Tag Archive | Direkte Aktion

… denn die Häuser gehören uns (VIII): Hausbesetzer-Familien in Sanlúcar de Barrameda

Angesichts der blanken Not kommen überall in Spanien immer mehr Menschen auf die nahe liegende Idee, leerstehende Wohnungen zu besetzen, statt weiterhin auf der Straße, in Garagen, auf dem Sofa von Verwandten oder im Auto vor sich hin zu vegetieren. In Sanlúcar de Barrameda – eine Stadt mit 67.000 Einwohnern ganz im Süden des sonnigen Andalusiens – hat sich in letzter Zeit eine rege Hausbesetzer-Szene entwickelt. 86 Familien haben 8 leerstehende Gebäude zu ihrem neuen Zuhause erkoren und füllen diese nun mit neuem Leben.

Angefangen hatte es vor 3 Monaten, als 11 Familien in dem Stadtteil Bonanza ein Gebäude okkupierten. In den letzten Wochen ist die Zahl der Besetzungen kontinuierlich und schnell angestiegen auf die aktuelle Zahl von 8 Corralas, wie die besetzten Wohnblöcke in Andalusien genannt werden. Angesichts von 12000 Arbeitslosen könnte die Zahl in Zukunft noch zunehmen. Die Corrala-Bewohner bekommen immer wieder Anfragen, ob noch Wohnungen frei sind in den Gebäuden oder ob sie weitere Gebäude kennen, in die man einziehen könnte.


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Anarchistische Föderation Gran Canaria besetzt 30 Wohnungen

Die FAGC (Federación de anarquistas Gran Canaria, die anarchistische Föderation von Gran Canaria) hat insgesamt 30 leerstehende Wohnungen besetzt, um sie an Bedürftige weiterzugeben:

Die FAGC stellt denen, die nichts haben, 30 komplett bewohnbare Wohnungen zur Verfügung (alle mit fließendem Wasser und viele davon mit Strom [bei den anderen wird der Strom nach und nach eingerichtet, nach der Reihenfolge ihrer Besetzung]). Wie immer ist die einzige Voraussetzung, dass man am Rande der Zwangsräumung und Obdachlosigkeit steht oder schon kein Dach mehr über dem Kopf hat oder nicht genügend Mittel hat, um sich eines zu beschaffen. Da es bei ihnen eine Frage von lebensnotwendiger Dringlichkeit ist, werden Menschen mit minderjährigen Kindern vorrangig berücksichtigt. Die Gebäude gehören Finanzinstituten oder öffentlichen Einrichtungen, so dass keine Einzelperson geschädigt wurde. (…)
Wir wiederholen: 30 Wohnungen für diejenigen, die kein Dach, kein Einkommen, keine Angst haben.
Quelle: AnarquistasGC.net

Die FAGC ist laut Eigenbeschreibung seit Jahren vorrangig dort aktiv, „wo die Bevölkerung am meisten unterdrückt und ausgegrenzt wird“. So setzen sie sich immer wieder gegen Zwangsräumungen ein (siehe Bericht auf Bericht auf Bodenfrost vom 31.01.2013), kümmern sich um die Unterbringung von Flüchtlingen, die sonst in den CIEs (spanische Abschiebeknäste) enden würden, und von misshandelten Frauen, die von den staatlichen sozialen Einrichtungen keine Unterstützung bekommen (Quelle: AnarquistasGC.net).

Die FAGC berichtet auf ihrer Webseite, dass auf diese Weise die Menschen, deren Zwangsräumungen aufgehalten wurden oder die neu untergebracht wurden, entdeckt haben, dass „die Direkte Aktion und die gegenseitige Hilfe nicht einfach nur Parolen der ‚verrückten Anarchisten‘ sind, sondern die einzige Möglichkeit, die Kontrolle über ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen.“

Folgen der Arbeitsmarktreform: Entlassung wegen Zwangsräumung

cartel2Das Call-Center Konecta aus Madrid entließ eine Mitarbeiterin, weil sie am Tag ihrer Zwangsräumung nicht zur Arbeit erscheinen konnte. Wegen Mietrückständen – sie war bis Juli arbeitslos gewesen – sollte Amaya aus der Wohnung geworfen werden.

Die 31-Jährige hatte einen Tag vor der Zwangsräumung um einen freien Tag gebeten, der ihr auch zustand. Ihr wurde aber lediglich ein Schichtwechsel gewährt und ihre Chefin drohte zudem, dass sie ja groß sei, ihre Pflichten kenne, am Nachmittag kommen aber mit den den Konsequenzen leben solle.

Am 11. September musste Amaya also gleich mit der doppelten Angst kämpfen, sowohl Wohnung, als auch Arbeitsplatz zu verlieren. Da es sich bereits um den zweiten Räumungstermin handelte – der erste konnte am 16. Juli dank Unterstützern aufgeschoben werden – rückte dieses Mal eine ganzen Hundertschaft Bereitschaftspolizei an, um die Räumung unter allen Umständen durchzusetzen (eine Video-Dokumentation davon).

Räumung. Nicht im Bild: ein Freund und Helfer. Bild von indiggato@Twitter

Räumung. Nicht im Bild: ein Freund und Helfer.
Bild von indiggato@Twitter


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Andalusische Arbeitergewerkschaft SAT beschlagnahmt Schulsachen

Rund 200 Mitglieder der Andalusischen Arbeitergewerkschaft SAT haben heute in einem Supermarkt in Sevilla 8 – 10 Einkaufwagen voller Schulsachen wie Bleistifte, Spitzer und Radiergummis beschlagnahmt. Auf ihrer Webseite teilt die SAT mit, dass mit dieser symbolischen Aktion aufmerksam gemacht werden soll auf die Lage der zwei Millionen Andalusierinnen und Andalusier, die in Armut leben und der 400.000 Haushalte, die keinerlei Unterstützung mehr erhalten, obwohl alle ihre Familienmitglieder arbeitslos sind. Viele Eltern können sich aufgrund dieser Lage nicht mehr leisten, ihre Kinder zu Schulbeginn mit dem nötigen Material, das 100 bis 150 Euro kostet, zu versorgen.

Auf Twitter wurde die Aktion passenderweise unter dem Hashtag #vueltaalcoleparatodos (Rückkehr zur Schule für alle) begleitet und kommentiert.

Die Aktion war offensichtlich gut geplant und vorbereitet und verlief entsprechend schnell, friedlich und erfolgreich. Die Polizei fand nur noch die leeren Einkaufswagen vor und kontrollierte später zwei weiße Lieferwagen von Maurern, die überhaupt nichts mit der Sache zu tun haben. Ein Video zeigt den Moment, in dem die Beute in bereitstehende Lieferwagen verladen wird:


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