Archive | Mai 2015

PAH Lanzarote bringt von Zwangsräumung bedrohte Familie unter

Auf die Frage, welche Gedanken einem zuerst in den Sinn kommen, wenn man Lanzarote hört, würde es sicher viele Antworten geben und die meisten hätten vermutlich irgendwie mit Sonne und Urlaub zu tun. Aber auch auf dieser idyllischen Insel im Atlantik gibt es unter der touristisch wahrnehmbaren Oberfläche eine raue soziale Wirklichkeit – und zum Glück auch ein ausgeprägtes Verständnis von Solidarität und gegenseitiger Hilfe.

Carmen Martín del Río und ihren drei Kindern (7, 14, 16) drohte die Zwangsräumung aus ihrer Wohnung, weil sie von der Arbeitslosenhilfe über 426 € die Miete nicht mehr bezahlen konnte. Monatelang hatte sie sich nach eigenen Aussagen bei Behörden, Ämtern und karitativen Einrichtungen um Unterstützung bemüht und war immer wieder vertröstet worden. Auch als der Termin für die Zwangsräumung feststand, sei von diesen Stellen nichts gekommen, außer dem Angebot, die Kinder in staatliche Obhut zu geben, was Carmen vehement ablehnte.

Schließlich sprach Carmen mit der PAH Lanzarote, dem örtlichen Ableger eines spanienweit organisierten Bündnisses, das sich seit Jahren gegen Zwangsräumungen und für das Recht auf Wohnraum einsetzt. Für die PAH Lanzarote stand sofort fest, dass sie nicht zulassen würden, dass die Familie getrennt wird oder auch nur eine Nacht auf der Straße verbringt.

Die Aktivisten machte ein leerstehendes Haus ausfindig, halfen der Familie beim Umzug, steuerten bei, was an Möbeln fehlte und boten außerdem an, sie mit Lebensmitteln zu versorgen.
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Operación Piñata: Adressen der Gefangenen

Seit über zwei Monaten befinden sich die 5 Anarchisten, die bei der operación Piñata festgenommen wurden, in Untersuchungs-Haft. Mittlerweile wurden sie auf verschiedene Knäste verteilt, wohl, um jeglichen Kontakt zueinander zu verhindern. Ein Blog, der zur Unterstützung der von Repression Betroffenen ins Leben gerufen wurde, nennt die neuen Anschriften:

Paul Jara Zevallos
Centro Penitenciario Madrid VII, Estremera
Carretera M-241, Km. 5750
28595 – Estremera
(Madrid)

Javier Grijalbo Adán
Centro Penitenciario Zaragoza
Autovía A-23, Km. 328
50800 – Zuera
(Zaragoza)

Javier García Castro
Centro Penitenciario La Moraleja
Carretera Local P-120
34210 – Dueñas
(Palencia)

Jorge Linares Izquierdo
Centro Penitenciario Córdoba
Autovía Madrid – Cádiz, Km. 391
14014 – Córdoba

Enrique Balaguer Pérez
Centro Penitenciario Madrid V, Soto del Real
Carretera M-609, Km. 3,5
28791 – Soto del Real
(Madrid)

Im trostlosen und zermürbenden Knast-Alltag kann ein noch so kurzer solidarischer Gruß per Brief ein echter Licht-Blick sein. Dass in den Briefen nichts stehen sollte, das den Gefangenen ihre Situation noch unerträglicher machen könnte, ist selbstredend. Es ist davon auszugehen, dass die Repressions-Organe die Post durchlesen, bevor sie den Gefangenen übergeben wird.

Bloc Salt neu besetzt

In einer überraschenden Aktion wurde letzte Woche der Bloc Salt neu besetzt, ein 5-stöckiges Wohnhaus in Salt/Katalonien. Initiiert und durchgeführt wurde der Coup von PAH Girona-Salt, eine Aktivisten-Gruppe, die sich für Recht auf Wohnraum einsetzt. Etwa 30 Unterstützer halfen an jenem Abend. Das private Sicherheits-Personal wurde abgelenkt und mir nichts, dir nichts, war das Haus wieder voller Menschen 1.

In einer Mitteilung auf der Webseite von PAH Girona-Salt rechtfertigte die Gruppe die Besetzung mit dem akuten Wohnungs-Notstand, verbunden mit der mangelnden Bereitschaft seitens des Bürgermeister und der Stadtverwaltung, Abhilfe zu leisten 2. Noch am Abend der Besetzung wurden 14 der Wohnungen neu bezogen, von bedürftigen Familien – die allermeisten davon mit Kindern – die anderweitig keine Chance auf ein Dach über dem Kopf mehr gesehen hatten. Die 15. Wohnung in dem Block soll für gemeinschaftliche Zwecke genutzt werden, wie zum Beispiel regelmäßige Treffen aller Anwohnerinnen und Anwohner, um gemeinsam den Alltag zu organisieren.

Der Bloc Salt war schon vorher einmal besetzt gewesen, ebenfalls durch notleidende Familien, wurde aber nach 9 Monaten, im Dezember 2013, durch die Polizei geräumt 3. Seitdem war das Gebäude – das Eigentum der SAREB (Spaniens Bad Bank) ist – verwaist. Es stellt sich die Frage, warum die Familien damals auf die Straße geworfen wurden, nur um das Gebäude danach leer stehen zu lassen. Jetzt, eineinhalb Jahre später, kann der Bloc Salt – dank der Zivilcourage einiger Unerschrockener – endlich wieder seinen eigentlichen Zweck erfüllen, nämlich, Menschen ein Zuhause bieten.

„Weder Häuser ohne Menschen, noch Menschen ohne Häuser“, ist einer der häufig zu hörenden Rufe spanischer Wohnraum-Aktivisten. Dem ist nichts hinzuzufügen.
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