Tag Archive | Sevilla

Anarchistischer Monatsrückblick: April 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

April 2017:

Die FAU Dresden hat den libertären Frühling ausgerufen. Informationen und Termine der Veranstaltungen: [LFDD.Blogsport]

Anarchistische und anarchosyndikalistische Beteiligung gab es bei NOPE, eine Gegendemonstration zu PEGIDA in Dresden. Eine Fotostrecke der Demo: [News-Photo]. Bei dieser Veranstaltung distanzierte sich die FAU Dresden von der spontanen Demo eine Woche zuvor. Der Redebeitrag zum Nachlesen: [Dresden.FAU].

Das anarchistische Buch- und Kulturzentrum Black Pigeon in Dortmund feierte am 1. April mit einem großen bunten Programm sein einjähriges Bestehen. [BlackPigeon.Blogsport]
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Mutter von Nahuel kündigt Hungerstreik an

NahuelMaría, die Mutter des anarchistischen Gefangenen Nahuel, kündigte an, in den Hungerstreik zu treten, um für die Freiheit ihres Sohnes zu kämpfen: „Ich gehe jetzt gleich nach Madrid, um mich dem Hungerstreik von SAT anzuschließen. Ich als Mutter kann nicht tatenlos zusehen, wie es meinem Sohn körperlich, psychisch und emotional immer schlechter geht aufgrund der politischen Repression, der ‚Zerstreuung‘ [Unterbringung in Gefängnissen weit weg von Familie und Freunden] und der Ungerechtigkeit“, teilte María telefonisch der Redaktion von Kaos en la red mit.

Nahuel befindet sich seit 7 Monaten ohne Gerichtsurteil in Untersuchungshaft, seit einer Polizei-Razzia gegen das Kollektiv Straight Edge Madrid. Derzeit befindet er sich in einem Gefängnis in Sevilla. Staatliche Schikanen wie die verschärften Sicherheitsmaßnahmen, unter denen er zu leiden hat, und die andauerenden Verlegungen in andere Knäste, machen ihm sehr zu schaffen. „Er hat sogar sein Lächeln verloren“, berichtete María verzweifelt nach einem Besuch bei Nahuel. Sein Zustand habe sich deutlich verschlechtert.

Die Gewerkschaft SAT – Andalusisches Arbeiter-Syndikat – befindet sich ihrerseits seit Wochen in Madrid im Hungerstreik, um für die Freilassung inhaftierter Mitglieder und gegen die Repression zu kämpfen.

Die Unterstützer-Gruppe Nahuel Libertad (Freiheit für Nahuel) hat eine deutschsprachige Mitteilung veröffentlicht, in der sie über die Festnahme im Rahmen der operación ICE und die Haftbedingungen berichtet.

Die derzeitige Adresse, um Nahuel Solidaritäts-Post zukommen zu lassen:

Juan Manuel Bustamante Vergara
Paraje las Mezquitillas
Carretera SE-451 km 5,5
41530 Morón de la Frontera, Sevilla
Spanien

Repression wegen Puppentheater und Riesen-Vagina

In Madrid wurden während laufender Vorführung zwei Puppenspieler verhaftet, weil ihr satirische Theater-Stück gegen Repression eine „Verherrlichung des Terrorismus“ dargestellt habe. Die beiden wurden in Untersuchungshaft gesteckt und wurden erst eine Woche später wieder freigelassen, nachdem es tagelang Solidaritätskundgebungen in vielen Städten in Spanien gegeben hatte. Die Anklage bleibt jedoch weiterhin bestehen. Die beiden Puppenspieler (einer davon Mitglied der CNT) dürfen das Land nicht verlassen und müssen sich jeden Tag melden. Als Begründung für die Aufhebung der Untersuchungshaft nannte die Staatsanwaltschaft, dass mittlerweile weder die Gefahr einer Flucht bestünde, noch einer Wiederholung der Tat, da alle Theater-Requisiten beschlagnahmt worden seien.
Bei Telepolis gab es einen deutschsprachigen Bericht dazu.

Das Theater-Stück...

Das Theater-Stück…

... und einige der Solidaritäts-Demos

… und einige der Solidaritäts-Demos

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Landesweite Proteste in Spanien für öffentliche Bildung

Hundertausende Schüler, Lehrer, Studenten und Professoren protestierten gestern in ganz Spanien gegen steigende Studiengebühren, Kürzungen und Entlassungen im Bildungsbereich und die kürzlich verabschiedete und äußerst umstrittene Bildungsreform namens LOMCE. Eine kleine Auswahl an Städten, in denen es an diesem Tag Demonstrationen gab:

collage-24okomplett

Ein Dokumentar-Video aus Madrid:



Weitere Fotos:

Andalusische Arbeitergewerkschaft SAT beschlagnahmt Schulsachen

Rund 200 Mitglieder der Andalusischen Arbeitergewerkschaft SAT haben heute in einem Supermarkt in Sevilla 8 – 10 Einkaufwagen voller Schulsachen wie Bleistifte, Spitzer und Radiergummis beschlagnahmt. Auf ihrer Webseite teilt die SAT mit, dass mit dieser symbolischen Aktion aufmerksam gemacht werden soll auf die Lage der zwei Millionen Andalusierinnen und Andalusier, die in Armut leben und der 400.000 Haushalte, die keinerlei Unterstützung mehr erhalten, obwohl alle ihre Familienmitglieder arbeitslos sind. Viele Eltern können sich aufgrund dieser Lage nicht mehr leisten, ihre Kinder zu Schulbeginn mit dem nötigen Material, das 100 bis 150 Euro kostet, zu versorgen.

Auf Twitter wurde die Aktion passenderweise unter dem Hashtag #vueltaalcoleparatodos (Rückkehr zur Schule für alle) begleitet und kommentiert.

Die Aktion war offensichtlich gut geplant und vorbereitet und verlief entsprechend schnell, friedlich und erfolgreich. Die Polizei fand nur noch die leeren Einkaufswagen vor und kontrollierte später zwei weiße Lieferwagen von Maurern, die überhaupt nichts mit der Sache zu tun haben. Ein Video zeigt den Moment, in dem die Beute in bereitstehende Lieferwagen verladen wird:


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Alternative Medien in Spanien

Schon früh erkannte die spanische Bewegung 15M die Notwendigkeit eigener Medien, um der #spanishrevolution und ihren Anliegen und Gedanken eine Stimme zu verschaffen, da die etablierten Medien die Indignados einfach nur ignorierten, belächelten oder diffamierten.

Aus dieser Notwendigkeit heraus entstanden in der Folgezeit mit vereinten Kräften, viel Enthusiasmus, Einsatz und Phantasie zahlreiche alternative Medien-Projekte. Allen ist gemeinsam, dass sie selbstverwaltet sind, offen, sich basisdemokratisch organisieren und bis zum heutigen Tag aktiv sind.

Ágora Sol Radio

LOGO_AGORA3-150x150Ende Mai 2011 – das Zeltlager der Empörten in Madrid, die Acampada Sol, hatte sich wenige Wochen zuvor auf dem zentralen Platz der Stadt eingerichtet – erblickte ebendort der freie, selbstverwaltete und basisdemokratisch organisierte Radiosender Ágora Radio Sol das Licht der Welt. Die Idee war vor einer dort aktiven Arbeitsgruppe entwickelt worden. Bereits am 26. Mai ging Ágora Radio Sol auf Sendung.

01_Emitiendo desde SolÁgora Sol Radio sendet 24 Stunden am Tag. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl verschiedener Programme und sozialer, kultureller und politischer Themen. Die Philosophie des Senders ist, den unterschiedlichsten Meinungen aus der Gesellschaft ein Kommunikationsmittel zu bieten, damit die Bürger ihre Meinungs- und Redefreiheit auch in die Tat umsetzen können.

Die Sendungen können über das Internet empfangen oder nachträglich heruntergeladen und angehört werden. Seit Januar 2012 wird ein Großteil des Programms auch über den lokalen madrilenischen Fernsehsender Canal33 Directos übertragen.

Finanziert wird Ágora Sol Radio durch monatliche Beiträge der Mitwirkenden und durch Spenden.

Links: Web-Seite | Twitter-Account | Facebook-Seite | Wiki15M über Ágora Sol Radio | Artikel auf Storify über Ágora Sol Radio
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Von der Empörung zur Rebellion: Zweiter Jahrestag von #15M

Foto von Democracia Real Ya

Foto von Democracia Real Ya

Unter dem Motto „de la indignación a la rebelión – escrache al sistema“ (von der Empörung zur Rebellion – wir bereiten dem System ein ‚Escrache‚) finden ab heute Nachmittag in zahlreichen Städten in Spanien Demozüge, Kundgebungen und weitere Aktionen statt. Anlass ist der zweite Jahrestag der Bewegung 15M, die ab dem namensgebenden 15. Mai auf der Puerta del Sol in Madrid und der Plaça Catalunya in Barcelona das Licht der Welt erblickte, als Demoteilnehmer auf diesen zentrale Plätzen ihre Zelte errichteten.

Foto von Toma La Plaza

Foto von Toma La Plaza

15M betont jedoch ausdrücklich, dass es sich nicht um reine Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums handelt, sondern dass die Veranstaltungen Teil des fortgesetzten Kampfes gegen all die sozialen Missstände im Land sind.

In Madrid wird sich der Sternmarsch aus verschiedenen Stadtteilen auf der Puerta del Sol treffen und dort den grito mudo (stummen Schrei) zelebrieren. Anschließend können sich die Demoteilnehmer an Arbeitsgruppen und Versammlungen zu verschiedenen Themen anschließen, bei denen versucht wird, Lösungen für die Probleme zu erarbeiten und zu diskutieren.

Wir versuchen, so schnell wie möglich aktuelle Infos, Fotos und Links zu Live-Streams zu ergänzen.
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