Die Wahrheit über Patricia Heras: Filmpremiere in besetztem Kino

Gestern wurde in Barcelona ein Dokumentar-Film uraufgeführt über absichtlich falsche Polizei-Ermittlungen, die dazu führten, dass 9 Menschen wegen eines angeblichen Angriffs auf einen Polizei-Beamten zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Eine davon, Patricia Heras, nahm sich vor zwei Jahren während der Haft das Leben. Der Film „Des_muntatge 4F“ hat sich zum Ziel gesetzt, endlich die Hintergründe und die Wahrheit über diesen 6. Februar 2006 ans Licht zu bringen. So beklagen die Beschuldigten, dass sie von zwei Polizisten gefoltert wurden, die später wegen einem anderen Fall von Folter aus dem Dienst entlassen und verurteilt wurden.

Für die Film-Premiere wurde eigens ein Kino besetzt, das seit 12 Jahren verwaist gewesen war. Um an das Opfer dieses Justizskandals zu erinnern, wurde das Kino kurzerhand in „cinema Patricia Heras“ umbenannt. Über 700 Menschen beteiligten sich an der Aktion, meldeten die Film-Macher zufrieden.

Die Iaioflautas, die berühmten rebellischen Rentner der Bewegung 15M, waren auch mit von der Partie, als Türsteher, die vor dem Kino Wache standen. „Ohne die Iaioflautas wäre das cinema Patricia Heras nicht möglich gewesen“, bedankte sich 15Mbcn_tv.

Begleitet und verbreitet wurde die Aktion auf Twitter mit dem Hashtag #veritat4f (die Wahrheit über den 4. Februar).

Das Kino blieb auch über Nacht besetzt. Heute soll im Laufe des Tages der Film ein weiteres Mal gezeigt werden. Sonntag Nacht gehen die Kinobesetzer dann freiwillig wieder.

„Wir sind nicht gekommen um etwas kaputtzumachen oder etwas zu stehlen: wir wollen einfach die Ausrüstung verwenden, die seit 12 Jahren ungenutzt herumliegt, in einer Stadt, in der die Kultur mehr und mehr zu einem unbezahlbaren Luxus wird“, stand in der Mitteilung der Comisión Audiovisual del 15M.

Die im Kino Versammelten schlossen sich den Forderungen an, die seit Jahren von Freunden und Angehörigen der Verurteilten vorgebracht werden: Die Urteile sollen aufgehoben und der Fall neu aufgerollt werden.

Foto von Fotomovimiento/Flickr

„Kein Vergessen, kein Verzeihen“
Foto von Fotomovimiento/Flickr

Mich beeindruckt an den spanischen sozialen Bewegungen ihr Pragmatismus – ein Kinosaal wird benötigt, also wird einfach ein leerstehender genutzt -, ihre Fähigkeit zu Organisation und Vernetzung, die es ermöglicht, dass verschiedene unabhängige Gruppen zusammen arbeiten und drittens ihre Kreativität, wenn es darum geht, sich Aktionsformen auszudenken, um ihre Ziele umzusetzen. Wenn Demos folgenlos bleiben, werden eben neue Wege gesucht und begangen.

Links/Quellen:

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One response to “Die Wahrheit über Patricia Heras: Filmpremiere in besetztem Kino”

  1. Gretha says :

    Es ist eine sehr interessante action.
    Wir wollen die Wahrheit wissen.
    Alles Gute!!!

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