PAH Lanzarote bringt von Zwangsräumung bedrohte Familie unter

Auf die Frage, welche Gedanken einem zuerst in den Sinn kommen, wenn man Lanzarote hört, würde es sicher viele Antworten geben und die meisten hätten vermutlich irgendwie mit Sonne und Urlaub zu tun. Aber auch auf dieser idyllischen Insel im Atlantik gibt es unter der touristisch wahrnehmbaren Oberfläche eine raue soziale Wirklichkeit – und zum Glück auch ein ausgeprägtes Verständnis von Solidarität und gegenseitiger Hilfe.

Carmen Martín del Río und ihren drei Kindern (7, 14, 16) drohte die Zwangsräumung aus ihrer Wohnung, weil sie von der Arbeitslosenhilfe über 426 € die Miete nicht mehr bezahlen konnte. Monatelang hatte sie sich nach eigenen Aussagen bei Behörden, Ämtern und karitativen Einrichtungen um Unterstützung bemüht und war immer wieder vertröstet worden. Auch als der Termin für die Zwangsräumung feststand, sei von diesen Stellen nichts gekommen, außer dem Angebot, die Kinder in staatliche Obhut zu geben, was Carmen vehement ablehnte.

Schließlich sprach Carmen mit der PAH Lanzarote, dem örtlichen Ableger eines spanienweit organisierten Bündnisses, das sich seit Jahren gegen Zwangsräumungen und für das Recht auf Wohnraum einsetzt. Für die PAH Lanzarote stand sofort fest, dass sie nicht zulassen würden, dass die Familie getrennt wird oder auch nur eine Nacht auf der Straße verbringt.

Die Aktivisten machte ein leerstehendes Haus ausfindig, halfen der Familie beim Umzug, steuerten bei, was an Möbeln fehlte und boten außerdem an, sie mit Lebensmitteln zu versorgen.

Das Gebäude, in dem Carmen und ihre Kinder untergekommen sind, ist Eigentum der Caixa-Bank, war seit 2 Jahren verwaist und hat keine Türen mehr. Carmen ist erleichtert, rechtzeitig, einen Tag vor der Zwangsräumung, eine neue Bleibe gefunden zu haben und sie will kommenden Dienstag mit der Bank verhandeln, ob sie gegen eine soziale – also an ihr Einkommen angepasste – Miete in dem Haus bleiben darf. Sollte die Bank das Angebot ablehnen, würde die Familie buchstäblich auf der Straße sitzen: „Ich habe keine Eltern und meine Geschwister leben auf dem Festland“, teilte Carmen der Zeitung La voz de Lanzarote mit.

Foto von La_PAH@Twitter

„Jede Familie mit Nahrung und Dach“, steht auf dem Transparent.
Foto von PAHLanzarote@Twitter

Die PAH (Plattform der von Hypotheken Betroffenen) verhinderte im Lauf der letzten Jahre nicht nur über 1600 Zwangsräumungen durch zivilen Ungehorsam, sondern brachte auch im Rahmen ihrer Kampagne „obra social“ (gemeinnütziges Werk) hunderte Familien neu unter, indem sie leerstehende Gebäude besetzte und diese den Bedürftigen überließ. Wie sie es in solchen Fällen zu tun pflegen, machte die PAH Lanzarote auch diese Besetzung öffentlich und verbreitete über die sozialen Netzwerke Fotos, wie sie vor dem zu neuem Leben erwachten Haus stehen. Einer der Gründe, so offen mit den Besetzungen umzugehen, sei, dass so das Problem der Obdachlosigkeit in Verbindung mit dem Wohnungs-Leerstand visualisiert werde.

Quellen:

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: