Tag Archive | Hausbesetzung

Anarchistischer Monatsrückblick: Mai 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

1. Mai

In Albuquerque (USA) konnten sich Kinder an Piñata-Puppen austoben, deren Uniformen mit „police“ und „ICE“ (Abschiebebehörde in den USA) beschriftet waren. Weitere Fotos davon: [KDenRocker (1) | (2) | (3) | (4) | (5) (alle: englisch)]

Video von einer gigantischen anarchistischen und anarchosyndikalistischen Demo in Bandung in Indonesien: [anarkonesia (englisch)]. Bericht über May Day in Indonesien: [It’s Going Down (englisch)]

Über 300 Menschen fanden sich dieses Jahr zum anarchistischen 1. Mai in Dortmund ein. Kämpferisch zogen sie vom Sonnenplatz bis vor das anarchistische Zentrum Black Pigeon. Im Anschluss gab es dort noch ein Kulturprogramm. Auf dem Front-Transparent stand „Für eine Welt ohne Lohnarbeit“. Fotos: [Antifaschistische Gruppe Dortmund (1) | (2) | (3) | ANetzDo]. Video: [AFRR]
Umfangreiche Auswertung der anarchistischen Gruppe Dortmund mit vielen Fotos zu den Ereignissen. [AGDo]
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Neues Hausbesetzungsprojekt La Ilusión auf Gran Canaria

Auf Gran Canaria beschlossen 7 Familien, ihrer Obdachlosigkeit ein Ende zu bereiten: Ende Juli sozialisierten sie ein leerstehendes Gebäude mit 15 Wohnungen. Beraten und unterstützt wurden sie dabei vom Sindicato de Inquilin@s, dem MieterInnen-Syndikat von Gran Canaria. Mittlerweile haben sich 3 weitere Familien dem Wohnprojekt angeschlossen. Insgesamt leben dort jetzt 38 Menschen, 18 davon minderjährig.

Es sind Familien, die eine Zwangsräumung hinter sich haben, arbeitslose ArbeiterInnen, alleinstehende Mütter, Großmütter, die sich um ihre Enkel kümmern, junge Paare, die in Autos schliefen und schwangere Frauen, die für ihre künftigen Kinder kein Dach über dem Kopf hatten. Sie alle haben den Entschluss gefasst, für ihre Probleme gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die ihnen von Ämtern verwehrt werden.
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Las Masías: Hausbesetzung und Selbstverwaltung auf Gran Canaria

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria (FAGC) hat in den vergangenen Wochen zwei leerstehende Häuser besetzt, um dort migrantische Familien unterzubringen, die aufgrund ihrer prekären Lage dringend auf Schutz angewiesen waren. Die beiden Gebäude wurden Las Masías I und II getauft.

Möglich war die Besetzung auch durch die finanzielle Unterstützung durch die CNT Sabadell und die PAH Sabadell geworden, mit denen sich die FAGC kürzlich zum Erfahrungsaustausch getroffen hatte (Bericht auf Bodenfrost). Von dem Geld wurden Materialien gekauft, dank derer die Familien über Licht und Wasser verfügen. Auf ihrem Blog erzählt die FAGC über den Ablauf der Besetzung:
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Erfahrungsautausch in Sabadell: Hausbesetzung und Selbstverwaltung

Am 1. Oktober fand auf dem Marktplatz der katalanischen Stadt Sabadell ein angeregter Gedankenaustausch über die Themen Hausbesetzung und Selbstverwaltung statt. An der Durchführung und an den Gesprächen beteiligt waren die anarchosyndikalistische CNT Sabadell, die Anti-Zwangsräumungs-Aktivistinnen und Aktivisten der PAHC Sabadell und Gäste von der Anarchistischen Föderation Gran Canaria (FAGC).

Sowohl die PAHC Sabadell, als auch die FAGC, konnte von ihren Erfahrungen berichten, wie Menschen ohne Dach über dem Kopf in leerstehenden Häusern untergebracht wurden. Die FAGC hat das Wohnprojekt „Esperanza“ initiiert, ein Wohnprojekt, in dem über 70 Familien untergekommen sind. Die PAH hat vier Wohnblocks für ungefähr 80 bedürftige Familien besetzt. Alle genannten Projekten organisieren sich selbstverwaltet.

Auf ihrer Webseite fasst die CNT Sabadell den Aktionstag folgendermaßen zusammen:

Bei dem Gespräch wurden die Schwierigkeiten angesprochen, die sich ergeben, wenn es daran geht, sich zu organisieren, um Wohnblocks zu besetzen und zu verwalten, die Konflikte zwischen Ideologie und Wirklichkeit, sowie um die durchgeführten Strategien, um das Hauptziel zu erreichen, ein Dach für alle, die keines haben.

Das offene Treffen auf dem Marktplatz erinnerte ein wenig an die Bewegung der „Indignados“ von 15M, die vor fünfeinhalb Jahren mit Protestcamps die zentralen Plätze vieler spanischer Städte besetzten, um sich auszutauschen, gemeinsam zu organisieren und ihrer Empörung über herrschenden Zustände Ausdruck zu verleihen. Die Wohnungsnot infolge von Zwangsräumung und Arbeitslosigkeit ist immer noch akut, paradoxerweise kontrastiert mit einem enormen Wohnungsleerstand.

Eine Kooperation von unterschiedlichen Organisationen wie Anarchosyndikalist*innen, Anarchist*innen und Recht-auf-Wohnraum-Aktivist*innen bei einem praktischen und konkreten Thema ist eine positive Entwicklung, die in sich den Samen tragen könnte, neue Impulse zu geben für eine aufflammende Mobilisierung auf der Straße, nachdem die Energie von 15M zwischen Resignation und Repression durch Knebelgesetze verpufft ist und deren letzte Reste vereinnahmt wurden durch die opportunistische Partei Podemos.

Fotos von der Demo gegen die Räumung von Esperanza

Dem selbstverwalteten und besetzten Wohnprojekt Esperanza auf Gran Canaria droht die Räumung. Der Bürgermeister von Guía hat den 77 Familien eine Frist gesetzt, binnen eines Monats die Wohnungen zu verlassen. Die 202 Bewohner von Esperanza – die Hälfte davon minderjährig – sind jedoch nicht bereit, aufzugeben und haben den Kampf für ihr Recht auf Wohnraum aufgenommen.

Im Rahmen der Solidaritäts- und Aktionswoche demonstrierten sie am Montag vor dem Sitz der kanarischen Regionalregierung in Las Palmas de Gran Canaria dagegen, dass sie auf die Straße geworfen werden:
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Solidarische Woche mit „La Esperanza“

Das selbstverwaltete Wohnprojekt La Esperanza auf Gran Canaria – die derzeit größte Hausbesetzung in ganz Spanien – ist akut räumungsbedroht. Dort leben rund 300 Menschen, die Hälfte davon minderjährig. Auf einer Pressekonferenz erklärte ihr Sprecher Ruymán Rodríguez, dass sie die Räumung auf keinen Fall hinnehmen werden, da sie sonst mangels alternativer Wohnmöglichkeiten auf der Straße sitzen würden.

Pressekonferenz La Esperanza

Pressekonferenz La Esperanza

Für die zweite Aprilwoche – der Zeitraum, in dem die Frist endet, um die Wohnungen „freiwillig“ zu verlassen – hat die Comunidad La Esperanza zu einer Aktions- und Solidaritätswoche aufgerufen. Auf der Internet-Seite der Anarchistischen Föderation Gran Canaria wurde das geplante Programm veröffentlicht:

Montag, 11. April: Dauerkundgebung auf der Plaza O’Shanahan in Las Palmas de Gran Canaria vor dem Sitz der kanarischen Regionalregierung, während der gesamten Öffnungszeit (9 Uhr bis 14 Uhr). Dabei wird gefordert, dass La Esperanza nicht geräumt wird und dass den Bewohnern würdige und erschwingliche Ausweichunterkünfte angeboten werden.

Mittwoch, 13. April: Die dutzenden Bewohner, die benachrichtigt wurden, werden ab 9 Uhr ihre Einsprüche gegen die Räumungsverfügung im Rathaus von Santa María de Guía aushändigen. Die Bewohner bitten alle ihre Unterstützer und alle Medien, sie bei dieser Demonstration der Stärke zu begleiten.

Donnerstag 14. April: Das Datum, an dem die von der Stadtverwaltung gesetzte Frist ausläuft, um die Wohnungen zu verlassen. Es wird eine Kundgebung in der Comunidad la Esperanza selbst geben und ein Gemeinschaftsfrühstück mit allen, die sie unterstützt haben.

Die Esperanza erklärt, dass sie den Kampf aufnimmt!

Cartel Semana Solidaria

Ein Text über Hintergründe der Besetzung und der drohenden Räumung: Link.
Die Presse-Konferenz: Link (spanisch).

Anarchistisches Radio Berlin

Wir möchten euch an dieser Stelle das Anarchistische Radio Berlin ans Herz und an die Ohren legen. Das A-Radio ist nach Eigenbeschreibung „ein Zusammenschluss verschiedener Berliner Anarchist_innen, die gemeinsam Radiobeiträge mit libertären Inhalten erstellen.“

Wie schon all die Jahre zuvor, ist auch der aktuelle Podcast vom November wieder äußerst informativ und hörenswert. Die Themen dieses Mal sind unter anderem die solidarischen Kliniken in Griechenland, wo Menschen kostenlose medizinische Versorgung erhalten, die Nachttanzdemo in Nürnberg gegen Gentrifizierung, die Repressionswelle gegen die anarchistische Bewegung in Spanien und ein historischer Rückblick die erste Häuserbesetzung in Berlin.

Auf der Webseite des A-Radio Berlin könnt ihr euch den aktuellen Podcast und natürlich auch die vorherigen herunterladen und anhören.

Viel Vergnügen!