Archive | Dezember 2012

#AlfonLibertad: Solidemos in ganz Spanien

AlfonLibertad28DSeit dem 14. November, Tag des europaweiten Generalstreiks, sitzt Alfonso Fernández Ortega, ein junger Madrilene, in verschärfter Untersuchungshaft, ohne verurteilt worden zu sein. Die Vorwürfe, er habe eine Tasche mit Brennbarem bei sich gehabt, wirken konstruiert, Beweise dafür konnten bislang nicht vorgelegt werden (ausführlicher Bericht auf enough is enough).

Am vergangenen Freitag fanden in über 30 Städten in Spanien Solidaritätsdemos für ihn statt. Tausende Menschen folgten dem Aufruf und forderten die umgehende Freilassung von Alfon, wie er im Freundeskreis genannt wird. Einige Photos von den Protesten:
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Enough is Enough!

alfonlibertad

In Spanien nehmen die Repressionen gegen Demonstranten, die gegen das Spardiktat der Troika und damit auch gegen die von Angela Merkel vorangetriebene Sparpolitik demonstrieren, immer weiter zu. Nach den vielen Prügel-Orgien der spanischen Bereitschaftspolizei und Gesetzesvorschlägen das Filmen und Fotografieren dieser prügelnden Polizisten zu verbieten, folgten Vorschläge das Streikrecht zu beschneiden und das Organisieren von FRIEDLICHEN Demonstrationen unter Strafe zu stellen. Hieraus entwickelt sich nun ein Justizskandal. Seit dem 14. November 2012 sitzt ein 21jähriger im Gefängnis, auf Basis von Aussagen von Polizisten, die der Beschuldigte vehement bestreitet. Seine U-Haft wurde gestern verlängert, obwohl noch nicht einmal ein Polizeibericht vorliegt. Morgen gehen Menschen in ganz Spanien auf die Straße um seine Freilassung zu fordern.

In den frühen Morgenstunden vom 14. November, am Tag des europäischen Generalstreiks,  wurde Alfonso Fernández Ortega, von Freunden und Famile Alfon genannt, durch die Polizei festgenommen. Seitdem sitzt der 21jährige in U-Haft. Alfon wurde zusammen mit…

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… denn die Häuser gehören uns (III)

Hatte ich es nicht vorhergesagt? In Sevilla wurden binnen zweier Tage zwei weitere leerstehende Häuser besetzt. Das erste nennt sich corrala la esperanza (die Hoffnung) und beherbergt fünf Familien, darunter 13 Kinder. Das zweite trägt den Namen corrala libertad (Freiheit) und bietet sieben Familien ein Dach über dem Kopf.

Sie alle wussten nicht mehr wohin, da sie Opfer von Zwangsräumungen wurden oder ihre Mieten nicht mehr bezahlen konnten. Teresa, Mutter von zwei Kindern, erzählt, dass sie ab Januar keine Unterstützung mehr bekommen wird und dann die Miete ihrer bisherigen Wohnung nicht mehr bezahlen kann. Niemand konnte oder wollte ihr helfen und man legte ihr nahe, sich anderweitig eine Lösung zu suchen. Gesagt, getan. Jetzt ist sie in la esperanza untergekommen und hofft wie ihre Mitbewohner auf eine dauerhafte Lösung: Wohnraum mit erschwinglicher Miete, nicht nur für sich und ihre Familie, sondern auch für all die vielen anderen Menschen, die sich in derselben Lage befinden.

In beiden Fällen waren die Besetzungen vom örtlichen Ableger der spanischen Bewegung 15M in die Wege geleitet und unterstützt worden. Insgesamt wurden dieses Jahr sechs Gebäude in Sevilla von Familien in Not besetzt, nur in einem Fall wurde nach kurzer Zeit geräumt. Drücken wir allen übrigen die Daumen, dass sie bleiben können. Es ist noch ein weiter Weg, bis das schöne Motto „keine Häuser ohne Menschen, keine Menschen ohne Häuser“ umgesetzt ist.

Links:

  • Bericht auf Spanisch über die Besetzung von corrala la esperanza, mit einigen Fotos.
  • „Siete familias ’sin recursos‘ ocupan un edificio en Sevilla“ – 20 minutos
  • „Ocupado un nuevo edificio en Sevilla por siete familias ’sin recursos‘“ – Europapress
  • „Siete familias con problemas de vivienda se realojan en un edificio de Triana bautizado como Corrala Libertad“Tercera información

Chronik der angekündigten Tode – Selbstmorde in Spanien

"beendet die Zwangsräumungen!"

„beendet die Zwangsräumungen!

Immer wieder und immer häufiger sehen sich Menschen in Spanien gezwungen, ihrem Leben ein Ende zu bereiten, wenn ihnen die Zwangsräumung droht. Ihre Tode sind keine Einzelfälle und sie dürften auch niemanden mehr überraschen. Das Elend der Menschen, die aufgrund von Krise und Arbeitslosigkeit ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen können und ihr Dach über dem Kopf an Banken verlieren, ist erdrückend.

Die Opfer von Zwangsräumungen seit 2010:

12. November 2010: ein 45-jähriger Mann erhängt sich in Barcelona in einem Park (El confidencial [span.]).

23. Oktober 2012: ein junger Mann stürzt sich in Las Palmas de Gran Canaria von einer Brücke (Noticias Gran Canaria [span.]).

25. Oktober 2012: in Granada erhängt sich ein 54-jähriger Mann (El País in english [engl.]; Uhupardo [dt.]).

26. Oktober 2012: ein Mann springt in Burjassot (Valencia) aus dem zweiten Stock vom Balkon und überlebt verletzt (Europapress [span.]).

9. November 2012: in Barakaldo (Baskenland) springt eine 53-jährige aus dem vierten Stock in den Tod (Uhupardo [dt.]; 20 minutos [span.]; Al Jazeera [engl.]; Russia today [engl.]).

16. November 2012: in Córdoba springt ein 50-jähriger Mann aus dem Fenster (Oman observer [engl.]).

28. November 2012: ein 59-jähriger nimmt sich in Santesteban (Navarra) das Leben (Uhupardo [dt.]).

9. Dezember 2012: in Peñafiel (Valladolid) wird eine 62-jährige Frau, der die Zwangsräumung drohte, tot aufgefunden (Huffington Post.es [span.]; Público [span.]).

14. Dezember 2012: [je nach Quelle] 52/56-jährige Frau sprang in Málaga aus dem vierten Stock vom Balkon (Uhupardo [dt.]).

15. Dezember 2012: ein 47-Jähriger erhängt sich in seiner Wohnung in Ardales (Málaga)(20 minutos [span.]; El mundo [span.]).

14. Januar 2013: Ein 62-Jähriger wird in Palma de Mallorca tot aufgefunden, an dem Tag, an dem er zwangsgeräumt werden sollte. Die Gerichtsmedizin bestätigte nach einer Autopsie, dass es sich um Selbstmord handelt. In der Hosentasche des Mannes wurde der Gerichtsbefehl befunden, der die Räumung seiner Schneiderei anordnete (Diario de Mallorca [span.]).

8. Februar 2013: In Córdoba begeht ein 36-jähriger Familienvater und stop desahucios-Aktivist Selbstmord, weil er sich nach der Zwangsräumung aus seinem Haus von der Bank betrogen fühlte und keine Perspektive mehr sah, seine Schulden abzubezahlen (Bodenfrost [dt.]; Cordópolis [span.]).

Letztes Wochenende erst ein Update gemacht, schon gibt es neue Fälle. Vier Selbstmorde in zwei Tagen:

11. Februar 2013: im baskischen Basauri nahm sich ein 56-Jähriger das Leben. Eine Sprecherin von stop desahucios (beendet Zwangsräumungen) sagte, dass er die Hypothekenschulden nicht mehr bezahlen konnte, ihm bereits Licht und Wasser abgedreht worden war und die Zwangsräumung bevorstand. Seinen Kindern hinterließ der Mann eine Nachricht, in der stand „ich kann nicht mehr“ (El correo [span.]; taz [dt.]).

12. Februar 2013: In Cas Català, Mallorca, wurde ein Rentner-Ehepaar, 68 und 67 Jahre alt, tot aufgefunden. Sie wollten nicht miterleben, wie sie ihr Haus durch Zwangsräumung verlieren (Uhupardo [dt.]; taz [dt.]; Telepolis [dt.]; Diario de Mallorca [span.]).

13. Februar 2013: Ein 55-Jähriger, der zwangsgeräumt werden sollte, weil er die Miete nicht bezahlt hatte, wurde erhängt in seiner Wohnung in Alicante aufgefunden von Gerichtsvollziehern und Polizei-Beamten, die die Zwangsräumung durchführen sollten (Telepolis [dt.]; La verdad [span.]; Diario información [span.]).

18. Februar 2013: Eine 47-Jährige übergießt sich in einer Bankfiliale in Castellón mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündet sich an. Zeugen zufolge soll sie dabei gerufen haben: „schaut, was ihr mir angetan habt, ihr habt mir alles genommen.“ Sie wurde in ein Krankenhaus geflogen und überlebte schwer verletzt. Ihre Familie sagt, dass die Frau in finanziellen Schwierigkeiten war und ihr möglicherweise die Zwangsräumung bevorstand (Quellen: Euro weekly news [engl]; Voice of Russia [engl.]; Publico [span.]).
Am 10. Mai meldeten die spanischen Medien, dass die Frau im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen ist (20 minutos [span.]).

25. Februar 2013: In Cartagena nimmt sich Guillermo Santos das Leben, aus Verzweiflung darüber, dass er seine Familie nicht versorgen kann. Ein Jahr zuvor war er zwangsgeräumt worden (Bodenfrost [dt.])

6. März 2013: In Bilbao springt José Antonio Diéguez aus dem vierten Stock in den Tod, als die Gerichtsvollzieher ihm den Räumungsbefehl zustellen wollen (Bodenfrost [dt.]).

12. April 2013: In Alicante erhängt sich ein 56-jähriger Arbeitsloser, zehn Tage nach seiner Zwangsräumung. Er wurde nur knapp hundert Meter entfernt von seiner ehemaligen Wohnung gefunden. Die Zwangsräumung war durchgeführt worden, weil er der Eigentümerin der Wohnung die Miete für über ein Jahr schuldete. Ihr Angebot, ihm die Mietschulden zu erlassen, wenn er dafür im Gegenzug freiwillig die Wohnung räumt, war unbeantwortet geblieben (Diario información [span.]; Post digital [span.]).

6. Mai 2013: Als Gerichtsvollzieher und Polizei eine Wohnung in Barcelona betraten, um die Zwangsräumung durchzuführen, fanden die den 40-jährigen Bewohner tot auf. Er hatte sich erhängt (Uhupardo [dt.]; Público [span.]; El mundo [span.]).

16. Mai 2013: In La Ñora (Murcia) wird ein 42-Jähriger erhängt aufgefunden, als er zwangsgeräumt werden sollte (La opinión de Murcia [span.]; Cartagena/Democracia Real Ya [span.]).

20. Mai 2013: In Chiclana erhängt sich ein 53-jähriger Familienvater von sechs Kindern, weil er seine Hypotheken-Schulden nicht mehr bezahlen kann und ihm und seiner Familie die Zwangsräumung droht (El faro de Chiclana [span.]; Europapress [span.]).

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Streik und andere Katastrophen

Fundstück aus einem Comic-Heft („Wundergirl“, 11/1980). Die Superheldin bricht in Tränen aus, als sie den Katastrophen-Meldungen in den Fernseh-Nachrichten zuhört. Katastrophen wie „Massenkarambolage“, „ein Leck im Atommeiler“, „Brandstiftung“, … und drohende Streiks.

Wundergirl11-1980

Es lässt schon tief blicken, dass für den Verlag, der dieses Heft auf den Markt brachte, der Arbeitskampf in einer Reihe menschengemachter Grausamkeiten und Verbrechen zu sehen ist.

Tag der Menschenrechte – Recht auf Wohnung

Die Bank verletzt Menschenrechte. Endlich Recht auf Wohnung. Foto von 110010010011010twitpic

„Die Bank verletzt Menschenrechte. Endlich Recht auf Wohnung.“
Foto von 110010010011010@twitpic

Rund 30 Menschen besetzten am heutigen Tag der Menschenrechte den Zentralsitz von Bankia in Madrid, um das Recht auf Wohnung einzufordern. Dabei handelte es sich um eine gemeinsame Aktion von PAH (Plattform für von Hypotheken Betroffene), Asamblea de Vivienda de Madrid, eine mit der Protestbewegung 15M verbundene Gruppe, und Familien, die seit Wochen vor einer Bankfiliale in der spanischen Hauptstadt ausharren, um die Zwangsräumungen, die ihnen bevorstehen, aufzuhalten.

Die

Die besetzte Empfangshalle
Foto von Danips@Twitter

Da sie vorher kein Gehör fanden, als sie ihr Anliegen in Bankia-Filialen vorbrachten und man ihnen dort immer wieder nur zu verstehen gab, dass die Entscheidungen weiter oben getroffen werden, entschieden sie sich zu der Besetzung der Hauptstelle, um mit jemand aus der Chefetage zu sprechen und über eine Einstellung der Zwangsräumungen zu verhandeln.
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Porträts der Flüchtlinge im Hungerstreik

Es ist großartig, dass der Marsch der Flüchtlinge von Nürnberg nach Berlin, der Hungerstreik und das Refugeecamp in Berlin viel Unterstützung von Außen erfährt. Wichtig ist aber, dass die Menschen, um die es geht, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit bleiben. Ein Blog lässt diese in kurzen Porträts zu Wort kommen. Sie erzählen von ihrem bisherigen Leben, den Etappen ihrer Flucht, den Verlusten, die sie erleiden mussten, ihren Ängsten und ihren Wünschen.

Ich möchte ein normales Leben ohne Angst vor Deportation,

sagt einer von ihnen, Iqbal Omar. Ein Wunsch, den sicher jeder nachvollziehen kann, der versucht, sich in die Lage von jemand zu versetzen, der vor Krieg, Tod und Verfolgung flieht. Kein Mensch ist illegal. Grenzen sind bedeutungslos. Wir sind Menschen, überall auf der Welt, und sollten uns gegenseitig beistehen, so gut wir können.

Vielen Dank an Carridwen, die Fotos und Texte zusammengestellt hat.