Tag Archive | Zwangsräumung

Neues Hausbesetzungsprojekt La Ilusión auf Gran Canaria

Auf Gran Canaria beschlossen 7 Familien, ihrer Obdachlosigkeit ein Ende zu bereiten: Ende Juli sozialisierten sie ein leerstehendes Gebäude mit 15 Wohnungen. Beraten und unterstützt wurden sie dabei vom Sindicato de Inquilin@s, dem MieterInnen-Syndikat von Gran Canaria. Mittlerweile haben sich 3 weitere Familien dem Wohnprojekt angeschlossen. Insgesamt leben dort jetzt 38 Menschen, 18 davon minderjährig.

Es sind Familien, die eine Zwangsräumung hinter sich haben, arbeitslose ArbeiterInnen, alleinstehende Mütter, Großmütter, die sich um ihre Enkel kümmern, junge Paare, die in Autos schliefen und schwangere Frauen, die für ihre künftigen Kinder kein Dach über dem Kopf hatten. Sie alle haben den Entschluss gefasst, für ihre Probleme gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die ihnen von Ämtern verwehrt werden.
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Anarchistischer Monatsrückblick: März 2017

Rückblick auf den März 2017 aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Rückblick auf März 2017:

16998801_859757667497456_1246108070183429524_nTrotz Verbot ist in der Türkei die Nummer 37 der anarchistischen Zeitung Meydan erschienen. Geschrieben wurde die aktuelle Ausgabe von Frauen und über Frauen. [Freedom News | InsurrectNews (beide: englisch)]
Fotos davon, wie das anarcha-feministische Kollektiv Anarşist Kadınlar die Zeitungen verteilt: [Facebook]

Auf Gran Canaria wurde am Internationalen Frauentag das selbstverwaltete Frauenhaus El Nido in einem besetzten Gebäude ins Leben gerufen. Dort entscheiden die Bewohnerinnen, die vor Misshandlung und Gewalt geflohen sind, selbst über ihre Belange. Ein nicht-staatliche Zuflucht dieser Art war vielen Frauen schon länger ein Bedürfnis gewesen. Der 8. März erwies sich als angemessener Zeitpunkt zur Umsetzung. [FAGC/Twitter (1) | (2) (spanisch)]
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Solidarität mit Ruymán und Wege zum Anarchismus

Die FAGC (Federación Anarquista de Gran Canaria, Anarchistische Föderation von Gran Canaria) setzt seit einigen Jahren anarchistische Theorien wie direkte Aktion und gegenseitige Hilfe in die Tat um. So initiierten sie unter anderem das Wohnprojekt Esperanza. „Die größte Hausbesetzung derzeit in Spanien“, wie es spanische Medien beschrieben. Dort sind mittlerweile über 70 Familien untergekommen, die Opfer von Zwangsräumung oder häuslicher Gewalt wurden. Einige Wohnungen mussten instandgesetzt werden, da die vier Wohnblocks in Santa María de Guía eine Bauruine aus Zeiten der Immobilienblase sind. BewohnerInnen und FAGC legten dabei selber Hand an. Eine weitere Herausforderung war es, die Familien in den besetzten Häusern mit Strom zu versorgen. Auch dabei brachte sich die FAGC tatkräftig ein. Das Projekt Comunidad la Esperanza ist vollkommen selbstverwaltet. Die BewohnerInnen helfen sich gegenseitig in ihrem Alltag.

Die FAGC legte auch Gärten auf brachliegenden Flächen an, um eine Grundversorgung mit Lebensmitteln von armen Familien zu gewährleisten. Eine Wiederaufbereitungsanlage für Regenwasser wurde ausgetüftelt und gebaut. Die FAGC besetzte gemeinsam mit illegalisierten migrantischen Familien Gebäude – La Masía I und II – um ihnen eine Zuflucht zu erschaffen. Die FAGC steht an vorderster Linie, wenn es darum geht, Zwangsräumungen zu verhindern. Sie waren Anfang des Jahres an der Gründung eines MieterInnensyndikats beteiligt. Am internationalen Frauentag 2017 beteiligten sie sich daran, das selbstverwaltete Frauenhaus El Nido in einem besetzten Haus ins Leben zu rufen.

Als Reaktion auf diese lebendigen Beispiele von funktionierenden und effektiven anarchistischen Strukturen wird die FAGC mit massiver staatlicher Repression überzogen. Ruymán Rodríguez ist als Sprecher des Wohnprojekts Esperanza dabei aufgrund seiner Sichtbarkeit eine besondere Zielscheibe. So wurde er von der Guardia Civil verschleppt, zusammengeschlagen und anschließend von eben diesen Guardias Civiles wegen „Widerstand gegen die Staatsgewalt“ angezeigt. Um die Gerichtskosten stemmen zu können, bittet die FAGC um Solidarität.

In einer Kette von Tweets mobilisiert eine Genossin der FAGC für Unterstützung für Ruymán. Außerdem erzählt nicht nur, wie sie ihn kennenlernte, sondern auch, wie sie zur Anarchistin wurde. Über die Praxis zur Theorie. Weil wir den Text lesenswert und die FAGC unterstützenswert finden, hier eine dt. Übersetzung der Tweets [in eckigen Klammern Erklärungen von uns]: Weiterlesen …

Barcelona: zwangsgeräumte Familie und Unterstützer vor Gericht

Am 14. und 15. Dezember wird ein Ehepaar aus Barcelona vor Gericht stehen. Eliseo (63) und Verónica (59) wird vorgeworfen, sich gegen ihre Zwangsräumung in dem Stadtteil Clot gewehrt zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert je 2 Jahre bis 2 Jahre und 3 Monate Haft. Mitangeklagt sind außerdem drei solidarische Nachbarn, die vor dem Haus waren. Diesen drohen zwischen 4 Jahren bis 5 Jahren und 2 Monaten Knast, wegen „Widerstands gegen die Staatsgewalt“, meldet Diagonal.

Die Zwangsräumung wurde im Sommer 2011 mit unfassbarer Brutalität von den Mossos durchgesetzt (Bericht auf Bodenfrost). 80 Menschen fanden sich vor dem Gebäude ein, um ihren Nachbarn beizustehen. Desnonamentclot, ein Unterstützungs- und Mobilisierungsblog für die von Repression Betroffenen, fasst die Ereignisse in mehreren Sprachen zusammen: Weiterlesen …

Gran Canaria: Direkte Aktion gegen Zwangsräumung

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria (FAGC) hat durch Mut, Einfallsreichtum und direkte Aktion erneut eine Zwangsräumung verhindert. Aufgrund der kurzen Vorlaufzeit – die räumungsbedrohte Familie hatte die FAGC nur einen Tag zuvor benachrichtigt – konnten lediglich 5 Menschen mobilisiert werden.

„Es sah nicht gut aus an diesem Morgen“, berichtet die FAGC. Die Zweifel nagten: „Wir sind wenige. Soll das die erste Zwangsräumung werden, die wir nicht aufhalten können?“ Um den zahlenmäßigen Nachteil auszugleichen, entschieden sie sich für die bewährte Taktik des Einigelns: Die wackere kleine Gruppe verschanzte sich in der Wohnung. Mit Brettern und Stützbalken an Fenstern und Türen verwandelten sie die Wohnung in eine uneinnehmbare Festung.

Auf Twitter veranschaulicht die FAGC das sehr bildlich: „Wir machten einen Bunker aus der Wohnung. Wir sahen aus wie ein Schiff aus dem 16. Jahrhundert. ‚Vernageln sie die Fenster, meine Damen‘, scherzten wir“.

„A las barricadas“ singend, warteten alle gemeinsam in der Wohnung darauf, dass die Übeltäter kämen. Als diese schließlich auftauchten, mühte sich der Schlüsseldienst 5 Stunden lang vergeblich ab, dem Gerichtsvollzieher Zutritt zu der Wohnung zu verschaffen. Der Anwalt der immobiliengesellschaft bot letztendlich Verhandlungen an. 6 Monate Miete, lautete das Angebot, unter der Bedingung, dass die Familie anchließend verschwindet. Der FAGC gefiel das Angebot nicht, aber die Familie, die ihre Miete nicht mehr hatte bezahlen können, willigte ein.

Um 14 Uhr, als sie sich vergewissert hatten, dass die Luft rein ist, zog sich die FAGC zurück. Durch die Garage, um sicher zu gehen. Festnahmen gab es an diesem Tag keine.

Quelle: Eine Tweet-Kette der FAGC

Erfahrungsautausch in Sabadell: Hausbesetzung und Selbstverwaltung

Am 1. Oktober fand auf dem Marktplatz der katalanischen Stadt Sabadell ein angeregter Gedankenaustausch über die Themen Hausbesetzung und Selbstverwaltung statt. An der Durchführung und an den Gesprächen beteiligt waren die anarchosyndikalistische CNT Sabadell, die Anti-Zwangsräumungs-Aktivistinnen und Aktivisten der PAHC Sabadell und Gäste von der Anarchistischen Föderation Gran Canaria (FAGC).

Sowohl die PAHC Sabadell, als auch die FAGC, konnte von ihren Erfahrungen berichten, wie Menschen ohne Dach über dem Kopf in leerstehenden Häusern untergebracht wurden. Die FAGC hat das Wohnprojekt „Esperanza“ initiiert, ein Wohnprojekt, in dem über 70 Familien untergekommen sind. Die PAH hat vier Wohnblocks für ungefähr 80 bedürftige Familien besetzt. Alle genannten Projekten organisieren sich selbstverwaltet.

Auf ihrer Webseite fasst die CNT Sabadell den Aktionstag folgendermaßen zusammen:

Bei dem Gespräch wurden die Schwierigkeiten angesprochen, die sich ergeben, wenn es daran geht, sich zu organisieren, um Wohnblocks zu besetzen und zu verwalten, die Konflikte zwischen Ideologie und Wirklichkeit, sowie um die durchgeführten Strategien, um das Hauptziel zu erreichen, ein Dach für alle, die keines haben.

Das offene Treffen auf dem Marktplatz erinnerte ein wenig an die Bewegung der „Indignados“ von 15M, die vor fünfeinhalb Jahren mit Protestcamps die zentralen Plätze vieler spanischer Städte besetzten, um sich auszutauschen, gemeinsam zu organisieren und ihrer Empörung über herrschenden Zustände Ausdruck zu verleihen. Die Wohnungsnot infolge von Zwangsräumung und Arbeitslosigkeit ist immer noch akut, paradoxerweise kontrastiert mit einem enormen Wohnungsleerstand.

Eine Kooperation von unterschiedlichen Organisationen wie Anarchosyndikalist*innen, Anarchist*innen und Recht-auf-Wohnraum-Aktivist*innen bei einem praktischen und konkreten Thema ist eine positive Entwicklung, die in sich den Samen tragen könnte, neue Impulse zu geben für eine aufflammende Mobilisierung auf der Straße, nachdem die Energie von 15M zwischen Resignation und Repression durch Knebelgesetze verpufft ist und deren letzte Reste vereinnahmt wurden durch die opportunistische Partei Podemos.

Wohnprojekt Esperanza räumungsbedroht

Das selbstverwaltete Wohnprojekt Comunidad la Esperanza auf Gran Canaria ist akut räumungsbedroht. Am 14. März erhielten die Bewohner ein Schreiben des Bürgermeisters von Santa María de Guía, in dem er ihnen ein Ultimatum stellte. Bis Ende des Monats sollen sie die Gebäude „freiwillig“ verlassen haben, sonst werde er veranlassen, dass sie von Strom und Wasser abgeschnitten werden. Die verzweifelten Bewohner wandten sich daraufhin an die Anarchistische Föderation Gran Canaria (FAGC), mit der Bitte um Beistand.

IMG-20141031-WA0006Das Wohnprojekt Comunidad la Esperanza war Anfang 2013 von der Anarchistischen Föderation Gran Canaria ins Leben gerufen worden, als die ersten 20 Familien in einem bis dahin leerstehenden Wohnblock in Santa María de Guía untergebracht wurden. Seitdem ist das Projekt stetig gewachsen. Mittlerweile leben dort in vier Wohnblöcken bis zu 310 Menschen, wovon über 150 minderjährig sind. Sie stammen allesamt aus prekären Verhältnissen, Arbeitslosigkeit, Armut und Obdachlosigkeit.

Die Bewohner organisieren sich basisdemokratisch in regelmäßigen Hausversammlungen, wo Beschlüsse gemeinsam getroffen werden. Im Alltag praktizieren die Bewohner gegenseitige Hilfe, weil auf diese Weise alle besser über die Runden kommen. Auf eigene Faust und Kosten haben die Bewohner viele der Wohnungen hergerichtet und bewohnbar gemacht und repariert, was kaputt war. Staatliche Unterstützung haben sie dabei nie bekommen. esperanza-huerto01Die Wohnblöcke der Esperanza waren in Zeiten der Immobilien-Blase entstanden und wurden – wie viele andere – nach deren Platzen nicht fertig gestellt. Um die Versorgungslage zu verbessern, wurden auch mit vereinten Kräften Gemüse-Gärten angelegt und ein System zur Wasserwiederaufbereitung eingerichtet (Bericht über den Alltag in der Esperanza).
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