Andalusische Arbeitergewerkschaft SAT beschlagnahmt Schulsachen

Rund 200 Mitglieder der Andalusischen Arbeitergewerkschaft SAT haben heute in einem Supermarkt in Sevilla 8 – 10 Einkaufwagen voller Schulsachen wie Bleistifte, Spitzer und Radiergummis beschlagnahmt. Auf ihrer Webseite teilt die SAT mit, dass mit dieser symbolischen Aktion aufmerksam gemacht werden soll auf die Lage der zwei Millionen Andalusierinnen und Andalusier, die in Armut leben und der 400.000 Haushalte, die keinerlei Unterstützung mehr erhalten, obwohl alle ihre Familienmitglieder arbeitslos sind. Viele Eltern können sich aufgrund dieser Lage nicht mehr leisten, ihre Kinder zu Schulbeginn mit dem nötigen Material, das 100 bis 150 Euro kostet, zu versorgen.

Auf Twitter wurde die Aktion passenderweise unter dem Hashtag #vueltaalcoleparatodos (Rückkehr zur Schule für alle) begleitet und kommentiert.

Die Aktion war offensichtlich gut geplant und vorbereitet und verlief entsprechend schnell, friedlich und erfolgreich. Die Polizei fand nur noch die leeren Einkaufswagen vor und kontrollierte später zwei weiße Lieferwagen von Maurern, die überhaupt nichts mit der Sache zu tun haben. Ein Video zeigt den Moment, in dem die Beute in bereitstehende Lieferwagen verladen wird:



Die erbeuteten Gegenstände befinden sich laut SAT derzeit an einem sicheren Ort. Rechtzeitig zu Schulbeginn Anfang September sollen sie an bedürftige Familien verteilt werden, bevorzugt in den Gebieten in Andalusien, die besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Wenn die Elternverbände aufgrund der illegalen Beschaffungsweise nicht helfen wollen, wird die SAT die Sachen auf eigene Faust verteilen.

Die SAT hatte bereits letzten Sommer auf sich aufmerksam gemacht, als sie Supermärkte enteignete, um die erbeuteten Grundnahrungsmittel an Menschen in Not weiterzugeben (siehe Bodenfrost 7. August 2012).

Diego Cañamero, landesweiter Sprecher der SAT, schlug dem Geschäftsführer des Supermarkts vor, den Anfall nicht zur Anzeige zu bringen und stattdessen die Schulsachen als Spende anzusehen. Nach einem Bericht von Andaluces Diario, ist dieser darauf eingegangen.

Der Innenminister kündigte dennoch bereits an, mit „aller Härte und Entschlossenheit“ gegen die Aktivisten vorzugehen und die Beteiligten zu identifizieren, festzunehmen und der Gerichtsbarkeit zu übergeben. Mit aller Härte und Entschlossenheit gegen Armut und Ungerechtigkeit vorzugehen und zu verhindern, dass sich Kinder ausgegrenzt fühlen, weil sich ihre Eltern die Schulsachen nicht mehr leisten können, ist natürlich undenkbar.

Quellen:

Diagonal Periódico | La Marea | El Diario | Andaluces Diario | 20 minutos | Huffington Post | El País

Ein weiterer deutschsprachiger Bericht: Schmecks.NoBlogs

Nachtrag 02.09.2013: Euronews hat sich jetzt auch des Themas angenommen, übertreibt aber maßlos. Nicht „one hundred trolley loads were stolen“, es waren nur 8 – 10.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Trackbacks / Pingbacks

  1. Gegenseitige Hilfe in Córdoba | Bodenfrost - 15. November 2013

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: