Archiv | Februar 2013

Polizeigewalt nach Demo

Eine Menschenkette, um Demonstranten vor der Polizei zu schützen: deutlicher kann man wohl nicht zum Ausdruck bringen, dass die „Freunde und Helfer“ eben nicht also solche, sondern als Bedrohung wahrgenommen werden. Wie zutreffend diese Einschätzung ist, zeigte einmal mehr der vergangene Samstag. Während einer Demo in Madrid (siehe Bericht bei Uhupardo) bildeten Feuerwehrmänner und andere Freiwillige eine Menschenkette zwischen den Teilnehmern und den antidisturbios, welche das Parlament abschirmten. Über 1000 Einsatzkräfte waren an diesem Tag in der Landeshauptstadt zugegen. Spaniens rechte Presse wie ABC hatte sich große Mühe gegeben, die Demoteilnehmer schon im Vorfeld zu kriminalisieren und als brandgefährlich dazustellen.

Foto von daniortiz_3@Twitter

Feuerwehr schützt Demonstranten vor Polizei
Foto von daniortiz_3@Twitter

Foto von SJuancar@Twitter

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uhupardo

PAH1

Wenn es nicht anders geht, dann geht es eben nicht anders! Weil die Banco Popular die Verhandlungen über 40 anstehende Zwangsräumungen verschleppt, haben 200 Mitglieder der Plattform der Hypothekengeschädigten (PAH) heute Morgen die Zentrale der Bank in Barcelona gestürmt und besetzt. Aufgehoben werde die Belagerung erst, wenn eine Lösung vorliege, versichern sie.

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uhupardo

Madrid1

Die Plaza de Neptuno in Madrid ist gesteckt voll heute Nachmittag. Wie in 60 Städten in ganz Spanien protestiert die Bevölkerung an diesem Samstag in der Hauptstadt gegen die Politik der konservativen Regierung von Ministerpräsindent Mariano Rajoy. Ein grosses „NO“ mit einer Schere im „O“ ist das meistgesehene Schild, das die Demonstranten hochhalten. „Basta ya“ und „Hier ist die Mehrheit!“ steht auf anderen Transparenten. Bisher stellen sich die Menschen nur mit Liedern und Parolen einem riesigen Polizeiaufgebot entgegen.

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„Ägyptische Frauen sind die rote Linie“

Video einer Demo in Ägypten gegen sexuelle Gewalt. Es wurde von Operation Anti Sexual Harassment (Twitter-Account: OPAntiSH) zusammengestellt und mit deutschen, englischen und spanischen Untertiteln versehen (einfach auf die entsprechende Schaltfläche klicken und Sprache auswählen).

OPAntiSH sind neben Tahrir Bodyguard eine der beiden Gruppen in Ägypten, die sich gegen die häufigen sexuellen Übergriffe gegenüber Frauen einsetzen. Wenn eine Frau bei Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz belästigt, umringt oder gar vergewaltigt wird, eilen Freiwillige so schnell sie können an Ort und Stelle und versuchen die Frau in Sicherheit zu bringen. Ahram online hat einen Artikel veröffentlicht, der das Grauen solcher Szenen schildert, wenn Dutzende Männer wie wilde Tiere über Frauen herfallen („The circle of hell: Inside tahrir’s mob sexual assault epidemic“, Link).

Die Aktionen der beiden Gruppen beschränken sich jedoch nicht auf Hilfe in akuten Notfällen. Tahrir Bodyguard bietet auch kostenlose Selbstverteidigungskurse für Frauen an (nachzulesen bei Egypt Independent).

Mit Tweets in verschiedenen Sprachen und diesem Video wollen sie – auch international – Bewusstsein für diese Problematik erschaffen und Frauen Mut machen.

Wir lassen uns nicht vertreiben. Die Straße gehört uns.

Den Frauen zu Hause sage ich: Geht auf die Straße. Es ist die Zeit, unsere Präsenz deutlich zu machen. Das ist ein Schlüsselmoment)
(Zitate aus dem Video)

Feuerwehrleute verhindern Zwangsräumung in Spanien

Heute wurde in A Coruña, Galicien (Spanien), eine Zwangsräumung aufgehalten durch hunderte Aktivisten, die den Zugang zur Wohnung blockierten, und Feuerwehrleute, die sich weigerten, die Tür aufzubrechen. Am Nachmittag mussten Gerichtsvollzieher und Polizei einsehen, dass sie keine Chance haben, die Zwangsräumung durchzuführen und zogen unverrichteter Dinge wieder ab.

Foto von 15Mmontealto@Twitter

Foto von 15Mmontealto@Twitter

Aurelia Rey sollte heute per Gerichtsentschluss aus ihrer Wohnung geworfen werden, weil sie eine Monatsmiete zu spät bezahlt hatte (siehe auch Bericht vom Samstag). Nach einem Artikel von El Diario, wollte ihr auch die Stadtverwaltung nicht helfen. Stattdessen wurde ihre nahe gelegt, doch in ein Altersheim zu gehen. Die Dame weigerte sich, da sie noch gut für sich selbst sorgen kann. Die Ortsgruppe von stop desahucios (Schluss mit Zwangsräumungen) nahm sich des Falls an und steht ihr seitdem bei.

Stop desahucios geht davon aus, dass der eigentliche Hintergrund, warum der Eigentümer der Immobilie die 85-Jährige schnellstmöglich aus der Wohnung haben will, der ist, dass sie dort seit über 30 Jahren wohnt und nur eine sehr niedrige Miete bezahlt, 165 Euro. Nachfolge-Mieter würden wohl mit 600 € rechnen müssen für die zentral gelegene Wohnung.
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Massenproteste in Spanien gegen Zwangsräumungen

Zehntausende folgten gestern dem Ruf von PAH, der Plattform Hypotheken-Geschädigter, und demonstrierten gegen Zwangsräumungen und für ein Recht auf Wohnung. In rund 50 Städten in ganz Spanien fanden Veranstaltungen statt (eine Liste aller beteiligten Städte).

Es wurden auch Schweigeminuten eingelegt für diejenigen, die sich das Leben genommen haben, weil Banken sie aus ihren Häusern und Wohnung werfen ließen (Artikel auf Bodenfrost über die Selbstmorde). Wie bereits oft zuvor, wurde wieder laut gerufen, dass es keine Selbstmorde waren, sondern Mord. Dazu passend wurden zahlreiche Bank-Filialen entlang der Demo-Routen phantasie- und vorwurfsvoll verschönert. So wurde beispielsweise aus Santander „Satan“ und aus einer anderen „Mordor“. Es wurden Zettel angeklebt, auf denen steht, „dieses Bank betrügt und raubt“ und „Mörder“ und „ihr seid schuldig“-Schriftzüge mit Spraydosen angebracht. Mehr davon bei den Fotos im unteren Bereich.

In Coruña gab es einen Zwischenstopp an einem Haus, in dem eine 85-Jährige lebt, der morgen die Zwangsräumung droht, weil sie eine Monatsmiete, 165 Euro, nicht gezahlt haben soll (Artikel auf spanisch bei El diario).

Die Demos dauerten den halben Tag über an, in einigen Städten wurde bereits zur Mittagszeit begonnen, die letzten fingen erst am frühen Abend an. Die meisten deutschsprachigen Medien begnügten sich mit dürren Presseagentur-Meldungen zu dem Ereignis. Daher zur Illustration, was gestern auf den Straßen Spaniens wirklich los war, einige Fotos aus allen möglichen Städten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Eine Liste mit den Demoteilnehmerzahlen wurde von 20 minutos veröffentlicht.
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Zwei Jahre Bodenfrost…

… meldete WordPress vor wenigen Tagen. Wie doch die Zeit vergeht. Es hat sich einiges getan seit damals. Die Bezugsgruppe, deretwegen der Blog ursprünglich eingerichtet wurde, gibt es schon lange nicht mehr. Stuttgart 21 steht thematisch nicht mehr im Mittelpunkt (was nicht bedeutet, dass wir das Projekt inzwischen weniger ablehnen).

Viele der älteren Beiträge erscheinen rückblickend äußerst naiv. Von dem ersten grünen Ministerpräsidenten hatten wir uns viel versprochen, doch sind wir inzwischen klüger und wissen, es gibt nur eins: ¡que no nos representan! (sie repräsentieren uns nicht). Gelöscht wird trotzdem nichts, aus alten Fehlern sollte man lernen, statt so zu tun, als hätte man sie nie begangen.

Wie wird es weitergehen, was wird in zwei Jahren sein? Wer weiß das schon. Geschrieben wird vorerst weiter. Die Themen werden so schnell nicht ausgehen, ganz im Gegenteil.

Herzlichen Dank allen, die hier mitlesen, rebloggen, kommentieren und unsere Vorstellung von einem schönen Leben teilen.

(Zwei weitere gute Artikel zum Thema in der taz und bei Telepolis.)

uhupardo

desah1

In allerletzter Minute hat sich die Regierung dem Druck aus dem Volk doch noch beugen müssen. Rajoys Partei stimmt der Gesetzesinitiative zu, die aufgrund von knapp 1,5 Millionen Unterschriften zustande kam, die die „Plattform Hypotheken-Geschädigte“ (PAH) gesammelt hat. Noch zwei Stunden vor der Sitzung hatte die Partido Popular versichert, sie werde die Initiative abschmettern, was den Tod des Projekts zur Folge gehabt hätte, weil die Regierungspartei über die absolute Mehrheit verfügt.

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Zwangsräumung? Verhindern! [Mobi-Clip]

Ein äußerst gelungenes Video, um gegen die für den 14. Februar angekündigte Zwangsräumung der Familie Gülbol in Berlin zu mobilisieren:

Der erste Versuch, die Familie aus der Wohnung zu werfen, war vor einigen Monaten an entschlossenem Widerstand gescheitert (siehe Meldung auf Bodenfrost).

Dieses Mal soll die Zwangsräumung mit einem „Großeinsatz mit mehreren hundert Polizisten“ durchgesetzt werden, laut Berliner Zeitung.

Das Video verfügt auch über zuschaltbare englische Untertitel.

Quelle: left vision

Anti-Zwangsräumung-Aktivist begeht Selbstmord

Ein weiterer Selbstmord in Spanien: Erdrückt von einer Schuldenlast, sah Francisco J. Lema Bretón keinen Ausweg mehr für sich und stürzte sich gestern in Córdoba vom Balkon. Der 36-Jährige war verheiratet, hatte eine Tochter und engagierte sich seit einigen Monaten bei einer Gruppe, die gegen Zwangsräumungen kämpft.

Ein Sprecher der Gruppe stop desahucios (beendet Zwangsräumungen) sagte, dass sich ihr verstorbener Gefährte von der Bank betrogen fühlte. Er hatte der Bank sein Haus überlassen und ausgehandelt, dass damit alle ausstehenden Schulden beglichen sind. Davon wollte das Geldinstitut aber irgendwann nichts mehr wissen und forderte weitere 25.000 Euro von ihm, die der arbeitslose Maurer nicht bezahlen konnte.

Eine Zahlungsaufforderung, die ihn kurz vor seinem Selbstmord erreichte, brachte das Fass schließlich zum Überlaufen und er sprang aus dem vierten Stockwerk in den Tod. Er hatte bereits nach der Zwangsräumung aus seinem Haus einen Selbstmordversuch unternommen und sich ein Messer in die Kehle gestoßen.
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