Tag Archive | Empörte

Anarchistischer Monatsrückblick Mai 2019

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Einige adjektivlose Anarchist*innen

Die vergangenen vier Wochen:

BRD

Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) hat die neue Ausgabe ihrer monatlichen Zeitung herausgebracht. Themen in der Mai-Ausgabe sind unter anderem: Repression gegen den Widerstand von Geflüchteten an Europas Außengrenzen, Interview mit einem Organisatoren zur Frauen-JVA in Chemnitz am 0903.2019, Hinweise zur IT-Sicherheit für politische Gruppen (Teil 1 der Broschüre des KLARA KOLLEKTIVS), Teil 2 von „Für eine neue anarchistische Synthese!“, Ökos und Anarchist*innen: Interview mit José Ardillo, ein ungehaltener Beitrag zur Veranstaltung „Was wollen die Anarchist*innen?“.

Gaidao Nummer 101 online lesen, herunterladen oder bestellen: [FdA-IFA]

Das Anarchistische Radio Berlin hat seinen neuen libertären Podcast veröffentlicht. Ein ernster und satirischer Blick auf Ereignisse des letzten Monats aus libertärer Perspektive. Themen sind in dieser Sendung:  Eppendorfer Wald: eine neue Waldbesetzung, Anarchistische Tage in Potsdam, Bericht über die Proteste in Serbien, Digitalisierung und Kontrolle: die chinesischen Sozialkreditsysteme.

Podcast online anhören oder herunterladen: [ARadio]

Einige Eindrücke von der Anarchistischen Buchmesse Mannheim twitterte Bernd Drücke, Redakteur der anarcho-pazifistischen Zeitung Graswurzelrevolution: [dr_druecke/Twitter (1) | (2)]

Mit der Einladung von Ende Gelände Tübingen eröffnete die Libertäre Gruppe Nürtingen ihre Ungehorsame Bildungsreihe. Der Vortrag fand in dem selbstverwalteten Kneipenkollektiv Silberburg in Nürtingen statt.

Gesprochen wurde über Ziele, Aktionsformen und unhierarchische Organisationsstrukturen von Ende Gelände, den Unterschied zwischen Klimaschutz und Klimagerechtigkeit, zivilen Ungehorsam, staatliche Repression und Möglichkeiten, sich selbst unterstützend einzubringen.

Anschließend wurden bei einer offenen Gesprächsrunde Fragen aus dem Publikum beantwortet. [LibertaerNTUmsonstladen_NT/Twitter]

Der Anarchistische Hörfunk Dresden zum Thema „Tierbefreiung und Anarchismus“: [and.notraces]

#Fehrenbach52: In Freiburg wurde eine leerstehende Bullenwache besetzt. [AG Freiburg | Radio Dreyeckland]

Die anarchokommunistische Organisation die plattform hat Aufkleber mit Kropotkin-Zitat veröffentlicht: [dieplattform]

Die Leipziger Deliverunion die sich vor eineinhalb Jahren als Arbeitsgruppe des ebendort neugegründeten FAU (Freie Arbeiter*innen Union)-Syndikats herausbildete, und in der sich die Fahrer*innen des Essenslieferanten foodora  organisieren, ist dabei, eine neue Petition zu verwirklichen. [Direkte Aktion]

In der Berufung gegen die Verurteilung zu 9 Monaten Haft wurde die Hambacher-Forst-Aktivistin Eule zu drei Wochen Dauerarrest verurteilt. Durch die Untersuchungshaft gilt der Arrest als bereits abgesessen. [taz]

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Erfahrungsautausch in Sabadell: Hausbesetzung und Selbstverwaltung

Am 1. Oktober fand auf dem Marktplatz der katalanischen Stadt Sabadell ein angeregter Gedankenaustausch über die Themen Hausbesetzung und Selbstverwaltung statt. An der Durchführung und an den Gesprächen beteiligt waren die anarchosyndikalistische CNT Sabadell, die Anti-Zwangsräumungs-Aktivistinnen und Aktivisten der PAHC Sabadell und Gäste von der Anarchistischen Föderation Gran Canaria (FAGC).

Sowohl die PAHC Sabadell, als auch die FAGC, konnte von ihren Erfahrungen berichten, wie Menschen ohne Dach über dem Kopf in leerstehenden Häusern untergebracht wurden. Die FAGC hat das Wohnprojekt „Esperanza“ initiiert, ein Wohnprojekt, in dem über 70 Familien untergekommen sind. Die PAH hat vier Wohnblocks für ungefähr 80 bedürftige Familien besetzt. Alle genannten Projekten organisieren sich selbstverwaltet.

Auf ihrer Webseite fasst die CNT Sabadell den Aktionstag folgendermaßen zusammen:

Bei dem Gespräch wurden die Schwierigkeiten angesprochen, die sich ergeben, wenn es daran geht, sich zu organisieren, um Wohnblocks zu besetzen und zu verwalten, die Konflikte zwischen Ideologie und Wirklichkeit, sowie um die durchgeführten Strategien, um das Hauptziel zu erreichen, ein Dach für alle, die keines haben.

Das offene Treffen auf dem Marktplatz erinnerte ein wenig an die Bewegung der „Indignados“ von 15M, die vor fünfeinhalb Jahren mit Protestcamps die zentralen Plätze vieler spanischer Städte besetzten, um sich auszutauschen, gemeinsam zu organisieren und ihrer Empörung über herrschenden Zustände Ausdruck zu verleihen. Die Wohnungsnot infolge von Zwangsräumung und Arbeitslosigkeit ist immer noch akut, paradoxerweise kontrastiert mit einem enormen Wohnungsleerstand.

Eine Kooperation von unterschiedlichen Organisationen wie Anarchosyndikalist*innen, Anarchist*innen und Recht-auf-Wohnraum-Aktivist*innen bei einem praktischen und konkreten Thema ist eine positive Entwicklung, die in sich den Samen tragen könnte, neue Impulse zu geben für eine aufflammende Mobilisierung auf der Straße, nachdem die Energie von 15M zwischen Resignation und Repression durch Knebelgesetze verpufft ist und deren letzte Reste vereinnahmt wurden durch die opportunistische Partei Podemos.

Zwei Jahre nach dem Gamonal-Effekt

Zwei Jahre ist es her, dass in Gamonal (Burgos) ein städtisches Bauprojekt aufgehalten wurde durch entschlossenen Widerstand auf der Straße und eine beispiellose Solidaritätswelle in ganz Spanien. Nach einer actionreichen Woche erklärte der Bürgermeister Lacalle am 17. Januar 2014, dass das Projekt nicht durchsetzbar sei (ausführlicher Bericht).

Programm zum 2. Jahrestag

Programm zum 2. Jahrestag

Anlässlich dieses zweiten Jubiläums organisierte die aus den Protesten hervorgegangene Nachbarschafts-Versammlung von Gamonal über das Wochenende einige Veranstaltungen, unter anderem Vorträge und Gespräche mit anderen sozialen Gruppen über die staatliche Repression, eine Demonstration, ein Solidaritäts-Konzert, und ein Solidaritäts-Flohmarkt. Rafael, ein Sprecher der Nachbarschafts-Versammlung, erklärte, dass durch diese Veranstaltungen an die Wichtigkeit des Kampfes der Anwohner erinnert werden solle. Außerdem sei es ein guter Anlass, um ins Gedächtnis zu rufen, dass es immer noch Menschen gibt, die wegen der Ereignisse vor zwei Jahren unter Anklage stehen.

Aufruf zur Soli-Demo

Aufruf zur Soli-Demo

Mitglieder der juristischen Arbeitsgruppe erinnerten daran, dass sie bis jetzt über 50 Ordnungsstrafen erhalten haben, einige davon betrugen bis zu 6000 Euro. Von den Verfahren gegen Minderjährige wurden die meisten ohne weitere Konsequenzen eingestellt. Bei den Verfahren gegen die Volljährigen haben sich – wegen der drohenden hohen Strafen und der Gefahr, ins Gefängnis zu kommen – einige der Betroffenen auf Abmachungen mit der Staatsanwaltschaft eingelassen, ohne anzuerkennen, dass sie etwas illegales getan hätten. Etwa 30 Leute warten noch auf ihren Prozess und könnten noch verurteilt werden. Derzeit befindet sich niemand in Haft wegen der Aktionen in Gamonal. Weiterlesen …

Gegenseitige Hilfe in Córdoba

Die Berichterstattung über soziale Proteste und alternative Projekte in Spanien beschränkt sich allzu oft auf die Metropolen Madrid und Barcelona. Völlig zu unrecht, auch in anderen Städten, zum Beispiel Córdoba, entstehen und gedeihen interessante Projekte als Antwort auf den alltäglichen Überlebenskampf gegen Krise, Arbeitslosigkeit, Armut und Zwangsräumungen.

Als im Mai 2011 die Bewegung 15M das Licht der Welt erblickte und „Empörte“ (Indignados) in ganz Spanien ihren Unmut auf die Straßen und Plätze trugen, entstand auch in Córdoba ein Ableger, 15M Córdoba. Ein Teil der Gruppe widmete sich dem Kampf gegen die Zwangsräumungen und nannte sich folgerichtig Stop Desahucios Córdoba (Schluss mit Zwangsräumungen). Auf ihrer Webseite verkünden sie stolz, dass bis jetzt niemand, der bei ihnen Beistand gesucht hatte, aus dem Haus geworfen wurde.

Foto von StopDesahuciosC

Aktivisten holen das Gemüse ab
Foto von StopDesahuciosC

Familien, die von Zwangsräumung bedroht sind, mangelt es oft schon an grundlegenden Dingen, weswegen Stop Desahucios Córdoba im Sommer ein „selbstverwaltetes Netz gegenseitiger Hilfe“ ins Leben rief. Geplant ist eine Zeitbank, bei der Dinge und Dienstleistungen getauscht werden können. Bereits umgesetzt ist eine Tafel für Menschen, die sich die Lebensmittel nicht mehr leisten können.

Unterstützung für das Vorhaben fanden sie bei SAT, dem Andalusischen Arbeitersyndikat. SAT macht immer wieder durch spektakuläre Aktionen auf sich aufmerksam (siehe Bodenfrost-Berichte vom 07.08.2012 und 30.08.2013). Dazu gehört auch die Besetzung leerstehender Fincas, um dort Lebensmittel anzubauen. Die seit März 2012 besetzte Finca Somonte erklärte sich bereit, dem Projekt Gemüse zu spenden.

„Die Beispiele größter Solidarität kommen nicht von denen, die am meisten haben. Danke, Somonte und SAT“, bedankte sich Stop Desahucios Córdoba auf Twitter für die Unterstützung.

Foto von StopDesahuciosC

Gemüse von der Finca Somonte
Foto von StopDesahuciosC


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Bevölkerung steht hinter #15M

Laut einer aktuellen Umfrage, die Metroscopia für El País durchführte, steht auch nach nunmehr zwei Jahren ein Großteil der spanischen Bevölkerung hinter der Bewegung 15M und ihren Forderungen. Die Fragen lauteten:

Was empfinden Sie gegenüber der Bewegung 15M der Indignados (die Empörten), die vor zwei Jahren ihren Anfang nahm?

Mai 2013: 63% eher Sympathie (Mai 2012: 51%, Juni 2011; 64%)

Ganz allgemein gesprochen, haben diejenigen, die bei 15M mitmachen, Recht mit den Dingen, die sie sagen und wegen denen sie protestieren?

Mai 2013: 78% Ja (Mai 2012: 68%, Juni 2011; 81%)

Die Kriminalisierung und Diffamierung durch Politik und Presse hat offensichtlich wenig Erfolg.

Von der Empörung zur Rebellion: Zweiter Jahrestag von #15M

Foto von Democracia Real Ya

Foto von Democracia Real Ya

Unter dem Motto „de la indignación a la rebelión – escrache al sistema“ (von der Empörung zur Rebellion – wir bereiten dem System ein ‚Escrache‚) finden ab heute Nachmittag in zahlreichen Städten in Spanien Demozüge, Kundgebungen und weitere Aktionen statt. Anlass ist der zweite Jahrestag der Bewegung 15M, die ab dem namensgebenden 15. Mai auf der Puerta del Sol in Madrid und der Plaça Catalunya in Barcelona das Licht der Welt erblickte, als Demoteilnehmer auf diesen zentrale Plätzen ihre Zelte errichteten.

Foto von Toma La Plaza

Foto von Toma La Plaza

15M betont jedoch ausdrücklich, dass es sich nicht um reine Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums handelt, sondern dass die Veranstaltungen Teil des fortgesetzten Kampfes gegen all die sozialen Missstände im Land sind.

In Madrid wird sich der Sternmarsch aus verschiedenen Stadtteilen auf der Puerta del Sol treffen und dort den grito mudo (stummen Schrei) zelebrieren. Anschließend können sich die Demoteilnehmer an Arbeitsgruppen und Versammlungen zu verschiedenen Themen anschließen, bei denen versucht wird, Lösungen für die Probleme zu erarbeiten und zu diskutieren.

Wir versuchen, so schnell wie möglich aktuelle Infos, Fotos und Links zu Live-Streams zu ergänzen.
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