Folgen der Arbeitsmarktreform: Entlassung wegen Zwangsräumung

cartel2Das Call-Center Konecta aus Madrid entließ eine Mitarbeiterin, weil sie am Tag ihrer Zwangsräumung nicht zur Arbeit erscheinen konnte. Wegen Mietrückständen – sie war bis Juli arbeitslos gewesen – sollte Amaya aus der Wohnung geworfen werden.

Die 31-Jährige hatte einen Tag vor der Zwangsräumung um einen freien Tag gebeten, der ihr auch zustand. Ihr wurde aber lediglich ein Schichtwechsel gewährt und ihre Chefin drohte zudem, dass sie ja groß sei, ihre Pflichten kenne, am Nachmittag kommen aber mit den den Konsequenzen leben solle.

Am 11. September musste Amaya also gleich mit der doppelten Angst kämpfen, sowohl Wohnung, als auch Arbeitsplatz zu verlieren. Da es sich bereits um den zweiten Räumungstermin handelte – der erste konnte am 16. Juli dank Unterstützern aufgeschoben werden – rückte dieses Mal eine ganzen Hundertschaft Bereitschaftspolizei an, um die Räumung unter allen Umständen durchzusetzen (eine Video-Dokumentation davon).

Räumung. Nicht im Bild: ein Freund und Helfer. Bild von indiggato@Twitter

Räumung. Nicht im Bild: ein Freund und Helfer.
Bild von indiggato@Twitter



Amaya erlitt dabei einen psychischen Zusammenbruch und wurde vom Arzt für ein paar Tage krank geschrieben, bis zum 20. September. Vergangenen Freitag, den 25. Oktober, wurde ihr das Kündigungsschreiben überreicht. Als Grund für die Kündigung werden ausdrücklich die Fehltage am 11. September und danach genannt. Das Unternehmen erkennt zwar aufgrund des ärztlichen Attests an, dass es sich um begründete Fehltage handelt, beruft sich aber auf die neue Gesetzeslage aus der Arbeitsmarktreform, die auch Entlassungen in solchen Fällen zulässt.

Amaya, die zur Zeit bei einem Bekannten wohnt, will sich jedoch nicht unterkriegen lassen und wandte sich an die Gewerkschaftsabteilung der CGT von Konecta. Sie beabsichtigen gegen die Entlassung juristisch vorzugehen und diese anzufechten.

Nach dem 1., aufgehaltenenen, Räumungsversuch. Foto von indiggato@Twitter

Nach dem 1., aufgehaltenenen, Räumungsversuch.
Foto von indiggato@Twitter

Für Morgen ist eine Unterstützungsdemo vor dem Sitz ihres ehemaligen Arbeitgebers in der spanischen Hauptstadt geplant (siehe Plakat links oben). Die Presse und Blogs haben sich des Themas auch angenommen, 20 minutos, Público, El diario, Tercera información, Periodismo Digno und Russia Today auf Spanisch berichteten mittlerweile.
La Marea führte ein ausführliches Interview mit ihr.

Quellen/weitere Informationen (auf Spanisch):
Madrid/Toma la plaza | Tetuán/ Toma los barrios


Nachtrag 29.10.2013: Amaya versus Konecta

Gegen 19 Uhr fand eine Solidaritätsdemo für Amaya statt, vor dem Sitz ihres ehemaligen Arbeitgebers in Madrid. Rund 200 Menschen waren gekommen, um die junge Frau bei ihrem Kampf um eine Wiedereinstellung zu unterstützen. „Amaya readmisión“ (die spanische Version dieser Forderung) war entsprechend auch einer der häufigen Demorufe, neben den derberen „Konecta, recuerda, tenemos una cuerda“ (denk dran, Konecta, wir haben ’nen Strick) und „golfos“ (Gauner).

Auf Transparenten waren Slogans zu lesen wie „si tocan a un@ nos tocan a tod@s“ (wenn sie eine[n] von uns angreifen, greifen sie alle an). Auf einem anderen stand die Drohung „Readmisión o escrache“ (Wiedereinstellung oder Escrache). Zu der Aktionsform Escrache hatte bereits die PAH gegriffen, als es um das von ihnen initiierte Referendum gegen Zwangsräumungen ging. Es waren auch zahlreiche schwarz-rote Fahnen der anarchosyndikalistischen Gewerkschaften CNT und CGT zu sehen. Presse, Stadtteil-Asambleas, wie es sie seit #15M (Bewegung 15. Mai) in großer Zahl gibt, die Gewerkschaft CCOO und Inititativen gegen Zwangsräumungen und Entlassungen waren ebenso mit von der Partie, wie auch Shangay Lily, Schriftsteller, Schauspieler und LGBT-Aktivist.

Mittels eines Megaphons wurde eine Kundgebung abgehalten, bei der Amayas Lage geschildert wurde. Dabei wurde auch gesagt, dass „die direkte Aktion und die gegenseitige Hilfe der Weg sein sollten.“ Als erster praktischer Schritt von gelebter Solidarität wurde eine Schweigeminute abgehalten für die sechs Bergarbeiter, die am Vortag bei einem Grubenunglück in Pola de Gordón, León, tödlich verunglückt waren bei einem Austritt von Grubengas.

Sprecher von CGT, #stopdesahucios und #stopdespidos Foto von Danips@Twitter

Sprecher von CGT, #stopdesahucios und #stopdespidos
Foto von Danips@Twitter

Im Anschluss an die Schweigeminute sangen die Versammelten gemeinsam „Santa Barbara bendita“ (ein Mitschnitt davon, ca. Minute 5:45). Dieses Lied der Bergarbeiter ist seit deren Streik und schwarzem Marsch nach Madrid (siehe Bodenfrost-Bericht vom 12.07.2013) immer häufiger bei Protesten in Spanien zu hören. Direkt nach dem Lied erklang nochmal laut und aus vielen Kehlen „que viva la lucha de la clase obrera“ (es lebe der Kampf der Arbeiterklasse).

Foto von PlatAlcoSanse@Twitter

Amaya hinter dem Banner
Foto von PlatAlcoSanse@Twitter

In einem Interview teilte Amaya mit, dass die Wiedereinstellung abgelehnt wurde. Der Kampf wird jedoch weitergehen.

Auf Twitter wurde die Demo unter dem Hashtag #AmayaVsKonecta (Amaya versus Konecta) virtuell unterstützt.

In Valladolid haben am selben Tag Mitglieder der CGT ebenfalls den Kampf um Wiedereinstellung unterstützt und eine Demo abgehalten vor der Bank Santander, einem der größten Teilhaber von Konecta (Video/Fotos auf rojoynegro.info):

Berichte/Fotos/Videos von der Demo in Madrid:

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