Tag Archive | Wasserbombenparade

Anarchistischer Monatsrückblick: Mai 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

1. Mai

In Albuquerque (USA) konnten sich Kinder an Piñata-Puppen austoben, deren Uniformen mit „police“ und „ICE“ (Abschiebebehörde in den USA) beschriftet waren. Weitere Fotos davon: [KDenRocker (1) | (2) | (3) | (4) | (5) (alle: englisch)]

Video von einer gigantischen anarchistischen und anarchosyndikalistischen Demo in Bandung in Indonesien: [anarkonesia (englisch)]. Bericht über May Day in Indonesien: [It’s Going Down (englisch)]

Über 300 Menschen fanden sich dieses Jahr zum anarchistischen 1. Mai in Dortmund ein. Kämpferisch zogen sie vom Sonnenplatz bis vor das anarchistische Zentrum Black Pigeon. Im Anschluss gab es dort noch ein Kulturprogramm. Auf dem Front-Transparent stand „Für eine Welt ohne Lohnarbeit“. Fotos: [Antifaschistische Gruppe Dortmund (1) | (2) | (3) | ANetzDo]. Video: [AFRR]
Umfangreiche Auswertung der anarchistischen Gruppe Dortmund mit vielen Fotos zu den Ereignissen. [AGDo]
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Wasserbombenparade 2017

Zwischen 30 und 40 Menschen beteiligten sich an der bereits vierten Wasserbomben- parade gegen Polizeigewalt, die am 4. August 2017 durch die Nürtinger Innenstadt zog. Damit fiel die Wasserbombenparade etwas kleiner aus als im Jahr zuvor. Dem Spaß der Beteiligten tat dies jedoch keinerlei Abbruch. Auch Passanten schlossen sich spontan und begeistert den Wasserschlachten an, die sich sowohl während des Demozugs als auch bei den Zwischenstationen an den Brunnen abspielten.

Bei den insgesamt zwei Kundgebungen wurde der politische Rahmen der Veranstaltung verdeutlicht. Der erste Redebeitrag, noch am Startpunkt beim ZOB, erklärte den Anlass zur ersten Wasserbombenparade vor drei Jahren: Damals wurden zwei Wasserbomben auf die Polizeiwache geworfen. Daraufhin eskalierte die Polizei mit einem völlig überzogenen Einsatz. Dieser Einsatz umfasste einen Helikopter, der versuchte, die „Täter“ zu fassen, als auch eine versuchte Erstürmung des linkslibertären Wohnprojekts Villa Galgenberg.
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Anarchistischer Monatsrückblick: Juli 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die zurückliegenden 4 Wochen

Rojava (Nord-Syrien): Der anarchistische Genosse Robert Grodt (Demhat Goldman) ist am 6. Juli bei der Befreiung von Raqqa ums Leben gekommen. „Er war dort, um anderen zu helfen, das war sein Leben lang seine Leidenschaft,“ sagte Elizabeth Clarke, eine Verwandte von ihm, auf Facebook. Der 28-Jährige hatte sich der kurdischen Miliz YPG angeschlossen, um gegen den Islamischen Staat (IS) und für die soziale Revolution zu kämpfen.


2011 war Demhat Goldman in New York als Demosanitäter bei der Occupy Wall Street-Bewegung aktiv gewesen. Dort lernte er auch seine spätere Partnerin Kaylee Dedrick kennen. Er leistete erste Hilfe bei ihr, als Polizisten sie mit Pfefferspray verletzten. Die beiden hatten eine gemeinsame Tochter. Der Legende nach das „erste Occupy-Baby“, gezeugt im Protestcamp im Zuccotti Park.
In einer Video-Botschaft legte Demhat Goldman seine Motive dar, warum er nach Rojava gegangen war: [Youtube]
Berichte über seinen Tod fanden sich auch in bürgerlichen Medien, auch wenn diese kein Wort über seine anarchistischen Überzeugungen verloren: [Washington Post | Guardian | New York Times (alle: englisch)].
Die näheren Umstände seines Todes werden auf der Seite von [YPG Rojava (englisch)] beschrieben.
Eine Mitteilung des anarchistischen Bataillons [IRPGF/Twitter].
In Chicago wurde ihm zu Ehren ein Transparent angebracht: [Daneyvilla/Twitter (englisch)].
Fotos vom Abschied von Demhat Goldman in Rojava: [Defense Units/Twitter | YPJ Press (beide: englisch)].

IRPGF, ein anarchistisches Bataillon in Rojava, verkündete die Gründung von einer Untergruppe namens The Queer Insurrection and Liberation Army (TQILA) [IRPGF/Twiter (englisch)]. IRPGF postete auch ein Bild, das in Raqqa entstanden sein soll. Das Bild wurde mittlerweile weit über 4000 mal geteilt [IRPGF/Twitter (englisch)]:

Presseberichte zu TQLA: [Newsweek | Independent (beide: englisch)].
Gegenüber der [taz] äußerte sich SDF-Sprecher Mustafa Bali dahingehend, dass diese Gruppe nicht als separate Kampfeinheit anzusehen sei. Sehr wohl gebe es eine LGBTI-Initiative in den Reihen der Anti-IS-Kämpfer der SDF.
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Veranstaltungen der Villa Galgenberg

Auch dieses Jahr veranstaltet die Villa Galgenberg in Nürtingen wieder ihr Sommerfest. Stattfinden wird es vom 14. bis zum 16. Juli. Der erste Teil in der Trinkhalle in dem Park, der direkt an die Villa anschließt. Anschließend geht es im Garten und im Keller der Villa weiter. Das Programm umfasst unter anderem einen Vortrag über antikapitalistische Praxis, eine kurze Vorstellung des Umsonstladens und einen Umsonst-Tisch, ein Siebdruck-Workshop und mehrere Bands.

Grund zu feiern gibt es allemal: Seit 10 Jahren existiert dieses linkslibertäre Wohnprojekt in Nürtingen. Nach zweieinhalbjährigem Widerstand scheint die Räumung endgültig abgewendet zu sein.

Am 4. August wird wieder eine Wasserbomben- parade gegen Polizeigewalt durch die Straßen von Nürtingen ziehen.

Die Wasserbomben- parade wurde erstmals 2014 organisiert, als Reaktion auf einen völlig unverhältnismäßigen Polizeieinsatz einschließlich Helikopter und versuchter Stürmung der Villa Galgenberg. Seitdem wurde sie jedes Jahr wiederholt (2014 | 2015 | 2016). Der Anlass bleibt aktuell. Ob gegen Berufsschülerinnen in Nürnberg, die versuchen, eine Abschiebung zu verhindern, die brutale Räumung von Friedel 54 in Berlin oder die Angriffe auf das antikapitalistische Camp in Hamburg – die Beispiele von Polizeigewalt reißen nicht ab.

Anarchistischer Monatsrückblick: Mai 2017

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Mai 2017:

Bayram wird im Knast in Aserbaidschan die dringend benötigte medizinische Versorgung verweigert. Sein Anwalt berichtet, wie schlecht es ihm geht. Bayram wurde zusammen mit Giyas zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, weil die beiden regierungs- kritische Graffiti an ein Denkmal gesprüht hatten. [Changenow.Blogsport]
Das Libertäre Bündnis Ludwigsburg (LB²) erinnerte mit einer Transparent-Aktion und einem Online-Text an die Festnahme vor einem Jahr [LBQuadrat].

In Stuttgart beteiligte sich nicht zuletzt aufgrund der perfekten Vorbereitung und Mobilisierung durch das Libertäre Bündnis Ludwigsburg ein großer anarchistischer Block an der alljährlichen revolutionären 1. Mai-Demo. Eine Vielzahl schwarzer und schwarz-roter Fahnen und anarchistischer Transparente (siehe Foto) prägte das Bild des Demozuges im hinteren Drittel.
Der sichtbare Anteil an AnarchistInnen, Libertären und Antiautoritären war deutlich höher als in den Jahren zuvor. Die Cops schafften es mit all ihren Schikanen nicht zu verhindern, dass die hunderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demo ihr Ziel erreichten, das soziale Zentrum Lilo Hermann im Stadtteil Heslach.
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Libertärer Podcast Oktober 2016

Das Anarchistische Radio Berlin hat den Oktoberrückblick als Podcast veröffentlicht. Eine Stunde voll mit Musik und aktuellen libertären Infos aus aller Welt. Dieses Mal ist auch ein Interview mit dem räumungsbedrohten emanzipatorischen Wohnprojekt Villa Galgenberg in Nürtingen mit dabei. Das Bild auf dem Aufmacher ist vor der Villa bzw. dem dazugehörigen Umsonstladen entstanden.

Viel Vergnügen beim Anhören auf der Seite vom ARadio Berlin.

Anarchistisches Radio Berlin Oktoberrückblick 2016

Pogo und Wasserbomben in Nürtingen

„Die Häuser denen, die drin wohnen“ schallte es durch die Straßen, als die dritte Wasserbombenparade bei strahlendem Sonnenschein durch die Nürtinger Innenstadt zog. Rund 80 motivierte und vergnügte Teilnehmer*innen, ein Traktor, der den Anhänger mit der Musikanlage zog und mehrere Bands nahmen daran teil.

Wasserbombenparade Flyer (vorn)Wie schon in den Jahren zuvor, verband die Veranstaltung wieder geschickt das Vergnügen des sich gegenseitig nass Spritzens mit den ernsten Botschaften, die transportiert werden sollten: Es ging einerseits um Protest gegen Repression und Polizeigewalt. 2014 hatte es wegen einiger mit Wasser gefüllter Ballons, die vor die örtliche Polizeiwache geworfen worden waren, einen maßlosen und brutalen Polizeieinsatz gegeben, einschließlich Hubschraubern und versuchter Erstürmung der Villa Galgenberg.

Die Villa Galgenberg selbst war nicht nur Veranstalterin, sondern auch das zweite zentrale Thema des Umzugs. Dieses emanzipatorische Wohnprojekt am Fuße des namensgebenden Galgenberges ist akkut räumungsbedroht, seit die Stadt Nürtingen das Grundstück gekauft hat und die Bewohner*innen vertreiben möchte.

Die Wasserbombenparade zog in Etappen durch die Altstadt und legte an den Brunnen eine Rast ein. So konnten bequem die Wasservorräte der mitgebrachten Spritzpistolen nachgefüllt werden. Außerdem wurden wieder zahllose vorbereitete Wasserbomben verteilt. Es dauerte nicht lange, bis bei dem ausgelassenen alle-gegen-alle niemand mehr trocken war.

Erstmalig gab es dieses Jahr auch Live-Musik von mehreren Bands, jeweils bei den Zwischenstationen. Am Marktplatz begeisterten die Sons of Explosivos das Publikum unter anderem mit „La bamba“, wobei sie den Text zu „La bomba de agua“ abänderten. Am Ort der Abschlusswasserschlacht – direkt vor der Polizeiwache in der Europastraße – coverte eine Punk-Band ein thematisch passendes Lied von Slime, sehr zum Vergnügen der Umstehenden, die den Klassiker schon an den ersten Akkorden erkannten und spontan mitsangen.

Es verirrten sich auch einige Wasserbömbchen auf die Fassade der Polizeiwache, was von den Veranstalter*innen aber schnell unterbunden wurde. Dieses Mal zog die Aktion jedoch keinen stundenlangen Polizei-Einsatz nach sich, so dass alle, die wollten, wie vorgesehen den Abend im Garten der Villa Galgenberg bei Lagerfeuer, Bratkartoffeln und Getränken nach Wahl ausklingen lassen konnten. Weiterlesen …