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Erfolge für spanische Anti-Zwangsräumungsaktivisten

stop-desahuciosDas Symbol der spanischen Anti-Zwangsräumungs-Aktivisten der PAH zeigt ein Haus, das in den Schulden-Fluten zu versinken droht (siehe rechts). Weit entfernt von dieser Hoffnungslosigkeit ist die tatsächliche derzeitige Situation des Bündnisses der von Hypotheken Betroffenen, das auf einer Welle des Protestes und Kampfes obenauf schwimmt und in den letzten Wochen einige bedeutende Erfolge zu verbuchen hatte:

09.05. – Richterin lehnt Zwangsräumung ab

Eine Richterin weigerte sich, die Zwangsräumung eines besetzten Hauses zu veranlassen, berichten Diagonal Periódico und El País. Es handelt sich dabei um einen von der PAH besetzten Wohnblock in Sabadell, Katalonien (Nord-Ost-Spanien). Dort sind seit einigen Wochen 11 Familien untergebracht, die keine andere Lösung für ihre Wohnungsnot finden konnten.

Das Gebäude ist Eigentum von SAREB, einer bad bank, die vom Staat gegründet wurde, damit gerettete Geldinstitute dort ihre faulen Immobilienkredite auslagern können.

Die Richterin begründete ihre Ablehnung damit, dass das Recht auf Privateigentum Grenzen hat und der soziale Charakter von Wohnraum nicht außer Acht gelassen werden darf. Dabei beruft sie sich auf den Artikel 33.2 der spanischen Verfassung: „Die soziale Funktion dieser Rechte begrenzt ihren Inhalt in Übereinstimmung mit den Gesetzen.“

Da die SAREB noch keine Anstrengungen unternommen habe, seiner sozialen Verantwortung nachzukommen und das Gebäude seiner Bestimmung zuzuführen, sich weder um die Instandhaltung des Blocks gekümmert, noch außer der Anzeige etwas unternommen habe, um wieder in Besitz des Blocks zu gelangen, sieht die Richterin keinen Schaden für die bad bank durch die Besetzung. Eine Zwangsräumung hingegen würde dazu führen, dass die Familien auf der Straße sitzen.

24.05. – Mietvertrag für Hausbesetzer in Terrassa

Foto von El Diario

Die Vertrags-Unterzeichnung
Foto von El Diario

Monatelanges Ringen und Verhandeln führte endlich zum Erfolg: 11 Familien, die derzeit in einem besetzten Wohnblock in Terrassa (Katalonien) leben, dürfen in ein anderes Gebäude der Catalunya Caixa ziehen und dort für mindestens 5 Jahre bleiben. Die Sozialmiete beträgt 150 Euro.

Das leerstehende Wohnhaus war im Dezember 2011 nach einer Demonstration von der PAH besetzt worden.

Dieses Verhandlungsergebnis ist ein großer Erfolg und ein wichtiger Schritt für die PAH, es ist das erste Mal, dass sie so ein Übereinkommen mit einer Bank erzielt haben.

Quellen: Diagonal Periódico | El diario | Público
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… denn die Häuser gehören uns (IV)

In den letzten Wochen haben sich einige Neuigkeiten zum Thema Hausbesetzungen in Spanien gesammelt. Höchste Zeit also, die Artikel-Serie fortzusetzen.

Reihenhaus-Siedlung in Valdemoro besetzt

In Valdemoro, 27 km südlich von Madrid, besetzten vor ein paar Monaten etwa 50 obdachlose Familien eine Reihenhaus-Siedlung. Die Gebäude waren 2008 und 2010 gebaut worden, bis auf drei standen sie alle seitdem leer. Die Familien, die jetzt dort wohnen, sind allesamt Opfer von Zwangsräumungen und Jugendliche, die sich keine Miete leisten können.

Javier, einer von ihnen, der mit seinem Partnerin und ihrem Kind dort untergekommen ist, sagt dazu:

„Wir hatten kein Dach über dem Kopf und diese Gebäude standen leer, also haben wir sie zu unserem Zuhause gemacht.“

Ein anderer, Juan Manuel, merkte dazu an:

„Wenn diese Häuser einen Besitzer hätten, fiele es uns im Traum nicht ein, uns hier niederzulassen. Es ist kein Vergnügen, ohne Licht und Wasser in einem Haus zu leben, das dir nicht gehört.“

Eine Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, ergänzte:

„Wir wollen niemandem das Haus wegnehmen, aber wir konnten nirgendwo unterkommen und diese Häuser stehen leer: das ist doch Wahnsinn.“

Die Dame versuchte, sich mit dem Eigentümer der Häuser in Verbindung zu setzen, um ihm eine kleine Miete zu bezahlen, aber konnte niemanden erreichen. Bauträger Castellana Immobiliaria ist seit Jahren verschollen und telefonisch nicht erreichbar.

Für den Moment sind die Familien in Valdemoro sicher. Damit eine Zwangsräumung von der Polizei durchgeführt wird, müsste der Eigentümer Anzeige erstatten und der Richter diese Maßnahme beantragen.

Quellen:
20 minutos, 15. Januar 2013
El País, 17. Januar 2013
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