Alternative Medien in Spanien

Schon früh erkannte die spanische Bewegung 15M die Notwendigkeit eigener Medien, um der #spanishrevolution und ihren Anliegen und Gedanken eine Stimme zu verschaffen, da die etablierten Medien die Indignados einfach nur ignorierten, belächelten oder diffamierten.

Aus dieser Notwendigkeit heraus entstanden in der Folgezeit mit vereinten Kräften, viel Enthusiasmus, Einsatz und Phantasie zahlreiche alternative Medien-Projekte. Allen ist gemeinsam, dass sie selbstverwaltet sind, offen, sich basisdemokratisch organisieren und bis zum heutigen Tag aktiv sind.

Ágora Sol Radio

LOGO_AGORA3-150x150Ende Mai 2011 – das Zeltlager der Empörten in Madrid, die Acampada Sol, hatte sich wenige Wochen zuvor auf dem zentralen Platz der Stadt eingerichtet – erblickte ebendort der freie, selbstverwaltete und basisdemokratisch organisierte Radiosender Ágora Radio Sol das Licht der Welt. Die Idee war vor einer dort aktiven Arbeitsgruppe entwickelt worden. Bereits am 26. Mai ging Ágora Radio Sol auf Sendung.

01_Emitiendo desde SolÁgora Sol Radio sendet 24 Stunden am Tag. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl verschiedener Programme und sozialer, kultureller und politischer Themen. Die Philosophie des Senders ist, den unterschiedlichsten Meinungen aus der Gesellschaft ein Kommunikationsmittel zu bieten, damit die Bürger ihre Meinungs- und Redefreiheit auch in die Tat umsetzen können.

Die Sendungen können über das Internet empfangen oder nachträglich heruntergeladen und angehört werden. Seit Januar 2012 wird ein Großteil des Programms auch über den lokalen madrilenischen Fernsehsender Canal33 Directos übertragen.

Finanziert wird Ágora Sol Radio durch monatliche Beiträge der Mitwirkenden und durch Spenden.

Links: Web-Seite | Twitter-Account | Facebook-Seite | Wiki15M über Ágora Sol Radio | Artikel auf Storify über Ágora Sol Radio

AudioviSol

340px-Logo_audiovisolAudioviSol – oder in vollständiger Langform Comisión de Audiovisuales de Acampada Sol (Arbeitsgruppe für Audiovisuelles innerhalb der Acampada Sol) – ist spezialisiert auf die Berichterstattung und Verbreitung audiovisueller Medien, die im Zusammenhang mit 15M oder damit verbundenen sozialen Bewegungen stehen. Wie Ágora Radio Sol, hat auch AudioviSol seinen Ursprung in dem Protestlager der Empörten in Madrid.

AudioviSol ist innerhalb der Bewegung 15M ein Pionier in Sachen Live-Übertragung von Demos, sie experimentierten zum ersten Mal mit Streams über Handies und Smart Phones. Bei aktuellen Anlässen wie Demonstrationen, Streiks oder Blockaden, stellen sie auf ihrem Kanal livestream.com/spanishrevolutionsol nach wie vor verschiedene Live-Streams zusammen, oft auch städteübergreifend und nicht auf Madrid beschränkt.

Links: Twitter-Account | Facebook-Seite | Wiki15M über AudioviSol

People Witness

bhv9i11ccaai1wtPeople Witness ist ein Netzwerk von Live-Streamern, die sich über das Internet organisieren und zusammenarbeiten. Die Motivation des Projekts war, die Kommunikations-Bedürfnisse von 15M in Barcelona abzudecken. Durch den dezentralen Charakter des Projekts ist jede teilnehmende Arbeitsgruppe in ihrer Arbeit autonom. Koordiniert wird über das Internet. So gibt es verschiedene Internet-Seiten, Kanäle und auf den sozialen Netzwerken sind sie natürlich auch mit dabei:

Bei großflächigen Aktionen wie beispielsweise Großdemos oder Generalstreiks kommen auch folgende Kanäle zum Einsatz, bei denen mehrere einzelne Streams in einem Studio zusammengestellt werden:

People Witness nahm seinen Anfang am 11. November 2011, am Vorabend der landesweiten Wahlen, als zum ersten Mal Bambuser-Kanäle verwendet wurden, um live zu übertragen. Die Comisión Internacional de Barcelona (Arbeitsgruppe für Internationales innerhalb der Acampada Barcelona) richtetet eine feste Web-Cam auf der Plaça de Catalunya ein und mit Smart Phones wurden die ersten Interview übertragen.

Stolz berichten People Witness auf ihrer Seite, dass 2012 auch die etablierten Medien ihre Streams auf ihren Seiten eingebunden haben, darunter Periodismo Humano, El País und The Guardian.

People Witness sieht sich auch als Netzwerk, das seine Kenntnisse weitergibt, damit noch mehr Menschen mitmachen können und die Qualität der Streams besser wird. Eine Karte mit Work Shops, eine Wiki zum Thema Live-Streams und ein Online-Tutorial „mein erster Stream“.

15Mbcn.tv

15mbcn-tv215Mbcn.tv entspringt der subcomissió audiovisual de l’Acampada Barcelona, der Arbeitsgruppe für Audiovisuelles innerhalb der Acampada Barcelona, und stellt der Bewegung 15M seine gesamte Infrastruktur zur Verfügung, die im Laufe der Zeit aufgebaut wurde. Dazu gehören eine eigene Seite und mehrere Kanäle, über die Informationen und Berichte über Aktionen, Proteste, Streiks und Kampagnen verbreitet werden können:

Auch auf andere Weisen unterstützen sie die Bewegung 15M nach besten Kräften: 15Mbcn.tv steht in direkter Kommunikation mit den asambleas und stellt diesen auch sein Film-Material zur Verfügung, roh und ungeschnitten oder bereits bearbeitet. 15Mbcn.tv übernimmt die Berichterstattung über Aktionen, wenn dies von den asambleas gewünscht wird. 15Mbcn.tv bietet Workshops für Video-Aktivisten an. Sie nutzen Synergie-Effekte indem sie mit anderen Video-Aktivisten zusammenarbeiten.

Link: Wiki15M über 15Mbcn.tv

Setas TV

596px-294129_127264754043320_182587484_nSetas TV – hervorgegangen aus der Comisión Audiovisual del Movimiento 15M Sevilla – ist eine Gruppe von Freiwilligen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die sozialen Proteste um 15M zu dokumentieren, darüber zu informieren und eine Gegenmeinung gegenüber den herkömmlichen Medien zu verbreiten. Um das umzusetzen, verwenden sie verschiedene Plattformen:

AcampadaSevilla02Entscheidungen innerhalb des Projekts werden gemeinsam getroffen, der Konsensbeschluss ist dabei das angestrebte Ideal, beschreiben sie ihre Vorgehensweise auf ihrer Seite.

Seinen Namen hat Setas TV von der Holzkonstruktion auf der Plaza de la Encarnación – Treffpunkt und Zentrum der Indignados aus Sevilla – die ihres Aussehens wegen umgangssprachlich „las setas“ (die Pilze) genannt wird.

Toma la Tele

quetelequieresverDie Empörten haben auch einen eigenen kleinen Internet-Fernsehsender: Toma la Tele entstand Ende März 2012 auf Initiative mehrerer Einzelpersonen und Kollektive, die sich mit kritischen Medien auseinandersetzen, wie beispielsweise AudioviSol, Madrid15M oder Ágora Sol.

Der Name Toma la Tele erinnert an den Slogan Toma la Plaza (Erobere den Platz) aus den frühen Tagen der Bewegung 15M und lässt sich mit „Schnapp‘ dir die Glotze“ übersetzen, also in etwa, mach dir dein Fernsehen selber. Der Name fasst das die Philosophie des Projekts gut zusammen, Beteiligung wird groß geschrieben. „Wir wollen, dass die Leute aufhören passiv zu sein und sich einbringen,“ beschreibt Toma la Tele seine Motive. „Wir wollen eine Vorgehensweise und Tools zur Verfügung stellen, die es jedem ermöglichen, mitzumachen und sich nützlich zu fühlen und stolz zu sein auf das, was er tut. Das fördert die Motivation und die Fähigkeit zur Selbstverwaltung.“

Toma la Tele organisiert sich über offene Versammlungen und Mailinglisten, an denen jeder eingeladen ist, mitzumachen. Die Treffen finden in besetzten sozialen Zentren wie dem EKO oder dem Patio Maravillas statt. Toma la Tele finanziert sich über Feste und freiwillige Beiträge.

Toma la Tele dient als verbindende audiovisuelle Plattform für die unterschiedlichen asambleas, die Stadtteil-Versammlungen, die aus den großen Zeltlagern hervorgegangen sind. Jede asamblea, die teilnehmen möchte, kann sich auf Toma la Tele ein Benutzer-Konto anlegen und ohne zentralisierte Verwaltung und Zensur dort Videos und Filme hochladen, die sie interessant und wichtig findet und verbreiten möchte. Einzige Einschränkung ist, den legalen Rahmen einzuhalten und nichts hochzuladen, das zur Schließung der Seite führen könnte, wie zum Beispiel durch Verletzung von Urheberrechten.

So beherbergt Toma la Tele bereits jetzt eine Vielzahl Reportagen, Interviews, Dokumentarfilme aus der oder über die Bewegung 15M, aber auch humorvolle Sendungen, Kurzfilme und Podcasts.

Toma la Tele arbeitet auch daran, Vorschläge und Aktivitäten der sozialen Bewegungen in Spanien zu sammeln und zu verbreiten. Dazu gehört auch, dass sie die verschiedenen Live-Streams, die ehrenamtliche Straßenjournalisten von Protesten und Aktionen senden, auf ihrer Seite bündeln.

Ein wichtiges Anliegen sind auch Workshops, um das technische und journalistische Know-How zu vermitteln.

Für die Zukunft hat Toma la Tele noch viele Träume und Pläne, die bis hin zu einer Sendeplatz bei den öffentlichen Sendern gehen. In einem Satz zusammengefasst: „viel Vorfreude, viel Lust, etwas zu machen und viel Hoffnung darauf, dass die Information das beste Werkzeug ist, um eine gerechtere Welt zu gestalten.“

Links: Toma la Tele | Twitter-Account | Facebook-Seite | Wiki15M über Toma la Tele

Madrid15M

portadaAuch die Freunde des gedruckten Wortes kommen nicht zu kurz. Ende 2011 entstand in Madrid eine eigene selbstverwaltete Zeitung der Bewegung 15M, die Null-Nummer folgte bereits im Februar 2012. Seit März 2012 erscheint Madrid15M regelmäßig einmal monatlich, sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form.

Erstellt wird Madrid15M in Gemeinschaftsarbeit von madrilenischen asambleas, die bereits erwähnten Stadtteil-Versammlungen, die das Herzstück basisdemokratischer Organisation innerhalb der Bewegung 15M sind.

Zur Feier des einjährigen Bestehens erschien 2013 „madrid 15m. Periódico de asambleas del 15m“, ein kleines Büchlein mit einer Auswahl an Artikeln, Fotos und Reportagen aus den bisherigen Ausgaben der Zeitung.

Links: Web-Seite | Twitter-Account | Facebook-Seite | Wiki15M über Madrid15M

Fotografen

fotoZusätzlich gibt es auch noch viele Fotografen, die mit ihren Kameras aktiv sind und Demonstrationen, Streiks, Escraches, Blockaden, Widerstand gegen Zwangsräumungen und vieles mehr dokumentieren. Nur ein kleiner Überblick, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit:

FotogrAcción – ein Fotografen-Kollektiv aus Madrid. Twitter-Account | Webseite
Fotomovimiento – Fotografen aus Barcelona. Webseite | Twitter-Account
FotospanishrevolutionWebseite | Twitter-Account

15Mfoto-icono1bSehr aktive einzelne Fotografen aus Madrid:
Popicinio – Twitter-Account | Flickr
Juan Carlos Mohr – Twitter-Account
Phierrecom – Twitter-Account
Cebotwit – Twitter-Account

Die Regierung hat offensichtlich große Angst vor dem, was die Kameras sichtbar machen: Gestern wurden in Madrid zwei Fotografen, die regelmäßig bei Demos Bilder machen, unter fadenscheinigen Vorwänden festgenommen (siehe La Marea). „Ich werde nicht aufhören, Fotos zu machen, ich werde weitermachen und informieren,“ sagte Raúl Capín den Menschen, die ihn empfingen, als er nach 24 Stunden freigelassen wurde.

Es bleibt zu hoffen, dass auch all die anderen Medien weiterhin aktiv bleiben oder vielleicht sogar neue hinzukommen. Denn eines steht fest: sie allesamt sind heute nicht weniger wichtig, als sie es vor zwei Jahren waren.

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One response to “Alternative Medien in Spanien”

  1. Enough is Enough! says :

    Hat dies auf Enough is Enough! rebloggt und kommentierte:
    Alternative Medien in Spanien

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