Archive | September 2015

Anarchisten besetzen Gebäude in Athen um Flüchtlinge unterzubringen

„Refugees welcome“, verheißt ein Transparent an einem Gebäude in dem Athener Stadtteil Exarchia. Die Anti-Autoritäre Bewegung Athen, die das leerstehende Gebäude vor einer Woche besetzt hat, beabsichtigt, es Flüchtlingen als Unterkunft zur Verfügung zu stellen.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Im Moment sieht es dort aus wie auf einer Baustelle und die Aktivisten haben alle Hände voll zu tun, um die ehemalige Universitäts-Kantine bewohnbar zu machen. Sobald die Instandsetzungsarbeiten beendet sind, können dort 200 Menschen unterkommen.

Den Aktivisten ist wichtig, dass es ein selbstverwaltetes Projekt wird: „Wir wollen nicht, dass es es eine Wohltätigkeitsinitiative oder eine Suppenküche ist. Wir wollen dass diese Örtlichkeit von den Migranten und Flüchtlingen selbst betrieben wird. Wir können ihnen helfen, ihre grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen, aber sie werden selbst kochen und putzen müssen, als ob sie zuhause wären“, zitiert sie Vice.com.

Selbstmord nach Zwangsräumung

In Santiago de Compostela (Spanien) nahm sich ein Mann ein Jahr nach seiner Zwangsräumung das Leben.

Das Anti-Zwangsräumungs-Bündnis Stop Desahucios Compostela teilte auf Facebook mit, dass sich Carlos Midón das Leben genommen hat, ein Jahr nach dem er, seine Frau María, ihre beiden Kinder und eine ältere Person von einem großen Polizei-Aufgebot auf die Straße geworfen worden waren.

Carlos und seine Frau hatten das Haus in Aríns (Santiago de Compostela) mit eigenen Händen gebaut. Um die Kosten zu stemmen, mussten sie einen Bank-Kredit aufnehmen. Als Carlos arbeitslos wurde, konnten sie die Raten nicht mehr bezahlen. Die ursprüngliche Summe von 35.000 € stieg durch Säumniszuschläge auf 68.000 € an. Die Bank fing an, Druck auszuüben und drohte mit einer Räumung.

Angesichts dieser Situation ließ sich die Familie nach Darstellung von La voz de Galicia auf das Angebot eines Mannes ein, ihnen das Geld zu leihen, damit sie weiter in ihrem Haus leben können. Allerdings verlangte dieser kurz danach eine hohe Summe, 150.000 €, damit sie ihr Haus zurückerlangen können. Sie zeigten ihn daraufhin wegen Betruges an. Die Zeitung Diagonal berichtet, dass ein in Benalmádena lebender Unternehmer der Familie das Haus für 105.000 € abkaufte und 150.000 € verlangte, wenn sie es zurückkaufen wollen.

Screenshot aus einem Youtube-Video

Screenshot aus einem Youtube-Video

Die ersten beiden Räumungsversuche im Juli 2014 konnten dank Stop Desahucios Compostela verhindert werden. Am 19. September 2014 jedoch rückte die Polizei mit einem großen Aufgebot an und brach gewaltsam den Widerstand der 70 Unterstützer, die sich vor dem Gebäude versammelt hatten, um die Zwangsräumung zu verhindern. Fotos davon gibt es bei la voz de Galicia zu sehen. Auch als Youtube-Video ist die Räumung dokumentiert.

CC BY-NC-SA Stop Desahucios Compostela

CC BY-NC-SA Stop Desahucios Compostela

Am 21. September 2015 schließlich, fast auf den Tag genau ein Jahr später, starb Carlos.

Carlos ist nicht das erste Opfer einer Gesellschaftsordnung, die Besitz und Profit über das Leben und das Grundbedürfnis nach Wohnraum stellt. Die Protestbewegung 15M hat eine – nicht vollständige – Liste der Fälle erstellt, bei denen sich verzweifelte Menschen im Zusammenhang mit Zwangsräumungen umgebracht haben.