Tag-Archiv | yayoflautas

Demo-Nahaufnahmen aus Madrid

Hunderttausende protestierten gestern in 55 Städten gegen die Austeritätspolitik der spanischen Regierung, berichten die Online-Tageszeitungen 20 minutos und Público. Allein in Madrid waren mehrere zehntausend Menschen auf der Straße.
Zwei – salopp gesagt – alte Bekannte waren auch mit dabei. Wer schon länger bei uns mitliest, wird sich möglicherweise an die beiden erinnern: 2012 stellten wir sie als „das Demo-Paar des Tages“ vor, weil so so unglaublich charmant waren und ihre Botschaft so bestechend klar und deutlich. Die Botschaft ist dieselbe geblieben, wir übersetzen sie gern noch mal:

Die Dame: Ich bin 85 Jahre alt. Ich bin fuchsteufelswild. Ich habe für die Rechte gekämpft, die sie euch heute wieder wegnehmen. Wacht auf, verdammt noch mal!

Der Herr: Ich denke dasselbe wie meine Frau.

Wer sich nicht sattsehen kann – hier eine weitere Aufnahme der beiden.
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Die Wahrheit über Patricia Heras: Filmpremiere in besetztem Kino

Gestern wurde in Barcelona ein Dokumentar-Film uraufgeführt über absichtlich falsche Polizei-Ermittlungen, die dazu führten, dass 9 Menschen wegen eines angeblichen Angriffs auf einen Polizei-Beamten zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Eine davon, Patricia Heras, nahm sich vor zwei Jahren während der Haft das Leben. Der Film „Des_muntatge 4F“ hat sich zum Ziel gesetzt, endlich die Hintergründe und die Wahrheit über diesen 6. Februar 2006 ans Licht zu bringen. So beklagen die Beschuldigten, dass sie von zwei Polizisten gefoltert wurden, die später wegen einem anderen Fall von Folter aus dem Dienst entlassen und verurteilt wurden.

Für die Film-Premiere wurde eigens ein Kino besetzt, das seit 12 Jahren verwaist gewesen war. Um an das Opfer dieses Justizskandals zu erinnern, wurde das Kino kurzerhand in „cinema Patricia Heras“ umbenannt. Über 700 Menschen beteiligten sich an der Aktion, meldeten die Film-Macher zufrieden.

Die Iaioflautas, die berühmten rebellischen Rentner der Bewegung 15M, waren auch mit von der Partie, als Türsteher, die vor dem Kino Wache standen. „Ohne die Iaioflautas wäre das cinema Patricia Heras nicht möglich gewesen“, bedankte sich 15Mbcn_tv.

Begleitet und verbreitet wurde die Aktion auf Twitter mit dem Hashtag #veritat4f (die Wahrheit über den 4. Februar).
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Treffen der Iaioflautas und feministische Escraches

Foto von celescolorado@Twitter

Foto von celescolorado@Twitter

Am Wochenende versammelten sich in Valencia Iaioflautas aus ganz Spanien, um gemeinsam den ersten Geburtstag der dortigen Ortsgruppe zu feiern. Die Iaioflautas sind ein Kollektiv rebellischer Rentner, die mit ihren humorvollen und gewaltfreien Protest-Aktionen die Kämpfe der Jugend um soziale Gerechtigkeit unterstützen. Sie sehen sich selbst als „Kinder der Bewegung 15M“. Der Iaioflauta-Virus erweist sich als äußerst ansteckend: Mittlerweile sind in rund einem Dutzend Städten in Spanien neue Ableger entstanden. Ihr Name, mal Iaioflautas, mal Yayoflautas geschrieben, entstand in Anlehnung an das Schimpfwort „perroflautas“ (in etwa: Straßengammler mit Hund und Flöte), mit dem die jugendlichen Demonstranten von Politikern verunglimpft wurden. „Iaio“ ist das katalanische Wort für Opa.

Foto von racos1871@Twitter

Foto von racos1871@Twitter

Bevor sie sich bei Paella und gemütlichem Beisammensein stärkten und gemeinsam feierten, spielten die Iaioflautas erst einmal einen ihrer berühmten Streiche, wie sie selbst ihre stets gut geplanten und vorbereiteten Aktionen zu nennen pflegen. Als nicht zu übersehende phosphoreszierend-gelbe Flut, die Farbe ihres Erkennungsmerkmals, der Warnweste, zogen sie durch Valencia vor den Sitz des Erzbistums, wo zu diesem Zeitpunkt eine Bischofs-Konferenz tagte. Lautstark wetterten die Iaioflautas gegen die geplante Verschärfung des Abtreibungsgesetzes in Spanien, die auf den Einfluss der katholischen Kirche zurückzuführen ist. Ein legaler Abbruch soll künftig auch bei einer Missbildung des Fötus nicht mehr möglich sein.

Foto von iaioflautas@Twitter

Foto von iaioflautas@Twitter


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Von der Empörung zur Rebellion: Zweiter Jahrestag von #15M

Foto von Democracia Real Ya

Foto von Democracia Real Ya

Unter dem Motto „de la indignación a la rebelión – escrache al sistema“ (von der Empörung zur Rebellion – wir bereiten dem System ein ‚Escrache‚) finden ab heute Nachmittag in zahlreichen Städten in Spanien Demozüge, Kundgebungen und weitere Aktionen statt. Anlass ist der zweite Jahrestag der Bewegung 15M, die ab dem namensgebenden 15. Mai auf der Puerta del Sol in Madrid und der Plaça Catalunya in Barcelona das Licht der Welt erblickte, als Demoteilnehmer auf diesen zentrale Plätzen ihre Zelte errichteten.

Foto von Toma La Plaza

Foto von Toma La Plaza

15M betont jedoch ausdrücklich, dass es sich nicht um reine Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums handelt, sondern dass die Veranstaltungen Teil des fortgesetzten Kampfes gegen all die sozialen Missstände im Land sind.

In Madrid wird sich der Sternmarsch aus verschiedenen Stadtteilen auf der Puerta del Sol treffen und dort den grito mudo (stummen Schrei) zelebrieren. Anschließend können sich die Demoteilnehmer an Arbeitsgruppen und Versammlungen zu verschiedenen Themen anschließen, bei denen versucht wird, Lösungen für die Probleme zu erarbeiten und zu diskutieren.

Wir versuchen, so schnell wie möglich aktuelle Infos, Fotos und Links zu Live-Streams zu ergänzen.
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„Aufstand der Großeltern“ in Spanien

Foto von Acampadabcn@Yfrog

Erkennungsmerkmal gelbe Schutzwesten
Foto von Acampadabcn@Yfrog

In Spanien geht nicht nur die Jugend auf die Straße, auch die älteren Generationen stellen sich den brutalen Kürzungen in den Weg. Die Rede ist natürlich von den Yayoflautas, wie sie sich selbstironisch nennen. Jugendliche Demonstranten wurden als perroflautas (in etwa: Straßengammler) verunglimpft, daraus leiteten sie yayoflautas (Opa/Oma-Gammler) ab.

Der Weltspiegel brachte kürzlich einen Beitrag über die „renitenten Rentner“ Spaniens, der unter diesem Link angesehen werden kann.

Wer die Proteste gegen Stuttgart 21 verfolgt, fühlt sich wohl an die dortigen „renitenten Rentner“ erinnert, wie die älteren Demoteilnehmer lange verspottet wurden.

Ein grober Recherchefehler ist dem ARD-Team allerdings unterlaufen – der Mann lag nicht etwa, wie behauptet, eines Schwächeanfalls wegen auf dem Boden, sondern, weil er von Polizisten umgestoßen wurde. Aber die Uniformierten sind wohl immer die Guten in den Staatsmedien.

Unser Dank gilt Uhupardo, der auf den Bericht aufmerksam machte.

Links: