Archive | Mai 2013

Bevölkerung steht hinter #15M

Laut einer aktuellen Umfrage, die Metroscopia für El País durchführte, steht auch nach nunmehr zwei Jahren ein Großteil der spanischen Bevölkerung hinter der Bewegung 15M und ihren Forderungen. Die Fragen lauteten:

Was empfinden Sie gegenüber der Bewegung 15M der Indignados (die Empörten), die vor zwei Jahren ihren Anfang nahm?

Mai 2013: 63% eher Sympathie (Mai 2012: 51%, Juni 2011; 64%)

Ganz allgemein gesprochen, haben diejenigen, die bei 15M mitmachen, Recht mit den Dingen, die sie sagen und wegen denen sie protestieren?

Mai 2013: 78% Ja (Mai 2012: 68%, Juni 2011; 81%)

Die Kriminalisierung und Diffamierung durch Politik und Presse hat offensichtlich wenig Erfolg.

Alternative Medien in Spanien

Schon früh erkannte die spanische Bewegung 15M die Notwendigkeit eigener Medien, um der #spanishrevolution und ihren Anliegen und Gedanken eine Stimme zu verschaffen, da die etablierten Medien die Indignados einfach nur ignorierten, belächelten oder diffamierten.

Aus dieser Notwendigkeit heraus entstanden in der Folgezeit mit vereinten Kräften, viel Enthusiasmus, Einsatz und Phantasie zahlreiche alternative Medien-Projekte. Allen ist gemeinsam, dass sie selbstverwaltet sind, offen, sich basisdemokratisch organisieren und bis zum heutigen Tag aktiv sind.

Ágora Sol Radio

LOGO_AGORA3-150x150Ende Mai 2011 – das Zeltlager der Empörten in Madrid, die Acampada Sol, hatte sich wenige Wochen zuvor auf dem zentralen Platz der Stadt eingerichtet – erblickte ebendort der freie, selbstverwaltete und basisdemokratisch organisierte Radiosender Ágora Radio Sol das Licht der Welt. Die Idee war vor einer dort aktiven Arbeitsgruppe entwickelt worden. Bereits am 26. Mai ging Ágora Radio Sol auf Sendung.

01_Emitiendo desde SolÁgora Sol Radio sendet 24 Stunden am Tag. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl verschiedener Programme und sozialer, kultureller und politischer Themen. Die Philosophie des Senders ist, den unterschiedlichsten Meinungen aus der Gesellschaft ein Kommunikationsmittel zu bieten, damit die Bürger ihre Meinungs- und Redefreiheit auch in die Tat umsetzen können.

Die Sendungen können über das Internet empfangen oder nachträglich heruntergeladen und angehört werden. Seit Januar 2012 wird ein Großteil des Programms auch über den lokalen madrilenischen Fernsehsender Canal33 Directos übertragen.

Finanziert wird Ágora Sol Radio durch monatliche Beiträge der Mitwirkenden und durch Spenden.

Links: Web-Seite | Twitter-Account | Facebook-Seite | Wiki15M über Ágora Sol Radio | Artikel auf Storify über Ágora Sol Radio
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Treffen der Iaioflautas und feministische Escraches

Foto von celescolorado@Twitter

Foto von celescolorado@Twitter

Am Wochenende versammelten sich in Valencia Iaioflautas aus ganz Spanien, um gemeinsam den ersten Geburtstag der dortigen Ortsgruppe zu feiern. Die Iaioflautas sind ein Kollektiv rebellischer Rentner, die mit ihren humorvollen und gewaltfreien Protest-Aktionen die Kämpfe der Jugend um soziale Gerechtigkeit unterstützen. Sie sehen sich selbst als „Kinder der Bewegung 15M“. Der Iaioflauta-Virus erweist sich als äußerst ansteckend: Mittlerweile sind in rund einem Dutzend Städten in Spanien neue Ableger entstanden. Ihr Name, mal Iaioflautas, mal Yayoflautas geschrieben, entstand in Anlehnung an das Schimpfwort „perroflautas“ (in etwa: Straßengammler mit Hund und Flöte), mit dem die jugendlichen Demonstranten von Politikern verunglimpft wurden. „Iaio“ ist das katalanische Wort für Opa.

Foto von racos1871@Twitter

Foto von racos1871@Twitter

Bevor sie sich bei Paella und gemütlichem Beisammensein stärkten und gemeinsam feierten, spielten die Iaioflautas erst einmal einen ihrer berühmten Streiche, wie sie selbst ihre stets gut geplanten und vorbereiteten Aktionen zu nennen pflegen. Als nicht zu übersehende phosphoreszierend-gelbe Flut, die Farbe ihres Erkennungsmerkmals, der Warnweste, zogen sie durch Valencia vor den Sitz des Erzbistums, wo zu diesem Zeitpunkt eine Bischofs-Konferenz tagte. Lautstark wetterten die Iaioflautas gegen die geplante Verschärfung des Abtreibungsgesetzes in Spanien, die auf den Einfluss der katholischen Kirche zurückzuführen ist. Ein legaler Abbruch soll künftig auch bei einer Missbildung des Fötus nicht mehr möglich sein.

Foto von iaioflautas@Twitter

Foto von iaioflautas@Twitter


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Repressionswelle in Katalonien: das Imperium schlägt zurück

Diese Woche wurden in Katalonien, im Nordosten Spaniens, einige alternative Projekte niedergewalzt, begleitet von einer Kriminalisierungs-Kampagne, die wohl signalisieren soll, dass jeder, der versucht die Utopie zu leben und herrschende ungerechte Verhältnisse zu verändern, oder auch nur den Mund aufmacht und zu laut nachdenkt, bereits mit einem Bein im Knast steht.

In den frühen Morgenstunden des 14. Mai wurde „Las Barrikadas“ in Barcelona geräumt. Das leerstehende Gebäude war zwei Tage zuvor im Anschluss an eine Demo besetzt worden (siehe Bodenfrost-Bericht). In dem Gebäude sollte ein selbstverwaltetes soziales und kulturelles Stadtteilzentrum entstehen. Zusätzlich sollten Wohnungen für zwangsgeräumte Familien zur Verfügung gestellt werden.

Foto von 15Mmikel@Twitter

Foto von 15Mmikel@Twitter

Aus der Traum. Der Eingang wurde sogar zugemauert, um eine weitere Besetzung zu verhindern. Es ist eben am einfachsten weiterhin von „Alternativlosigkeit“ zu schwadronieren, wenn jede versuchte Alternative für eine bessere Welt dem Erdboden gleichgemacht wird.

LasBarrikadasZugemauert

Trotz der kurzen Existenz hat „Las Barrikadas“ einen Eintrag in der Wiki der Bewegung 15M.
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Von der Empörung zur Rebellion: Zweiter Jahrestag von #15M

Foto von Democracia Real Ya

Foto von Democracia Real Ya

Unter dem Motto „de la indignación a la rebelión – escrache al sistema“ (von der Empörung zur Rebellion – wir bereiten dem System ein ‚Escrache‚) finden ab heute Nachmittag in zahlreichen Städten in Spanien Demozüge, Kundgebungen und weitere Aktionen statt. Anlass ist der zweite Jahrestag der Bewegung 15M, die ab dem namensgebenden 15. Mai auf der Puerta del Sol in Madrid und der Plaça Catalunya in Barcelona das Licht der Welt erblickte, als Demoteilnehmer auf diesen zentrale Plätzen ihre Zelte errichteten.

Foto von Toma La Plaza

Foto von Toma La Plaza

15M betont jedoch ausdrücklich, dass es sich nicht um reine Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums handelt, sondern dass die Veranstaltungen Teil des fortgesetzten Kampfes gegen all die sozialen Missstände im Land sind.

In Madrid wird sich der Sternmarsch aus verschiedenen Stadtteilen auf der Puerta del Sol treffen und dort den grito mudo (stummen Schrei) zelebrieren. Anschließend können sich die Demoteilnehmer an Arbeitsgruppen und Versammlungen zu verschiedenen Themen anschließen, bei denen versucht wird, Lösungen für die Probleme zu erarbeiten und zu diskutieren.

Wir versuchen, so schnell wie möglich aktuelle Infos, Fotos und Links zu Live-Streams zu ergänzen.
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Nachtrag zu Antiatomdemo Neckarwestheim

Bei der Antiatomkraftdemo am 9. März in Neckarwestheim (siehe Bericht auf Bodenfrost) wurden Luftballons freigelassen, um zu zeigen, wie weit und wie schnell sich radioaktive Substanzen bei einem nuklearen Unfall ausbreiten würden.

Die rund 500 gelben Luftballons hatten Rücksendepostkarten dabei. 56 davon wurden zurückgeschickt. Inzwischen ist die Auswertung beendet. Auf einer Karte wurde dargestellt, wie weit die Luftballons gekommen waren:

Foto von BBMN

Foto von BBMN

Wenn wir uns vorstellen, dass es keine Ballons, sondern Strahlung gewesen wäre, kann das Fazit kann nur lauten: Sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke.

Ausführlicher Text zu der Auswertung: Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar.

Indignados trollen Bankia

Vorübergehend geschlossen Foto von RatasyPalancas@Twitter

Vorübergehend geschlossen
Foto von RatasyPalancas@Twitter

Kreativer Anti-Banken-Protest heute in Spanien: Im Rahmen der Aktion toque a Bankia (in etwa: bei Bankia anklingeln) sollten heute möglichst viele Bankia-Filialen mit lustigen und lästigen Aktionen lahmgelegt und der Alltagsbetrieb unmöglich gemacht werden. Laut Veranstaltern – darunter auch 15M – ist das in 27 Fällen gelungen, bei denen die Angestellten angesichts des Ansturms kapitulierten und ein „wegen technischer Schwierigkeiten vorübergehend geschlossen“-Schild an die Tür hängten.

Bankia hingegen spielte die Auswirkungen des Protests herunter und sagte, dass weniger als 20 Zweigstellen betroffen waren, auch dort die Schließungen nur vorübergehend waren und dass der Betrieb im Großen Ganzen normal und ungestört ablief.

Dass Menschen mit Wut im Bauch und Schalk im Nacken viel Phantasie an den Tag legen, wie man eine Bank trollen und deren Arbeit behindern kann, bewiesen die Teilnehmer an der heutigen Aktion: Ein- und Auszahlungen von Cent-Beträgen, kurze Flashmobs – beispielsweise schleppte eine Gruppe eine Guillotine in eine Filiale, Fragen nach Anlagemöglichkeiten, Kontoeröffnungen und -schließungen, Geld wechseln lassen – einen Euro in einzelne Cent-Münzen, Tanz- und Gesangseinlagen, Beschwerden, …


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