Barcelona: zwangsgeräumte Familie und Unterstützer vor Gericht

Am 14. und 15. Dezember wird ein Ehepaar aus Barcelona vor Gericht stehen. Eliseo (63) und Verónica (59) wird vorgeworfen, sich gegen ihre Zwangsräumung in dem Stadtteil Clot gewehrt zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert je 2 Jahre bis 2 Jahre und 3 Monate Haft. Mitangeklagt sind außerdem drei solidarische Nachbarn, die vor dem Haus waren. Diesen drohen zwischen 4 Jahren bis 5 Jahren und 2 Monaten Knast, wegen „Widerstands gegen die Staatsgewalt“, meldet Diagonal.

Die Zwangsräumung wurde im Sommer 2011 mit unfassbarer Brutalität von den Mossos durchgesetzt (Bericht auf Bodenfrost). 80 Menschen fanden sich vor dem Gebäude ein, um ihren Nachbarn beizustehen. Desnonamentclot, ein Unterstützungs- und Mobilisierungsblog für die von Repression Betroffenen, fasst die Ereignisse in mehreren Sprachen zusammen:

Der Widerstand einer Familie – die Solidarität der ganzen Nachbarschaft

Juni 2011. Die spanische Anti-Austeritäts-Bewegung 15M – die Empörten – brachte die öffentlichen Plätze zum kochen. Verónica, Eliseo und ihre drei Kinder wurden zwangsgeräumt aus ihrer Wohnung im Stadtteil Clot, Barcelona. Die Nachbarn erfuhren davon und eilten sofort zu Hilfe. Die Mossos d’Esquadra – die katalanische Polizei – ging in einer nie gesehenen brutalen Weise gegen die Familie und uns Unterstützer vor. Wir waren alle aus dem Grund da, um Verónica und Eliseo zu zeigen, dass sie nicht allein sind, und um zu zeigen, dass jede Forderung ein Akt des Widerstands und des gemeinsamen Kampfes zu sein hat.

Das Vorgehen seitens der Mossos d’Esquadra entspricht einer konkreten Weise, das Recht auf Wohnung zu verstehen. Die Regionalregierung von Katalonien und die spanische Zentralregierung sind sich darin einig und stellen das Recht auf Privateigentum über das Recht auf würdiges wohnen.

Mittlerweile läuft ein Gerichtsverfahren gegen Verónica und Eliseo. Es ist äußerst alarmierend, dass Staatsanwaltschaft und Regionalregierung, die als Kläger auftreten, Verónica und Eliseo nun auch noch kriminalisieren, und so ihre verzweifelte Lage noch schlimmer machen, nachdem sie gewaltsam aus ihrem Haus geworfen wurden.

Gleichzeitig werden bis zu 5 Jahre Haft gefordert für 3 solidarische Menschen, die glaubten, dass es ein Akt der Gerechtigkeit sei, Verónica und Eliseo zu unterstützen. Dies geschieht mit der klaren Absicht, uns in unserem Elend zu isolieren. Sie wissen, dass wir gemeinsam stärker sind. So wird nicht nur die Verteidigung der Wohnung angeklagt, sondern auch die gegenseitige Hilfe.

Wir Zwangsgeräumten, von Repressalien Betroffenen und Unterdrückten werden weiterhin gemeinsam die Stirn bieten. Wenn es eine Sache gibt, die wir in all den Jahren gelernt haben, dann ist es, dass sie es nicht mit uns aufnehmen können und dass und wir die wahren Schuldigen zu Fall bringen werden, wenn wir wir zusammenhalten.

Wenn Armut die Norm ist und soziales Wohnen ein verlorenes Recht
IST WIDERSTAND PFLICHT.

Freispruch für die Angeklagten!

In einem spanischsprachigen Video kommen Eliseo und Verónica zu Wort und wird auf die Gerichtstermine hingewiesen:

Ein Video, das die brutale Zwangsräumung damals dokumentierte, vermittelt einen Eindruck von der Absurdität, dass nicht die gepanzerten Cops sich für ihren Gewaltexzess verantworten müssen, sondern dass Menschen, die Angst hatten, ihr Zuhause zu verlieren, unter Anklage stehen:

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