Tag Archive | Zwangsräumung

Wohnprojekt Esperanza räumungsbedroht

Das selbstverwaltete Wohnprojekt Comunidad la Esperanza auf Gran Canaria ist akut räumungsbedroht. Am 14. März erhielten die Bewohner ein Schreiben des Bürgermeisters von Santa María de Guía, in dem er ihnen ein Ultimatum stellte. Bis Ende des Monats sollen sie die Gebäude „freiwillig“ verlassen haben, sonst werde er veranlassen, dass sie von Strom und Wasser abgeschnitten werden. Die verzweifelten Bewohner wandten sich daraufhin an die Anarchistische Föderation Gran Canaria (FAGC), mit der Bitte um Beistand.

IMG-20141031-WA0006Das Wohnprojekt Comunidad la Esperanza war Anfang 2013 von der Anarchistischen Föderation Gran Canaria ins Leben gerufen worden, als die ersten 20 Familien in einem bis dahin leerstehenden Wohnblock in Santa María de Guía untergebracht wurden. Seitdem ist das Projekt stetig gewachsen. Mittlerweile leben dort in vier Wohnblöcken bis zu 310 Menschen, wovon über 150 minderjährig sind. Sie stammen allesamt aus prekären Verhältnissen, Arbeitslosigkeit, Armut und Obdachlosigkeit.

Die Bewohner organisieren sich basisdemokratisch in regelmäßigen Hausversammlungen, wo Beschlüsse gemeinsam getroffen werden. Im Alltag praktizieren die Bewohner gegenseitige Hilfe, weil auf diese Weise alle besser über die Runden kommen. Auf eigene Faust und Kosten haben die Bewohner viele der Wohnungen hergerichtet und bewohnbar gemacht und repariert, was kaputt war. Staatliche Unterstützung haben sie dabei nie bekommen. esperanza-huerto01Die Wohnblöcke der Esperanza waren in Zeiten der Immobilien-Blase entstanden und wurden – wie viele andere – nach deren Platzen nicht fertig gestellt. Um die Versorgungslage zu verbessern, wurden auch mit vereinten Kräften Gemüse-Gärten angelegt und ein System zur Wasserwiederaufbereitung eingerichtet (Bericht über den Alltag in der Esperanza).
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Gemeinschaftsgarten in Sabadell

„Das Land dem, der es bestellt “ – gemäß diesem Motto aus der mexikanischen Revolution, das auf einem der Transparente zu lesen war, besetzten rund 100 Aktivisten ein brachliegendes Grundstück in Sabadell (Katalonien/Spanien), um dort einen Gemeinschaftsgarten anzulegen. Der künftige Ertrag des Gartens soll der Selbstversorgung der Bewohner eines ganz in der Nähe liegenden besetzten Wohnblocks dienen, um sie unabhängig von wohltätigen Einrichtungen zu machen. Organisiert wurde die Besetzung von der PAHC Sabadell, der „Plattform für Betroffene von Hypotheken und der Krise“.

"Das Land dem, der es bestellt" Foto von PAHC Sabadell

„Das Land dem, der es bestellt“
Foto von PAHC Sabadell

Auf ihrer Webseite beschreibt sich die PAHC Sabadell als „Kollektiv, das für das Recht auf Wohnraum für alle Menschen kämpft.“ Seit ihrer Gründung im März 2011 haben sie demnach „hunderte von Zwangsräumungen aufgehalten, hunderte Restschuldenerlasse unterzeichnet und dabei geholfen, über zweihundert Familien neu unterzubringen.“
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Drei verhinderte Zwangsräumungen an einem Tag

Am Montag hat die PAH – ein Bündnis für Recht auf Wohnraum – zeitgleich drei Zwangsräumungen verhindert in drei spanischen Städten. In Madrid, Barcelona und Mazarrón (Murcia) hatten sich Aktivistinnen und Aktivisten vor die betroffenen Häuser gestellt. 10:19 Uhr verbreitete die PAH über ihren Info-Kanal jubelnd „Sí se puede – na klar kann man.“

In Madrid war es bereits der dritte Mal, dass das Motto #RajuSeQueda (Raju bleibt) Wirklichkeit wurde. Die Betroffenen – Opfer eines Mietbetrugs – hatten sich im Sommer an die PAH gewandt, seitdem wurden zwei Zwangsräumungsversuche aufgehalten. Auch an diesem Montag ging es wieder gut aus. Als die Gerichtsvollzieher die Aktivisten vor dem Gebäude versammelt sahen, gaben sie auf und gewährten einen Aufschub bis zum 14. Januar.
Die PAH Centro beabsichtigt diese Zeit zu nutzen, um Druck auf Bankia auszuüben, die neue Eigentümerin des Gebäudes. Ziel ist es, das Finanzinstitut dazu zu bewegen, dass sie Raju und die beiden anderen gegen eine Sozialmiete dort wohnen lassen. Bis jetzt weigert sich Bankia, weil sie nach deren Aussage nicht die notwendigen Voraussetzungen dafür erfüllen. Allerdings erkläre Bankia auch nicht, was genau das für Voraussetzungen seien, sagte ein Mitglied von PAH Centro.
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Selbstmord nach Zwangsräumung

In Santiago de Compostela (Spanien) nahm sich ein Mann ein Jahr nach seiner Zwangsräumung das Leben.

Das Anti-Zwangsräumungs-Bündnis Stop Desahucios Compostela teilte auf Facebook mit, dass sich Carlos Midón das Leben genommen hat, ein Jahr nach dem er, seine Frau María, ihre beiden Kinder und eine ältere Person von einem großen Polizei-Aufgebot auf die Straße geworfen worden waren.

Carlos und seine Frau hatten das Haus in Aríns (Santiago de Compostela) mit eigenen Händen gebaut. Um die Kosten zu stemmen, mussten sie einen Bank-Kredit aufnehmen. Als Carlos arbeitslos wurde, konnten sie die Raten nicht mehr bezahlen. Die ursprüngliche Summe von 35.000 € stieg durch Säumniszuschläge auf 68.000 € an. Die Bank fing an, Druck auszuüben und drohte mit einer Räumung.

Angesichts dieser Situation ließ sich die Familie nach Darstellung von La voz de Galicia auf das Angebot eines Mannes ein, ihnen das Geld zu leihen, damit sie weiter in ihrem Haus leben können. Allerdings verlangte dieser kurz danach eine hohe Summe, 150.000 €, damit sie ihr Haus zurückerlangen können. Sie zeigten ihn daraufhin wegen Betruges an. Die Zeitung Diagonal berichtet, dass ein in Benalmádena lebender Unternehmer der Familie das Haus für 105.000 € abkaufte und 150.000 € verlangte, wenn sie es zurückkaufen wollen.

Screenshot aus einem Youtube-Video

Screenshot aus einem Youtube-Video

Die ersten beiden Räumungsversuche im Juli 2014 konnten dank Stop Desahucios Compostela verhindert werden. Am 19. September 2014 jedoch rückte die Polizei mit einem großen Aufgebot an und brach gewaltsam den Widerstand der 70 Unterstützer, die sich vor dem Gebäude versammelt hatten, um die Zwangsräumung zu verhindern. Fotos davon gibt es bei la voz de Galicia zu sehen. Auch als Youtube-Video ist die Räumung dokumentiert.

CC BY-NC-SA Stop Desahucios Compostela

CC BY-NC-SA Stop Desahucios Compostela

Am 21. September 2015 schließlich, fast auf den Tag genau ein Jahr später, starb Carlos.

Carlos ist nicht das erste Opfer einer Gesellschaftsordnung, die Besitz und Profit über das Leben und das Grundbedürfnis nach Wohnraum stellt. Die Protestbewegung 15M hat eine – nicht vollständige – Liste der Fälle erstellt, bei denen sich verzweifelte Menschen im Zusammenhang mit Zwangsräumungen umgebracht haben.

7 Tage mit der PAH: Dokumentar-Film über Anti-Zwangsräumungs-Aktivisten

„Sí se puede – 7 Tage bei der PAH Barcelona“ ist ein sehenswerter Dokumentar-Film über Anti-Zwangsräumungs-Bündnis PAH, das 2009 in Barcelona entstand und seitdem in weit über 1500 Fällen verhinderte, dass Menschen auf die Straße gesetzt werden. Der Film gewährt Einblicke, wie sich die Mitglieder gegenseitig helfen, gemeinsam Entscheidungen treffen und auf welche Aktionsformen sie zugreifen, um ihr Recht auf Wohnung durchzusetzen.

Erstellt wurde der Film von Comando Video, drei Mitglieder der PAH, die ihre cineastischen Kenntnisse in den Dienst des Kampfes gegen Zwangsräumung stellen. Das Comando Video hat verschiedene Versionen mit Untertiteln in allen möglichen Sprachen erarbeitet, es gibt auch eine auf deutsch:

Auf der Web-Seite des Teams können alle verfügbaren Sprach-Versionen heruntergeladen werden.

Knebelgesetze in Spanien

Am 1. Juli sind in Spanien die Knebelgesetze in Kraft getreten, die von der Regierung verharmlosend als „Gesetze zum Schutz der Bürger“ bezeichnet werden. Diese Knebelgesetze stellen eine massive Einschränkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit dar. Sie ermöglichen es, Bußgelder bis zu 600.000 Euro zu verhängen für neu definierte Ordungswidrigkeiten wie beispielsweise Sitzblockaden gegen Zwangsräumungen, spontane Demonstrationen, Versammlungen vor dem Parlament oder in öffentlichen Gebäuden, Aufruf zu Protesten über soziale Netzwerke, das Verbreiten von Fotos von Polizisten, durch die sich diese in ihrer „Sicherheit“ oder „Ehre“ beeinträchtigt sehen.

Verboten ist nun auch, Fotos in der Nähe der Grenzanlagen der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla aufzunehmen, die EU-Außengrenze in Nordafrika. Aus diesem Grund wurde vor kurzem in Melilla der Fotograf José Palazón festgenommen. Ein Foto von José Palazón war letztes Jahr um die Welt gegangen. Es zeigt, wie Flüchtlinge versuchen, kletternd den Grenzzaun in Melilla zu überwinden, während im Vordergrund einige Personen ungerührt dem Golfspiel nachgehen (Siehe beispielsweise Zeit online).

Mit dem Knebelgesetz können Facebook-Postings mehrere hundert Euro kosten: ein Mann auf Teneriffa kritisierte Bürgermeisterin und Lokalpolizei – am selben Tag stand letztere vor seiner Tür und forderte 600 € Bußgeld. Ein anderes Beispiel aus Alicante: eine Frau fotografierte ein Polizeifahrzeug, dass auf einem Behindertenparkplatz abgestellt war und veröffentlichtes dieses Bild auf ihrer Facebook-Seite. Zwei Tage später hatte sie einen Bußgeldbescheid über 800 €.

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Ein Tag in dem Wohnprojekt „Esperanza“

Wir hatten bereits vor einigen Monaten das selbstverwaltete Wohnprojekt „Comunidad la Esperanza“ (Gemeinschaft Hoffnung) vorgestellt (siehe Bericht). Mittlerweile leben 250 Menschen, 150 davon Kinder, in den 4 besetzten Wohnblöcken in Santa María de Guía auf Gran Canaria. Die Bewohner organisieren sich basisdemokratisch in monatlichen Versammlungen. Verschiedene Arbeitsgruppen kümmern sich um die Umsetzung der gemeinsam gefassten Beschlüsse.

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria, die die Besetzung vor zwei Jahren initiiert hat, vermittelt in einem Bericht über den Alltag in der Comunidad la Esperanza anschaulich, wie sich das Leben anfühlt, das von gegenseitiger Hilfe und Solidarität geprägt ist. Hier eine deutsche Übersetzung dieses Textes. Das spanische Original kann auf der Webseite der Anarchistischen Föderation Gran Canaria eingesehen werden.

Es ist 7 Uhr morgens. Ich strecke mich und bereite mich vor, mir das Gesicht zu waschen. Ich drehe den Wasserhahn auf und es kommt Wasser. Die Tonne ist heute also offensichtlich pünktlich gekommen und Blas, Mitglied der Arbeitsgruppe Instandhaltung, konnte die Versorgung um 7 Uhr öffnen, wie es unser Zeitplan für Wassereinteilung vorsieht. Der gute Blas, und alle, die ihm bei der Wartung helfen, kümmern sich um das Wasser und um Feststellung und Behebung von Schäden, damit die Comunidad funktioniert. Sie bekommen nichts dafür. Warum sie es machen? Aus Solidarität und Engagement für „das Projekt“, das ist der einzige Grund.

Ich ziehe mich an und gehe runter in den Hof. Judith und Azu sind gerade dabei, ihn zu fegen und ihn reinigen. Heute ist nicht Montag, unser Tag des allgemeinen Reinemachens, aber sie wollen die Gemeinschaftsbereiche sauber halten. Sie wissen, dass man uns genau auf die Finger schaut, weil wir Hausbesetzer sind. Wenn es drunter und drüber geht beim Saubermachen schließen sich einige Männer an, aber bedauerlicherweise haben die Frauen den größten Anteil an dieser Arbeit. Jedoch herrscht keine Macho-Stimmung: Die Frauen sind bei fast allem die Mehrheit. Diejenigen, die kommen und sich um eine Wohnung bewerben, sind fast immer Frauen. Sie sind die Mehrheit bei den Versammlungen und sie sind diejenigen, die sich dabei am meisten einbringen. Die Arbeitsgruppen werden fast alle von den Frauen organisiert. Wenn es irgendeinen Konflikt gibt, sind die Frauen die ersten, die eingreifen und vermitteln. Das Konzept der Stärke hat in der Comunidad seinen stereotypen männlichen Charakter verloren.

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