Archive | Dezember 2016

Anarchistischer Monatsrückblick: Dezember 2016

Der Dezember aus libertärer Perspektive – Aktionen und Ereignisse:

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria (FAGC) hat mit wenig Vorlaufzeit und mit umso mehr Einsatz die Zwangsräumung einer Familie verhindert. 5 Stunden mühte sich der Schlüsseldienst vergeblich ab, in die verbarrikadierte Wohnung einzudringen.
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Siao und Hodey, zwei Genoss*innen aus Spanien, wurden beim Widerstand gegen Rodungen im Hambacher Forst festgenommen und saßen mehrere Wochen in Köln in Untersuchungshaft.
Contrainfo
Enoughisenough14

Vom 9. bis zum 11. Dezember fand in Madrid die 14. Anarchistische Buchmesse statt. Das Programm: http://encuentrodellibroanarquista.org/ (auf spanisch).

CGT-Mitglied Lola Gutiérrez wurde am Flughafen von Athen festgenommen und in einem Abschiebeknast gefangen gehalten. Sie wird beschuldigt, einem kurdischen Flüchtling geholfen zu haben, nach Barcelona zu gelangen. Mittlerweile ist sie wieder in Spanien.
Labournet

Der oberste Gerichtshof in Spanien reduzierte die Haftstrafe für die chilenischen Anarchisten Francisco Solar und Mónica Caballero von 12 Jahre auf viereinhalb. Ihre Verteidigung konnte das Gericht davon überzeugen, dass zwei Strafen für eine Tat unzulässig sind.
Insurrection News Worldwide

Nördlich von Raqqa wurde Michael Israel, Anarchist aus den USA und Mitbegründer der IWW, bei einem türkischen Luftangriff getötet. Er war als freiwilliger Helfer der YPG in Rojava, um die soziale Revolution zu unterstützen und den IS zu bekämpfen.
Insurrection News Worldwide

Am 8. Dezember wurde Bayram Mammadov in Aserbaidschan wegen einiger Graffiti zu 10 Jahren Haft verurteilt. Changenow

Freispruch für die niederländische Genossin, die angeklagt gewesen war, eine Bank enteignet zu haben: ABC-Wien

Hüseyin Civan, Herausgeber der türkischen anarchistischen Zeitung Meydan, wurde wegen einiger Artikel zu 1 Jahr und 3 Monaten Knast verurteilt.
Insurrection News Worldwide

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Gericht reduziert Haftstrafe von Mónica und Francisco

Der Oberste Gerichtshof in Spanien hat die Haftstrafe für Mónica Caballero und Francisco Solar von 12 Jahre auf 4 Jahre und 6 Monate reduziert. Die beiden Anarchisten werden beschuldigt, im Oktober 2013 einen Sprengsatz mit Zeitzünder in der Kirche Basílica del Pilar in Zaragoza angebracht zu haben.

Im November desselben Jahres wurden sie festgenommen und saßen bis zu ihrer Verurteilung im März 2016 in Untersuchungshaft. Der Sondergerichtshof Audiencia Nacional verurteilte sie schließlich zu je 12 Jahren Haft.

Im Oktober diesen Jahres fand die Anhörung statt, aufgrund der Berufung von Franciscos Verteidiger gegen das Urteil. Im Dezember wurde der Berufung stattgegeben und der Obersten Gerichtshof bestätigte, dass Francisco und Mónica unzulässigerweise für ein und dieselbe Tat zwei mal verurteilt wurden, einmal wegen „terroristischer Körperverletzung“ und zusätzlich wegen „terroristischer Sachbeschädigung“.

Quelle: El Economista

Barcelona: zwangsgeräumte Familie und Unterstützer vor Gericht

Am 14. und 15. Dezember wird ein Ehepaar aus Barcelona vor Gericht stehen. Eliseo (63) und Verónica (59) wird vorgeworfen, sich gegen ihre Zwangsräumung in dem Stadtteil Clot gewehrt zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert je 2 Jahre bis 2 Jahre und 3 Monate Haft. Mitangeklagt sind außerdem drei solidarische Nachbarn, die vor dem Haus waren. Diesen drohen zwischen 4 Jahren bis 5 Jahren und 2 Monaten Knast, wegen „Widerstands gegen die Staatsgewalt“, meldet Diagonal.

Die Zwangsräumung wurde im Sommer 2011 mit unfassbarer Brutalität von den Mossos durchgesetzt (Bericht auf Bodenfrost). 80 Menschen fanden sich vor dem Gebäude ein, um ihren Nachbarn beizustehen. Desnonamentclot, ein Unterstützungs- und Mobilisierungsblog für die von Repression Betroffenen, fasst die Ereignisse in mehreren Sprachen zusammen: Weiterlesen…

Hambacher Forst: Solidarität mit den Gefangenen

Das libertäre Studentenkollektiv FEL Zaragoza schickt einen Solidaritätsgruß aus seiner Stadt an Hodei und Siao, die im Hambacher Forst wegen ihres Widerstands gegen Rodungen festgenommen wurden und sich seitdem in Untersuchungshaft befinden:

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Anarchist Black Cross Rhineland nennt eine Adresse, an die man den beiden Gefangenen schreiben kann:

SSK z.H. ABC Hodei/Siao
Salierring 37
50677 Köln

Briefe, Karten, usw. werden anschließend weitergeleitet. Auf der Seite von ABC Rhineland gibt es auch Hinweise, was beachtet werden sollte bei Post an Gefangene.

Gran Canaria: Direkte Aktion gegen Zwangsräumung

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria (FAGC) hat durch Mut, Einfallsreichtum und direkte Aktion erneut eine Zwangsräumung verhindert. Aufgrund der kurzen Vorlaufzeit – die räumungsbedrohte Familie hatte die FAGC nur einen Tag zuvor benachrichtigt – konnten lediglich 5 Menschen mobilisiert werden.

„Es sah nicht gut aus an diesem Morgen“, berichtet die FAGC. Die Zweifel nagten: „Wir sind wenige. Soll das die erste Zwangsräumung werden, die wir nicht aufhalten können?“ Um den zahlenmäßigen Nachteil auszugleichen, entschieden sie sich für die bewährte Taktik des Einigelns: Die wackere kleine Gruppe verschanzte sich in der Wohnung. Mit Brettern und Stützbalken an Fenstern und Türen verwandelten sie die Wohnung in eine uneinnehmbare Festung.

Auf Twitter veranschaulicht die FAGC das sehr bildlich: „Wir machten einen Bunker aus der Wohnung. Wir sahen aus wie ein Schiff aus dem 16. Jahrhundert. ‚Vernageln sie die Fenster, meine Damen‘, scherzten wir“.

„A las barricadas“ singend, warteten alle gemeinsam in der Wohnung darauf, dass die Übeltäter kämen. Als diese schließlich auftauchten, mühte sich der Schlüsseldienst 5 Stunden lang vergeblich ab, dem Gerichtsvollzieher Zutritt zu der Wohnung zu verschaffen. Der Anwalt der immobiliengesellschaft bot letztendlich Verhandlungen an. 6 Monate Miete, lautete das Angebot, unter der Bedingung, dass die Familie anchließend verschwindet. Der FAGC gefiel das Angebot nicht, aber die Familie, die ihre Miete nicht mehr hatte bezahlen können, willigte ein.

Um 14 Uhr, als sie sich vergewissert hatten, dass die Luft rein ist, zog sich die FAGC zurück. Durch die Garage, um sicher zu gehen. Festnahmen gab es an diesem Tag keine.

Quelle: Eine Tweet-Kette der FAGC