Anarchistischer Monatsrückblick: Juni 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die vergangenen vier Wochen

Mehrere hundert Berufsschülerinnen und -schüler versuchten in Nürnberg spontan, die Abschiebung eines Gefährten zu verhindern. Die Cops hatten den 20-Jährigen aus dem Unterricht gezerrt. Die Solidarität der Schülerinnen und Schüler wurde von den Bullen mit Pfefferspray, Knüppeln und Hunden beantwortet. [Neues-Deutschland] – [Graswurzelrevolution]
Für die von Repression Betroffenen wurde ein Spendenkonto eingerichtet: Rote Hilfe OG Nürnberg, GLS Bank, Kto.: 4007238359, BLZ: 43060967, IBAN: DE85430609674007238359, BIC: GENODEM1GLS [Nürnberg ist überall/Facebook].

In Karlsruhe stellten sich Tausende einem Nazi-Aufmarsch entgegen. Die Nazis hatten zu dem „Tag der deutschen Zukunft“ aufgerufen. Der Marsch der 250 – 300 Nazis wurde von einem Großaufgebot Uniformierter geschützt. Antifaschistische AktivistInnen hingegen wurden von den Cops angegriffen. Ein Live-Ticker mit zahlreichen Fotos: [Beobachter News]. Eine Reportage bei [Radio Dreyeckland].

Auf [Sub.Media (englisch)] gibt es ein Video über Projekte, die AnarchistInnen in Griechenland auf die Beine gestellt haben, um Geflüchtete zu unterstützen. So wurde auf der Insel Lesbos ein Hilfscamp errichtet, um dort ankommende Geflüchtete vor dem Ertrinken zu retten.

Einen Artikel über AnarchistInnen in Griechenland, die Gebäude besetzen, um selbstverwaltete Unterkünfte für Geflüchtete zu erschaffen, gibt es bei [The Canary (englisch)]. In diesen Squats sind tausende Geflüchtete untergekommen, die in Griechenland gestrandet sind nach dem Schließen der Balkan-Route. Gemeinsam mit AktivistInnen vor Ort organisieren sie ihren Alltag. Kostenlose Sprachkurse sind nur eine von vielen Möglichkeiten, die dort angeboten werden.
Erwähnt wird in dem Artikel auch das City Plaza, ein vormals leerstehendes Hotel in Athen. Bis zu 400 Geflüchtete leben dort. Das City Plaza ist eins von drei besetzten Gebäuden, die akut räumungsbedroht sind. Bei den beiden anderen handelt es sich um Papoutsadiko und Zoodouchou Pigis.
Bericht vom Dringlichkeits-Plenum des City Plaza, als die Meldung von der drohenden Räumung die Runde machte: [Medium (englisch)].
Ein mehrsprachiges Statement des City Plaza zum Räumungsbeschluss: [EnoughIsEnough14 (für deutsch ein Stückchen runterscrollen)].
Wie die anarchistischen Squats sich auf die drohende Räumung vorbereiten, steht bei [Freedom News (englisch)].
[Aljazeera (englisch)] berichtet über eine Demo in Athen gegen die drohende Räumung.

Die FAU (Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union) versammelte sich in Hannover zu ihrem 41. Kongress. Auf ihrer Seite berichtet die [FAU] und feiert ihr Jubiläum:

40 Jahre nach ihrer Gründung ist die FAU ihrem Anspruch, eine handlungsfähige, kämpferische Gewerkschaft zu sein und zugleich Ideale der Selbstorganisation und Herrschaftsfreiheit zu leben und in die Gesellschaft zu transportieren, wieder ein Stück näher gekommen.

In Kassel wurde die Villa Rühl besetzt. Das Gebäude war zehn Jahre lang leer gestanden. Geplant war, dort ein soziales Zentrum entstehen zu lassen. Die AktivistInnen benannten das Gebäude um in Unsere Villa [UnsereVilla/Twitter].
A & O Kassel (Anarchistische Aktion und Organisierung) solidarisierte sich mit der Hausbesetzung in Kassel: [A-O-Ks]
Bedauerlicherweise wurde Unsere Villa nach wenigen Wochen geräumt [Hessenschau]. Eine Mitteilung der AktivistInnen zu der Räumung: [Villa Kassel].
Die [Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen] solidarisierte sich nach der Räumung mit dem Squat in Kassel.


Weitere Fotos von der Demo gegen die Räumung: [VillaKassel].

Während eines anarchistischen Sommerfestes wurde in Hamburg eine leerstehende Kirche besetzt. Dort soll ein selbstverwaltetes Jugendzentrum entstehen. Im Plenum wurde entschieden, das Sommerfest zu verlängern. Das Sommerfest steht allen offen und lädt zum Mitmachen und Selbergestalten ein. Einige Fotos: [rubiii/Twitter]. Die Mitteilung der BesetzerInnen auf [Linksunten]. Die bürgerlichen Medien zum Thema: [NDR]

Für das Squat in Bochum sieht es nicht gut aus: Das Gebäude, das vor einem Monat besetzt worden war, wurde verkauft [Squat Bo/Twitter].

Die Libertäre Gruppe Karlsruhe brachte ihre Solidarität mit den Besetzungen in Bochum, Kassel und Hamburg zum Ausdruck. Die Solidarität gilt auch dem räumungsbedrohten Kiezladen Friedel 54 in Berlin. [LKA.Tumblr]

Immer mehr AnarchistInnen aus Griechenland schließen sich dem bewaffneten Kampf gegen den islamistischen Terror in Rojava an. In Rojava (Nord-Syrien) ist vor kurzem das anarchistische Bataillon IRPGF entstanden, um gegen den IS und für die soziale Revolution zu kämpfen. Die Repressionsorgane in Europa fürchten, dass die AktivistInnen ihr dort erworbenes Wissen für militante Aktionen gegen den Staat einsetzen werden, sobald sie nach Europa zurückkehren. Bericht: [Deutsche Welle (englisch)]

Am 7. Juni wurde in Aachen das Urteil gegen zwei spanische GenossInnen verkündet. Beiden wurde vorgeworfen, eine Bank enteignet zu haben.
Die Genossin wurde zu 7 1/2 Jahren Knast verurteilt. Der Genosse wurde freigesprochen, in dubio pro reo (Im Zweifel für den Angeklagten). Die Verteidigung hat eine Woche Zeit, Widerspruch gegen das Urteil einzulegen [Solidariteit | WDR | Directa (katalanisch)]. [Radio Aktiv Berlin] berichtete in einem Beitrag über Details der Festnahme und des Verfahrens.
In Barcelona gab es noch am Abend der Urteilsverkündung eine Solidaritäts-Demo. Ein Bericht über diese Scherbendemo: [Linksunten].
IRPGF gab eine Solidaritäts-Mitteilung heraus: [Insurrection News worldwide (englisch)].
In Madrid wurde eine Bankia-Filiale angegriffen aus Solidarität mit der Genossin [Insurrection News Worldwide].

Themen des Anarchistischen Radio Berlin in seiner aktuellen Sendung sind unter anderem: Die Hausbesetzung in Bochum und die Anarchistische Hochschulgruppe Dortmund. Download/Anhören: [Anarchistische Radio Berlin]

Der 11. Juni war auch dieses Jahr wieder der Tag der Solidarität mit anarchistischen Gefangenen weltweit. Ein Mobilisierungsvideo: [Vimeo]. Hintergründe: [June11 (englisch)].
Seit 13 Jahren ist der 11. Juni ein Tag der Solidarität. 2004 wurden in 27 Städten Veranstaltungen für den Öko-Anarchisten Jeff „Free“ Luers organisiert. Jeff saß zu diesem Zeitpunkt bereits 4 Jahre im Knast. Einen ausführlichen Rückblick auf die Geschichte des 11. Juni gibt es bei [Crimethinc (englisch)].
Veranstaltungen zum 11. Juni diesen Jahr bei [It’s Going Down (englisch)].
Ein Foto aus Chicago: [Daney Villa/Twitter (englisch)].
Eines aus Athen: [th1an1/Twitter (englisch)].
Ebenfalls in Athen hagelte es Molotov Cocktails auf ein Gerichtsgebäude. Video: [Athens.Indymedia]. Infos dazu: [Athens.Indymedia (griechisch)].

Direkte Aktion in einer U-Bahn-Haltestelle in Athen: Es wurden Fahrscheinüberprüfungsautomaten zerstört und Flugzettel hinterlassen. Gefordert wird „kostenlose Beförderung für alle“ [Enough is enough 14/Twitter].

Auch diesen Monat hat die Föderation deutschsprachiger AnarchistInnen (FdA) ihre Zeitung veröffentlicht. In der Ausgabe 78 der Gaidao ist auch ein Text von Ruymán Rodríguez von der Anarchistischen Föderationen Gran Canaria (FAGC). Der Text setzt sich damit auseinander, was es bedeutet, AnarchistIn zu sein. Auf der Titelseite wird an Bayram und Giyas erinnert. Die beiden jungen Genossen wurden in Aserbaidschan wegen politischer Graffiti zu 10 Jahren Haft verurteilt. Sie sind beide seit Monaten im Knast. Kostenloser Download oder Bestellung der Juni-Ausgabe: [FdA-IFA]

Die FAU und die Anarchosyndikalistische Jugend aus Bonn haben ebendort eine Vortragsreihe organisiert. Thema war „Anarchistischer Syndikalismus und Arbeitskämpfe“. Das vollständige Programm: [ASJBonn].

In Pforzheim haben eine Hand voll Punks einem Infostand der AfD mit musikalischer Untermalung und Kreidebotschaften eingeheizt. Bericht und Fotos auf [Linksunten].

Zahlreiche anarchistische Zusammenschlüsse haben einen Solidaritätstext für Repressionsbetroffene in Belarus unterzeichnet. In Belarus wird sei Monaten gegen ein geplantes „Anti-Parasiten-Gesetz“ protestiert, das Arbeitslosen Extrasteuern aufbürden würde. Zahlreiche Menschen wurden bei den Protesten festgenommen. Unterzeichnet haben:
Anarchist Federation (Großbritannien)
Federation of Anarchist Organizing (Slovenien)
Anarchist Political Organization (Griechenland)
Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (Deutschland und Schweiz)
Federación Anarquista Ibérica (Spanien)
Federazione Anarchica Italiana (Italien)
Fédération anarchiste francophone (Frankreich, Belgien und Schweiz)
Der Text in voller Länge: [FdA-IFA]

Die Crowdfunding-Kampagne war erfolgreich: Nach 17 Jahren Abwesenheit ist wieder eine Ausgabe der libertären Kulturzeitschrift Ajo Blanco an den Kiosken in Spanien erhältlich. Die Startauflage betrug 50.000 Exemplare. Geplant ist eine neue Ausgabe alle vier Monate. Die Zeitschrift verzichtet vollständig auf Werbeeinnahmen. [RTVE | Ajo Blanco | El Diario (alle drei: spanisch)].

Grünes Licht für die Autonome Wohnfabrik: Dank Direktkrediten kann in Salzburg, Österreich, ein autonomes Hausprojekt umgesetzt werden. Infos auf der Seite von [Autonome Wohnfabrik].

Das anarchistische Buch- und Kulturzentrum Black Pigeon in Dortmund braucht finanzielle Unterstützung, um über die Runden zu kommen:

Unser Ziel ist es 40 Menschen zu finden, die 10 Euro im Monat an uns überweisen. Wenn ihr mehr oder weniger geben könnt, freuen wir uns natürlich auch. Helfen tut ihr uns natürlich auch mit einmaligen Spenden oder indem ihr bei uns einkauft.

Kompletter Text: [Black Pigeon]
Bankverbindung:
Black Pigeon
BIC: GENO DE F1 ETK
IBAN: DE18830944950003287980

In Griechenland wurde Irianna aufgrund haltloser Anschuldigungen und ohne tragfähige Beweise zu 13 Jahren Haft verurteilt. Die 29-Jährige hatte auch ehrenamtlich Griechisch-Unterricht für Geflüchtete gegeben.
2011 übernachtete Irianna bei ihrem Partner Konstantinos, als eine Anti-Terror-Einheit der Polizei die Wohnung überfiel. Beide hatten keine Ahnung, worum es geht. Sie wurden in Handschellen auf die Wache geführt. Irianna kooperierte auf der Wache und ließ zu, dass ihr Fingerabdrücke und eine DNA-Probe abgenommen wurden. Sie wurde innerhalb von 24 Stunden ohne Anklage freigelassen, Konstantinos kam gegen Kaution frei, wurde aber der Mitgliedschaft bei der Verschwörung der Feuerzellen beschuldigt.
Während des Verfahrens gegen Konstantinos 2013 wurde Irianna erneut festgenommen. Ihr wurde vorgeworfen, ebenfalls der Verschwörung der Feuerzellen anzugehören. Außerdem wurde behauptet, dass ihre DNA auf einer Waffe festgestellt wurde, die in der Universität in Athen gefunden worden war. Diese Waffe wurden nie zu einem kriminellen Zweck verwendet. Es ist nicht einmal gesichert, dass sie der Verschwörung der Feuerzellen gehörte. Gefunden wurden die Waffe von einem geheimnisvollen Zeugen, der nicht vor Gericht erschien und der auch nicht auffindbar war.
Das Gericht entschied zwar, Irianna wieder frei zu lassen, allerdings unter Auflagen. So durfte sie beispielsweise Griechenland nicht ohne Genehmigung verlassen und musste sich regelmäßig bei Gericht melden. Konstantinos wurde nach einem langen Prozess freigesprochen.
Ein Wissenschaftler verglich die gefundene DNA auf der Waffe mit der Probe von Irianna. Er kam zu dem Schluss, dass die gefundene DNA-Menge zu gering sei für eine eindeutige Zuordnung. Das Gericht zeigte sich jedoch davon nicht beeindruckt.
In ihrer Verteidigungsrede machte Irianna klar, dass sie nicht nur kein Mitglied einer terroristischen Vereinigung, sondern nicht einmal Anarchistin sei. Und dass sie niemals mit irgendwelchen Waffen zu tun gehabt habe.
Im Juni 2017 wurde Irianna wegen „illegalem Waffenbesitz“ und „Mitgliedschaft bei einer terroristischen Vereinigung“ zu 13 Jahren Knast verurteilt. Sie wurde direkt nach dem Prozess in Handschellen zum Gefängnis gebracht.
[Athens live (englisch) | 3point Magazine (englisch) | Público (spanisch)]

In Athen gab es eine große Solidaritäts-Demo für den Anarcho-Kommunisten Tasos Theofilou. Tasos Theofilou wurde 2014 ohne Beweise zu einer 25jährigen Haftstrafe verurteilt. Ankündigung der Demo: [Enough is enough 14 (englisch)]. Fotos der Demo: [Lihtenvalner/Twitter | Souidos/Twitter | txvx_txvx/Twitter].
Auch vor der griechischen Botschaft in London wurde eine Solidaritäts-Aktion durchgeführt: [kampmairi/Twitter].
Tasos Theofilou legte Berufung ein gegen das Urteil. Das Gericht wird die endgültige Entscheidung am 6. Juli verkünden [Gatorna (englisch)].

Anfang des Jahres wurde auf Gran Canaria ein MieterInnen-Syndikat gegründet. Eine Bilanz der bisherigen Aktivitäten seitdem:
Über 100 Mitglieder. 11 Enteignungen. Über 80 Beratungsgespräche. 13 Zwangsräumungen wurden aufgehalten, noch bevor sie stattfanden. 10 Neuunterbringungen.
[FAGC_Anarquista/Twitter (spanisch)].
Das MieterInnen-Syndikat Gran Canaria unterstützt auch das neue Projekt El Refugio: 5 Familien ohne Mittel und Dach über dem Kopf haben auf Gran Canaria leerstehende Gebäude renoviert und sind dort eingezogen. Auf diese Weise ergriffen sie auf eigene Faust die Gelegenheit, die ihnen vom kapitalistischen System und den Institutionen verwehrt bleibt. 16 Menschen, 10 davon minderjährig, haben dieses Wohnprojekt initiiert. Auf den kanarischen Inseln stehen 135.000 Gebäude leer. Pro Quartal finden 735 Zwangsräumungen statt. Auf den Kanaren gibt es die zweitniedrigsten Löhne in Spanien. Die Provinz Las Palmas ist diejenige mit den zweithöchsten Mietsteigerungen in Spanien. [Sindicato de Inquilinas GC (spanisch)].

1972 erschien die erste Ausgabe der Graswurzelrevolution. Anlässlich des 45. Jubiläums dieser anarcho-pazifistischen Zeitschrift wurde eine kommunikationswissenschaftliche Analyse erstellt: [Schattenblick]. Es geht um Strategien von alternativen Medien mit Gegeninformationen:

Will man in erster Linie die eigene Szene bedienen? (Schon das ist kompliziert genug, weil auch hier zum Teil heftige Kritik geübt wird und sich manchmal jemand oder eine Gruppe vor den Kopf gestoßen fühlt.) Oder will man eine größere Resonanz in breitere Bevölkerungsschichten hinein bekommen? Und wenn, dann zu welchem „Preis“?

In Berlin wurde der Kiezladen Friedel 54 mit heftiger Polizeigewalt geräumt. Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer hatten sich schon in der Nacht zuvor vor dem Gebäude versammelt, um Widerstand zu leisten. Ein Video von [MZ Photo/Twitter] als Beispiel dafür, wie brutal die Sitzblockade geräumt wurde. Einen Ticker von der Räumung twitterte [Kiezladen Friedel 54] selbst. Auch das [Anarchistische Radio Berlin] sorgte für eine aktuelle Berichterstattung. Fotos hat [PM Cheung/Flickr] gemacht. Einen kurzen Videobericht bei [Left Vision Clips/Twitter].

Auf dem Waldfriedhof in München ist ein Denkmal für den Anarcho-Pazifisten Gustav Landauer eingeweiht worden [Thomas Ranft/Twitter | Räte-München]. Ebenfalls auf dem Waldfriedhof befindet sich ein ein Gedenkstein für Gustav Landauer: [Sexualpolitik/Twitter]. Unterstützt wurde der Wiederaufbau der Stele auch von der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen: [FdA-IFA/Twitter].

Historische Jahrestage

Am 2. Juni 1970 stirbt Lucía Sánchez Saornil. Lucía war Schriftstellerin, Anarchistin und Mitglied bei der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT in Spanien. 1936 wurde sie eine der Gründerinnen der Mujeres Libres (Freie Frauen). Bis zu 20.000 Frauen waren in dieser anarchofeministischen Gruppe organisiert. Die Mujeres Libres leisteten Widerstand gegen den Militärputsch der Faschisten und kämpften für die soziale Revolution.
Nach dem Sieg der Faschisten ging Lucía gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin ins Exil. Später kehrten beide nach Spanien zurück. Dort mussten sie ihre Liebesbeziehung wegen des faschistischen Regimes geheim halten. [Wikipedia | Anarchismus.at].

Am 4. Juni 1862 wird Teresa Claramunt geboren. Die spanische Anarchistin organisierte 1883 einen Streik für den 8-Stunden-Arbeitstag. Ein Jahr später war sie an der Gründung einer anarcho-syndikalistischen Gruppe in Sabadell dabei. 1892 gründete sie die erste autonome Frauengruppe in Barcelona (la Sociedad Autónoma de Mujeres de Barcelona).
Teresa wurde mehrfach festgenommen. Im Knast wurde sie gefoltert. Sie litt ein Leben lang an den gesundheitlichen Folgen dieser Folterungen. Die brutale staatliche Repression brachte sie nicht von ihren anarchistischen Überzeugungen ab. Nach ihrem Tod 1931 nahmen 50.000 Menschen Abschied von ihr. [Anarchismus.at]

Am 13. Juni 1980 wird in Freiburg der Schwarzwaldhof besetzt [Autonome Geschichte/Twitter]. Bei [Radio Dreyeckland] gibt es ein einstündiges Special zu hören über Häuserkampf in Freiburg.

Am 15. Juni 2011 bilden Tausende eine Menschenkette um das katalanische Regionalparlament in Barcelona. Ziel der Blockade ist es, die Abstimmung zu verhindern, die zu weiteren Haushaltskürzungen im sozialen Bereich führen würde. Einige Parlamentarier werden mit dem Hubschrauber eingeflogen, um die Blockade zu umgehen. Die Aktion entstand aus der einen Monat zuvor entstandenden Bewegung #15M heraus. In den sozialen Netzwerken wird mit #AturemElParlament (halten wir das Parlament auf) mobilisiert. Diese direkte Aktion zog jahrelange Repression für einige der Beteiligten nach sich. Weitere Informationen:[15MPedia (spanisch)]. Ein Foto der Versammlung aus der Vogelperspektive: [Directa/Twitter (katalanisch)].

20. Juni 1912 stirbt Voltairine de Cleyre. Die Autorin aus den USA setzte sich für einen Anarchismus ohne Adjektive ein. Damit meinte sie Toleranz zwischen den unterschiedlichen anarchistischen Strömungen und Vorgehensweisen:
„Ihr fragt nach einer Methode? Fragt ihr den Frühling nach seiner Methode? Was ist notwendiger, Sonnenschein oder Regen? Sie schließen einander aus – richtig; sie vernichten einander – richtig, doch aus dieser Vernichtung wachsen die Blumen. Jeder wähle die Methode, die seine Eigenheit am besten ausdrückt und niemand verurteile einen anderen, weil er sein Selbst auf andere Weise ausdrückt.“
Zeitlebens setzte sie sich für die Rechte der Frauen ein. Ein Anschlag wurde auf sie verübt. Die Kugel konnte nicht aus ihrem Körper entfernt werden. Voltairine setzte sich dafür ein, dass der Täter nicht ins Gefängnis muss. In Chicago lehrte sie an einer Schule, die sich an den Vorstellungen des libertären Pädagogen Francesc Ferrer orientierte.
Ihre letzten Lebensjahre waren geprägt von Depressionen und den Spätfolgen des Attentats. Trotzdem erwog sie zur Unterstützung der mexikanischen Revolution einen Umzug nach Kalifornien. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Sie starb in Chicago. [Wikipedia | Anarchismus.at]

Am 25. Juni 1979 wird Valentín González Ramírez bei einem Streik in Valencia (Spanien) durch einen Polizisten ermordet. Der zwanzigjährige Anarcho-Syndikalist, der in der CNT organisiert war, wurde von einem Gummigeschoss getroffen. Das Geschoss war aus unter einer Meter Entfernung auf ihn abgefeuert worden. Foto von der Gedenkveranstaltung der CNT am Jahrestag 2017: [CNT oficial/Twitter]. Informationen über Valentín González Ramírez auf [Wikipedia (spanisch)]. 2017 wurde eine Straße nach dem jungen Anarcho-Syndikalisten benannt [Levante EMV (spanisch)].

Am 28. Juni 1940 wird Matilde Sabaté Grisó von Franco-Faschisten an einer Friedhofsmauer in Girona (Katalonien) erschossen. Geboren wurde die Anarcho-Syndikalistin ungefähr 1904. Sie arbeitete als Modistin. Bei Ausbruch der sozialen Revolution in Spanien schloss sie sich der CNT an. Als die Faschisten siegten, widersetzte sie sich dem Ratschlag zu fliehen. 1939 wurde sie gefangen genommen. Ein Kriegsgericht verurteilte sie zum Tode. Die Anschuldigungen waren „Beteiligung an der Rebellion“, sie sei „bewaffnete Milizionärin“ gewesen und „Sekretärin des Revolutionären Komitees von Sils“, sie sei an „Plünderungen“ beteiligt gewesen, an der „Zerstörung religiöser Bilder“ und an „einigen Ermordungen“. Matilde wurde gemeinsam mit 9 weiteren Verurteilten ermordet. Ihr Leichnam wurde in einem anonymen Massengrab verscharrt. Ein Rückblick auf ihr Leben: [CNT Puerto Real (spanisch)].

Termine

22. Juni bis 28. Juli 2017: Foto-Ausstellung in Madrid. Die Ausstellung heißt „¡No olvidéis!“, „Vergesst nicht!“. Gezeigt werden Archiv-Fotos aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs 1936 bis 1939, eingefügt in Aufnahmen derselben Orten aus neuerer Zeit. Veranstalter ist die Fundación des Estudios Libertarios Anselmo Lorenzo (FAL). Die FAL ist eine Kulturorganisation, die von der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT gegründet wurde [FAL.CNT (spanisch)].

29. Juni bis 6. Juli: Unter dem Motto „Bücher. Bildung. Barrikaden.“ findet in Hamburg eine Anarchistische Veranstaltungswoche statt [Anarchistische Inititative].

Am 1. Juli 2017 wird das anarchistische Ladenlokal H5 in der Hardenbergstraße 5 in Krefeld eröffnet:

Ab 12 Uhr werden sich die Türen öffnen, um 14 Uhr schmeissen wir den Grill an und um 15:30 Uhr folgt schließlich ein kleines Kulturprogramm.

Vorstellung und Ankündigung: [Anarchistische Gruppe Krefeld/Facebook].

6./7. Juli 2017: Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg. Ein Statement der Föderation deutschsprachiger AnarchistInnen zum G20-Gipfel:

„Daher rufen wir dazu auf, unversöhnliche und nicht vereinnehmbare Widerstandsformen zu wählen, die eine dem demokratischen Staat und dem Kapitalismus unmissverständliche Ablehnung aufzeigen. […]
Kapitalismus, Staatlichkeit und Herrschaft werden am Ende jedoch nicht auf symbolhaften Gipfelprotesten überwunden, sondern im Alltag und unseren unmittelbaren Lebenswelten.“

Vollständiger Text: [FdA-IFA]

Keinen Bock auf Proteste gegen den Gipfel hat die [FAU Hamburg]. Zu dieser Mitteilung der FAU Hamburg gab es auf [Linksunten] eine angeregte Diskussion. Die Schwarze Katze hingegen öffnet Anti-Gipfel-Demonstrantinnen ihre Pforten. Eine Mitteilung des libertären Kultur- und Aktionszentrum Schwarze Katze:

Die Schwarze Katze wird vor und während des G20 geöffnet sein um einen Treff- und Rückzugspunkt zu bieten.
Es werden warme und kalte Getränke bereitstehen, sowie Essen solange der Vorrat reicht. Handys können aufgeladen und die neusten Infos abgefragt werden.
Dienstag 04.07. bis Sonntag 09.07.
10.00 bis 23.00 Uhr
Wir freuen uns auf euren Besuch!

Text: [Libertäres Zentrum/Facebook].

Einen Überblick über Aktivitäten gegen den G20-Gipfel bietet [Crimethinc (englisch)].

Am 11. Juli 2017: Anarchofeministisches Vortrag in „Casa del Comunismo Libertario“ (Haus des libertären Kommunismus) in Santiago de Chile [Facebook].

15. Juli 2017: Antifaschistische Gedenkdemo für Erich Mühsam in Oranienburg [Linksunten].

14. bis 16. Juli 2017: Sommerfest in der Villa Galgenberg in Nürtingen. Neben Party und Konzert sind auch politische Beiträge und Workshops geplant. Das genaue Programm ist noch in Arbeit. Fest steht schon, dass es einen Vortrag über Anarcho-Kommunismus geben wird. Außerdem wird der Umsonstladen vorgestellt.

15. Juli 2017: „(K)ein Grund zum Feiern! – Solikonzert & Party für anarchistische Politik in & um Freiburg“ [Anarchistische Gruppe Freiburg].

4. August 2017: Auch dieses Jahr wird die Wasserbombenparade durch Nürtingen ziehen, um ein humorvolles Zeichen gegen staatliche Repression zu setzen.

16. bis 22. August 2017: Die anarchosyndikalistische Gewerkschaft CNT veranstaltet in León, Spanien, das XVI. libertäre Zeltlager. Angedacht sind kulturelle Aktivitäten, Diskussionen und Bergwanderausflüge. [León.CNT (spanisch)]

24. September 2017: Anarchistische Buchmesse in Houston, USA [Enough is enough 14].

Am 28. Oktober 2017 wird in London die Anarchistische Buchmesse stattfinden [AnarchistBookfair (englisch)].

Vom 10. bis 12. November 2017 wird an der Universität Hamburg der bereits dritte, jährliche Kongress Anarchistische Perspektiven (auf die Wissenschaft) stattfinden. Infos: [Anarchie.Userblog.Uni-Hamburg]

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