Tag Archive | operación Piñata

Anarchistischer Monatsrückblick: August 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Einige adjektivlose Anarchist*innen

Die vergangenen Wochen:

Australien

Im Rahmen der diesjährigen weltweiten Solidaritätswoche mit anarchistischen Gefangenen wurde das indonesische Konsulat in Sydney besucht. Am Zaun wurde ein Transparent aufgehängt mit der Aufschrift „Bebaskan Tahanan Perang Kelas di Yogya“ (Freiheit für die Klassenkampf-Gefangenen in Yogyakarta). Zusätzlich wurden Flugzettel verteilt. Seit Protesten am 1. Mai diesen Jahres befinden sich mehrere indonesische Anarchisten in Untersuchungshaft. [Palang hitam (englisch)]

BRD

Die FdA (Föderation deutschprachiger Anarchist*innen) hat die neue Ausgabe ihrer monatlichen Zeitung veröffentlicht. Zu lesen gibt es in der August-Ausgabe der Gaidao unter anderem Interviews mit einem Mitglied der Anarchistischen Union Afghanistan und Iran und mit Aktivist*innen des ABC Belarus. Im Vorwort findet sich ein dringender Aufruf: Nachdem einige Leute wegen Überlastung ausgestiegen sind, braucht die Redaktion dringend Unterstützung. Wer Beiträge schreiben oder sich anderweitig einbringen kann und möchte, ist eingeladen, sich bei der Redaktion melden. Derzeit sind folgende Schwerpunkte geplant und Texte dazu wären willkommen: Repression und Antirepressionsarbeit. Gesundheit (wie könnte eine alternative Gesundheitsversorgung organisiert sein?). Konkrete Beispiele anarchistischer Praxis/Projekte. Download der aktuellen Gaidao oder online lesen: [FdA-IFA]

Die Jubiläums-Ausgabe von Circle-A ist erschienen. Die Macherinnen und Macher der anarchistischen Zeitung aus Dresden luden bei Barbecue und Cocktails zum Schmökern in der neuen Ausgabe ein. Die Veröffentlichunsgparty war wie immer von DIY-Werkstatt und Quiz begleitet. [and.notraces | Malobeo]. Download der aktuellen Ausgabe von Circle-A: [and.notraces]

Anlässlich der weltweiten Solidaritätswoche mit anarchistischen Gefangenen haben kaos München einen Text Namens „Die Rolle der Gefängnisse innerhalb der Gesellschaft“ verfasst. Veröffentlicht wurde er auf ihrer eigenen Seite und in der aktuellen Ausgabe von Die Lifestyleanarchist*in. [Lifestyleanarchistin | ka-os-muc]

A & O (Anarchistische Aktion & Organisierung) Kassel machte die nächste Sendung des anarchistischen Radios Kassel zum Thema rechtsextreme Aktionen, Strukturen und Personen in Kassel und Umgebung. Mit dabei waren Antifa Info Kassel. [Ⓐ-Infos Kassel]

Das Anarchistische Radio Berlin hat seinen Rückblick auf den Juli veröffentlicht. Ein ernster und satirischer Blick auf Ereignisse des letzten Monats aus libertärer Perspektive. Themen des Podcasts sind diesen Monat unter anderem: Die Hausdurchsuchung bei den Zwiebelfreunden, Shitbarricade (Hambacher Forst), Contrahistoria (der neue Film von Leftreport). Außerdem steht der Podcast im Zeichen der bevorstehenden Solidaritätswoche mit anarchistischen Gefangenen. So gibt es Praxistipps, was bei Briefen an Gefangene zu beachten ist, Infos über das Anarchist Black Cross Dresden und eine internationale Liste anarchistischer Gefangener. Den libertären Podcast anhören oder herunterladen: [ARadio]

Im monatlichen Wechsel senden die Libertäre Gruppe Karlsruhe und die FAU Karlsruhe auf Querfunk 104,8 MHZ Radio A, Informationen rund um Anarchie und Arbeitskampf. Die Sendung vom 12. August kann auf dem Blog nachgehört werden: [Radio A]

Anlässlich des einjährigen Verbots der unabhängigen Medienplattform Linksunten Indymedia hat das freie Radio Dreyeckland aus Freiburg eine Sondersendung zum Thema veröffentlicht. [RDL]

Der Comic „Anarchist in Anführungsstrichen“ über Erich Mühsam wird vorgestellt bei [der Freitag].

Der Text „From Democracy to Freedom“ von Crimethinc wurde von Black Mosquito ins Deutsche übersetzt und als Buch veröffentlicht. Eine Besprechung dieses Buches ist in der Zeitung [Neues Deutschland] erschienen (Bezahlsperre lässt sich wegklicken). Es geht unter anderem um negative Erfahrungen, die Aktivisten bei Platzbesetzungen wie #15M oder Occupy Wall Street gemacht haben. Wer Interesse an Lesungen hat, kann sich gern bei Black Mosquito melden, schreiben sie in ihrem aktuellen Newsletter [Black Mosquito].


Weiterlesen …

Advertisements

Operación Piñata: Verfahren eingestellt

Die spanische Sondergerichtshof Audiencia Nacional hat das Verfahren im Zusammenhang mit Operación Piñata eingestellt. Operación Piñata war eine der Repressionswellen der letzten Jahre gegen die anarchistische Bewegung in Spanien.

Den Auftakt bildete im November 2013 die Festnahme von 5 Anarchistinnen und Anarchisten, darunter Mónica Caballero und Francisco Solar. Vorgeworfen wurde ihnen Beteiligung an einem Anschlag auf die Basílica del Pilar in Zaragoza.

Später folgten Operación Pandora (16. Dezember 2014), Operación Piñata (30. März 2015), Operació Pandora II (28. Oktober 2015) und Operación Ice (4. November 2015).

Dabei wurden Dutzende Menschen festgenommen. Privatwohnungen und soziale Zentren überfallen, verwüstet und geplündert. Datenträger und Rechner konfisziert. Menschen in Untersuchungshaft gesteckt, medial kriminalisiert und stigmatisiert. Das Buch „Contra la democracia“, das bei einigen gefunden und konfisziert wurde, präsentierten die Cops als Beweis für die terroristische Gesinnung der Festgenommenen. „Contra la democracia“ ist eine kurze, sachliche und kritische Auseinandersetzung mit der Demokratie. Von Gewalt wird darin nur in dem Zusammenhang gesprochen, in dem sie von eben dieser Demokratie verübt wird.

Gerechtfertigt wurde diese Inszenierung durch das polizeiliche und politische Phantom des „anarchistischen Terrorismus“ in Form einer Gruppe namens GAC, gegen den es vorzugehen gelte. Den Festgenommenen wurde die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung mit terroristischen Absichten unterstellt. Von den bürgerlichen und reaktionären Medien in Spanien wurde dieses haltlose Hirngespinst unkritisch übernommen und weiter verbreitet.
Weiterlesen …

Anarchistischer Monatsrückblick: Mai 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Mai 2017:

Bayram wird im Knast in Aserbaidschan die dringend benötigte medizinische Versorgung verweigert. Sein Anwalt berichtet, wie schlecht es ihm geht. Bayram wurde zusammen mit Giyas zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, weil die beiden regierungs- kritische Graffiti an ein Denkmal gesprüht hatten. [Changenow.Blogsport]
Das Libertäre Bündnis Ludwigsburg (LB²) erinnerte mit einer Transparent-Aktion und einem Online-Text an die Festnahme vor einem Jahr [LBQuadrat].

In Stuttgart beteiligte sich nicht zuletzt aufgrund der perfekten Vorbereitung und Mobilisierung durch das Libertäre Bündnis Ludwigsburg ein großer anarchistischer Block an der alljährlichen revolutionären 1. Mai-Demo. Eine Vielzahl schwarzer und schwarz-roter Fahnen und anarchistischer Transparente (siehe Foto) prägte das Bild des Demozuges im hinteren Drittel.
Der sichtbare Anteil an AnarchistInnen, Libertären und Antiautoritären war deutlich höher als in den Jahren zuvor. Die Cops schafften es mit all ihren Schikanen nicht zu verhindern, dass die hunderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demo ihr Ziel erreichten, das soziale Zentrum Lilo Hermann im Stadtteil Heslach.
Weiterlesen …

12 Jahre für Mónica und Francisco

Mónica Caballero und Francisco Solar wurden zu je 12 Jahren Knast verurteilt. Das Urteil des Sondergerichtshofs Audiencia Nacional wurde gestern den Anwälten der beiden anarchistischen Gefangenen übermittelt. Die 12 Jahre setzen sich zusammen aus 5 Jahren wegen „Körperverletzung“ und 7 Jahren wegen „Sachbeschädigung mit terroristischer Absicht“. Freigesprochen wurden sie von der Anklage der „Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung und der Verschwörung“ gegen das Kloster Montserrat.

monicafran11Laut der spanischen rechten Hetzpresse wird die über 2jährige Untersuchungshaft auf die Haftdauer angerechnet. Zusätzlich zu der Haft wurde den beiden ein 10jähriges Ortsverbot für Zaragoza und Barcelona auferlegt. Außerdem müssen sie 182.601 Euro Entschädigung zahlen an die Kirchenverwaltung von Zaragoza und 22.775 Euro Schmerzensgeld an eine Frau, die verletzt worden sein soll.
Weiterlesen …

Freiheit für Nahuel

Repression und kein Ende in Sicht: Nach operación Pandora und operación Piñata gab es letzten November auch noch operación ICE, eine Polizei-Razzia gegen eine anarchistische Straight Edge-Gruppe aus der spanischen Hauptstadt. Der folgende Beitrag stammt von einem Solidaritäts-Blog für das von Repression betroffene Kollektiv und fasst die Hintergründe und den aktuellen Stand der Dinge zusammen:

Am 4. November 2015 wurden 6 Mitglieder des Kollektivs Straight Edge Madrid festgenommen und durch den Sondergerichtshof Audiencia Nacional angeklagt. Während ihrer Haft wurden ihre Rechte als Gefangene verletzt. Ihr einziges Verbrechen ist ihre anarchistische, vegane und gegen Drogen gerichtete Ideologie. Ihre Arbeit ist bekannt dafür, dass sie antispeziesistische Aktionstage und drogenfreie Feste veranstalten, bei denen eine alternative und gesunde Freizeitgestaltung gefördert wird.

4 der 6 Festgenommenen wurden später aus dem Gewahrsam entlassen, jedoch unter Anklage und gegen Kautionen zwischen 3000 und 10000 Euro. Die beiden übrigen wurden in Untersuchungshaft gesteckt, ohne die Möglichkeit, gegen Kaution freizukommen. Einer dieser beiden ist Nahuel, der momentan immer noch Gefangener des Staats ist. Er sitzt unter den verschärften Haftbedingungen F.I.E.S. 3, die eigentlich gefährlichen und aggressiven Personen zugedacht sind. Auch sonst ist sein Gefängnisaufenthalt von ungewöhnlichen Maßnahmen geprägt: 30 Tage verbrachte er in Isolationshaft. Eine vegane Ernährung wird ihm verwehrt. Es gab Verlegungen des Gefangenen, die ihm weniger als 24 Stunden im Voraus angekündigt wurden. Der einzige Zweck dieser Verlegungen ist, ihn in einem Zustand der Unsicherheit zu halten und zu verhindern, dass er Kontakte zu Mitgefangenen und eine Vertrautheit mit seiner Umgebung aufbaut. Außerdem wurde die Zahl der zugelassenen Anrufe reduziert, die Kommunikation überwacht und es wurde ihm verboten, die Turnhalle zu nutzen.
Weiterlesen …

Untersuchungshaft für einen der Festgenommenen

Die 9 Personen, die während der Fortsetzung von operación Pandora in Barcelona und Manresa festgenommen worden waren (siehe hier), wurden am Donnerstag nach Madrid gebracht und waren heute zur Ausage vor Gericht, der Audiencia Nacional, wie die linke katalanische Zeitung Directa berichtet.

Der Richter Juan Pablo González ordnete an, dass einer der Festgenommenen – ein Anwalt aus Sants (Barcelona) – in Untersuchungshaft kommt, in einer Vollzugsanstalt in der Nähe von Madrid. 5 der Festgenommenen kommen unter Kaution frei (5.000 €), eine kommt unter Kaution von 4.000 € frei. 2 werden freigelassen, müssen aber ihre Ausweise abgeben und wöchentlich vorstellig werden.

Gerichtsquellen bestätigten laut Directa, dass die Geheimhaltung des Ermittlungsverfahrens auch bei dieser Aussage vor Gericht nicht gelüftet wird. Über ihre Anwälte ließen diese Festgenommenen mitteilen, dass es keine Misshandlungen durch die Repressionsorgane gab während ihres Gewahrsams und der Überstellung nach Madrid.

Vor dem Gericht in Madrid hatten sich rund 100 Unterstützer eingefunden, darunter Freunde, Angehörige und Mitglieder von Anti-Repressions-Organisationen.

Solidaritäts-Demos nach Repressionswelle

Nach der Repressionswelle gegen Anarchisten fanden in mehreren Städten in Spanien Solidaritäts-Demos statt. Ein paar Fotos davon, die über Twitter verbreitet wurden:

Barcelona (wo es über 1000 Teilnehmer gewesen sein sollen)

Weiterlesen …