#ReconstruimCanVies: Can Vies wird neu aufgebaut

Die Stadtverwaltung von Barcelona hatte höchstwahrscheinlich gehofft, mit der schnellen Räumung und dem anschließenden Abriss des seit 17 Jahren besetzten und selbstverwalteten Stadtteilzentrums Can Vies ohne weiteres durchzukommen. Gestern allerdings musste sie zurückrudern und verkündete sowohl Verhandlungsbereitschaft mit den Aktivisten von Can Vies, als auch die vorläufige Einstellung der Abrissarbeiten, wie in der englischsprachigen Version von El País nachzulesen ist. Das geschah natürlich nicht aus gutem Willen heraus, sonst wäre das Gebäude ja nicht am Montag geräumt worden. Die Stadtverwaltung hatte schlicht und einfach den Willen der Anwohner, ihr Nachbarschaftszentrum zu verteidigen, unterschätzt. Tausende Menschen demonstrierten seit der Räumung, nicht nur in dem betroffenen Stadtteil Sants, sondern zusehends auch in anderen Stadtteilen von Barcelona und auch außerhalb. Sogar in Hamburg gab es eine Solidaritäts-Demo, berichtet MD-Protestfotografie. Vier Nächte lang tobten Straßenschlachten in Sants, in deren Verlauf der Abrissbagger vor Can Vies in Brand gesteckt wurde (Fotos: 1 | 2). Wie bereits im Januar in Gamonal, gelang es den Leuten in Sants, der Obrigkeit aufzuzeigen, dass nicht alles ohne Widerstand hingenommen wird.

In der Público kündeten zwei Sprecher von Can Vies an, dass sie das Gebäude mit eigenen Händen wieder aufbauen wollen, mit der Hilfe der Unterstützer und Anwohner von Sants. Gespräche mit der Stadtverwaltung lehnen sie ebenso sehr ab, wie deren Hilfe beim Wiederaufbau.
Wer das als utopisches Hirngespinst abtat, sah sich schon einen Tag später eines besseren belehrt: Bis zu 1000 Menschen versammelten sich nach einem Bericht von La Marea am Samstag bei Can Vies, darunter auch Architekten. Die Helfer bildeten Menschenketten und beseitigten auf diese Art und Weise den Schutt. Groß und klein war mit dabei, jeder half, so gut er konnte, sei es beim Bemalen der Wände, Abtransport, Sicherung der Baustelle oder Reinigung der Steine, die wieder verwendet werden können. Ein Teil des Schutts wurde demonstrativ vor dem Bezirksrathaus entsorgt. Zum Abschluss gab es ein gemeinsames Essen. Die Mossos d’Esquadra (katalanische Polizei) schritten zu keinem Zeitpunkt ein, berichtet Público.
Auf Twitter wurden zahlreiche Fotos von dem gemeinsamen Neuaufbau gepostet, die wir jetzt einfach mal für sich sprechen lassen wollen:

Weitere Fotos auf Storify, über den Twitter-Hashtag #ReconstruimCanVies, bei AcampadaBCNFoto@Flickr oder in dem Bericht von La Vanguardia.
Es gibt (mindestens) drei Youtube-Videos vom gemeinsamen Neuaufbau, 1 | 2 | 3, und ein Vimeo-Video, das die 713 Meter lange Menschenkette zeigt.

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