Carabanchel dafür kämpften, nicht aus ihrem Haus geworfen zu werden, dass man die Lage hinnimmt, wie sie ist, und weiterhin untätig bleibt?
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Polizei verhindert Menschenkette um Kongress in Madrid

Die Abgeordneten wollen ihre Ruhe
Foto von 20mdirecto@twitpic

Mehrere tausend Menschen protestierten gestern in Madrid gegen die Austeritätspolitik der spanischen Regierung und versuchten erneut, den Kongress zu umstellen. Im Gegensatz zu den vorherigen drei Anläufen im September ließ die Polizei dieses Mal die Knüppel ruhen und es gab weder Verletzte noch Festnahmen. Allerdings schikanierten die Uniformierten einige Demoteilnehmer mit Personenkontrollen und Drohungen, weil diese „an einer nicht angemeldeten Versammlung teilnehmen.“

Neptuno wieder voll, wie schon am #25S
Foto von Acampadasol@Twitter


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Zwangsräumung aufgehalten in Berlin-Kreuzberg

Der Kampf gegen Zwangsräumungen ist in Spanien seit vielen Monaten Alltag. In Deutschland hatte man Vergleichbares bisher nicht gehört. Bis gestern. In Berlin-Kreuzberg verhinderten Nachbarn, Freunde und Unterstützer die Räumung einer Familie:

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