Tag Archive | PAH

Anarchistischer Monatsrückblick: Juni 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die vergangenen Wochen:

Afghanistan und Iran

Es wurde die Gründung einer „Anarchist Union of Afghanistan & Iran“ bekannt gegeben. Alle beteiligten Gruppen oder Einzelpersonen werden demnach, trotz Mitgliedschaft in der Union, weiterhin unabhängig agieren. Die Aufrufe und Mitteilungen der beteiligten Gruppen und Einzelpersonen sollen mit dem Namen der Union unterzeichnet werden. Sollte über deren Inhalt kein Konsens innerhalb der Union möglich sein, können die Gruppen oder Einzelpersonen die Texte unter eigenem Namen veröffentlichen. Beteiligen können sich laut Mitteilung alle anarchistischen Strömungen, „außer religiöse, pazifistische und sogenannte Anarcho-Kapitalisten“. Bislang seien der Union folgende anarchistische Gruppen beigetreten: The Anarchist Era Collective (Iran/Afghanistan), „Aleyh“ (Afghanistan), The Revolutionary Radical Anarchist Front (Iran). Mitteilung: [asranarshim (englisch)]. Die spanische Seite A las barricadas führte ein Interview mit Mitgliedern der Union: [a las barricadas (spanisch)].

Brasilien

Hunderte erinnerten in São Paulo mit einer Demo an Maria Lúcia Petit. Maria Lúcia Petit kämpfte gegen die brasilianische Militärdiktatur und wurde am 16. Juni 1972 erschossen. [th1an1 (englisch)]

BRD

Die Schwarz-Roten Bergsteiger, eine AG der FAU Dresden, haben im Kurpark von Bad Schandau ein alternatives Straßenfest veranstaltet. Es spielten zwei Bands, es gab Infostände von der FAU Dresden, Anarchist Black Cross Dresden und Black Mosquito und einen Umsonstmarkt. Ein Kurzbericht von der Black Mosquito Crew [Black Mosquito/Instagram]:

Als Außenstehende war uns bei dem Gedanken in einer Kleinstadt in der Sächsischen Schweiz einen Infostand zu machen schon etwas mulmig – handelt es sich bei dieser Region doch schließlich um eine der braunsten Ecken der Republik. Gerade deshalb haben wir uns aber auch über die Einladung gefreut!

Hakenkreuze und rechte Parolen schon bei der Ankunft, pöbelnde Nazis schon beim Aufbau und eine Polizei, die diese freundlich begrüßt verhießen nichts gutes.
Wie offensichtlich hier schon der Rechtsstaat abgebaut ist und die Polizei keinerlei Ambitionen zeigte, auch nur irgendetwas gegen die Nazis zu unternehmen war faszinierend. Zum Glück verlassen sich Anarchist*innen nicht auf den Rechtsstaat… Die Nazis wurden schließlich erfolgreich vom Gelände fern gehalten (eine Fahne konnten sie jedoch erbeuten) und das Fest konnte wie geplant durchgeführt werden. Immer wieder kamen Locals auf das Gelände, Kids freuten sich, dass hier mal was geht… aber es waren wenige. Viele hatten auch Angst dort gesehen zu werden.
Wir sind froh darüber diesen Stand gemacht zu haben und feiern alle Leute die in dieser Region (und ähnlichen Regionen) der rechten Hegemonie etwas entgegen setzen! Mega Respekt für eure Arbeit!

Weitere Kurzberichte vom Straßenfest: [SRB-FAU | Black Mosquito/Twitter (1) | (2) | (3) | (4) | (5) | (6) | (7)]. Ankündigung: [elbi.cc]
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Anarchistischer Monatsrückblick: Mai 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Mai 2017:

Bayram wird im Knast in Aserbaidschan die dringend benötigte medizinische Versorgung verweigert. Sein Anwalt berichtet, wie schlecht es ihm geht. Bayram wurde zusammen mit Giyas zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, weil die beiden regierungs- kritische Graffiti an ein Denkmal gesprüht hatten. [Changenow.Blogsport]
Das Libertäre Bündnis Ludwigsburg (LB²) erinnerte mit einer Transparent-Aktion und einem Online-Text an die Festnahme vor einem Jahr [LBQuadrat].

In Stuttgart beteiligte sich nicht zuletzt aufgrund der perfekten Vorbereitung und Mobilisierung durch das Libertäre Bündnis Ludwigsburg ein großer anarchistischer Block an der alljährlichen revolutionären 1. Mai-Demo. Eine Vielzahl schwarzer und schwarz-roter Fahnen und anarchistischer Transparente (siehe Foto) prägte das Bild des Demozuges im hinteren Drittel.
Der sichtbare Anteil an AnarchistInnen, Libertären und Antiautoritären war deutlich höher als in den Jahren zuvor. Die Cops schafften es mit all ihren Schikanen nicht zu verhindern, dass die hunderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demo ihr Ziel erreichten, das soziale Zentrum Lilo Hermann im Stadtteil Heslach.
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Las Masías: Hausbesetzung und Selbstverwaltung auf Gran Canaria

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria (FAGC) hat in den vergangenen Wochen zwei leerstehende Häuser besetzt, um dort migrantische Familien unterzubringen, die aufgrund ihrer prekären Lage dringend auf Schutz angewiesen waren. Die beiden Gebäude wurden Las Masías I und II getauft.

Möglich war die Besetzung auch durch die finanzielle Unterstützung durch die CNT Sabadell und die PAH Sabadell geworden, mit denen sich die FAGC kürzlich zum Erfahrungsaustausch getroffen hatte (Bericht auf Bodenfrost). Von dem Geld wurden Materialien gekauft, dank derer die Familien über Licht und Wasser verfügen. Auf ihrem Blog erzählt die FAGC über den Ablauf der Besetzung:
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Drei verhinderte Zwangsräumungen an einem Tag

Am Montag hat die PAH – ein Bündnis für Recht auf Wohnraum – zeitgleich drei Zwangsräumungen verhindert in drei spanischen Städten. In Madrid, Barcelona und Mazarrón (Murcia) hatten sich Aktivistinnen und Aktivisten vor die betroffenen Häuser gestellt. 10:19 Uhr verbreitete die PAH über ihren Info-Kanal jubelnd „Sí se puede – na klar kann man.“

In Madrid war es bereits der dritte Mal, dass das Motto #RajuSeQueda (Raju bleibt) Wirklichkeit wurde. Die Betroffenen – Opfer eines Mietbetrugs – hatten sich im Sommer an die PAH gewandt, seitdem wurden zwei Zwangsräumungsversuche aufgehalten. Auch an diesem Montag ging es wieder gut aus. Als die Gerichtsvollzieher die Aktivisten vor dem Gebäude versammelt sahen, gaben sie auf und gewährten einen Aufschub bis zum 14. Januar.
Die PAH Centro beabsichtigt diese Zeit zu nutzen, um Druck auf Bankia auszuüben, die neue Eigentümerin des Gebäudes. Ziel ist es, das Finanzinstitut dazu zu bewegen, dass sie Raju und die beiden anderen gegen eine Sozialmiete dort wohnen lassen. Bis jetzt weigert sich Bankia, weil sie nach deren Aussage nicht die notwendigen Voraussetzungen dafür erfüllen. Allerdings erkläre Bankia auch nicht, was genau das für Voraussetzungen seien, sagte ein Mitglied von PAH Centro.
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7 Tage mit der PAH: Dokumentar-Film über Anti-Zwangsräumungs-Aktivisten

„Sí se puede – 7 Tage bei der PAH Barcelona“ ist ein sehenswerter Dokumentar-Film über Anti-Zwangsräumungs-Bündnis PAH, das 2009 in Barcelona entstand und seitdem in weit über 1500 Fällen verhinderte, dass Menschen auf die Straße gesetzt werden. Der Film gewährt Einblicke, wie sich die Mitglieder gegenseitig helfen, gemeinsam Entscheidungen treffen und auf welche Aktionsformen sie zugreifen, um ihr Recht auf Wohnung durchzusetzen.

Erstellt wurde der Film von Comando Video, drei Mitglieder der PAH, die ihre cineastischen Kenntnisse in den Dienst des Kampfes gegen Zwangsräumung stellen. Das Comando Video hat verschiedene Versionen mit Untertiteln in allen möglichen Sprachen erarbeitet, es gibt auch eine auf deutsch:

Auf der Web-Seite des Teams können alle verfügbaren Sprach-Versionen heruntergeladen werden.

PAH Lanzarote bringt von Zwangsräumung bedrohte Familie unter

Auf die Frage, welche Gedanken einem zuerst in den Sinn kommen, wenn man Lanzarote hört, würde es sicher viele Antworten geben und die meisten hätten vermutlich irgendwie mit Sonne und Urlaub zu tun. Aber auch auf dieser idyllischen Insel im Atlantik gibt es unter der touristisch wahrnehmbaren Oberfläche eine raue soziale Wirklichkeit – und zum Glück auch ein ausgeprägtes Verständnis von Solidarität und gegenseitiger Hilfe.

Carmen Martín del Río und ihren drei Kindern (7, 14, 16) drohte die Zwangsräumung aus ihrer Wohnung, weil sie von der Arbeitslosenhilfe über 426 € die Miete nicht mehr bezahlen konnte. Monatelang hatte sie sich nach eigenen Aussagen bei Behörden, Ämtern und karitativen Einrichtungen um Unterstützung bemüht und war immer wieder vertröstet worden. Auch als der Termin für die Zwangsräumung feststand, sei von diesen Stellen nichts gekommen, außer dem Angebot, die Kinder in staatliche Obhut zu geben, was Carmen vehement ablehnte.

Schließlich sprach Carmen mit der PAH Lanzarote, dem örtlichen Ableger eines spanienweit organisierten Bündnisses, das sich seit Jahren gegen Zwangsräumungen und für das Recht auf Wohnraum einsetzt. Für die PAH Lanzarote stand sofort fest, dass sie nicht zulassen würden, dass die Familie getrennt wird oder auch nur eine Nacht auf der Straße verbringt.

Die Aktivisten machte ein leerstehendes Haus ausfindig, halfen der Familie beim Umzug, steuerten bei, was an Möbeln fehlte und boten außerdem an, sie mit Lebensmitteln zu versorgen.
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Anti-Zwangsräumungs-Bewegung feiert Jubiläum

6 Jahre ist es her, dass die PAH (Plattform der von Hypotheken Betroffenen) in Barcelona gegründet wurde und ihren damals „aussichtslos erscheinenden“ [1] Kampf gegen Zwangsräumungen und für das Recht auf würdigen Wohnraum aufgenommen hat. Das Platzen der Immobilien-Blase und die Schutzlosigkeit, in der die Betroffenen durch die Politik zurückgelassen wurden, zwang sie, sich zu vereinen, zu organisieren und gegenseitig zu unterstützen, erinnert sich die PAH in einer Mitteilung [1]. Durch die Protestbewegung #15M (15. Mai) verbreitete sich 2011 die PAH in ganz Spanien. Heute gibt es hunderte Ableger, in praktisch allen größeren Städten und Regionen [2][3].

In den 6 Jahren konnte die basisdemokratisch organisierte PAH viele Erfolge feiern: Menschen, die verzweifelt waren und sich selbst die Schuld gaben für ihr Elend, schöpften neuen Mut und neues Selbstvertrauen. Sie lernten, dass mit gegenseitiger Hilfe und der Bereitschaft zu zivilem Ungehorsam viel zu erreichen ist. Es wurden über 1000 Zwangsräumungen verhindert. Über 2000 Opfer von Zwangsräumungen wurden im Rahmen der Kampagne obra social (soziales Werk) in besetzten Häusern neu untergebracht [1]. Durch unnachgiebiges Verhandeln wurden einige dieser besetzten Häuser legalisiert, das heißt, die Anwohner haben einen Mietvertrag und können ganz offiziell dort leben [4].[5] Es wurden tausende Schuldenerlasse und Sozialmieten ausgehandelt.

Auf den Straßen von Barcelona feierten die imPAHrables (Wortspiel: die Unaufhaltsamen) gestern ihr Jubiläum, erst mit einem musikalisch unterlegten bunten Demozug [6][7][8], dann mit einer Überraschung, die des Anlasses würdig war: Es wurde ein weiterer leerstehender Wohnblock befreit. Die 13 Wohnungen sollen Familien zur Verfügung gestellt werden, die alle behördlichen Möglichkeiten, ein Dach über dem Kopf zu bekommen, erschöpft haben. Das Gebäude, das Bloc La Bordeta getauft wurde [9][10][11], ist Eigentum der SAREB, der Bad Bank in Spanien. SAREB – mit öffentlichen Geldern finanziert und mit 90.000 Wohnungen im Portfolio [1] – ist ein bevorzugtes Ziel der PAH: „Wenn SAREB uns gehört, gehören uns die Wohnungen auch“, ist ein oft gehörtes Motto.


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