Anarchistischer Monatsrückblick: Januar 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die vergangenen vier Wochen:

Bericht und Fotos von einer Silvester-Solidaritäts-Aktion in Rottenburg. Einige solidarische Menschen stellten sich mit einem Transparent vor die dortige JVA. Auf dem Transparent stand „Ⓐ Für eine Gesellschaft ohne Knäste“. [AntiFANT.blogsport]

Am 7. Januar gingen tausende Menschen in Dessau auf die Straße, um Oury Jallohs zu gedenken. „Oury Jalloh, das war Mord“, riefen die Demonstranten immer wieder. Oury Jalloh verbrannte 2005 – an Händen und Füßen gefesselt – in einer Zelle in einer Polizeiwache. Seit seinem Tod versuchen staatliche Repressionsorgane alles, um eine Aufklärung des Falls zu verhindern. Die Demo endete vor eben der Wache, in der Oury Jalloh starb. Es wurden Feuerzeuge auf die Stufen des Gebäudes geworfen, um an die Umstände, unter denen er zu Tode kam, zu erinnern.
Fotos: [PM Cheung/Flickr | Lionel C. Bendter/Flickr | Simon Telemann/Flickr | Streetphoto SE/Twitter | Dessau Nazifrei/Twitter | Tim Lüddemann/Twitter]
Videos vom Demozug aus der Vogelperspektive: [Dessau nazifrei/Twitter] | (2) | (3) | (4)].
Video mit Interviews und Impressionen von der Demo: [Tim Lüddemann/Youtube]
Demo-Bericht: [MDR]

Die Libertäre Gruppe Karlsruhe berichtet von Repression aufgrund der Anti-Wahl-Kampagne „Solidarische Perspektiven entwickeln – Jenseits von Wahlen und Populismus“. Repressionsorgane postierten sich zur Einschüchterung an Veranstaltungsorten. Später flatterten einigen an der Kampagne beteiligten Personen Strafbefehle ins Haus. Ihnen wird vorgeworfen, Wahlplakate mit Plakaten der Kampagne „Solidarische Perspektiven“ überklebt zu haben. Zusätzlich zu den Strafbefehlen wurden die Namen und Adressen der betroffenen Personen an alle Parteien weitergegeben. [LKA.Tumblr]

Die Direkte Aktion – die Zeitung der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter*innen Union (FAU) berichtet wie rechte Gruppen um AfD und „Ein Prozent“ zur Unterwanderung von Betriebsräten aufrufen. [Direkte Aktion]

Die Schwarz-Roten Bergsteiger führten ein Interview Interview mit der Anarchistischen Bergsportföderation Katalonien. Nachzulesen ist es bei [Direkte Aktion].

Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) hat die neue Ausgabe ihrer Zeitung veröffentlicht. Die Gaidao Nummer 85 kann bestellt, online gelesen oder heruntergeladen werden: [FdA-IFA].
Themen sind unter anderem die Repression gegen die Libertäre Gruppe Karlsruhe, ein Interview mit der Anarchist Liberation Army, radikaler Veganismus und Jineoloji. Enthalten sind außerdem kritisch Lesermeldungen zum 7jährigen Jubiläum der Zeitung.

Das Anarchistische Radio Berlin hat seinen neuen Libertären Podcast veröffentlicht, ein ernster und satirischer Blick auf Ereignisse des letzten Monats aus libertärer Perspektive. Themen sind diesen Monat unter anderem die Kampagne „Make Amazon pay“, ein libertärer Blick auf den 34. Chaos Communication Congress und eine Rezension von einem Buch von Helge Döhring über Anarchosyndikalismus. Online anhören oder Download: [ARadio Berlin]

Die neueste Ausgabe von Circle A ist draußen. Es gibt unter anderem Artikel zum Thema feministisch Flirten, über die Unabhängigkeit Kataloniens, weitere Betrachtungen zu den G20 Repressionen sowie ein Text zu emotionaler Solidarität. Die Nr. 3 dieser anarchistischen Zeitung aus Dresden gibt es als gedruckte Version. Das Circle-A Kollektiv schreibt dazu: „Das neue Magazin findet ihr in allen coolen Läden der Stadt! Ihr habt nen coolen Laden, aber das Magazin liegt nicht aus? Meldet euch und wir bringens vorbei.“[and.notraces].

Der Bundesgerichtshof (BGH) die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen die in Köln inhaftierte Anarchistin Lisa zurückgewiesen. Somit ist das Urteil über siebeneinhalb Jahre Gefängnis rechtsgültig. Die Absicht der Genossin ist es, so früh wie möglich nach Spanien ausgeliefert zu werden, um ihrem Umfeld nahe zu sein. Derzeit ist sie noch im selben Gefängnis in Köln inhaftiert und kann unter folgender Adresse Post erhalten:

Lisa, nº 2893/16/7
Justizvollzuganstanlt (JVA) Köln
Rochusstrasse 350
50827 Köln

Andererseits hat im selben Monat die Aachener Staatsanwaltschaft, nach fast einem Jahr, den Einspruch, gegen den Freispruch die Genossin in Holland zurückgezogen. [Contrainfo]

Bei dem anarchistischen Mailorder Black Mosquito wurde eingebrochen. Hinterlassen wurden Hakenkreuz-Schmierereien und die Botschaft „wir waren hier“. Gestohlen wurden einige Dinge aus dem Warensortiment und Bargeld (nach bisheriger Schätzung 2500 € Warenwert). Der verschlüsselte Computer wurde nach ersten Eindrücken nicht angerührt. Ausführlicher Bericht und Fotos: [Indymedia | Black Mosquito]

Die Anarchistische Föderation Rhein Ruhr organisierte eine Solidaritätsaktion für Afrin (Rojava) als Reaktion auf den militärischen Angriff der Türkei. [AF Rhein Ruhr]
Mit demselben Transparent beteiligten sie sich auch an einer Solidaritätsdemo für Afrin in Dortmund [Anarchismus in Do./Twitter].

Die Anarchistische Gruppe Dortmund veröffentlichte den Text „Gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien“. [AGDo.Blogsport]

Die Anarchistische Gruppe Freiburg veranstaltete den Vortrag „Einführung in die Ideen der libertären Pädagogik“. Dabei wurden die pädagogischen Vorstellungen der Klassiker des Anarchismus betrachtet, gleichzeitig wurden aber auch historische und aktuelle Versuche der Umsetzung libertärer Ideen in den Blick genommen. [Anarchistische Gruppe Freiburg/Facebook]

Nach Blockaden im Hambacher Forst gegen Rodungen und den Braunkohletagebau sitzen neun mutmaßlich Beteiligte in Untersuchungshaft. Vorgeworfen wird ihnen Widerstand gegen Bullen. Haftgrund ist Fluchtgefahr, da es den Behörden bisher nicht gelungen ist, die Festgenommenen zu identifizieren. Die Aktivisten haben keine Angaben zu ihren Personalien gemacht. Auf der Seite von ABC Rhineland stehen die Adressen, unter denen man ihnen schreiben kann. [ABC Rhineland | Neues Deutschland]

In Dortmund fanden mehrer Mobilisierungsaktionen für eine Einführungs-Veranstaltung zum Thema Anarchismus statt. Ein Info-Tisch war auch mit dabei. Kurzbericht und weitere Fotos: [ANetzDo/Twitter]. Infos über die Veranstaltung: [AGDo.blogsport]

Am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz gedachten Anarchisten in Dortmund der Opfer des Faschismus. An einem Mahnmal für die ermordeten Juden sangen die Anarchisten das Lied „Die Moorsoldaten“ und legten Rosen und eine Gedenktafel nieder. Auf der Gedenktafel stand ein Auszug aus dem Schwur von Buchenwald: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ [ANetzDo/Twitter]

Die Schwarz-Roten Bergsteiger gedachten am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz der Opfer des Faschismus in Porschdorf, an dem ehemaligen KZ-Außenlager Schwalbe III. Bericht und Fotos: [SRB.FAU]. Eine englische Version des Textes: [SRB.FAU]

Mai letzten Jahres versuchten in Nürnberg solidarische Menschen spontan die Abschiebung eines Mitschülers zu verhindern. Der Versuch wurde mit Polizeigewalt und nachfolgender Repression beantwortet. Die Föderation deutschpsrachiger Anarchist*innen (FdA) bekundet in einer Mitteilung ihre Solidarität mit dem Widerstand vom 31. Mai. Außerdem ruften sie dazu auf „sich mit den Betroffenen nach dem 31. Mai 2017 zu solidarisieren. Unterstützt sie und die Arbeit des Bündnisses ‚Widerstand Mai31 – Solidarität ist kein Verbrechen‘, egal ob finanziell oder in Form von eigenen Aktionen, Solidaritätsbekundungen oder vielfältigen anderen öffentlichkeitswirksamen Handlungen, um der Wut über die Versuche des Staates, unsere Mitstreiter*innen abzustrafen und zu unterdrücken, Ausdruck zu verleihen.“ [FdA-IFA]

Australien

Transparent-Aktion in Melbourne für die Anarchistin Lisa, die in Köln im Knast gefangen gehalten wird [Insurrection News Worldwide (englisch)]

Belarus

Ein Rückblick auf die zahlreichen anarchistische Aktivitäten im Jahre 2017 in Belarus [Insurrection News Worldwide (englisch)]

Chile

Die anarchistische Gefangene Tamara Sol wurde bei einem angeblichen Ausbruchsversuch aus dem Frauenknast Valparaíso durch Repressionsorgane schwer verletzt. Das berichtet ihre Familie auf [Facebook]. Eine englische Übersetzung dieser Informationen gibt es bei [Freedom News]. Updates: [Insurrection News Worldwide (englisch)]

ETC

Ein Rückblick auf das Jahr 2017 von [Crimethinc (englisch)].

Frankreich

In Strasbourg gingen bei dauerhaftem Regen über 600 Menschen gegen das Lokal L’Arcadia der faschistischen Bastion Social auf die Straße. Ein Demo-Bericht: [Nigra]

Griechenland

Neuigkeiten von Vio.me, der Seifenfabrik in Thessaloniki, die von der Belegschaft besetzt und enteignet wurde und seitdem selbstverwaltet betrieben wird: Im Januar gab es zwei erfolgreiche Blockaden der gerichtlichen Zwangsversteigerung des Fabrikgeländes. Der nächste Termin, den es zu überstehen gilt, ist der 25. Februar. [LabourNet]
Eine Dokumentation gibt es von 16.01. bis zum 15.02.2018 bei [Arte] zu sehen. Ihr Titel lautet: „Re: Klassenkampf mit Bioseife. Eine griechische Fabrik in Arbeiterhand“

Die Polizei plant 46 besetzte Gebäude zu räumen [Anna Karasthati/Twitter (englisch) | thetoc (griechisch)]

Die anarchistischen Kollektive Rouvikonas und Nea Filadelfeia stürmten das Finanziministerium in Athen und das Büro des Finanzministers. Sie hinterließen Flyer und riefen Parolen gegen die Zwangsversteigerungen und Austeritätsmaßnahmen. [Video der Aktion: th1an1/Twitter (englisch) | Artikel: Ektahimerini (englisch)]]

An der Universität in Athen wurde ein Transparent angebracht Lisa, eine Anarchistin, die in Köln im Knast gefangen gehalten wird. [Contrainfo (spanisch)]

Im Anschluss an eine nationalistische Kundgebung in Thessaloniki hat eine Gruppe von über 100 Menschen das anarchistische und antifaschistische besetzte Hause Libertatia angegriffen und schließlich angezündet. Das Gebäude brannte vollständig aus.
Ein ausführlicher Artikel über Kundgebung und Angriff: [re:volt Magazin].
Die Übersetzung der Stellungnahme der griechischen ehemaligen Bewohner von Libertatia: [Barrikade]
Aufruf von Libertatia zu einer Demo nach dem Brandanschlag: [Libertatia Squat (griechisch)]
Englische Berichte über den Anschlag: [Freedom News | Enough is enough 14]

Iran

Die Teheraner anarchistische Gruppe „Azad-Kreis Teheran“ hat im Zuge der Proteste im Iran eine Erklärung verfasst, welche sich mit den Ursachen und den Hoffnungen eben dieser Proteste beschäftigt. [Schwarzer Abriss]

Ein Artikel über die schwierige Situation für Gewerkschaften im Iran ist nachzulesen bei [Direkte Aktion] Es geht um Reza Shahabi, der aufgrund seiner Bemühungen eine Busfahrergewerkschaft aufzubauen zu einem politischen Gefangenen wurde.

Eine Nachricht von Soheil Arabi, einem Anarcho-Syndikalisten, der im Iran inhaftiert ist [asranarshim (englisch)].

Rojava

Eine dringende Nachricht und Appell von einem Anarchisten aus Afrin gibt es bei [Insurrection News Worldwide (englisch)] zu lesen.

Russland

Im Moment findet eine Repressionswelle gegen verschiedene antifaschistische und anarchistische Strukturen in Russland statt. Bericht auf [Indymedia | Libcom (englisch)].

Spanien

Wie jedes Jahr versammelten sich Anarchisten anlässlich seines Todestages am Grab von Quico Sabaté auf dem Friedhof Sant Celoni. Quico Sabaté war am 5. Januar 1960 von Faschisten erschossen worden (siehe auch historische Jahrestage). [Nacio digital (katalanisch)].

In Manresa besetzt die PAHC Bages einen leerstehenden Wohnblock. Wie der Name bereits andeutet, stellt #BlocBages7 den bereits 7. Wohnblock dar, den die Aktivisten besetzt und notleidenden Familien zur Verfügung gestellt haben. Insgesamt wurden bis jetzt bereits 50 zwangsgeräumte Familien von der PAHC Bages neu untergebracht. Manresa ist die katalanische Stadt mit der höchsten Zahl an leerstehenden Wohnungen pro Einwohner. [Meldung der PAHC Bages/Twitter | Meldung von Obra Social PAH/Twitter | Zeitungsbericht: El Salto Diario (alle: spanisch)]

In Benalup-Casas Viejas fand eine Gedenkveranstaltung für die anarchafeministische Gruppe Amor y Armonía von 1932 statt. Durchgeführt wurde die Veranstaltung von der feministischen Gruppe, die sich denselben Namen gegeben hat, Amor y Armonía. Die CNT Jerez de la Frontera war zu Besuch. [CNT Jerez/Twitter | Amor y Armonía (beide: spanisch)]

In Madrid erscheint seit 7 Jahren die anarchistische Zeitung Todo por hacer. Sie wird jeden Monat kostenlos in einer Auflage von 2000 verteilt. Die monatlichen Kosten dafür betragen 500 Euro. Die Hälfte wird mit Abos und Solidaritätszahlungen bestritten. Die Herausgeber von Todo por hacer bitten um finanzielle Unterstützung, damit die Zeitung auch weiterhin erscheinen kann. Das angepeilte Ziel der Spenden-Kampagne beträgt 3000 Euro: [Todo por hacer/Firefund (spanisch/englisch)]

Die spanische Sondergerichtshof Audiencia Nacional hat das Verfahren im Zusammenhang mit Operación Piñata eingestellt. Operación Piñata war eine der Repressionswellen der letzten Jahre gegen die anarchistische Bewegung in Spanien. [Bodenfrost]

Türkei

Die Anarşist Kadınlar (Anarchistische Frauen), eine anarchafeministische Organisation, hat sich mit Group Against Patriarchy, eine anarchafeministische Gruppe aus Griechenland, getroffen. Auf ihrer Facebook-Seite berichten die Anarşist Kadınlar:

In unserem Gespräch ging es um unsere Erfahrungen, um gemeinsame Projekte in denen man zusammenkommen kann, um die globale Ausweitung des Kampfes der anarchistischen Frauen und in welcher Form dies fortgeführt werden kann.
Ein Hoch auf die Frauensolidarität!
Es lebe unser Kampf!
[Anarşist Kadınlar/Facebook (türkisch)]

Tunesien

In Tunesien gab es um den Jahrestag der Revolution soziale Proteste. [Radio Dreyeckland | Labour Net]
Laut einem [Bericht auf Twitter] beteiligten sich auch Anarchisten und Libertäre daran und demonstrierten vor dem Gericht in Tunis. 400 politische Gefangene soll es demnach in Tunesien geben. Weitere Fotos: [Malek Khemiri/Facebook]. Ein zorniger Text zu den Hintergründen der Proteste [Takriz (französisch)].

USA

Hunderte Demonstranten waren im Januar 2017 willkürlich gekesselt und festgenommen worden bei Protesten gegen Trumps Amtseinführung. Sie wurden anschließend mit schweren Anschuldigen überzogen und ihnen drohte langjährige Haftstrafen. 6 wurden letzten Monat freigesprochen. 188 von den J20 defendants – wie sie genannt werden – warten immer noch auf ihren Prozess. Einer von ihnen bezeichnet die zermürbende lange Wartezeit, verbunden mit der Ungewissheit wegen eventueller bevorstehender langjähriger Haftstrafen und hoher Bußgelder, die übergroßen Vorsicht bei politischen Aktivitäten, die hohen Anwalts- und Fahrtkosten als einen Teil der Bestrafung. Und das, obwohl die Angeklagten als unschuldig zu gelten haben, bis das Gegenteil bewiesen ist. [Aljazeera (englisch)]

Die Staatsanwaltschaft hat die Verfahren gegen 129 #J20-Angeklagte fallen lassen. Somit sind noch 59 Angeklagte übrig, die auf ihren Prozess warten. Das anarchistische Kollektiv Crimethinc kündigte an, sie auch weiterhin zu unterstützen. [Zoe Tillman/Twitter | Dylan Petrohilos/Twitter | Crimethinc/Twitter (alle: englisch)]

Eine Video-Zusammenstellung von anarchistischen Straßenaktivitäten in Solidarität mit den J20 defendants [Insurrection News Worldwide (englisch)]

Die Science Fiction-Autorin und Anarchistin Ursula Kroeber Le Guin ist mit 88 Jahren in Portland, Orgegon, gestorben. Zu ihren Werken gehörte „Freie Geister“ (1974), in dem die Umsetzung einer anarchistischen Utopie beschrieben wird. In älteren deutschen Übersetzungen hieß das Buch „Planet der Habenichtse“ und „Die Enteigneten“. [Wikipedia]
Zwei Zitate von Ursula Kroeber Le Guin:

We live in capitalism. Its power seems inescapable. So did the divine right of kings. Any human power can be resisted and changed by human beings. Resistance and change often begin in art, and very often in our art, the art of words.
(„Wir leben im Kapitalismus. Seine Macht scheint unüberwindbar. Genauso wie einst die von Gott gegebene Macht der Könige. Gegen jede menschengemachte Macht können sich Menschen wehren und diese verändern. Widerstand und Veränderung beginnen häufig in der Kunst, und sehr oft in unserer Kunst, die Kunst der Worte“)

What is an anarchist? One who, choosing, accepts the responsibility of choice.
(„Was ist ein Anarchist? Jemand, der, wenn er eine Wahl trifft, bereit ist, die Verantwortung der Wahl zu übernehmen.“)

In Los Angeles wurde eine neue anarchafeministische Organisation gegründet. Seit dem ersten Plenum nennen sie sich AFEM Alliance. [Twitter-Account | Blog]

Jahrestage:

Am 1. Januar 1994 beginnt in Chiapas in Mexiko der bewaffnete Aufstand des Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN). Die Zapatistas, wie sie in Kurzform genannt werden, sind benannt nach Emiliano Zapata, der in der mexikanischen Revolution 1910 – 1920 unter der Losung „Land und Freiheit“ („Tierra y Libertad“) eine Bauernmiliz anführte und den links-libertären Flügel der Revolution repräsentierte. [Anarchismus.at]

Am 5. Januar 1960 wird Francesc „El Quico“ Sabaté Llopart, Anarchist und Widerstandskämpfer gegen den Franco-Faschismus, in Spanien ermordet. Sein abenteuerliches Leben für eine freie Gesellschaft auf [Wikipedia]. Ein Bild von Quico Sabaté auf der Mauer des Friedhofs in Sant Celoni, wo er begraben ist:

Am 8. Januar 1896 erscheint in Buenos Aires (Argentinien) die erste Ausgabe der anarchafeministischen Zeitung „la Voz de la Mujer“ (die Stimme der Frau). Das Motto der Zeitung lautete „Ni dios, ni patrón, ni marido“ („Kein Gott, kein Chef, kein Ehemann“). Die Herausgeberinnen hatten auch Kontakt mit Louise Michel und Emma Goldman. „La Voz de la Mujer“ hatte ein anarcho-kommunistisches Selbstverständnis. Zentrales Thema war die vielfältige Unterdrückung der Frau. [Infos: Libcom | Wikipedia (beide: englisch) | Online-Archiv: Libcom | für eine englische Übersetzung der archivierten Ausgaben werden noch Freiwillige gesucht: Working Class History/Twitter (englisch)]

Am 8. Januar 1911 stirbt Pietro Gori. Der italienische Anarchist war als Anwalt und als Journalist tätig. Er wurde mehrfach inhaftiert und stand unter besonderer staatlicher Überwachung. Bekannt wurde er durch seine politischen Aktivitäten und als Autor einiger der bekanntesten Lieder der anarchistischen Bewegung. [Wikipedia]

Am 9. Januar 1905 stirbt Louise Michel. Während der Pariser Kommune war sie als Krankenpflegerin aktiv. Zu den Kommunarden stand sie auch noch als, als diese auf dem Friedhof Montmartre hingerichtet wurden. Sie wurde für 20 Monate in den Knast gesteckt und anschließend verbannt. Nach ihrer Rückkehr wurde sie abermals zu einer Haftstrafe verurteilt, weil sie zur Plünderung von Bäckerläden aufgefordert hatte. Nach ihrer Begnadigung wurde sie wegen ihrer Vorträge im Vorfeld zu einer 1. Mai-Demonstration in einer Nervenheilanstalt festgehalten. Zu ihrer Beerdigung kamen 120.000 Menschen. [Wikipedia].

10. bis 12. Januar 1933: Ein lokaler anarchistischer Aufstand in Casas Viejas, eine kleine Ortschaft bei Cádiz, Spanien, wird von der II. spanischen Republik brutal niedergeschlagen. Erfolglos versuchte die Regierung, das Massaker zu vertuschen. Die Guardia Civil hatte eine Hütte angezündet, in der sich die Aufständischen zurückgezogen hatten und erschoss später wehrlose Gefangene. [Wikipedia (englisch)]

Am 12. Januar 1905 wird Federica Montseny geboren. Die Anarchistin und in der CNT organisierte Anarcho-Syndikalistin war während der sozialen Revolution in Spanien Gesundheitsministerin. Die CNT-FAI war entgegen ihren Grundprinzipien in die Regierung eingetreten, um den Zugang zu Waffen und Lebensmitteln für die anarchistischen Milizen an der Front sicherzustellen. Aus ihren Erfahrungen als Regierungsmitglied zog Federica Montseny den Schluss, dass über eine Regierung kein tiefgehender sozialer Wandel erreicht werden kann, sondern dass dies nur mit einer libertären Revolution möglich ist. [Wikipedia]

Januar 1915: Lucy Parsons, Anarchistin und Mitbegründerin der Industrial Workers of the World (IWW), organisiert die Chicagoer Hungerdemonstrationen, was die American Federation of Labor, die Sozialistische Partei und Jane Addams’ Hull House zur Teilnahme an einer riesigen Demonstration am 12. Januar bewegt. Die klassenkämpferische Demonstration richtete sich gegen Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger.
Lucy Parsons wurde auch mit dem Ausspruch zitiert: „Meine Auffassung des zukünftigen Kampfes ist nicht zu streiken und rauszugehen und zu hungern, sondern zu streiken und drinnenzubleiben und sich die Produktionsmittel anzueignen.“ [Wikipedia | Working Class History/Twitter (englisch)]

Am 14. Januar 1918 wird Rosa Laviña Carreras in Palafrugell (Katalonien) geboren. Einige Quellen nennen den 19. Januar als Geburtsdatum. Sie wird beschrieben als eine Frau, die ein Leben lang für ihre Ideale kämpfte. Über 60 Jahre lang war sie Mitglied und der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT und der Solidaridad Internacional Antifascista (SIA, Internationale Antifaschistische Solidarität).

Sie arbeitete zuerst als Modistin und später in einer Korkfabrik in ihrem Geburtsort.

Als 1936 der spanische Bürgerkrieg ausbrach, schloss sich Rosa Laviña Carreras den Juventudes Libertarias (Libertäre Jugend) an. Gemeinsam mit ihrem Vater – ebenfalls ein Anarchist – trat sie der SIA bei. Die SIA war bei Kriegsausbruch gegründet worden. Sie kümmerten sich um die Kinder, die in Folge des Krieges nach Palafrugell kamen.

Nach dem Sieg der Faschisten 1939 versuchten sie und ihre Familie zu Fuß ins Exil zu fliehen. In El Pertús, ein katalanisches Dorf an der Grenze zu Frankreich, durften nur sie und ihre Mutter passieren. Sie verabschiedete sich von ihrem Vater. Es sollte das letzte Mal sein, dass sie ihn sah. Drei Monate später erhielt sie die Nachricht von seinem Tod.

Die nächste Etappe war Le Boulou in Frankreich, wo sie zuhause nähte. Schließlich ließen sie sich in Toulouse nieder. Dort nahm sie Kontakt auf mit der Exil-CNT und wurde zu einem der zuverlässigsten Mitglieder und nahm an zahlreichen Aktivitäten teil. Befreundet war sie mit Federica Montseny. 2011 starb Rosa Laviña Carreras in Toulouse. [Anarcofemerides | Wikipedia | Palafrugell | elpuntavui (alle: katalanisch)]

Am 14. Januar 1921 wird Murray Bookchin geboren. Der Öko-Anarchist war ein Vordenker des libertären Kommunalismus. Der libertäre Kommunalismus ist ein vor allem in den USA entwickelter anarchistischer Ansatz, der die Gesellschaft dezentralisieren und über miteinander vernetzte (Klein-)Städte organisieren möchte. Murray Bookchins Schriften inspirierten Abdullah Öcalan zu dessen Gesellschaftsmodell des Demokratischen Konföderalismus.
In späteren Jahren löste sich Murray Bookchin vom Anarchismus. Er starb am 30. Juli 2006. [Murray Bookchin: Wikipedia | Graswurzelrevolution | Libertärer Kommunalismus: Anarchismus.at | Demokratischer Konföderalismus: [Wikipedia]]

15. Januar 1978: Nach einer Kundgebung der CNT wird ein Brandanschlag auf die Scala in Barcelona verübt. Vier Menschen sterben dabei. Staat und Medien versuchen die Urheberschaft der CNT in die Schuhe zu schieben, um diese zu kriminalisieren und die anarchistische Bewegung zu zerschlagen. Jahre später erwies sich, dass ein im Polizeidienst stehender Agent Provocateur hinter dem Anschlag steckte. [Anarchismus.at | Público (spanisch)]

Vom 18. – 25. Januar 1932 rufen die in der CNT organisierten Arbeiter in Figols (Katalonien) den libertären Kommunismus aus. Die nachfolgenden 5 Tage sind die erste praktische Umsetzung des Anarchismus auf der iberischen Halbinsel. Die schwarz-rote Fahnen werden am Rathaus gehisst. Es gibt weder Plünderungen, noch Morde, noch Vergewaltigungen. Das Geld wird abgeschafft. Gekauft wird mittels Bezugsscheinen. [Ser histórico | A las barricadas (beide: spanisch)]

24. Januar 1930: Geburt von Kim Chwa Jin, der auch als „der koreanische Machno“ bekannt ist [Wikipedia]

Mit dem amtlichen Eintragungsdatum vom 26. Januar 1927 gründen Anarcho-Syndikalisten der FAUD (Freie Arbeiter Union Deutschlands) den „Siedlungsverein gegenseitige Hilfe“. Anschließend errichten sie auf einem 1920 erworbenen Grundstück bei Meiningen ein massives zweistöckiges Gebäude aus Stein. Das Gebäude wird auf den Namen Bakuninhütte getauft, benannt nach dem russsischen Anarchisten Michail Bakunin.
Die Hütte und das Grundstück stehen allen Menschen frei zur Verfügung, so auch das selbst gebaute Kettenkarussell für die Kinder. Die Bakuninhütte wird Wanderziel,Tagungsort, Schulungs- und Erholungsstätte für Arbeiterfamilien, Anarchisten, Anarchosyndikalisten. Die Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands hält dort ihr erstes Ferienlager ab.
1933 verbieten die Nazis die FAUD und lösen den Siedlungsverein auf. [Anarchismus.at | Bakuninhuette | Wikipedia]

Am 27. Januar 1987 stirbt die schweizer Anarchistin Clara Thalmann. Während des spanischen Bürgerkriegs kämpfte sie bei der Kolonne Durutti für die soziale Revolution und gegen den Faschismus. [Anarchismus.at | Wikipedia | Libcom (englisch)]

Termine:

3. Februar 2018: Deutschlandweiter Aktionstag in Solidarität mit dem Hambacher Forst [Hambacher Forst]

7. Februar 2018: Vortrag von Jürgen Mümken, „Die Utopie der Anarchie in Zeiten des Neoliberalismus“. 18 Uhr im Infoladen an der Halitstraße in Kassel. [Facebook]

Am 7. Februar 2018 stellen sich die Schwarz-Roten Bergsteiger im Platzda! in Dresden vor. Die Schwarz-Roten Bergsteiger sind eine AG der FAU Dresden [SRB.FAU]

15. bis 20. Februar 2018: „DISRUPT! – Widerstand gegen den technologischen Angriff“ – Eine Veranstaltungsreihe des Anarchistischen Netzwerks Südwest. Der Vortrag wird in Freiburg, Offenburg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Kaiserslautern und Mannheim abgehalten werden. [A-Netz]

17. Februar 2018: Auf Initiative der schweizer Wobblies wird der Film „Sacco und Vanzetti“ im Kino Xenix (Zürich) in der Schweiz Premiere feiern [Sabcat Media]

22. Februar 2018: Themenabend „Oskar Maria Graf – ein urbayrischer Anarchist“ in dem Buchladen Die ZeitGenossen in Esslingen [Esslingen.VVN-BDA]

3./4. März 2018: Die Federación Anarquista de México lädt zur 9. Anarchistische Buchmesse in Mexiko ein [Federación Anarquista de México (spanisch)]

Für den 17. März 2018 wird zu einer Solidaritäts-Demo in Hamburg angesichts der Repression nach den Protesten gegen G20 aufgerufen [Indymedia]

26. – 28. April 2018: Anarchist-Black-Cross-Soli-Fest Nr. 6 in Wien [ABC Wien/Twitter]. Gefeiert wird unter anderem das 10jährige Bestehen der Gefangenenunterstützungsorganisation Anarchist Black Cross Wien.

11. Juni 2018: Internationaler Solidaritätstag für Marius Mason und alle anarchistischen Langzeit-Gefangenen [Enough is enough 14 (englisch)]

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