Tag Archive | FIJL

Anarchistischer Monatsrückblick: Dezember 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die zurückliegenden vier Wochen:

Am 2. Dezember gab es in vielen Städten Solidaritätsaktionen für den räumungs- und rodungsbedrohten Hambacher Forst. Unter anderem in Berlin, Bielefeld, Bochum, Dresden, Frankfurt am Main, Gießen, Graz, Hannover, Essen, Kassel, Köln, Leipzig, Mainz, Marburg, München, Nürtingen, Stuttgart, Tübingen gingen Menschen auf die Straße, zeigten Transparente oder kletterten symbolisch auf Bäume. Eine Auswahl an Fotos: [Hambacher-Forst].

Zum Reinschnuppern in die aktuelle Ausgabe der Graswurzelrevolution – die Nummer 424 – gibt es einige ausgewählte Artikel auf der Webseite dieser anarcho-pazifistischen Zeitung. Dabei geht es unter anderem um Sexismus, Feminismus, Katalonien und soziale Bewegungen und Projekte in Thessaloniki. [Graswurzel].

Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen hat die Dezember-Ausgabe ihrer monatlichen Zeitung herausgebracht. Gelesen, bestellt und/oder heruntergeladen werden kann die Gaidao Nr. 84 auf folgender Seite: [FdA-IFA].
Anlässlich des 7. Jubiläums im Januar 2018 bittet die Gaidao um Zuschriften von Meinungen, was Leserinnen und Leser von der Zeitung halten.

Das Anarchistische Radio Berlin hat seinen neuen Libertären Podcast veröffentlicht. Der 60minütige ernste und satirische Blick auf Ereignisse des letzten Monats aus libertärer Perspektive kann auf folgender Seite heruntergeladen oder angehört werden: [ARadio Berlin]

Einen Artikel von Peter Nowak über Union Coop – ein Zusammenschluss von basisgewerkschaftlichen Kollektivbetrieben – gibt es bei [Neues Deutschland]. „Im Verbund mit anderen Kollektivbetrieben und der Basisgewerkschaft FAU suchen wir Antworten auf die Frage, wie eine solidarische Wirtschaft aussehen kann,“ äußerte sich ein Mitglied gegenüber der Zeitung.
Ein weiteres Interview mit der Union Coop führte Peter Nowak für [Der Freitag]

Im Black Pigeon gibt es druckfrisch neue Broschüren zu den Kämpfen gegen den G20-Gipfel. Sie trägt den Titel „Da war doch was in… Hamburg?“ und kann in dem anarchistischen Buch- und Kulturzentrum Zentrum in Dortmund abgeholt werden [Black Pigeon].
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Gedenkveranstaltung in Madrid für ermordete Anarchisten

Am 7. Oktober fand in Madrid eine Gedenkveranstaltung für die zwei unschuldig hingerichteten Anarchisten Francisco Granado und Joaquín Delgado statt. Zu diesem Anlass stellte Lala Gómez ihren Dokumentarfilm „Granado y Delgado, un crimen legal“ von 1996 vor. „Wir sind auch hier, um Gerechtigkeit einzufordern. Die Gerechtigkeit, die ihnen und anderen Opfer des Franquismus verwehrt wurde“, verkündete der Schauspieler Carlos Olalla von der Bühne aus, der zusammen mit Ana Otero den Abend moderierte.

cartel-homenaje-a-delgado-y-granado-rectFrancisco Granado und Joaquín Delgado waren Mitglieder der FIJL, der Iberischen Föderation der Libertären Jugend. Sie wurden 1963 festgenommen und zweier Sprengstoff-anschläge beschuldigt. Sie beteuerten ihre Unschuld und erst nach brutaler Folter legten sie ein Geständnis ab, das sie später widerriefen. Vor einem Militärgericht wurden sie schuldig gesprochen und nur 17 Tage nach ihrer Festnahme grausam auf der Garrotte hingerichtet.

Die Defensa Interior, ein Zusammenschluss der anarchosyndikalistischen CNT, der FIJL und der Iberischen Anarchistischen Föderation (FAI), der mit direkten Aktionen Widerstand gegen den damaligen Franco-Faschismus leistete, bekannte sich zu den zwei Anschlägen in Madrid und versicherte, dass Grandado und Delgado nicht daran beteiligt waren. In dem Dokumentarfilm „Un crimen legal“, ein legales Verbrechen, bekennt sich Antonio Martín, einer der tatsächlichen Urheber, zu dem Anschlag. Octavio Alberola, zum damaligen Zeitpunkt Koordinator der Aktion, sagte auch entsprechendes vor Gericht aus.

1999 weigerte sich der oberste Gerichtshof in Spanien dennoch, das Verfahren neu aufzunehmen und die Urteile aufzuheben. Pilar Vaquerizo, die Witwe von Granado, bekam nie eine staatliche Entschädigung, da ihr Gatte nur 17 Tage in Haft verbracht hatte, statt der für eine Entschädigung mindest notwendigen 3 Jahre.

Quellen: Público | Vientosur

Internationaler Aktionstag gegen Repression

Das politische Klima – nicht nur – in Spanien wird immer stärker von Repression gegenüber Andersdenkenden bestimmt. Brutale Polizeigewalt bei Demonstrationen und Streiks, Festnahmen, Hausdurchsuchungen, Kriminalisierung durch haltlose Anschuldigungen, Hetz-Kampagnen durch Medien, Bußgelder, Gesetze, die die Versammlungsfreiheit einschränken und Strafen vorsehen für Anti-Zwangsräumung-Aktivisten…

Besonders linke, emanzipatorische und antifaschistischen Bewegungen werden zusehends zum Ziel staatlicher Gewalt. Im Mai wurden bei Sabadell 5 Anarchisten aufgrund einiger Facebook-Kommentare verhaftet und monatelang in Untersuchungshaft festgehalten. Ein halbes Jahr später wurden in Barcelona 5 weitere Anarchisten festgenommen, wegen angeblicher Beteiligung an angeblich versuchten Anschlägen auf kirchliche Einrichtungen. Zwei von ihnen, Mónica und Francisco, befinden sich immer noch hinter Gittern (mehr Infos dazu: political prisoners | Linksunten).

Im November wurden in Madrid 19 AntiFa-Aktivisten festgenommen, die beschuldigt werden, an einer Aktion an der UCM (Universidad Complutense Madrid) gegen eine faschistische Studentenverbindung beteiligt gewesen zu sein. Unter den Festgenommen während dieser Hexenjagd, wie es auf Twitter genannt wurde (#cazadebrujas), befanden sich auch zwei Mitglieder der FIJL (Federación Ibérica de Juventudes Libertarias, Iberische Föderation libertärer Jugendlicher) und der CNT.
Im Dezember kam es zu 7 Festnahmen nach einer Demonstration am spanischen Parlament gegen die geplanten Anti-Demo-Gesetze, „Rodea el congreso“.

Als Antwort auf diese zunehmende Unterdrückung riefen die libertären Organisationen FIJL und CNT einen internationalen Aktionstag gegen Repression aus.

Richter, Politiker, Polizei und Medien sind makabere Verbündete, wenn es darum geht, jene zu verfolgen und einzuschüchtern, die sich nicht damit abfinden wollen, auf den Knien zu leben und die sich organisieren, um zu kämpfen.
(aus einer Mitteilung der lokalen Föderation der CNT in Madrid, 27. Dezember 2013)

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