Tag Archive | Madrid

Anarchistischer Monatsrückblick: Mai 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Mai 2017:

Bayram wird im Knast in Aserbaidschan die dringend benötigte medizinische Versorgung verweigert. Sein Anwalt berichtet, wie schlecht es ihm geht. Bayram wurde zusammen mit Giyas zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, weil die beiden regierungs- kritische Graffiti an ein Denkmal gesprüht hatten. [Changenow.Blogsport]
Das Libertäre Bündnis Ludwigsburg (LB²) erinnerte mit einer Transparent-Aktion und einem Online-Text an die Festnahme vor einem Jahr [LBQuadrat].

In Stuttgart beteiligte sich nicht zuletzt aufgrund der perfekten Vorbereitung und Mobilisierung durch das Libertäre Bündnis Ludwigsburg ein großer anarchistischer Block an der alljährlichen revolutionären 1. Mai-Demo. Eine Vielzahl schwarzer und schwarz-roter Fahnen und anarchistischer Transparente (siehe Foto) prägte das Bild des Demozuges im hinteren Drittel.
Der sichtbare Anteil an AnarchistInnen, Libertären und Antiautoritären war deutlich höher als in den Jahren zuvor. Die Cops schafften es mit all ihren Schikanen nicht zu verhindern, dass die hunderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demo ihr Ziel erreichten, das soziale Zentrum Lilo Hermann im Stadtteil Heslach.
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Alice im solidarischen Wunderland

c1vvbdyxaauvwhcEin wahres Wunderland aus kostenlosem Spielzeug erwartete die Kinder, die mit ihren Eltern in das autonome Zentrum in Madrid gekommen waren. Unzählige Kindersachen boten sich dar, verlockend auf Tischen ausgebreitet, und warteten geduldig darauf, erspäht, erwählt und mitgenommen zu werden.

Das besetzte und selbstverwaltete soziale Zentrum EKO in Madrid hatte zusammen mit 15M und einigen anderen Kollektiven dieses Anti-Konsum-Fest auf die Beine gestellt. Am Vortag konnten Sachen vorbeigebracht werden, die weggeworfen werden sollten, die Staub angesetzt und ein vergessenes Dasein in irgendwelchen Kammern und Kisten gefristetet hatten. Sachen, die nur darauf warteten, anderen Kindern Freude zu bereiten.

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Bergarbeiter vor Gericht wegen Streik 2012

Zwei Bergarbeiter wurden am Dienstag in León, Spanien, im Zusammenhang mit dem Streik 2012 zu je 4 Monaten Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich 12 Monate gefordert, sich dann aber mit der Verteidigung auf eine Reduzierung geeinigt. Die Strafe wird umgewandelt in ein Bußgeld von 1200 Euro. Für die Summe wird die Widerstandskasse aufkommen, die während des Streiks angelegt worden war.

Absolución detenidos Ciñera 2012Unter anderem die CNT Asturien-León hatte zu einer Solidaritätskundgebung am Prozesstag vor dem Gericht aufgerufen. Die Unterstützerinnen und Unterstützer harrten dort während der gesamten Prozessdauer aus. Auf zwei Transparenten wurde „Freispruch für die in Ciñera Festgenommen“ gefordert. Auf einem weiteren stand „Retten wir die Mine! Retten wir die Arbeitsplätze“.

Im Sommer 2012 hatten Bergarbeiter in Asturien und León im Norden von Spanien mit einem Streik , Straßen- und Schienenblockaden gegen die Schließung von Zechen protestiert. Auf Youtube sind noch viele Videos zu finden, die eindrucksvoll den militanten Widerstand der Bergarbeiter dokumentieren (ein Beispiel mit englischen Untertiteln). Francisco Niembro und Sergio Álvarez wurden im Juli 2012 festgenommen, bei der Verteidigung der kleinen Ortschaft Ciñera, als die Guardia Civil dort einfiel.

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Gedenkdemo in Madrid für Carlos Palomino

cw_g84gwiaagxbsHunderte zogen gestern durch die Straßen von Madrid, um des jungen Antifaschisten Carlos Palomino zu gedenken, der 9 Jahre zuvor von einem Nazi ermordet worden war. Motto der Demo war „9 años sin ti, 9 años contigo“, 9 Jahre ohne dich, 9 Jahre mit dir. Ausgerufen wurde die Demo von Freunden und Angehörigen des damals 16-Jährigen.

Die Mütter gegen Repression twitterten: „Wir sind stolz auf unsere Töchter und Söhne. Die Mütter weinen nicht mehr, jetzt kämpfen sie!“

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Gedenkveranstaltung in Madrid für ermordete Anarchisten

Am 7. Oktober fand in Madrid eine Gedenkveranstaltung für die zwei unschuldig hingerichteten Anarchisten Francisco Granado und Joaquín Delgado statt. Zu diesem Anlass stellte Lala Gómez ihren Dokumentarfilm „Granado y Delgado, un crimen legal“ von 1996 vor. „Wir sind auch hier, um Gerechtigkeit einzufordern. Die Gerechtigkeit, die ihnen und anderen Opfer des Franquismus verwehrt wurde“, verkündete der Schauspieler Carlos Olalla von der Bühne aus, der zusammen mit Ana Otero den Abend moderierte.

cartel-homenaje-a-delgado-y-granado-rectFrancisco Granado und Joaquín Delgado waren Mitglieder der FIJL, der Iberischen Föderation der Libertären Jugend. Sie wurden 1963 festgenommen und zweier Sprengstoff-anschläge beschuldigt. Sie beteuerten ihre Unschuld und erst nach brutaler Folter legten sie ein Geständnis ab, das sie später widerriefen. Vor einem Militärgericht wurden sie schuldig gesprochen und nur 17 Tage nach ihrer Festnahme grausam auf der Garrotte hingerichtet.

Die Defensa Interior, ein Zusammenschluss der anarchosyndikalistischen CNT, der FIJL und der Iberischen Anarchistischen Föderation (FAI), der mit direkten Aktionen Widerstand gegen den damaligen Franco-Faschismus leistete, bekannte sich zu den zwei Anschlägen in Madrid und versicherte, dass Grandado und Delgado nicht daran beteiligt waren. In dem Dokumentarfilm „Un crimen legal“, ein legales Verbrechen, bekennt sich Antonio Martín, einer der tatsächlichen Urheber, zu dem Anschlag. Octavio Alberola, zum damaligen Zeitpunkt Koordinator der Aktion, sagte auch entsprechendes vor Gericht aus.

1999 weigerte sich der oberste Gerichtshof in Spanien dennoch, das Verfahren neu aufzunehmen und die Urteile aufzuheben. Pilar Vaquerizo, die Witwe von Granado, bekam nie eine staatliche Entschädigung, da ihr Gatte nur 17 Tage in Haft verbracht hatte, statt der für eine Entschädigung mindest notwendigen 3 Jahre.

Quellen: Público | Vientosur

Mutter von Nahuel kündigt Hungerstreik an

NahuelMaría, die Mutter des anarchistischen Gefangenen Nahuel, kündigte an, in den Hungerstreik zu treten, um für die Freiheit ihres Sohnes zu kämpfen: „Ich gehe jetzt gleich nach Madrid, um mich dem Hungerstreik von SAT anzuschließen. Ich als Mutter kann nicht tatenlos zusehen, wie es meinem Sohn körperlich, psychisch und emotional immer schlechter geht aufgrund der politischen Repression, der ‚Zerstreuung‘ [Unterbringung in Gefängnissen weit weg von Familie und Freunden] und der Ungerechtigkeit“, teilte María telefonisch der Redaktion von Kaos en la red mit.

Nahuel befindet sich seit 7 Monaten ohne Gerichtsurteil in Untersuchungshaft, seit einer Polizei-Razzia gegen das Kollektiv Straight Edge Madrid. Derzeit befindet er sich in einem Gefängnis in Sevilla. Staatliche Schikanen wie die verschärften Sicherheitsmaßnahmen, unter denen er zu leiden hat, und die andauerenden Verlegungen in andere Knäste, machen ihm sehr zu schaffen. „Er hat sogar sein Lächeln verloren“, berichtete María verzweifelt nach einem Besuch bei Nahuel. Sein Zustand habe sich deutlich verschlechtert.

Die Gewerkschaft SAT – Andalusisches Arbeiter-Syndikat – befindet sich ihrerseits seit Wochen in Madrid im Hungerstreik, um für die Freilassung inhaftierter Mitglieder und gegen die Repression zu kämpfen.

Die Unterstützer-Gruppe Nahuel Libertad (Freiheit für Nahuel) hat eine deutschsprachige Mitteilung veröffentlicht, in der sie über die Festnahme im Rahmen der operación ICE und die Haftbedingungen berichtet.

Die derzeitige Adresse, um Nahuel Solidaritäts-Post zukommen zu lassen:

Juan Manuel Bustamante Vergara
Paraje las Mezquitillas
Carretera SE-451 km 5,5
41530 Morón de la Frontera, Sevilla
Spanien

Freiheit für Nahuel

Repression und kein Ende in Sicht: Nach operación Pandora und operación Piñata gab es letzten November auch noch operación ICE, eine Polizei-Razzia gegen eine anarchistische Straight Edge-Gruppe aus der spanischen Hauptstadt. Der folgende Beitrag stammt von einem Solidaritäts-Blog für das von Repression betroffene Kollektiv und fasst die Hintergründe und den aktuellen Stand der Dinge zusammen:

Am 4. November 2015 wurden 6 Mitglieder des Kollektivs Straight Edge Madrid festgenommen und durch den Sondergerichtshof Audiencia Nacional angeklagt. Während ihrer Haft wurden ihre Rechte als Gefangene verletzt. Ihr einziges Verbrechen ist ihre anarchistische, vegane und gegen Drogen gerichtete Ideologie. Ihre Arbeit ist bekannt dafür, dass sie antispeziesistische Aktionstage und drogenfreie Feste veranstalten, bei denen eine alternative und gesunde Freizeitgestaltung gefördert wird.

4 der 6 Festgenommenen wurden später aus dem Gewahrsam entlassen, jedoch unter Anklage und gegen Kautionen zwischen 3000 und 10000 Euro. Die beiden übrigen wurden in Untersuchungshaft gesteckt, ohne die Möglichkeit, gegen Kaution freizukommen. Einer dieser beiden ist Nahuel, der momentan immer noch Gefangener des Staats ist. Er sitzt unter den verschärften Haftbedingungen F.I.E.S. 3, die eigentlich gefährlichen und aggressiven Personen zugedacht sind. Auch sonst ist sein Gefängnisaufenthalt von ungewöhnlichen Maßnahmen geprägt: 30 Tage verbrachte er in Isolationshaft. Eine vegane Ernährung wird ihm verwehrt. Es gab Verlegungen des Gefangenen, die ihm weniger als 24 Stunden im Voraus angekündigt wurden. Der einzige Zweck dieser Verlegungen ist, ihn in einem Zustand der Unsicherheit zu halten und zu verhindern, dass er Kontakte zu Mitgefangenen und eine Vertrautheit mit seiner Umgebung aufbaut. Außerdem wurde die Zahl der zugelassenen Anrufe reduziert, die Kommunikation überwacht und es wurde ihm verboten, die Turnhalle zu nutzen.
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