Menschliche Schutzmauer in Madrid für Alfon

Hunderte Unterstützer standen gestern in Madrid einem jungen Aktivisten bei, der zu einer 4-jährigen Haftstrafe verurteilt worden war und an diesem Tag von der Polizei abgeholt werden sollte. Nach einigen Stunden passiven Widerstands stellte sich Alfon freiwillig und wurde abgeführt.

Alfonso Fernández, von Freunden Alfon genannt, war am 14. November 2012 festgenommen worden, als er auf dem Weg zum Generalstreik war. Die Cops behaupteten, dass ihm ein Rucksack mit Molotowcocktails gehöre. Alfon stritt das stets ab. Die Polizei konnte keine Beweise vorlegen, Fingerabdrücke gab es keine. Dennoch schenkte das Gericht den Polizisten Glauben und verurteilte Alfon zu 4 Jahren Haft.

Der oberste Gerichtshof lehnte gestern den eingereichten Einspruch ab, das Urteil wurde rechtskräftig und Alfon sollte noch am selben Tag in den Bau wandern. Laut Alfons Anwalt teilte er dem Gericht mit, wo er zu finden sein würde.

Alfon und hunderte von Freunden, Familien-Angehörigen und Unterstützern versammelten sich an der Kirche San Carlos Borromeo in Vallecas, ein madrilenischer Arbeiter-Stadtteil, in dem Alfon zuhause ist. Eine Gruppe der Unterstützer auf dem Dach der Kirche trug einheitliche weiße Overalls und weiße Masken, um zum Ausdruck zu bringen, dass sie alle Alfon seien. Einer von ihnen war es tatsächlich. Auch vor der Kirche bezogen solidarische Menschen Stellung. Viele von ihnen hatten improvisierte Masken mit dem Konterfei von Alfon dabei.

Die Antidisturbios rückten mit einigen Wannen an und belagerten den Ort. Nach einigen Stunden verließen die Maskierten in weißen Overalls die Kirche und Alfon stellte sich freiwillig. „Sie sollen später nicht sagen können, dass ich mich versteckt hätte“, erklärte er. Die Repressionsorgane ließen es sich trotzdem nicht nehmen, die Umstehenden zu knüppeln, als sie Alfon wegbrachten (siehe Video).

Die menschliche Schutzmauer Foto von juancarlosmohr@Twitter

Die menschliche Schutzmauer
Foto von juancarlosmohr@Twitter

Die Aktionsform der menschlichen Schutzwand war bislang nur aus dem Baskenland bekannt. Dort bilden sich immer wieder auf öffentlichen Plätzen dichte Trauben von Unterstützern um Aktivisten, denen die Inhaftierung droht. Herria Harresia wird dieser gewaltfreie Widerstand dort genannt.

In Madrid ging es nicht darum, die Verhaftung zu verhindern, sondern darum, ein sichtbares Zeichen der Solidarität und des Protests gegen das ungerechte Gerichtsurteil zu setzen.

Alfon kurz vor seiner Festnahme Foto von juancarlosmohr@Twitter

Alfon kurz vor seiner Festnahme
Foto von juancarlosmohr@Twitter

Alfon ist Antifaschist und Mitglied des linken und anti-rassistischen Fußball-Klubs Bukaneros. Es liegt auf der Hand, dass es bei der polizeilichen Inszenierung und der anschließenden Gerichts-Farce einerseits darum ging, einen Einzelnen zu zermürben, als auch eine einschüchternde Botschaft an alle zu schicken, die es wagen, Widerstand gegen die herrschende Ordnung zu leisten.

Für die nächsten Tage sind Solidaritäts-Demos in mehreren spanischen Städten angekündigt.

Solidemos

Quellen/weitere Infos:

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4 responses to “Menschliche Schutzmauer in Madrid für Alfon”

  1. Laura says :

    Es ist unglaublich. ich fühle mich ohnmächtig. Vielleicht hast du schon über der Dokumentarfilm „Ciutat Morta“ erzählt. https://ciutatmorta.wordpress.com/ Es gibt Korrupte in die Polizisten und die Auswirkungen sind für das Volk :S LG!

    • bodenfrost says :

      Ich habe den Film noch nicht gesehen, aber ich habe von dem Fall gehört. Patricia nahm sich das Leben, nachdem sie wegen falscher und haltloser Anschuldigen verurteilt wurde… und sie wurde bis heute nicht rehabilitiert.

  2. Laura says :

    Es lohn sich zu sehen. Nächste Treffen ist am 10.07 um 20:00 im Schlampazius bar, falls du Zeit hast vorbei zu kommen 😀

    • bodenfrost says :

      Vielen Dank für die Einladung. Termin ist notiert, vielleicht klappt es ja mit dem Treffen. Sería una buena ocasión para charlar e intercambiar nuestros emails 😀

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