Tag Archive | Direkte Aktion

Anarchistischer Monatsrückblick: Februar 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die vergangenen vier Wochen:

Weil 9 Aktivisten aus dem Hambacher Forst in Untersuchungshaft gesteckt worden waren, wurde zu Solidaritäts-Aktionen aufgerufen. Dass am Vortag des dezentralen Aktionstags 5 davon wieder freigelassen wurden, tat der Mobilisierung keinen Abbruch. In zahlreichen Städten gingen Menschen auf die Straße, um die Freilassung der verbleibenden 4 zu fordern. Fotos vom Aktionstag: [Hambacher Forst]

In Stuttgart gab es eine Anti-Repressions-Kundgebung für die Gefangenen wegen G20 und dem Hambacher Forst. An einem Infotisch wurde die Möglichkeit angeboten, den Gefangenen Solidaritäts-Post zu schreiben. Zu diesem Zweck gab es Karten mit anarchistischen Motiven und vorbereitete Adress-Aufkleber.

Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) beteiligte sich ebenfalls an dem Aktionstag für den Hambacher Forst [FdA-IFA/Twitter]:

Eine der 9 Personen, die in Untersuchungshaft war, sprach nach ihrer Freilassung mit Radio Dreyeckland über den Hambacher Forst, Personalienverweigerung, Solidarität von Außen und Knasterfahrungen allgemein: [RDL]

„Der Hambacher Forst und die Anarchie“ lautet die Schlagzeile eines Artikels in der Februar-Ausgabe der anarchopazifistischen Zeitung Graswurzelrevolution: [Graswurzel]

In der Silberburg in Nürtingen fand ein Solidaritäts-Abend für den Hambacher Forst statt. Neben einem Vokü-Buffet wurden auch vegane Soli-Muffins angeboten. Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein Dokumentar-Film aus dem Hambacher Forst. Gezeigt wurde eine versuchte Räumung 2017 aus der Perspektive eines am Baum angeseilten Aktivisten. Das musikalische Programm bestritt das Duo Caribio und Wolf. Mit Gitarre, Ukulele und manchmal a capella trugen sie Arbeiter-, Protest- und Widerstandslieder vor, die teilweise textlich an das Thema das Abends angepasst worden waren.

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Anarchistischer Monatsrückblick: Januar 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die vergangenen vier Wochen:

Bericht und Fotos von einer Silvester-Solidaritäts-Aktion in Rottenburg. Einige solidarische Menschen stellten sich mit einem Transparent vor die dortige JVA. Auf dem Transparent stand „Ⓐ Für eine Gesellschaft ohne Knäste“. [AntiFANT.blogsport]

Am 7. Januar gingen tausende Menschen in Dessau auf die Straße, um Oury Jallohs zu gedenken. „Oury Jalloh, das war Mord“, riefen die Demonstranten immer wieder. Oury Jalloh verbrannte 2005 – an Händen und Füßen gefesselt – in einer Zelle in einer Polizeiwache. Seit seinem Tod versuchen staatliche Repressionsorgane alles, um eine Aufklärung des Falls zu verhindern. Die Demo endete vor eben der Wache, in der Oury Jalloh starb. Es wurden Feuerzeuge auf die Stufen des Gebäudes geworfen, um an die Umstände, unter denen er zu Tode kam, zu erinnern.
Fotos: [PM Cheung/Flickr | Lionel C. Bendter/Flickr | Simon Telemann/Flickr | Streetphoto SE/Twitter | Dessau Nazifrei/Twitter | Tim Lüddemann/Twitter]
Videos vom Demozug aus der Vogelperspektive: [Dessau nazifrei/Twitter] | (2) | (3) | (4)].
Video mit Interviews und Impressionen von der Demo: [Tim Lüddemann/Youtube]
Demo-Bericht: [MDR]

Die Libertäre Gruppe Karlsruhe berichtet von Repression aufgrund der Anti-Wahl-Kampagne „Solidarische Perspektiven entwickeln – Jenseits von Wahlen und Populismus“. Repressionsorgane postierten sich zur Einschüchterung an Veranstaltungsorten. Später flatterten einigen an der Kampagne beteiligten Personen Strafbefehle ins Haus. Ihnen wird vorgeworfen, Wahlplakate mit Plakaten der Kampagne „Solidarische Perspektiven“ überklebt zu haben. Zusätzlich zu den Strafbefehlen wurden die Namen und Adressen der betroffenen Personen an alle Parteien weitergegeben. [LKA.Tumblr]

Die Direkte Aktion – die Zeitung der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter*innen Union (FAU) berichtet wie rechte Gruppen um AfD und „Ein Prozent“ zur Unterwanderung von Betriebsräten aufrufen. [Direkte Aktion]

Die Schwarz-Roten Bergsteiger führten ein Interview Interview mit der Anarchistischen Bergsportföderation Katalonien. Nachzulesen ist es bei [Direkte Aktion].
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Anarchistischer Monatsrückblick: Juli 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die zurückliegenden 4 Wochen

Rojava (Nord-Syrien): Der anarchistische Genosse Robert Grodt (Demhat Goldman) ist am 6. Juli bei der Befreiung von Raqqa ums Leben gekommen. „Er war dort, um anderen zu helfen, das war sein Leben lang seine Leidenschaft,“ sagte Elizabeth Clarke, eine Verwandte von ihm, auf Facebook. Der 28-Jährige hatte sich der kurdischen Miliz YPG angeschlossen, um gegen den Islamischen Staat (IS) und für die soziale Revolution zu kämpfen.


2011 war Demhat Goldman in New York als Demosanitäter bei der Occupy Wall Street-Bewegung aktiv gewesen. Dort lernte er auch seine spätere Partnerin Kaylee Dedrick kennen. Er leistete erste Hilfe bei ihr, als Polizisten sie mit Pfefferspray verletzten. Die beiden hatten eine gemeinsame Tochter. Der Legende nach das „erste Occupy-Baby“, gezeugt im Protestcamp im Zuccotti Park.
In einer Video-Botschaft legte Demhat Goldman seine Motive dar, warum er nach Rojava gegangen war: [Youtube]
Berichte über seinen Tod fanden sich auch in bürgerlichen Medien, auch wenn diese kein Wort über seine anarchistischen Überzeugungen verloren: [Washington Post | Guardian | New York Times (alle: englisch)].
Die näheren Umstände seines Todes werden auf der Seite von [YPG Rojava (englisch)] beschrieben.
Eine Mitteilung des anarchistischen Bataillons [IRPGF/Twitter].
In Chicago wurde ihm zu Ehren ein Transparent angebracht: [Daneyvilla/Twitter (englisch)].
Fotos vom Abschied von Demhat Goldman in Rojava: [Defense Units/Twitter | YPJ Press (beide: englisch)].

IRPGF, ein anarchistisches Bataillon in Rojava, verkündete die Gründung von einer Untergruppe namens The Queer Insurrection and Liberation Army (TQILA) [IRPGF/Twiter (englisch)]. IRPGF postete auch ein Bild, das in Raqqa entstanden sein soll. Das Bild wurde mittlerweile weit über 4000 mal geteilt [IRPGF/Twitter (englisch)]:

Presseberichte zu TQLA: [Newsweek | Independent (beide: englisch)].
Gegenüber der [taz] äußerte sich SDF-Sprecher Mustafa Bali dahingehend, dass diese Gruppe nicht als separate Kampfeinheit anzusehen sei. Sehr wohl gebe es eine LGBTI-Initiative in den Reihen der Anti-IS-Kämpfer der SDF.
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Gran Canaria: Direkte Aktion gegen Zwangsräumung

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria (FAGC) hat durch Mut, Einfallsreichtum und direkte Aktion erneut eine Zwangsräumung verhindert. Aufgrund der kurzen Vorlaufzeit – die räumungsbedrohte Familie hatte die FAGC nur einen Tag zuvor benachrichtigt – konnten lediglich 5 Menschen mobilisiert werden.

„Es sah nicht gut aus an diesem Morgen“, berichtet die FAGC. Die Zweifel nagten: „Wir sind wenige. Soll das die erste Zwangsräumung werden, die wir nicht aufhalten können?“ Um den zahlenmäßigen Nachteil auszugleichen, entschieden sie sich für die bewährte Taktik des Einigelns: Die wackere kleine Gruppe verschanzte sich in der Wohnung. Mit Brettern und Stützbalken an Fenstern und Türen verwandelten sie die Wohnung in eine uneinnehmbare Festung.

Auf Twitter veranschaulicht die FAGC das sehr bildlich: „Wir machten einen Bunker aus der Wohnung. Wir sahen aus wie ein Schiff aus dem 16. Jahrhundert. ‚Vernageln sie die Fenster, meine Damen‘, scherzten wir“.

„A las barricadas“ singend, warteten alle gemeinsam in der Wohnung darauf, dass die Übeltäter kämen. Als diese schließlich auftauchten, mühte sich der Schlüsseldienst 5 Stunden lang vergeblich ab, dem Gerichtsvollzieher Zutritt zu der Wohnung zu verschaffen. Der Anwalt der immobiliengesellschaft bot letztendlich Verhandlungen an. 6 Monate Miete, lautete das Angebot, unter der Bedingung, dass die Familie anchließend verschwindet. Der FAGC gefiel das Angebot nicht, aber die Familie, die ihre Miete nicht mehr hatte bezahlen können, willigte ein.

Um 14 Uhr, als sie sich vergewissert hatten, dass die Luft rein ist, zog sich die FAGC zurück. Durch die Garage, um sicher zu gehen. Festnahmen gab es an diesem Tag keine.

Quelle: Eine Tweet-Kette der FAGC

Gemeinschaftsgarten in Sabadell

„Das Land dem, der es bestellt “ – gemäß diesem Motto aus der mexikanischen Revolution, das auf einem der Transparente zu lesen war, besetzten rund 100 Aktivisten ein brachliegendes Grundstück in Sabadell (Katalonien/Spanien), um dort einen Gemeinschaftsgarten anzulegen. Der künftige Ertrag des Gartens soll der Selbstversorgung der Bewohner eines ganz in der Nähe liegenden besetzten Wohnblocks dienen, um sie unabhängig von wohltätigen Einrichtungen zu machen. Organisiert wurde die Besetzung von der PAHC Sabadell, der „Plattform für Betroffene von Hypotheken und der Krise“.

"Das Land dem, der es bestellt" Foto von PAHC Sabadell

„Das Land dem, der es bestellt“
Foto von PAHC Sabadell

Auf ihrer Webseite beschreibt sich die PAHC Sabadell als „Kollektiv, das für das Recht auf Wohnraum für alle Menschen kämpft.“ Seit ihrer Gründung im März 2011 haben sie demnach „hunderte von Zwangsräumungen aufgehalten, hunderte Restschuldenerlasse unterzeichnet und dabei geholfen, über zweihundert Familien neu unterzubringen.“
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… denn die Häuser gehören uns (VIII): Hausbesetzer-Familien in Sanlúcar de Barrameda

Angesichts der blanken Not kommen überall in Spanien immer mehr Menschen auf die nahe liegende Idee, leerstehende Wohnungen zu besetzen, statt weiterhin auf der Straße, in Garagen, auf dem Sofa von Verwandten oder im Auto vor sich hin zu vegetieren. In Sanlúcar de Barrameda – eine Stadt mit 67.000 Einwohnern ganz im Süden des sonnigen Andalusiens – hat sich in letzter Zeit eine rege Hausbesetzer-Szene entwickelt. 86 Familien haben 8 leerstehende Gebäude zu ihrem neuen Zuhause erkoren und füllen diese nun mit neuem Leben.

Angefangen hatte es vor 3 Monaten, als 11 Familien in dem Stadtteil Bonanza ein Gebäude okkupierten. In den letzten Wochen ist die Zahl der Besetzungen kontinuierlich und schnell angestiegen auf die aktuelle Zahl von 8 Corralas, wie die besetzten Wohnblöcke in Andalusien genannt werden. Angesichts von 12000 Arbeitslosen könnte die Zahl in Zukunft noch zunehmen. Die Corrala-Bewohner bekommen immer wieder Anfragen, ob noch Wohnungen frei sind in den Gebäuden oder ob sie weitere Gebäude kennen, in die man einziehen könnte.


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Anarchistische Föderation Gran Canaria besetzt 30 Wohnungen

Die FAGC (Federación de anarquistas Gran Canaria, die anarchistische Föderation von Gran Canaria) hat insgesamt 30 leerstehende Wohnungen besetzt, um sie an Bedürftige weiterzugeben:

Die FAGC stellt denen, die nichts haben, 30 komplett bewohnbare Wohnungen zur Verfügung (alle mit fließendem Wasser und viele davon mit Strom [bei den anderen wird der Strom nach und nach eingerichtet, nach der Reihenfolge ihrer Besetzung]). Wie immer ist die einzige Voraussetzung, dass man am Rande der Zwangsräumung und Obdachlosigkeit steht oder schon kein Dach mehr über dem Kopf hat oder nicht genügend Mittel hat, um sich eines zu beschaffen. Da es bei ihnen eine Frage von lebensnotwendiger Dringlichkeit ist, werden Menschen mit minderjährigen Kindern vorrangig berücksichtigt. Die Gebäude gehören Finanzinstituten oder öffentlichen Einrichtungen, so dass keine Einzelperson geschädigt wurde. (…)
Wir wiederholen: 30 Wohnungen für diejenigen, die kein Dach, kein Einkommen, keine Angst haben.
Quelle: AnarquistasGC.net

Die FAGC ist laut Eigenbeschreibung seit Jahren vorrangig dort aktiv, „wo die Bevölkerung am meisten unterdrückt und ausgegrenzt wird“. So setzen sie sich immer wieder gegen Zwangsräumungen ein (siehe Bericht auf Bericht auf Bodenfrost vom 31.01.2013), kümmern sich um die Unterbringung von Flüchtlingen, die sonst in den CIEs (spanische Abschiebeknäste) enden würden, und von misshandelten Frauen, die von den staatlichen sozialen Einrichtungen keine Unterstützung bekommen (Quelle: AnarquistasGC.net).

Die FAGC berichtet auf ihrer Webseite, dass auf diese Weise die Menschen, deren Zwangsräumungen aufgehalten wurden oder die neu untergebracht wurden, entdeckt haben, dass „die Direkte Aktion und die gegenseitige Hilfe nicht einfach nur Parolen der ‚verrückten Anarchisten‘ sind, sondern die einzige Möglichkeit, die Kontrolle über ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen.“