Tag Archive | 15m

Anarchistischer Monatsrückblick: Juni 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die vergangenen vier Wochen

Mehrere hundert Berufsschülerinnen und -schüler versuchten in Nürnberg spontan, die Abschiebung eines Gefährten zu verhindern. Die Cops hatten den 20-Jährigen aus dem Unterricht gezerrt. Die Solidarität der Schülerinnen und Schüler wurde von den Bullen mit Pfefferspray, Knüppeln und Hunden beantwortet. [Neues-Deutschland] – [Graswurzelrevolution]
Für die von Repression Betroffenen wurde ein Spendenkonto eingerichtet: Rote Hilfe OG Nürnberg, GLS Bank, Kto.: 4007238359, BLZ: 43060967, IBAN: DE85430609674007238359, BIC: GENODEM1GLS [Nürnberg ist überall/Facebook].

In Karlsruhe stellten sich Tausende einem Nazi-Aufmarsch entgegen. Die Nazis hatten zu dem „Tag der deutschen Zukunft“ aufgerufen. Der Marsch der 250 – 300 Nazis wurde von einem Großaufgebot Uniformierter geschützt. Antifaschistische AktivistInnen hingegen wurden von den Cops angegriffen. Ein Live-Ticker mit zahlreichen Fotos: [Beobachter News]. Eine Reportage bei [Radio Dreyeckland].

Auf [Sub.Media (englisch)] gibt es ein Video über Projekte, die AnarchistInnen in Griechenland auf die Beine gestellt haben, um Geflüchtete zu unterstützen. So wurde auf der Insel Lesbos ein Hilfscamp errichtet, um dort ankommende Geflüchtete vor dem Ertrinken zu retten.

Einen Artikel über AnarchistInnen in Griechenland, die Gebäude besetzen, um selbstverwaltete Unterkünfte für Geflüchtete zu erschaffen, gibt es bei [The Canary (englisch)]. In diesen Squats sind tausende Geflüchtete untergekommen, die in Griechenland gestrandet sind nach dem Schließen der Balkan-Route. Gemeinsam mit AktivistInnen vor Ort organisieren sie ihren Alltag. Kostenlose Sprachkurse sind nur eine von vielen Möglichkeiten, die dort angeboten werden.
Erwähnt wird in dem Artikel auch das City Plaza, ein vormals leerstehendes Hotel in Athen. Bis zu 400 Geflüchtete leben dort. Das City Plaza ist eins von drei besetzten Gebäuden, die akut räumungsbedroht sind. Bei den beiden anderen handelt es sich um Papoutsadiko und Zoodouchou Pigis.
Bericht vom Dringlichkeits-Plenum des City Plaza, als die Meldung von der drohenden Räumung die Runde machte: [Medium (englisch)].
Ein mehrsprachiges Statement des City Plaza zum Räumungsbeschluss: [EnoughIsEnough14 (für deutsch ein Stückchen runterscrollen)].
Wie die anarchistischen Squats sich auf die drohende Räumung vorbereiten, steht bei [Freedom News (englisch)].
[Aljazeera (englisch)] berichtet über eine Demo in Athen gegen die drohende Räumung.
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Anarchistischer Monatsrückblick: Mai 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Mai 2017:

Bayram wird im Knast in Aserbaidschan die dringend benötigte medizinische Versorgung verweigert. Sein Anwalt berichtet, wie schlecht es ihm geht. Bayram wurde zusammen mit Giyas zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, weil die beiden regierungs- kritische Graffiti an ein Denkmal gesprüht hatten. [Changenow.Blogsport]
Das Libertäre Bündnis Ludwigsburg (LB²) erinnerte mit einer Transparent-Aktion und einem Online-Text an die Festnahme vor einem Jahr [LBQuadrat].

In Stuttgart beteiligte sich nicht zuletzt aufgrund der perfekten Vorbereitung und Mobilisierung durch das Libertäre Bündnis Ludwigsburg ein großer anarchistischer Block an der alljährlichen revolutionären 1. Mai-Demo. Eine Vielzahl schwarzer und schwarz-roter Fahnen und anarchistischer Transparente (siehe Foto) prägte das Bild des Demozuges im hinteren Drittel.
Der sichtbare Anteil an AnarchistInnen, Libertären und Antiautoritären war deutlich höher als in den Jahren zuvor. Die Cops schafften es mit all ihren Schikanen nicht zu verhindern, dass die hunderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demo ihr Ziel erreichten, das soziale Zentrum Lilo Hermann im Stadtteil Heslach.
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Alice im solidarischen Wunderland

c1vvbdyxaauvwhcEin wahres Wunderland aus kostenlosem Spielzeug erwartete die Kinder, die mit ihren Eltern in das autonome Zentrum in Madrid gekommen waren. Unzählige Kindersachen boten sich dar, verlockend auf Tischen ausgebreitet, und warteten geduldig darauf, erspäht, erwählt und mitgenommen zu werden.

Das besetzte und selbstverwaltete soziale Zentrum EKO in Madrid hatte zusammen mit 15M und einigen anderen Kollektiven dieses Anti-Konsum-Fest auf die Beine gestellt. Am Vortag konnten Sachen vorbeigebracht werden, die weggeworfen werden sollten, die Staub angesetzt und ein vergessenes Dasein in irgendwelchen Kammern und Kisten gefristetet hatten. Sachen, die nur darauf warteten, anderen Kindern Freude zu bereiten.

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Barcelona: zwangsgeräumte Familie und Unterstützer vor Gericht

Am 14. und 15. Dezember wird ein Ehepaar aus Barcelona vor Gericht stehen. Eliseo (63) und Verónica (59) wird vorgeworfen, sich gegen ihre Zwangsräumung in dem Stadtteil Clot gewehrt zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert je 2 Jahre bis 2 Jahre und 3 Monate Haft. Mitangeklagt sind außerdem drei solidarische Nachbarn, die vor dem Haus waren. Diesen drohen zwischen 4 Jahren bis 5 Jahren und 2 Monaten Knast, wegen „Widerstands gegen die Staatsgewalt“, meldet Diagonal.

Die Zwangsräumung wurde im Sommer 2011 mit unfassbarer Brutalität von den Mossos durchgesetzt (Bericht auf Bodenfrost). 80 Menschen fanden sich vor dem Gebäude ein, um ihren Nachbarn beizustehen. Desnonamentclot, ein Unterstützungs- und Mobilisierungsblog für die von Repression Betroffenen, fasst die Ereignisse in mehreren Sprachen zusammen: Weiterlesen …

Erfahrungsautausch in Sabadell: Hausbesetzung und Selbstverwaltung

Am 1. Oktober fand auf dem Marktplatz der katalanischen Stadt Sabadell ein angeregter Gedankenaustausch über die Themen Hausbesetzung und Selbstverwaltung statt. An der Durchführung und an den Gesprächen beteiligt waren die anarchosyndikalistische CNT Sabadell, die Anti-Zwangsräumungs-Aktivistinnen und Aktivisten der PAHC Sabadell und Gäste von der Anarchistischen Föderation Gran Canaria (FAGC).

Sowohl die PAHC Sabadell, als auch die FAGC, konnte von ihren Erfahrungen berichten, wie Menschen ohne Dach über dem Kopf in leerstehenden Häusern untergebracht wurden. Die FAGC hat das Wohnprojekt „Esperanza“ initiiert, ein Wohnprojekt, in dem über 70 Familien untergekommen sind. Die PAH hat vier Wohnblocks für ungefähr 80 bedürftige Familien besetzt. Alle genannten Projekten organisieren sich selbstverwaltet.

Auf ihrer Webseite fasst die CNT Sabadell den Aktionstag folgendermaßen zusammen:

Bei dem Gespräch wurden die Schwierigkeiten angesprochen, die sich ergeben, wenn es daran geht, sich zu organisieren, um Wohnblocks zu besetzen und zu verwalten, die Konflikte zwischen Ideologie und Wirklichkeit, sowie um die durchgeführten Strategien, um das Hauptziel zu erreichen, ein Dach für alle, die keines haben.

Das offene Treffen auf dem Marktplatz erinnerte ein wenig an die Bewegung der „Indignados“ von 15M, die vor fünfeinhalb Jahren mit Protestcamps die zentralen Plätze vieler spanischer Städte besetzten, um sich auszutauschen, gemeinsam zu organisieren und ihrer Empörung über herrschenden Zustände Ausdruck zu verleihen. Die Wohnungsnot infolge von Zwangsräumung und Arbeitslosigkeit ist immer noch akut, paradoxerweise kontrastiert mit einem enormen Wohnungsleerstand.

Eine Kooperation von unterschiedlichen Organisationen wie Anarchosyndikalist*innen, Anarchist*innen und Recht-auf-Wohnraum-Aktivist*innen bei einem praktischen und konkreten Thema ist eine positive Entwicklung, die in sich den Samen tragen könnte, neue Impulse zu geben für eine aufflammende Mobilisierung auf der Straße, nachdem die Energie von 15M zwischen Resignation und Repression durch Knebelgesetze verpufft ist und deren letzte Reste vereinnahmt wurden durch die opportunistische Partei Podemos.

Zwei Jahre nach dem Gamonal-Effekt

Zwei Jahre ist es her, dass in Gamonal (Burgos) ein städtisches Bauprojekt aufgehalten wurde durch entschlossenen Widerstand auf der Straße und eine beispiellose Solidaritätswelle in ganz Spanien. Nach einer actionreichen Woche erklärte der Bürgermeister Lacalle am 17. Januar 2014, dass das Projekt nicht durchsetzbar sei (ausführlicher Bericht).

Programm zum 2. Jahrestag

Programm zum 2. Jahrestag

Anlässlich dieses zweiten Jubiläums organisierte die aus den Protesten hervorgegangene Nachbarschafts-Versammlung von Gamonal über das Wochenende einige Veranstaltungen, unter anderem Vorträge und Gespräche mit anderen sozialen Gruppen über die staatliche Repression, eine Demonstration, ein Solidaritäts-Konzert, und ein Solidaritäts-Flohmarkt. Rafael, ein Sprecher der Nachbarschafts-Versammlung, erklärte, dass durch diese Veranstaltungen an die Wichtigkeit des Kampfes der Anwohner erinnert werden solle. Außerdem sei es ein guter Anlass, um ins Gedächtnis zu rufen, dass es immer noch Menschen gibt, die wegen der Ereignisse vor zwei Jahren unter Anklage stehen.

Aufruf zur Soli-Demo

Aufruf zur Soli-Demo

Mitglieder der juristischen Arbeitsgruppe erinnerten daran, dass sie bis jetzt über 50 Ordnungsstrafen erhalten haben, einige davon betrugen bis zu 6000 Euro. Von den Verfahren gegen Minderjährige wurden die meisten ohne weitere Konsequenzen eingestellt. Bei den Verfahren gegen die Volljährigen haben sich – wegen der drohenden hohen Strafen und der Gefahr, ins Gefängnis zu kommen – einige der Betroffenen auf Abmachungen mit der Staatsanwaltschaft eingelassen, ohne anzuerkennen, dass sie etwas illegales getan hätten. Etwa 30 Leute warten noch auf ihren Prozess und könnten noch verurteilt werden. Derzeit befindet sich niemand in Haft wegen der Aktionen in Gamonal. Weiterlesen …

„Das sind keine Selbstmorde, das sind Morde“

In Zaragoza erhängte sich am Montag ein 62-Jähriger wegen seiner bevorstehenden Zwangsräumung 1. Der Mann hinterließ einen Abschiedsbrief, aus dem die Gründe für seinen Selbstmord hervorgingen: Das Gericht hatte ihn per Schreiben davon in Kenntnis gesetzt, dass am Folgetag die Gerichtsvollzieher kommen würden, um ihn aus der Wohnung zu werfen. Der Verstorbene sah sich aufgrund seiner Arbeitslosigkeit außer Stande, seine Miete zu bezahlen. Auch seine Frau und seine Tochter haben nur geringfügige Beschäftigungen. Sie waren es auch, die den Mann vorfanden, als sie in die Wohnung zurück kamen.

Der Richter setzte nach dem Selbstmord aufgrund der Umstände die Zwangsräumung vorläufig aus. Die Tochter und die Frau schlafen aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr in der Wohnung und sind bei Verwandten untergekommen.

Das Anti-Zwangsräumungs-Bündnis Stop Desahucios Zaragoza rief zu einer Demonstration auf 2. Dort machten die Versammelten ihrem Zorn und ihrer Trauer Luft und riefen „Das sind keine Selbstmorde, das sind Morde“ 3. Später wurde eine Schweigeminute für den Verstorbenen abgehalten. Auf Transparenten wurde die Frage gestellt: „Wie viele sollen noch sterben?“ 4

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