Archive | Juli 2014

Wasserbomben-Demo in Nürtingen

DemoNuertingenLetztes Wochenende protestierten rund 50 Menschen in Nürtingen gegen staatliche Repression. Der Demozug startete am ZOB und führte laut, feucht und unbehelligt von der Polizei in mehreren Etappen durch die Innenstadt. Am Ochsenbrunnen wurde eine Wasser-Schlacht ausgetragen und die erste Zwischenkundgebung abgehalten, bei der konkrete Fälle von Polizeigewalt thematisiert wurden, darunter auch der Fall von Dietrich Wagner, der durch den Wasserwerfer-Einsatz am schwarzen Donnerstag 2010 in Stuttgart sein Augenlicht verlor.

Die Abschlusskundgebung fand vor der Polizeiwache in der Europastraße statt. Es wurde ein Band abgespielt, auf dem scherzhaft gefordert wurde, aus der hässlichen, teuren, nutzlosen Polizeiwache einen Wassererlebnis-Park zu machen, von dem alle mehr haben.

Im Anschluss an die Kundgebung wurde als großes Finale die letzte Wasserbomben-Schlacht ausgetragen: Die Teilnehmer schnappten sich die verbleibenden Wasserbomben – insgesamt waren hunderte Luftballons vorbereitet und mit Wasser gefüllt worden – und bewarfen sich mit großem Vergnügen und unter johlendem Gelächter.
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Can Vies: Crowdfunding-Kampagne erfolgreich

Die Crowdfunding-Kampagne für den selbstverwalteten Neuaufbau des sozialen Zentrums Can Vies war ein voller Erfolg: das angestrebte Ziel von 70.000 € wurde nicht nur erreicht, sondern sogar deutlich überschritten. Bis heute wurden bereits 84.420 € gespendet und die Kampagne läuft noch weitere 30 Stunden.

Die Stadtverwaltung hatte das soziale Zentrum in Barcelona im Mai räumen lassen und fing noch am selben Tag mit dem Abriss an. Der entschlossene Widerstand gegen die Vernichtung dieses für den Stadtteil wichtigen Freiraums hielt den Abriss letztendlich auf. Die Idee, Can Vies in eigener Regie neu aufzubauen, erblickte das Licht der Welt. Gemeinsam beseitigten die Unterstützer den Abrissschutt (siehe Bericht auf Bodenfrost) und die Spenden-Aktion wurde ins Leben gerufen.

Sí se puede – na klar kann man!

Crowdfunding-Seite für Can Vies: verkami.com

Gastbeitrag: Hausbesetzer als Nachbar*innen

Während der Jahre der Immobilien-Blase verwandelte sich Wohnraum in eine Ware, mit der sich ausgezeichnet spekulieren ließ. In einem endlos scheinenden Bereicherungs-Manöver einiger weniger entstanden in allen Stadtteilen jede Woche neue Gebäude.

Madrid war eine von Kränen, Beton und Ziegeln eingenommene Stadt. Allerdings beschloss irgendwann jemand, die Party an anderer Stelle weiter zu feiern und die Blase platzte. Das Ergebnis war ein spektakulärer Anstieg der Arbeitslosigkeit, hunderttausende in Hypotheken-Fallen gefangene Familien und 5 Millionen leere Wohnungen. Heute, sechs Jahre nach dem offiziellen Platzen der Blase, sind die Folgen jenes Betrugs deutlicher als je zuvor: jeden Tag finden 200 Zwangsräumungen statt und Wohnraum ist ein unerschwingliches Luxusgut geworden.

In diesem Zusammenhang hat sich das Besetzen von Wohnungen immer weiter ausgebreitet. Auch wenn es kein neues Phänomen ist hat die soziale Krise dazu geführt, dass Menschen darauf zurückgreifen, die das bislang nicht eingeplant hatten. Das Profil des Hausbesetzers ist nicht mehr das stereotype Bild, das einige noch immer im Kopf haben: Es gibt so viele Besetzungen wie es Besetzer und Motive zum Besetzen gibt.
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… denn die Häuser gehören uns (VIII): Hausbesetzer-Familien in Sanlúcar de Barrameda

Angesichts der blanken Not kommen überall in Spanien immer mehr Menschen auf die nahe liegende Idee, leerstehende Wohnungen zu besetzen, statt weiterhin auf der Straße, in Garagen, auf dem Sofa von Verwandten oder im Auto vor sich hin zu vegetieren. In Sanlúcar de Barrameda – eine Stadt mit 67.000 Einwohnern ganz im Süden des sonnigen Andalusiens – hat sich in letzter Zeit eine rege Hausbesetzer-Szene entwickelt. 86 Familien haben 8 leerstehende Gebäude zu ihrem neuen Zuhause erkoren und füllen diese nun mit neuem Leben.

Angefangen hatte es vor 3 Monaten, als 11 Familien in dem Stadtteil Bonanza ein Gebäude okkupierten. In den letzten Wochen ist die Zahl der Besetzungen kontinuierlich und schnell angestiegen auf die aktuelle Zahl von 8 Corralas, wie die besetzten Wohnblöcke in Andalusien genannt werden. Angesichts von 12000 Arbeitslosen könnte die Zahl in Zukunft noch zunehmen. Die Corrala-Bewohner bekommen immer wieder Anfragen, ob noch Wohnungen frei sind in den Gebäuden oder ob sie weitere Gebäude kennen, in die man einziehen könnte.


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