Archive | Januar 2013

… denn die Häuser gehören uns (IV)

In den letzten Wochen haben sich einige Neuigkeiten zum Thema Hausbesetzungen in Spanien gesammelt. Höchste Zeit also, die Artikel-Serie fortzusetzen.

Reihenhaus-Siedlung in Valdemoro besetzt

In Valdemoro, 27 km südlich von Madrid, besetzten vor ein paar Monaten etwa 50 obdachlose Familien eine Reihenhaus-Siedlung. Die Gebäude waren 2008 und 2010 gebaut worden, bis auf drei standen sie alle seitdem leer. Die Familien, die jetzt dort wohnen, sind allesamt Opfer von Zwangsräumungen und Jugendliche, die sich keine Miete leisten können.

Javier, einer von ihnen, der mit seinem Partnerin und ihrem Kind dort untergekommen ist, sagt dazu:

„Wir hatten kein Dach über dem Kopf und diese Gebäude standen leer, also haben wir sie zu unserem Zuhause gemacht.“

Ein anderer, Juan Manuel, merkte dazu an:

„Wenn diese Häuser einen Besitzer hätten, fiele es uns im Traum nicht ein, uns hier niederzulassen. Es ist kein Vergnügen, ohne Licht und Wasser in einem Haus zu leben, das dir nicht gehört.“

Eine Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, ergänzte:

„Wir wollen niemandem das Haus wegnehmen, aber wir konnten nirgendwo unterkommen und diese Häuser stehen leer: das ist doch Wahnsinn.“

Die Dame versuchte, sich mit dem Eigentümer der Häuser in Verbindung zu setzen, um ihm eine kleine Miete zu bezahlen, aber konnte niemanden erreichen. Bauträger Castellana Immobiliaria ist seit Jahren verschollen und telefonisch nicht erreichbar.

Für den Moment sind die Familien in Valdemoro sicher. Damit eine Zwangsräumung von der Polizei durchgeführt wird, müsste der Eigentümer Anzeige erstatten und der Richter diese Maßnahme beantragen.

Quellen:
20 minutos, 15. Januar 2013
El País, 17. Januar 2013
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Heute in Madrid

Fotojournalist FrLorente twitterte heute:

parejaenparo-frlorente@Twitter

So sieht das Spanien der Austerität aus: ein junges arbeitsloses Paar mit einem Kind, ohne Unterstützung, ohne Dach über dem Kopf. Heute in Madrid.

(Original-Tweet)

Schlosser gegen Zwangsräumungen

Die Schlosser in der nordspanischen Stadt Pamplona werden sich in Zukunft nicht mehr an Zwangsräumungen beteiligen. Sie weigern sich, Türen zu öffnen und Schlösser austauschen, weil sie es ungerecht finden, dass Menschen, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen können, ins Elend gestürzt, Banken hingegen gerettet werden.

Im Dezember hatte sich die Vereinigung der Schlosser von Pamplona versammelt und einstimmig dafür ausgesprochen, nicht mehr die schmutzige Arbeit der Banken zu verrichten. Die Gewinneinbußen nehmen sie in Kauf, dafür haben sie ihre Würde zurückerlangt, wie ihr Sprecher Iker de Carlos sagte. Nach seiner Einschätzung machten die Einsätze bei Zwangsräumungen etwa 10 % der Aufträge aus. Er appellierte auch an das Gewissen aller anderen, die mit der Durchführung von Zwangsräumungen zu tun haben, Richter und Polizisten, sich der Initiative anzuschließen.

Ein Vorbild, das hoffentlich Schule machen wird in anderen Städten. In ganz Spanien finden Tag für Tag zahlreiche Zwangsräumungen statt, letztes Jahr kam es aus diesem Grund zu mehreren Selbstmorden von Betroffenen.

Links:

  • „in Spain, locksmiths refuse to cooperate with foreclosures and evictions“ – The world
  • „Pamplona’s locksmiths join revolt as banks throw families from their homes“ – The guardian
  • „Los cerrajeros de Pamplona no colaborarán en desahucios“ – Diario de Navarra

#AlfonLibertad: Alfon ist frei!

Foto von carlosmarnu@Twitter

Foto von carlosmarnu@Twitter

56 Tage Untersuchungshaft unter verschärften Bedingungen, ohne verurteilt worden zu sein. 56 Tage wurde gefordert, Alfonso Fernández Ortega freizulassen (Bericht über Demos in ganz Spanien). Der 21-Jährige war am 14. November, Tag des europaweiten Generalstreiks, festgenommen worden. Die Polizei behauptet, einen Rucksack mit „explosivem Material“ bei ihm gefunden zu haben, kann aber bis heute keine Beweise vorlegen (ausführlicher Bericht auf deutsch bei enough is enough).

Heute Vormittag twitterte seine Schwester Paz in aufgeregten Großbuchstaben:

https://twitter.com/PazElena2/status/288961280751050752
(SIE LASSEN MEINEN BRUDER FREI! ENDLICH! FREIHEIT FÜR ALFON! ICH LIEBE DICH MEIN BRUDER)
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Arbeitsloser zündet sich in Málaga an

In Málaga (Spanien) zündete sich gestern Nachmittag ein Mann an und überlebte schwer verletzt.

Der 57-jährige übergoss sich in der Nähe eines Krankenhauses mit Benzin und zündete sich an. Passanten und Taxifahrer eilten ihm zu Hilfe und es gelang ihnen mithilfe der Feuerlöscher aus den Taxis, die Flammen zu löschen. Der schwer Verletzte wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, sein Zustand ist ernst. Er erlitt Verbrennungen dritten Grades auf 80 % der Oberfläche seines Körpers, lediglich Kopf und Hals blieben verschont.

Ein Kiosk-Besitzer, der Zeuge des Vorfalls wurde, sagte, dass der verheiratete Familienvater von zwei Kindern in der Nähe des Ortes wohnte, wo er versuchte, sich das Leben zu nehmen, seit Monaten arbeitslos war und große finanzielle Schwierigkeiten hatte. „Ich habe nicht einmal mehr genug, um zu essen,“ teilte er einem Umstehenden mit, bevor er sich mit Benzin übergoss.

Erst vor wenigen Wochen hatte sich eine Frau in Málaga das Leben genommen, weil ihr die Zwangsräumung aus der Wohnung drohte, wo sie mit ihrer 96 Jahre alten kranken Mutter lebte (siehe Beitrag auf Bodenfrost).
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