Archive | Juli 2015

Ein Tag in dem Wohnprojekt „Esperanza“

Wir hatten bereits vor einigen Monaten das selbstverwaltete Wohnprojekt „Comunidad la Esperanza“ (Gemeinschaft Hoffnung) vorgestellt (siehe Bericht). Mittlerweile leben 250 Menschen, 150 davon Kinder, in den 4 besetzten Wohnblöcken in Santa María de Guía auf Gran Canaria. Die Bewohner organisieren sich basisdemokratisch in monatlichen Versammlungen. Verschiedene Arbeitsgruppen kümmern sich um die Umsetzung der gemeinsam gefassten Beschlüsse.

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria, die die Besetzung vor zwei Jahren initiiert hat, vermittelt in einem Bericht über den Alltag in der Comunidad la Esperanza anschaulich, wie sich das Leben anfühlt, das von gegenseitiger Hilfe und Solidarität geprägt ist. Hier eine deutsche Übersetzung dieses Textes. Das spanische Original kann auf der Webseite der Anarchistischen Föderation Gran Canaria eingesehen werden.

Es ist 7 Uhr morgens. Ich strecke mich und bereite mich vor, mir das Gesicht zu waschen. Ich drehe den Wasserhahn auf und es kommt Wasser. Die Tonne ist heute also offensichtlich pünktlich gekommen und Blas, Mitglied der Arbeitsgruppe Instandhaltung, konnte die Versorgung um 7 Uhr öffnen, wie es unser Zeitplan für Wassereinteilung vorsieht. Der gute Blas, und alle, die ihm bei der Wartung helfen, kümmern sich um das Wasser und um Feststellung und Behebung von Schäden, damit die Comunidad funktioniert. Sie bekommen nichts dafür. Warum sie es machen? Aus Solidarität und Engagement für „das Projekt“, das ist der einzige Grund.

Ich ziehe mich an und gehe runter in den Hof. Judith und Azu sind gerade dabei, ihn zu fegen und ihn reinigen. Heute ist nicht Montag, unser Tag des allgemeinen Reinemachens, aber sie wollen die Gemeinschaftsbereiche sauber halten. Sie wissen, dass man uns genau auf die Finger schaut, weil wir Hausbesetzer sind. Wenn es drunter und drüber geht beim Saubermachen schließen sich einige Männer an, aber bedauerlicherweise haben die Frauen den größten Anteil an dieser Arbeit. Jedoch herrscht keine Macho-Stimmung: Die Frauen sind bei fast allem die Mehrheit. Diejenigen, die kommen und sich um eine Wohnung bewerben, sind fast immer Frauen. Sie sind die Mehrheit bei den Versammlungen und sie sind diejenigen, die sich dabei am meisten einbringen. Die Arbeitsgruppen werden fast alle von den Frauen organisiert. Wenn es irgendeinen Konflikt gibt, sind die Frauen die ersten, die eingreifen und vermitteln. Das Konzept der Stärke hat in der Comunidad seinen stereotypen männlichen Charakter verloren.

CJTwmFbW8AAA8Lo
Weiterlesen …

Advertisements

Zweite Wasserbombenparade

Am 18. Juli 2015 in Nürtingen fand in Nürtingen die zweite Wasserbombenparade statt. Wie bereits im Jahr zuvor wurde Bezog genommen auf einen maßlos überzogenen Einsatz der Repressionsorgane als Reaktion auf zwei mit Wasser gefüllte Ballons, die auf die Stufen der Polizeiwache geworfen worden waren (siehe Bericht 1. Wasserbombenparade).