Anarchistischer Monatsrückblick September 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Einige adjektivlose Anarchist*innen

Für Steffen

Die vergangenen vier Wochen:

BRD

Die zweite Ausgabe von Die Lifestyleanarchist*in ist in gedruckter und digitaler Form erschienen. Themen sind dieses Mal unter anderem: „gegen ein Europa der Abschottung, gegen den rassistischen Normalzustand“, „Die Rolle der Gefängnisse innerhalb der Gesellschaft“ und eine Repressionswelle anlässlich einer Serie von Scheinbesetzungen im Zusammenhang mit mit dem „Für Lau Haus“ in München. Gefunden werden kann die Lifestyleanarchist*in in den bekannten linken Läden in München. Alternativ ist es möglich, mehrere Ausgaben per E-Mail zu bestellen oder sie als PDF-Datei heruntezurladen. [Die Lifestyleanarchistin]

Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) hat die neue Ausgabe ihrer monatlichen Zeitung veröffentlicht. Themen in der Gaidao Nr. 93 sind: Ein Prozessbericht zum ersten Urteil gegen Jan, der in Nürnberg versucht hatte, eine Abschiebung zu verhindern. Eine touristische Annäherung an das Paris Proudhons. Ein Interview mit dem Anarchist Black Cross Dresden. Ein Interview mit David Graeber über sinnlose Jobs. Download der Gaidao, online lesen, bestellen oder abonnieren: [FdA-IFA]

Die Nummer 432 der Graswurzelrevolution ist erschienen. Im Editorial dieser anarcho-pazifistischen Zeitung ist zu lesen, dass der Koordinationsredakteur Bernd Drücke zu einem Streitgespräch „Anarchismus vs. Marxismus“ in Münster eingeladen war. Über 100 Menschen kamen zur Veranstaltung, die zuvor lediglich in sozialen Medien beworben wurde. Etwa 2000 Leute verfolgten die Diskussion im Livestream. Außerdem berichtet die Graswurzelrevolution über die Kampagne, die gerade von extrem rechten Kreisen gegen GWR-Autor Andreas Kemper läuft. Auslöser dieser AfD-Hetze war der auf Seite 1 der Graswurzelrevolution Nr. 431 erschienene Artikel „Björn Höckes faschistischer Fluss. Der völkische Machiavellismus des AfD-Politikers“. [linksnet | Graswurzel]

Artikel über die Kampagne von B|LD und AfD gegen die Graswurzelrevolution sind auch erschienen in [Neues Deutschland] und [Jungle world].

Das Anarchistische Radio Berlin hat seinen libertären Podcast veröffentlicht. Ein ernster und satirischer Blick auf Ereignisse des letzten Monats aus libertärer Perspektive. Themen sind dieses Mal unter anderem: „NSU-Prozess und Aufklärung – Kein Schlussstrich und der Versuch eines Überblicks“ und „Nürnberg: Aktuelles zur Repression nach verhinderter Abschiebung“. Download oder online anhören: [ARadio]

In der Septemberausgabe des anarchistischen Hörfunks aus Dresden geht es um das neue sächsische Polizeiaufgabengesetz: [and.notraces]

Ein kleines Kollektiv von Menschen mit libertären und anarchistischen Ansichten und ist momentan dabei, einen Verlag namens V. Lenzer für libertäre Literatur zu gründen. Auf ihrem Blog werden sie all ihre Schritte dokumentieren. [V. Lenzer Verlagskollektiv (Twitter) | V-Lenzer (Blog)]

Einen erfolgreichen Kampf um die Auszahlung ausstehender Löhne haben die Belegschaft eines Pubs in Köln und die FAU Köln-Aachen geführt: Teile der Belegschaft, andere Mitglieder der FAU, sowie Sympathisanten des Streiks belagerten den Pub für mehrere Stunden. Gäste wurden von den Blockierern abgewiesen, auch nachdem sie schon bestellt hatten – mit dem freundlichen Hinweis, sich doch bitte einen anderen Platz zu suchen, es sei denn, sie wollten gern einen Streikposten von über 30 ungeduldigen Arbeitskämpfern ignorieren. Diese direkte Aktion führte dazu, dass das Management des Pubs die Nachzahlung der Löhne zusicherte. [Direkte Aktion]

Es gibt jetzt auch eine Anarchistische Bewegung Hamm. Die Internet-Präsenzen dieser Bewegung: [Web-Seite | Facebook | Twitter | Instagram]

In Berlin wurde ein Stolperstein für Berthold Cahn verlegt. Berthold Cahn war Anarchist, früher Euthanasie-Gegner, Herausgeber und Redakteur der „Freien Generation“ und des „Freien Arbeiters“ und Verfasser zahlreicher Artikel im „Syndikalist“. Er bekämpfte schon früh den aufkommenden Nationalsozialismus. 1942 wurde er in Sachsenhausen von den Nazis ermordet. Die Initiative zur Stolpersteinverlegung wurde zusammen mit der FAU Berlin, dem A-Laden Berlin, dem Wanderverein Bakuninhütte und der Bibliothek der Freien initiiert. [Gustav-Landauer | Anarchismus | Bakuninhütte]

Nach anhaltenden Polizei-Razzien, Zerstörungen der Bodenstrukturen bei den Waldbesetzungen und dem Fällen des ersten Baumes haben die Aktivisten im Hambacher Forst am 6. September den Tag X ausgerufen: Es wurde dazu aufgerufen, in den Wald zu kommen, um die Bäume zu schützen, oder mit dezentrale Aktionen Zeichen der Solidarität zu setzen. [Hambacher Forst | taz].

Diese dezentralen Solidaritätsbekundungen wurden unter dem Hashtag #HambiBleibt verbreitet. Beispiele aus Tübingen (links) und Stuttgart [Lynxpfote | PeterPStuttgart]:

Am 13. September belagerte und stürmte ein Heer von 3500 – 4000 Orks den Hambacher Forst. Räumungspanzer, Wasserwerfer und weiteres schweres Gerät wie Hubsteiger waren in dem Bullentross mit dabei, um die Räumung der Camps und Baumhäuser durchzusetzen. Presse wurde wiederholt auf Abstand gehalten. Die ersten 4 Baumhäuser zerstört. Weitere Bäume gefällt. Fotos von Tag 1 des Räumungsversuchs: [Jannis Große]. Berichte von Tag 1 der Räumung: [Hambacher Forst | taz]. Bericht auf englisch: [Unicornriot].

Am 15. September wurde aus Solidarität mit den Aktivisten im Hambacher Forst das Kohlekraftwerk Niederaußem besetzt. Bericht: [Süddeutsche]. Fotos: [Zucker im Tank | Jannis Große]. Ein Bericht von der Räumung: [Indymedia]

Ebenfalls am 15. September wurden die anarchistischen Genoss*innen Jazzy und Winter festgenommen. Am Folgetag kamen sie in Untersuchungshaft. Mehrere Tage wurde den beiden Kontakt zu einem Rechtsanwalt verweigert. Vorgeworfen wird ihnen Widerstand gegen die Staatsgewalt. [ABC Rhineland]. Aufgrund einer bewegenden Ansprache direkt nach der Festnahme, ist die Inhaftierte Winter bereits medial bekannt: „Die denken wahrscheinlich sie hätten gewonnen, aber sie können nicht gewinnen, weil sie den Wald genauso brauchen wie wir. Sie können diesen Kampf hier auch nicht gewinnen, weil da draußen so viele Menschen hinter uns stehen. Und das einfach nicht verstehen, dass wir nicht für uns kämpfen, sondern für uns alle“, so Winter bei der Festnahme.  Das vollständige Video: [Facebook]

Am 16. September haben tausende Menschen ihr Recht auf einen Waldspaziergang auch im Hambacher Forst eingefordert und trotz massivem Polizeiaufgebot durchgesetzt. Die laufende Räumung wurde durch friedlichen Widerstand kurzweilig gestoppt. Ein Video: [Graswurzel TV].  Unter anderem wurden bei diesem Waldspaziergang Menschen, die in den Bäumen ausharrten, vom Boden aus mit Lebensmitteln versorgt, wie in den Tweets aus der Live-Berichterstattung von [Infozentrale] nachzulesen ist. Bei dem Waldspaziergang waren auch Mitglieder der Anarchistischen Gruppe Dortmund dabei [Anarchismus in Do]. Weitere Fotos vom Waldspaziergang: [Herbert Sauerwein/Flickr]

Am 19. September starb der Journalist Steffen Meyn an den Folgen eines Sturzes aus etwa 20 Meter Höhe von einer Hängebrücke in Beechtown.  Bei einer Pressekonferenz am Abend erklärten die Sprecherinnen, dass die Polizei versucht habe, einen anderen Aktivisten in der Nähe festzunehmen, als sich der Sturz des 26-Jährigen ereignete. Die Cops hatten zuvor, kurz nach dem Unglück, das Gegenteil behauptet. Mitschnitt der Pressekonferenz: [Anett Selle]. Eine erste Mitteilung der Aktivisten: [Hambacher Forst]. Bericht in der [taz]. Nachruf auf den Verunglückten: [taz]. Augenzeugenberichte: [taz]. Eine ausführliche Pressemitteilung von den Aktivisten: [Hambacher Forst].

Die Räumung wurden noch am selben Abend bis auf weiteres ausgesetzt. Jedoch forderte bereits am nächsten Tag der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, dass die Baumhäuser freiwillig verlassen werden, da diese angeblich gefährlich seien.

Einen Überblick über die Ereignisse vom 13. bis 21. September, Tag für Tag, schrieb die Journalistin Anett Selle für die [taz].

Am 22. September fing das Skillsharing Wochenende im Hambi-Camp in Manheim an [Hambi Camp (1) | (2)]. Es gab ein vielfältiges Programm mit zahlreichen workshops, bei dem Wissen und Kenntnisse weiter gegeben wurden. Die Stromversorgung erfolgte über Solarmodule [Hambi Camp]. Auch für Essen war selbstverständlich gesorgt [Hambi Camp].

Trotz des gerichtlichen Verbots beteiligten sich erneut tausende Menschen an dem allsonntäglichen Waldspaziergang am 23. September. Es wurden neue Barrikaden gebaut [Infozentrale | Claudia SommerWDR | taz]. Wie in einem Live-Stream zu sehen war, konnten die Bullen sogar zeitweise zurückgedrängt werden [Anet Selle].

Am 24. September wurden die Räumungsversuche wieder aufgenommen [Aachener Nachrichten| Junge Welt]. #HambisimExil und Klimaaktivist*innen blockierten die Hambach-Bahn. Sie stoppten damit den Transport der Braunkohle vom Tagebau in die Kraftwerke, indem sie sich an Betonklötze unter dem Gleisbett ketteten. Mitteilung der Aktivisten zu der Aktion: [Zucker im Tank/Blog]. Berichte und Fotos: [Hambi bleibt | Zucker im Tank/Twitter | taz | A-RadioBerlin (englisch) | Enough is enough! (englisch) | Zucker im Tank/Twitter (englisch) | Radio Dreyeckland]. Video der Blockade: [Scheiß Verein/Vimeo].

Ebenfalls am 24. September veröffentlichte die Gefangene Winter ihren ersten Brief: „Ihr sperrt uns ein und bestraft uns, weil wir selbständig denken und handeln, selbst entscheiden, was richtig ist und was nicht. Dabei ist es doch das, was uns als Menschen ausmacht: Ethik, Autonomie, Selbstbestimmung, Empathievermögen, zukunftsgerichtetes Denken, unsere Einheit aus Körper, Seele und Geist.“ [ABC Rhineland].

Am 27. September, zwei Wochen nach Beginn der Räumung, war nur noch das Baumhausdorf Lorien übrig. Die Bullen versuchten mit brutaler Gewalt die Räumung durchzusetzen. Mittlerweile waren hunderte Bäume gefällt worden, für „Rettungsgassen“ und „Zufahrtswege“. Mit vorweg genommenen Rodungen für RWE hat das natürlich nichts zu tun, nein nein. [taz | Anet Selle |  Lorien | Lorien (2)Enough is enough (englisch). Videos von Polizeigewalt und Rodungen: [Hambacher Forst Besetzung/Facebook | Hambi bleibt]. Das Anarchist Black Cross Rhineland veröffentlichte an diesem Tag den ersten Brief von Jazzy aus dem Knast. [ABC Rhineland]

Photos von Räumungen am 27. und 28. September: [Tim Luedemann]

Am 28. September meldete das ABC Rhineland, dass gegen Eule, eine weitere Anarchistin, Haftbefehl erlassen wurde. Sie war zwei Tage zuvor aus einer Traverse im Hambacher Forst geräumt und festgenommen werden. Vorgeworfen wird ihr, dass sie sich dagegen gewehrt haben soll, dass die Bullen Fotos von ihr machen. [ABC Rhineland]. Am selben Tag meldete die [taz], dass es 16 Tage nach Beginn des Einsatzes im Hambacher Forst kein von den Räumungen unberührtes Baumhausdorf mehr gebe. In Lorien wurde viel gerodet [Jannis Große (1) | Jannis Große (2)]

Am 29. September erschien in der [taz] ein Interview mit Winter, die sich in Untersuchungshaft befindet. Das Video mit ihrer spontanen Rede, direkt nach ihrer Festnahme aufgenommen, wurde mittlerweile millionenfach angeschaut.

Am 30. September nahmen wieder zahlreiche Menschen am Waldspaziergang teil [Anett Selle | Enough is enough 14 (englisch)]. Es entstanden neue Barrikaden, Plattformen und Baumhäuser. Bestehende Barrikaden wurden verbessert und erweitert [Sebastian Weiermann (1) | (2) | Jannis Große (1) | (2) | Tina Schepmann].

Die Anarchistische Gruppe Dortmund machte beim Straßenfest des soziokulturellen Zentrums „Trotz allem“ einen anarchistischen Infostand. Ein besonderer Schwerpunkt war gelegt auf das anarchistische Parkfest. [Anarchismus in Do]

Das geplante neue Polizeiaufgabengesetz in Nordhrein-Westfalen soll den Cops deutlich mehr Befugnisse zusprechen. So soll zum Beispiel der Begriff des „Gefährders“/der „Gefährderin“ eingeführt werden. Dabei ist dieser Begriff nicht klar definiert. Jeder Mensch, der irgendwie auffällt – sei es durch Aussehen oder Verhalten – soll festgehalten werden können. Eine Straftat ist dafür keine Bedingung, sondern lediglich der Verdacht zeitnah eine begehen zu wollen. Je nach Vorwurf, kann eine Person dann zwischen einem Tag und einem Monat in Gewahrsam genommen oder zu Hausarrest gezwungen werden, ohne diese Entscheidung richterlich prüfen lassen zu müssen.

Die Anarchistische Gruppe Dortmund brachte einen künstlerischen Protest gegen dieses Polizeiaufgabengesetz auf die Straße. In der Innenstadt von Dortmund stellten sie das Verfahren dieses neuen Gesetzes dar, indem sie zwei beliebte fiktive Figuren – Pippi Langstrumpf und der Hutmacher aus „Alice im Wunderland“ – in einen Käfig sperrten und als Gefährder*innen bezeichneten. Zusätzlich wurden Tonaufnahmen eingespielt, in denen die Charaktere durch haltlose Anschuldigungen und bloße Vorurteile diffamiert wurden – die selben Anschuldigungen, die man von Menschen mit rassistischen Vorurteilen hören kann. Intention der Anarchistischen Gruppe Dortmund war es, Menschen auf die verheerenden, repressiven Auswirkungen des Polizeiaufgabengesetzes aufmerksam zu machen, aber auch generell dafür zu sensibilisieren, was die Polizei für ein autoritäres Herrschaftsinstrument ist.

Ausführlicher Bericht und Fotos: [AG Do]

Hunderte Menschen besuchten das zweite anarchistische Parkfest in Dortmund. Von Jung bis Alt war alles auf den Beinen. Viele spannende Stände der unterschiedlichsten Projekte. Ein umfangreiches kulturelles und spielerisches Programm. Gutes, überwiegend veganes Essen, welches dieses Mal auch den Großteil der Zeit ausgereicht hat. Geplant ist noch ein umfangreiches Video zum Fest veröffentlichen. Bis dahin gibt es einen Bericht und Fotos auf der Seite von [Anarchistische Gruppe Dortmund].

Bei dem anarchistischen Parkfest in Dortmund gab es auch solidarische Grüße an den Hambach Forst – ein kurzer Redebeitrag thematisierte die aktuelle Situation und es wurde aufgerufen, den Wald zu verteidigen. Danach wurde dieses Solidaritäts-Bild gemacht: [Anarchismus in Do]

Bericht und Bilder von der zweiten anarchistischen Wanderung in Menden im Sauerland. Da bei der ersten Wanderung aufgefallen war, wie viel Müll eigentlich im Wald von Menschen hinterlassen wird, haben die Teilnehmenden nebenbei auch noch ein wenig davon eingesammelt: [Anarchismus in Do (Twitter)Anarchistische Gruppe Dortmund (Blog) | Anarchistische Gruppe Dortmund (Facebook)]

Thomas Meyer-Falk hat einen Text veröffentlicht über einen weiteren Todesfall in Sicherungsverwahrung in der JVA Freiburg. Thomas Meyer-Falk befindet sich selbst in Sicherungsverwahrung eben dort. Adresse, um ihm zu schreiben:
Thomas Meyer-Falk
c/o JVA (SV)
Hermmann-Herder-Str.8
79104 Freiburg
[ABC Wien]

Das Anarchistische Netzwerk Südwest hat die Broschüre „Über antiautoritäre Organisierung jenseits von Parteipolitik, NGO und Karrierestreben“ veröffentlicht. In der Broschüre blickt das Anarchistische Netzwerk Südwest auf seine Erfahrungen seit der Gründung 2010 zurück. In einem kollektiven Prozess erarbeiteten Aktive aus allen Gruppen den Text und damit einen – auch selbstkritischen – Rückblick auf ihre politische Arbeit. Download der Broschüre: [A-Netz]

In Berlin wurde ein Demosanitäter in zweiter Instanz freigesprochen worden. Ihm wurde unter anderem das Tragen von Helm und Mundschutz als Verstoß gegen das Vermummungsverbot vorgeworfen. Nun stellte das Gericht klar: Helme gehören zur Standardausrüstung von Sanitätskräften auf Versammlungen. [Demosanitäter SGSW]

In der feministischen Zeitschrift [an.schläge] wird in einem Artikel vorgeschlagen, dass an die Stelle von Rache und Vergeltung eine „Restorative Justice“ treten sollte. „Strafe kann kein Mittel für emanzipatorische gesellschaftliche Veränderung sein“, bringt es die Autorin Rehzi Malzahn auf den Punkt.

Sowohl bei den Protesten in Berlin (Bild links) als auch in Köln gegen den Besuch von Erdogan waren auch anarchistische Blocks dabei [AG Dortmund | anarchistisch.ch]:

England

Aufgrund einer Kampagne der University of Sussex wurde in Kemp Town eine Gedenktafel für den Anarchisten Peter Kropotkin eingeweiht. Peter Kropotkin hatte von 1911 – 1917 in Brighton gelebt [Sussex (englisch)].

Griechenland

Die Gruppe Rouvikonas hat vor den Augen eines bewaffneten Sicherheitsmannes die Iranische Botschaft in Athen mit Farbe angegriffen. Dies als Reaktion auf die Exekution zweier kurdischer Aktivisten im Iran. [Anarchistische Gruppe Bern | Ekathimerini (englisch)]

Rojava

Interview mit einem libertären Aktivisten, der als Freiwilliger bei den Internationalisten der YPG ist: [The Base BK (englisch) | benartcore (französisch)].

„Was können wir von der Revolution lernen, die in Rojava im Gange ist?“ – diese Frage stellt ein anarchistischer Revolutionär in Nordsyrien und versucht sie in einem offenen Brief zu beantworten. [internationalist commune (englisch)]

Die IRPGF (International Revolutionary People’s Guerrilla Forces) haben ihre letzte Mitteilung veröffentlicht. Darin erklären sie ihre Auflösung als Kampfverband. Die Mitglieder werden anderweitig die soziale Revolution in Rojava unterstützen. IRPGF war zwei Jahre zuvor als anarchistischer internationalistischer Freiwilligenverband entstanden. [IRPGF (englisch)]

Russland

Auf Open democracy wird der russische Anarchist Ilya Romanov vorgestellt. Ilya Romanov hat den größten Teil der beiden letzten Jahrzehnte im Knast verbracht. Vor seiner Inhaftierung war er Mitglied der russischen anarchosyndikalistischen Föderation und beteiligte sich an Sozial- und Umweltprotesten. Als Anwohner die geplante Baustelle für eine Rapssaat-Verarbeitungsanlage mit Traktoren sabotierten, baten sie Öko-Anarchisten um Unterstützung. Diese kamen und besetzten gemeinsam mit den Anwohnern ein lokales Verwaltungsgebäude und ersetzten die russische Fahne durch eine mit der anarchistischen schwarzen Katze darauf. [open democracy (englisch)].

Schweiz

1500 Menschen ließen sich nicht einschüchtern und zogen lautstark durch Bern, um ein Zeichen gegen den sogenannten „Marsch fürs Läbe“, Fundamentalismus, Sexismus und Faschismus zu setzen. [Anarchistische Gruppe Bern] [Anarchistisch.ch]

20.000 Menschen demonstrierten in Bern für Lohngleichheit. Darunter war auch ein anarcha-feministischer Block. [AG Bern | Anarchistische Gruppe Bern]

Spanien

Die in der CNT organisierten Anarcho-Syndikalisten Jorge und Pablo wurden wegen Beteiligung am Generalstreik 2012 zu 1 bzw. 4 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Anwendung fand der übliche Gummiparagraph, dass die beiden öffentliche Unruhen verursacht haben sollen, grob vergleichbar mit dem Landfriedensbruch, der in Deutschland Allzweckwaffe staatlicher Repression gegen Demonstrierende und Teilnehmer bei sozialen Protesten ist. Pablo wurde zusätzlich Widerstand gegen die Staatsgewalt angehängt. [Labournet | No caso 14N (spanisch) | La Rioja (spanisch) | a las barricadas (spanisch) | el salto diario (spanisch) | Iberian anarchist (englisch) | Revolución real ya (spanisch/englisch)]

Die JJLL Zaragoza schickte eine solidarische Grußbotschaft an die Aktivisten im Hambacher Forst: „Zaragoza – Hambach, Krieg der Maschine“ steht auf dem Transparent. Die Abkürzung JJLL steht für Juventudes Libertarias, libertäre Jugend. [JJLLZGZ (spanisch)]

Nach dem feministischen Streik am 8. März wurden in Gijón drei Streikposten der anarchafeministischen Organisation Muyeres Llibres Asturies (Freie Frauen Asturien) von dem Mode-Unternehmen Mango angezeigt. Die drei wurden daraufhin festgenommen. Mit einer Sabotage-Aktion und einem Boykott-Aufruf solidarisierten sich öffentlichkeitswirksam Mitglieder der CNT Barcelona vor einer Filiale in Barcelona. Auf dem Transparent ist zu lesen, dass Mango gegen die feministische Bewegung sei. Es wird zu Solidarität mit den Streikenden vom 8. März aufgerufen. Außerdem stehen darauf das Motto und der Hashtag der Solidaritäts-Kampagne, „Yo también fui piquetera“ (ich war auch Streikposten). [Gènere – CNT Barcelona (1) | (2) | Wild_cat_BCN | maximo_pain (alle vier: spanisch)]

Am selben Tag fanden auch Aktionen vor Filialen in anderen Städten statt, so in Albacete [MMLL Asturies (spanisch)] und in Oviedo [MMLL Asturies (asturisch)].

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria (Federación Anarquista Gran Canaria, FAGC) berichtete über das Solidaritätsnetz, das sie vor drei Monaten ins Leben gerufen haben, um papierlosen Migranten eine medizinische Grundversorgung zuteil werden zu lassen:

Von den 48 Menschen, die sie betreut haben, brauchen mittlerweile nur noch 3 – mit chronischen Krankheiten – Versorgung. Alle anderen haben sich wieder erholt.

Die FAGC bedankte sich bei allen, die sie unterstützten und unterstützen. Ein Großteil der medizinischen Hilfsgüter wie Verbandsmaterial und Infusionen konnte mit dem übrig gebliebenen Geld gekauft werden, das für einen Motor in dem Wohnprojekt Esperanza gespendet wurde.

Medizinisch geschulte Freiwillige haben sich dem Hilfsnetz angeschlossen. Sie kümmerten sich um Lungenentzündungen, nekrotische Geschwüre, offene Schnittwunden, Traumata, Dehydration.

Die FAGC schließt ihren Kurzbericht mit den Worten „Contra los que ilegalizan a seres humanos: acción directa y apoyo mutuo“ (Gegen jene, die Menschen illegalisieren: Direkte Aktion und gegenseitige Hilfe).

[FAGC_Anarquista (spanisch)]

Das Anarchistische Radio sendete einen Bericht über die Repression gegen die anarchistische Bewegung in Spanien. Es handelt sich dabei um einen Mitschnitt der Veranstaltung vom 28. April, die ihm Rahmen des ABC-Soli-Festivals 2018 stattfand. [A-Radio]

Ukraine

In Lviv wurden vier Anarchisten und Öko-Aktivisten von 20 Nazis mit Messern angegriffen. Zwei Männer und eine Frau (22, 20, 18) wurden dabei verletzt. Einer davon erlitt eine Stichverletzung in der Brust und ein Schädeltrauma und musste im Krankenhaus operiert werden. Er befindet sich in einem kritischen Zustand. [Anarchists of Belarus (englisch) | Zaxid (ukrainisch) | th1an1 (englisch)].

USA

Kim Kelly hat für Teen Vogue – ein Magazin für Jugendliche – einen Artikel verfasst. Der Titel lautet „Anarchie: Was es ist und warum die Pop-Kultur es liebt“. Vermittelt werden ein Überblick über Geschichte, unterschiedliche Strömungen und Grundlagen des Anarchismus. Außerdem wird über die vermeintliche Verbindung zu der Punk-Szene eingegangen. Kim Kelly ist Mitglied des Metropolitan Anarchist Coordinating Council (MACC). [Teen vogue (englisch)]

Als letztes Jahr nach dem verheerenden Hurrikan Maria auf Puerto Rico staatliche Hilfe auf sich warten ließ, entstanden selbstverwaltete Projekte wie beispielsweise das Proyecto de Apoyo Mutuo (Projekt für gegenseitige Hilfe). Zu deren Aktivitäten gehörte Aufräumarbeiten zu koordinieren, Mahlzeiten vorzubereiten und nach Menschen zu sehen. Mutual Aid Disaster Relief (Gegenseitige Katastrophenhilfe), eine anarchistische Gruppe vom US-amerikanischen Festland, hörte davon und unterstützte diese Bemühungen. Sie sammelten Spendengelder für Wasser und Solaranlagen und flogen auf eigene Kosten nach Puerto Rico, um zu helfen. Die beiden Gruppen Proyecto de Apoyo Mutuo und Mutual Aid Disaster Relief verteilten gemeinsam Lebensmittel, Wasser und stellten medizinische Grundversorgung zur Verfügung.

Mutual Aid Disaster Relief ist nach Selbstbeschreibung ein „Graswurzel-Netzwerk, das Katastrophenhilfe leistet, basierend auf den Grundlagen der Solidarität, gegenseitigen Hilfe und der autonomen direkten Aktion.“ Die Gründungsmitglieder von Mutual Aid Disaster Relief hatten bereits in New Orleans Katastrophenhilfe geleistet nach dem Hurrikan Katrina und nach dem Hurrikan Irma in Florida. [Newsweek (englisch) | Mutual Aid Relief (Twitter)(englisch)]

Auf Apabiz ist eine Besprechung des Buches „Antifa. The Anti-Fascist Handbook.“ Das Buch ist eine Mischung aus historischem Rückblick, einer präzisen Analyse heutiger Antifa-Bewegungen und einem praktischen Handbuch. Es erschien bereits im September 2017. Autor ist der Historiker und Anarchist Mark Bray. Mark Bray ist auch Mitglied der Black Rose Anarchist Federation/Federación Anarquista Rosa Negra. Eine deutsche Übersetzung des Buches liegt bis jetzt nicht vor. [Apabiz]

Ein Interview mit Mark Bray über Antifaschismus in den USA ist erschienen in [Neues Deutschland (Bezahlsperre lässt sich wegklicken)].

Im Rahmen ihrer Reihe „overlooked no more“ stellte die New York Times die Anarchistin Voltairine de Cleyre vor. Voltairine sprach sich schon früh für einen adjektivlosen Anarchismus aus, ein Anarchismus, der strömungsübergreifend zusammenarbeitet. Als Anarchistin war Voltairine de Cleyre auch für die Abschaffung von Gefängnissen. Als ein Atttentat auf sie verübt wurde, setzte sie sich konsequenterweise dafür ein, dass der Attentäter nicht in den Knast kommt. [New York Times (englisch)]

Wales

Ein Geste der Solidarität mit dem Hambacher Forst von den North Wales Hunt Saboteurs [North Wales sabs]:

Historische Jahrestage:

Zum Auffrischen der Erinnerung – der Anarchistische Monatsrückblick vom September 2017: [Bodenfrost]

Am 1. September 1936 wird der Arzt und Anarcho-Naturalist Isaac Puente in Spanien von Faschisten erschossen. Geboren wurde er 1896. Er veröffentlichte unter Pseudonym medizinische Aufklärungs-Artikel zu Themen wie Empfängnisverhütung, Sexualität und Hygiene. 1931 schlug er eine Federación Nacional de Sanidad, eine spanienweite Gesundheitsföderation, innerhalb der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT vor, was letztlich auch umgesetzt wurde. Isaac Puente war nicht nur Mitglied der CNT, sondern auch der FAI (Federación Anarquista Ibérica, Iberische Anarchistische Föderation). Bekannt wurde auch seine Schrift zum libertären Kommunismus. Eine Übersetzung dieses Textes bei [Libcom (englisch)] als PDF. Informationen zur Person und seinem Leben und Wirken: [Wikipedia (englisch)| Vitoria CNT (spanisch)].

Bei dem internationalen anarchistischen Kongress vom 31. August bis 5. September 1968 in Carrara, Italien, wird die IFA (Internationale der Anarchistischen Föderationen) gegründet. Diese hat bis heute Bestand. Gründungsmitglieder der IFA waren die anarchistischen Föderationen von Italien, Spanien (im Exil) und Bulgarien (im Exil). Besonderheiten des Kongresses waren zum einen, dass er nicht allen Anarchisten offen stand, sondern nur den nationalen Föderationen. Zum anderen war die Presse eingeladen. Aufgrund der Studentenproteste im Jahr zuvor erhoffte man sich Aufmerksamkeit für und Interesse an einer antiautoritären Organisation und auf diesem Wege ein Wiedererstarken der anarchistischen Bewegung, die nach dem zweiten Weltkrieg weitestgehend zerschlagen war. [Wikipedia | FdA-IFA | a las barricadas (spanisch)]

Am 5. September 1936 stirbt der spanische Anarchist Federico Borrell García. Im spanischen Bürgerkrieg kämpfte er als Milizionär gegen die faschistischen Putschisten. Der 24-jährige verteidigte eine Artilleriebatterie, als sie von eingesickerten faschistischen Truppen von vorne und hinten unter Feuer genommen wurde. Federico Borrell García wurde auf dem Hügel La Loma de las Malagueñas um ungefähr 17 Uhr tödlich getroffen. Unsterblich wurde er dadurch, dass der Moment, in dem er von einer Kugel getroffen wurde, vermutlich von dem Fotografen Robert Capas verewigt wurde. [Wikipedia | Anarquismos | Patxiacrata (beide: spanisch)]

Am 9. September 1828 wird Leo Tolstoi geboren. Der russische Schriftsteller wurde durch seine Romane wie „Krieg und Frieden“ weltberühmt. Weniger bekannt sind seine politischen Texte, die auch den Anarchismus beeinflussten. Tolstoi stützte seine Vorstellungen einer gewalt- und herrschaftsfreien Ordnung dabei auf die Bibel (und hier vor allem auf die Bergpredigt). Noch heute beziehen sich viele Anarchopazifisten auf seine staatskritischen Schriften. Neben dem Staat wendete sich Leo Tolstoi auch gegen den Kapitalismus, soziale Ungerechtigkeiten, Militarismus, die zaristische Tyrannei und gegen jede Regierung. [Anarchismus.at | Wikipedia]

Am 10. September 1898 ersticht der Anarchist Luigi Lucheni die österreichische Kaiserin mit einer Feile. Nach dem Attentat wird Luigi Lucheni von Passanten festgenommen und der Polizei übergeben. Bei seiner ersten Vernehmung bekennt er sich stolz zu seiner Tat. Als der Tod Elisabeths gemeldet wird, ruft er triumphierend: „Es lebe die Anarchie! Es leben die Anarchisten!“

Sein Motiv war Rache für die blutige Niederschlagung eines Arbeiteraufstands in Mailand durch den italienischen König. Es fehlte Luigi Lucheni jedoch an Geld für eine Reise nach Italien.
Luigi Lucheni wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Die offizielle Version, dass er sich in Haft das Leben nahm, wurde angezweifelt. [Wikipedia].

Am 11. September 1926 wirft der Anarchist Gino Lucetti in Rom eine Bombe auf das Auto, in dem der Faschist Benito Mussolini sitzt. Mussolini überlebt, einige Passanten werden verletzt. Gino Lucetti wird zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. 1943 wird Gino Lucetti von Alliierten aus dem Gefängnis befreit. Am 17. September desselben Jahres fällt er einem deutschen Bombenangriff zum Opfer. [Wikipedia | Mutuo Sostegno (spanisch)]]

Am 11. September 1998 wird Claudia López Benaiges in Chile von Bullen ermordet. Die 25-jährige Studentin und Anarchistin nahm an einem Protestzug gegen den 25. Jahrestag des faschistischen Putsches durch Pinochet teil, als ihr in dem Stadtteil La Pincoya in Santiago von Polizisten in den Rücken geschossen wurde. [Contrainfo | Wikipedia (spanisch) | Aurora fundación (spanisch)]

Am 17. September 2011 wird der Zuccotti Park in New York besetzt. Es ist die Geburtsstunde der Bewegung, die als Occupy Wall Street bekannt werden sollte. Inspiration war die Besetzung des Tahrir-Platzes in Ägypten und die Platzbesetzungen in Spanien durch die Bewegung der „indignados“, der Empörten, Anfang des Jahres. Wenn auch Occupy Wall Street (OWS) keine explizit anarchistische Bewegung war, fanden sich doch dort anarchistische Prinzipien umgesetzt: Die horizontale, hierarchiefreie Organisierung bei basisdemokratischen Abstimmungen, das Konsens-Prinzip, die Ablehnung von Forderungen an den Staat und stattdessen direkte Aktionen, eine antikapitalistische Grundhaltung. Unter den Aktiven waren auch Anarchisten:

David Graeber, dem die Urheberschaft an dem Slogan „We are the 99 %“ zugeschrieben wird. Interviews mit David Graeber, in denen er über OWS spricht: [Spiegel | Al Jazeera (englisch)]
Mark Bray, ein Historiker und Autor, war ebenfalls aktiv mit dabei. Seine Erfahrungen und Eindrücke verarbeitete er in dem Buch: „Translating Anarchy: The Anarchism of Occupy Wall Street“.
Robert Grodt, der 2017 bei der Befreiung von Raqqa vom Islamischen Staat (IS) fiel, war Demo-Sanitäter bei OWS.
Crime Thinc äußerte wandte sich an die neue Bewegung kurz nach deren Entstehen: „Dear Occupiers: A Letter from Anarchists“ [Crimethinc (englisch)]. Später bezogen sie sich in einem weiteren Text auf OWS: „Eight Simple Steps towards Revolution“ [Crimethinc (englisch)].

Dem Thema Anarchismus in der Occupy-Bewegung ist ein Artikel gewidmet bei [Wikipedia (englisch)]

Occupy Wall Street und die Park- und Platzbesetzungen breiteten sich in den nachfolgenden Wochen auf viele weitere Städte in den USA aus. Polizeigewalt und Repression begleitete die Bewegung praktisch von Anfang an. Schließlich wurden die Protestcamps alle gewaltsam geräumt. Aus der OWS-Bewegung gingen Ableger hervor wie beispielsweise Occupy Sandy und Occupy Our Homes. Bei Occupy Sandy organisierten sich ehemalige Aktivisten und andere Freiwillige, um Menschen zu helfen, die von dem gleichnamigen Sturm an der Ostküste betroffen waren. Informationen: [Kontext TV | Wikipedia (englisch)]
Occupy Our Homes war eine Organisation, die versuchte, die Zwangsräumungen von Familien zu verhindern, denen aufgrund von finanziellen Notlagen drohte, dass sie ihr Dach über dem Kopf verlieren [Wikipedia (englisch)].

Am 18. September 1974 stirbt die chilenische Anarchistin und Lehrerin Flora Sanhueza Rebollado.

Geboren wurde sie 1911. 1935 ging sie nach Spanien, um sich der sozialen Bewegung dort anzuschließen. Während des Bürgerkriegs 1936 bis 1939 beteiligte sie sich an der sozialen Revolution und heuerte als Milizionärin bei der Kolonne Durruti an, um den Faschismus zu bekämpfen. Nach dem Sieg der spanischen Faschisten floh sie nach Frankreich, wurde dort aber von Nazis gefangen genommen und bis 1942 in einem Lager eingesperrt.

Wieder frei, kehrte sie nach Chile zurück und gründete in Iquique 1947 das libertäre Zentrum Luisa Michel, benannt nach der französischen Anarchistin. Dieses Zentrum diente – quasi im Verborgenen, aufgrund politischer Verfolgungen – als Ort der kulturellen Weiterbildung für Netzweberinnen.

1953 wurde daraus eine Schule, die sich an den Grundsätzen des antiautoritären Pädagogen Francisco Ferrer ausrichtete. Diese Escuela Libertaria Luisa Michel (Libertäre Schule), wie sie nun genannt wurde, unterrichtete 70 Schüler, die Kinder von Arbeiterinnen. 1957 hörte die Schule auf zu funktionieren.

Nach dem Staatsstreich 1973 wurde Flora Sanhueza festgenommen, gefoltert und vergewaltigt. Danach wurde sie unter Hausarrest gestellt. Schließlich starb sie an den Folgen der Folterungen, die sie erlitten hatte. [Periódico Solidaridad | El Amanecer | Wikipedia (alle: spanisch)]

Am 20. September 1895 erscheint in Boston die erste Ausgabe der anarcho-kommunistischen Zeitung The Rebel. Alle 6 Ausgaben, die 1895/96 erschienen, können als PDF heruntergeladen werden bei [Libcom (englisch)].

Am 25. September 1936 hält Emma Goldman bei einem Besuch in Barcelona einen Vortrag vor 10.000 Zuhörern. Fotos: [Borja libertario/Twitter (spanisch)]

Am 27. September 1907 stirbt Fermín Salvochea y Álvarez. Er war erst Bürgermeister von Cádiz (Spanien) und wurde später – enttäuscht vom Parlamentarismus und inspiriert durch die Lektüre von Peter Kropotkin – Anarchist [Wikipedia].

29. September 1921: Die Anarchistin Fanya Baron wird durch die Tscheka – die politische Polizei der Bolschewiki – in Moskau hingerichtet.

1919 – 1920 war Fanya Baron Mitglied der Ukrainischen Anarchistischen Konföderation Nabat. Diese Konföderation hatte auch Verbindungen zu der Bewegung der Machnowschtschina.
Fanya Baron wurde festgenommen, als die Bolschewiki die anarchistische Bewegung niederschlugen. Sie war eine der 13 Anarchistinnen und Anarchisten die in dem Taganka-Gefängnis ohne Anklagen eingesperrt waren.

Es scheint, als ob Lenin selbst die Hinrichtung angeordnet hätte. Trotzki sprach den inhaftierten Anarchisten eine politische Überzeugung ab und bezeichnete sie einfach als „Kriminelle“. [Wikipedia (englisch) | Anarquismo en PDF/Twitter (spanisch) | Libcom (englisch)]

Termine:

Die vielfältigen Veranstaltungen der Anarchistischen Gruppe Dortmund im Oktober im Black Pigeon umfassen: Spielenachmittag,Vortrag zu Botanik, Socken stopfen, Flicken, und Nähen, Skillsharing: Layout-Desing und Diskussion zu den 23 Thesen des Anarchismus. [AG Do]

20. Oktober 2018: A-NeSt (Anarchistisches Netzwerk Stuttgart) veranstaltet in der Silberburg in Nürtingen ein Solidaritäts-Konzert für Riseup.

20. – 21. Oktober 2018: Anarchist festival in London [anarchistfest (1) | (2) (beide: englisch)]

26. – 28. Oktober 2018: anarchistische Buchmesse in Lissabon [Contrainfo | contrainfo (englisch)]

1. Dezember 2018: Anarchistische Buchmesse in Manchester [ManchesterⒶBookfair (englisch)]

Vorschau auf anarchistische Buchmessen 2018: [Anarchist bookfairs | Freedom news (beide: englisch)]

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