Besetzter Wohnblock in Sabadell legalisiert, 146 Bewohner können aufatmen

Viel zu selten haben Nachrichten ein happy end. Um so mehr freuen wir uns, dieses Mal von einem guten Ausgang berichten zu können. Das Selbsthilfe-Bündnis von Opfern von Zwangsräumungen – die PAH Sabadell – konnte nach monatelangem nervenaufreibendem Kämpfen und Bangen einen großen Sieg erringen: ein besetzter Wohnblock in Sabadell (Katalonien, Spanien) wird legalisiert, alle 146 Bewohner dürfen bleiben.

Der leerstehende Wohnblock war im April letzten Jahres im Rahmen der Kampagne „obra social“ (gemeinnütziges Werk) von der PAH besetzt worden. Die Wohnungen wurden 40 Familien und Einzelpersonen zur Verfügung gestellt, die zum Teil bereits mehrere Zwangsräumungen hinter sich hatten und dringend ein Dach über dem Kopf brauchten.

Die Gemütslage der Bewohner – darunter 56 Minderjährige – schwankte in all der Zeit sicher zwischen euphorisch und ängstlich angespannt, je nach Stand der äußeren Umstände. Erst weigerte sich eine Richterin einen Räumungsbefehl auszustellen (siehe hier), dann änderte das Gericht plötzlich seine Meinung und es sah aus, als ob der Tag, an dem die Familien auf die Straßen geworfen werden, unmittelbar bevorstünde.

In ihrer Not erstellten die betroffenen Familien ein Video, in dem sie ihre Lage erklärten und um Solidarität und Unterstützung baten (siehe hier). In dem Video wandten sie sich auch explizit an die Justiz, die Regierung und die Polizei-Einheiten der Mossos D’Esquadra, und baten diese, sie nicht auch noch aus ihrer letzten Zuflucht zu werfen.

Möglicherweise aufgrund des öffentlichen Drucks, den diese Mobilisierung erzeugte, setzten sich die Stadtverwaltung von Sabadell und die generalitat – die Regionalregierung von Katalonien – tatsächlich an den Verhandlungstisch mit der PAH Sabadell. Die Verhandlungspartner wurden sich schließlich einig und SAREB – Spaniens bad bank und Eigentümerin des Wohnblocks – erklärte sich bereit, der generalitat das Gebäude zu überlassen. Diese wiederum sicherte zu, nach einer Überprüfung der Kriterien für den Bezug von Sozialwohnungen die jetzigen Bewohner dort zu lassen und Mieverträge mit ihnen zu machen. Die PAH Sabadell geht davon aus, dass die generalitat eine Sozialmiete von 150 € anpeilt. Allerdings beharrt die PAH darauf, dass die Miete maximal 30 % des Einkommens betragen dürfe, was bei Familien ohne Einkommen bedeute, dass diese erst mal keine Miete zu bezahlen haben.

Paul Llonch – ein Sprecher der PAH Sabadell – erklärte gegenüber der Zeitung El Diario, dass es das erste Mal sei, dass ein im Rahmen der obra social besetzter Block vollständig den Bewohnern überlassen werde und dass diese Tatsache schon für sich genommen einen großen Sieg darstelle.

Entsprechend euphorisch verbreitete das Bündnis heute über seinen Blog und seinen Twitter-Account die gute Nachricht und zahlreiche Menschen aus ganz Spanien freuten sich mit und gratulierten den Aktivisten zu ihrem Sieg.

Die 146 Bewohner des Gebäudes werden heute Nacht bestimmt viel ruhiger schlafen, nun, da die Anspannung von ihnen abgefallen ist und sie keine Angst mehr haben müssen, dass jederzeit Mossos d’Esquadra vor der Tür stehen und sie auf die Straße werfen könnten. Heute Abend wird der Sieg erst mal ausgiebig gefeiert, wie dieses Foto von Paul Llonch zeigt:

Sie alle haben gezeigt, was möglich ist, wenn Menschen in prekären Situationen sich gemeinsam organisieren und solidarisch den Kampf für ein besseres Leben wagen.

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