Tag Archive | FAI

Anarchistischer Monatsrückblick: November 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die zurückliegenden vier Wochen:

Das Anarchistische Netzwerk Südwest beschließt zur Regionalföderation der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) zu werden [FdA-IFA].

Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) hat die neue Ausgabe ihrer monatlichen Zeitung veröffentlicht. Die Gaidao Nr. 83 kann auf der Seite der [FdA-IFA] bestellt oder als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Eindrücke von einem Besuch bei dem öko-anarchistischen Widerstand im Hambacher Forst gegen Baumfällungen und Klimawandel werden auf [Bodenfrost] geteilt.
Mittlerweile haben die Rodungsarbeiten im Wald angefangen. Aktuelle Info gibt es zuverlässig auf der Seite [HambacherForst].
Im Epplehaus in Tübingen und in der Silberburg in Nürtingen gab es Infoabende mit Diskussionsrunden zum Hambacher Forst, um Unterstützung zu mobilisieren. Dabei entstand auch dieses Solidaritäts-Transparent (siehe Foto).

Die Gruppen Lila Lautstark aus Dortmund und about:fem aus Köln möchten ein Buch zu Anarcha-Feminismus erarbeiten. Sie rufen zu Text-Einreichungen zum Thema auf. [Lila Lautstark]

Vera Bianchi veröffentlichte einen Artikel über den Syndikalistischen Frauenbund: „Der Syndikalistische Frauenbund informierte in den 20er Jahren über Empfängnisverhütung und rief zum Gebärstreik“ [Neues Deutschland]
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Gedenkveranstaltung in Madrid für ermordete Anarchisten

Am 7. Oktober fand in Madrid eine Gedenkveranstaltung für die zwei unschuldig hingerichteten Anarchisten Francisco Granado und Joaquín Delgado statt. Zu diesem Anlass stellte Lala Gómez ihren Dokumentarfilm „Granado y Delgado, un crimen legal“ von 1996 vor. „Wir sind auch hier, um Gerechtigkeit einzufordern. Die Gerechtigkeit, die ihnen und anderen Opfer des Franquismus verwehrt wurde“, verkündete der Schauspieler Carlos Olalla von der Bühne aus, der zusammen mit Ana Otero den Abend moderierte.

cartel-homenaje-a-delgado-y-granado-rectFrancisco Granado und Joaquín Delgado waren Mitglieder der FIJL, der Iberischen Föderation der Libertären Jugend. Sie wurden 1963 festgenommen und zweier Sprengstoff-anschläge beschuldigt. Sie beteuerten ihre Unschuld und erst nach brutaler Folter legten sie ein Geständnis ab, das sie später widerriefen. Vor einem Militärgericht wurden sie schuldig gesprochen und nur 17 Tage nach ihrer Festnahme grausam auf der Garrotte hingerichtet.

Die Defensa Interior, ein Zusammenschluss der anarchosyndikalistischen CNT, der FIJL und der Iberischen Anarchistischen Föderation (FAI), der mit direkten Aktionen Widerstand gegen den damaligen Franco-Faschismus leistete, bekannte sich zu den zwei Anschlägen in Madrid und versicherte, dass Grandado und Delgado nicht daran beteiligt waren. In dem Dokumentarfilm „Un crimen legal“, ein legales Verbrechen, bekennt sich Antonio Martín, einer der tatsächlichen Urheber, zu dem Anschlag. Octavio Alberola, zum damaligen Zeitpunkt Koordinator der Aktion, sagte auch entsprechendes vor Gericht aus.

1999 weigerte sich der oberste Gerichtshof in Spanien dennoch, das Verfahren neu aufzunehmen und die Urteile aufzuheben. Pilar Vaquerizo, die Witwe von Granado, bekam nie eine staatliche Entschädigung, da ihr Gatte nur 17 Tage in Haft verbracht hatte, statt der für eine Entschädigung mindest notwendigen 3 Jahre.

Quellen: Público | Vientosur

Straße in Madrid benannt nach einem Anarchisten

Eine Straße in Madrid soll nach dem Anarchisten Melchor Rodríguez benannt werden. Der Beschluss im Stadtrat erfolgte einstimmig, berichtete die Tageszeitung El Mundo. Der Beschluss geht auf eine Bürgerinitiative aus dem Jahre 2008 zurück, die schließlich ihren Weg in den Stadtrat fand.

Melchor Rodríguez war Mitglied der FAI (Iberische Anarchistische Föderation) und der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft CNT. Während des spanischen Bürgerkriegs war er Generalbevollmächtigter der CNT für die die Gefängnisse in Madrid. Auch in diesen blutigen Kriegswirren hielt er an seinen anarchistischen Idealen fest und bewahrte tausende Inhaftierte vor dem Tod, obwohl sie Putschisten und Faschisten und somit eigentlich seine ärgsten Feinde waren. „Man kann für seine Ideale sterben, aber man darf niemals für sie töten“, wird er zitiert.

Für einige wenige Tage war er auch Bürgermeister der spanischen Hauptstadt. Jedoch wurde er nur dazu ernannt, um eine geregelte Übergabe der Stadt zu gewährleisten, als diese 1939 nach langer Belagerung und Bombardierung durch die putschenden Faschisten kapitulierte.

Unmittelbar nach dem Einmarsch der Faschisten wurde Melchor Rodríguez gefangen genommen und vor einem Militärgericht zur Todesstrafe verurteilt. Ehemalige Gefangene, denen er das Leben gerettet hatte, setzten sich für ihn ein und das Urteil wurde abgemildert zu 25 Jahren Gefängnis, von denen er 5 Jahre absaß.

Auch im franquistischen Spanien ließ er nicht von seiner politischen Überzeugung ab und agitierte weiterhin für eine herrschaftsfreie Gesellschaft und den libertären Kommunismus, weswegen er immer wieder für einige Zeit in Haft landete.

Als er 1972 starb – drei Jahre vor Francos Tod und somit noch mitten im Faschismus – wurde bei seinem Begräbnis die anarchistische Hymne „A las barricadas“ gesungen und auf seinem Sarg lag die schwarz-rote Fahne der Anarcho-Syndikalisten, ohne dass die umstehenden faschistischen Repressionsorgane eingegriffen hätten.

Ein Artikel in der Graswurzelrevolution beschreibt das erstaunliche und konsequente Leben und Handeln dieses unbeugsamen Idealisten.