Anarchistischer Monatsrückblick: August 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Einige adjektivlose Anarchist*innen

Die vergangenen Wochen:

Australien

Im Rahmen der diesjährigen weltweiten Solidaritätswoche mit anarchistischen Gefangenen wurde das indonesische Konsulat in Sydney besucht. Am Zaun wurde ein Transparent aufgehängt mit der Aufschrift „Bebaskan Tahanan Perang Kelas di Yogya“ (Freiheit für die Klassenkampf-Gefangenen in Yogyakarta). Zusätzlich wurden Flugzettel verteilt. Seit Protesten am 1. Mai diesen Jahres befinden sich mehrere indonesische Anarchisten in Untersuchungshaft. [Palang hitam (englisch)]

BRD

Die FdA (Föderation deutschprachiger Anarchist*innen) hat die neue Ausgabe ihrer monatlichen Zeitung veröffentlicht. Zu lesen gibt es in der August-Ausgabe der Gaidao unter anderem Interviews mit einem Mitglied der Anarchistischen Union Afghanistan und Iran und mit Aktivist*innen des ABC Belarus. Im Vorwort findet sich ein dringender Aufruf: Nachdem einige Leute wegen Überlastung ausgestiegen sind, braucht die Redaktion dringend Unterstützung. Wer Beiträge schreiben oder sich anderweitig einbringen kann und möchte, ist eingeladen, sich bei der Redaktion melden. Derzeit sind folgende Schwerpunkte geplant und Texte dazu wären willkommen: Repression und Antirepressionsarbeit. Gesundheit (wie könnte eine alternative Gesundheitsversorgung organisiert sein?). Konkrete Beispiele anarchistischer Praxis/Projekte. Download der aktuellen Gaidao oder online lesen: [FdA-IFA]

Die Jubiläums-Ausgabe von Circle-A ist erschienen. Die Macherinnen und Macher der anarchistischen Zeitung aus Dresden luden bei Barbecue und Cocktails zum Schmökern in der neuen Ausgabe ein. Die Veröffentlichunsgparty war wie immer von DIY-Werkstatt und Quiz begleitet. [and.notraces | Malobeo]. Download der aktuellen Ausgabe von Circle-A: [and.notraces]

Anlässlich der weltweiten Solidaritätswoche mit anarchistischen Gefangenen haben kaos München einen Text Namens „Die Rolle der Gefängnisse innerhalb der Gesellschaft“ verfasst. Veröffentlicht wurde er auf ihrer eigenen Seite und in der aktuellen Ausgabe von Die Lifestyleanarchist*in. [Lifestyleanarchistin | ka-os-muc]

A & O (Anarchistische Aktion & Organisierung) Kassel machte die nächste Sendung des anarchistischen Radios Kassel zum Thema rechtsextreme Aktionen, Strukturen und Personen in Kassel und Umgebung. Mit dabei waren Antifa Info Kassel. [Ⓐ-Infos Kassel]

Das Anarchistische Radio Berlin hat seinen Rückblick auf den Juli veröffentlicht. Ein ernster und satirischer Blick auf Ereignisse des letzten Monats aus libertärer Perspektive. Themen des Podcasts sind diesen Monat unter anderem: Die Hausdurchsuchung bei den Zwiebelfreunden, Shitbarricade (Hambacher Forst), Contrahistoria (der neue Film von Leftreport). Außerdem steht der Podcast im Zeichen der bevorstehenden Solidaritätswoche mit anarchistischen Gefangenen. So gibt es Praxistipps, was bei Briefen an Gefangene zu beachten ist, Infos über das Anarchist Black Cross Dresden und eine internationale Liste anarchistischer Gefangener. Den libertären Podcast anhören oder herunterladen: [ARadio]

Im monatlichen Wechsel senden die Libertäre Gruppe Karlsruhe und die FAU Karlsruhe auf Querfunk 104,8 MHZ Radio A, Informationen rund um Anarchie und Arbeitskampf. Die Sendung vom 12. August kann auf dem Blog nachgehört werden: [Radio A]

Anlässlich des einjährigen Verbots der unabhängigen Medienplattform Linksunten Indymedia hat das freie Radio Dreyeckland aus Freiburg eine Sondersendung zum Thema veröffentlicht. [RDL]

Der Comic „Anarchist in Anführungsstrichen“ über Erich Mühsam wird vorgestellt bei [der Freitag].

Der Text „From Democracy to Freedom“ von Crimethinc wurde von Black Mosquito ins Deutsche übersetzt und als Buch veröffentlicht. Eine Besprechung dieses Buches ist in der Zeitung [Neues Deutschland] erschienen (Bezahlsperre lässt sich wegklicken). Es geht unter anderem um negative Erfahrungen, die Aktivisten bei Platzbesetzungen wie #15M oder Occupy Wall Street gemacht haben. Wer Interesse an Lesungen hat, kann sich gern bei Black Mosquito melden, schreiben sie in ihrem aktuellen Newsletter [Black Mosquito].


Es gab einen faschistischen Angriff auf das Libertäre Zentrum Magdeburg. Beschädigt wurden dabei zwei Fenster, ein Umsonstladen-Regal und eine Metallskulptur, die vor dem Gebäude stand. Eine schlafende Person wurde nur knapp von einem mehreren Kilogramm schweren Stein verfehlt. Bericht und Fotos: [Indymedia | Infoladen Salbke-Kollektiv Magdeburg | Infoladen.Blogsport]

Einen Infostand gab es während zweier Tage bei 39. Umsonst und Draußen-Festival in Stuttgart. Das Infomaterial zu Themen wie Anarchismus, Anarcho-Syndikalismus und dem Widerstand im Hambacher Forst wurde stilvoll mit Stöcken und Steinen beschwert, damit es nicht vom Wind über die Wiese verteilt wird. Durchgeführt wurde der Infostand von Menschen aus mehreren anarchistischen Organisationen und Projekten: A-NeSt (Anarchistisches Netzwerk Stuttgart), LB² (Libertäre Bündnis Ludwigsburg), Umsonstladen, Villa Galgenberg und Libertäre Gruppe Nürtingen. Das Interesse am Stand war groß. Die schwarze Fahne ein beliebtes Foto-Motiv. [Umsonstladen_NT | U & D Stuttgart | LBQuadrat]

Jan wurde wegen Widerstand zu 2.700 Euro Geldstrafe verurteilt. Die anderen Anklagepunkte – tätlicher Angriff und versuchte Körperverletzung – wurden fallengelassen. Jan hatte gemeinsam mit anderen in Nürnberg versucht, die Abschiebung eines Berufsschülers zu verhindern. Die Staatsanwaltschaft hatte 6 Monate Haft ohne Bewährung gefordert. Sobald fest steht, dass diese nicht in Berufung geht, folgt ein ausführlicherer Prozessbericht auf der Seite [Ausbruch.Aufbruch].

Kurz vor dem Prozessauftakt gegen Jan haben Aktivist*innen in Karlsruhe ein Zeichen der Solidarität mit Jan und allen Antirassist*innen gesetzt: In der Stadt wurden mehrere Plakate, Transparente und Aufkleber in die Öffentlichkeit gebracht [Ausbruch.Aufbruch | Libertäre Gruppe Karlsruhe].

Bei Protesten gegen einen Polizeieinsatz im Hambacher Forst wurden Aktivist*innen festgenommen und kamen in Untersuchungshaft. Einige davon weigerten sich, ihre Namen preiszugeben. Deswegen wurden sie UP (Unbekannte Person) genannt und nummeriert. Eine von ihnen, UPIII, wurde jetzt zu 9 Monaten verurteilt, ohne Bewährung. Weil sie die Proteste, bei denen Böller auf die Cops geflogen sein sollen, trommelnd unterstützte.
ABC Rhineland veröffentlicht regelmäßig Briefe von UPIII aus dem Knast heraus.

Adresse für Solidaritätspost (bitte auf englisch schreiben):
Unbekannte Person III / Samantha Hattonen
JVA Köln
Rochusstraße 350
50827 Köln [Hambacher Forst | taz | ABC Rhineland | A las barricadas (spanisch)]

Der Hambacher ForstErotikkalender 2019 ist jetzt bei Black Mosquito erhältlich. „In der nächsten Rodungssaison erwarten uns viele einsame Nächte in Baumhäusern. RWE wird versuchen unsere Stämme zu fällen, aber wir bleiben standhaft. Damit es nicht ganz so einsam wird gibt es nun den Hambacher Forst Erotik-Kalender 2019. Denn Kohleausstieg ist Handarbeit – und dabei kann ein Bisschen Inspiration nicht schaden. (…) Und bei diesem Erotik-Kalender habt ihr die Garantie, dass alle an der Produktion beteiligten Menschen Spaß dabei hatten, was ja leider in der Pornoindustrie erschreckend wenig Normalität ist. Wenn ihr damit genau so viel Spaß habt, ist ja schon was gewonnen.“ [Hambi bleibt | Black Mosquito | Neues Deutschland (Bezahlsperre lässt sich wegklicken)]

Ein Interview mit der anarchistischen Gefangenen Lisa. Lisa wurde wegen Bankenteignungen in Aachen zu 7 Jahren Haft verurteilt. Das Interview gibt Einblicke in den Knastalltag.

Lisa 2893/16/7
JVA Willich II
Gartenstraße 2
47877 Willich [ABC-Wien | Panopticon]

Erfolgreiche Kampagne der anarcho-syndikalistischen FAU (Freie Arbeiter*innen Union) Hannover gegen schlechte Arbeitsbedingungen bei Blumenläden: Den Angestellten wurde nicht nur ein höherer Stundenlohn versprochen. Auch die Stundenzahlen der Floristinnen sollen verkürzt und zusätzliche Mitarbeiterinnen eingestellt werden. [taz]

Unter dem Motto „Kein Werben fürs Sterben“ gab es antimilitaristische Proteste gegen die propagandistische Präsenz der Bundeswehr auf dem Stadtfest in Münster. Mit dabei war auch Bernd Drücke, Redakteur der Graswurzelrevolution. Das Plakat, das er trug, ein zerbrochenes Gewehr, ist eines der Symbole des Anarcho-Pazifismus. Foto/Kurzbericht: [Bernd Drücke]. Ein Video: [Münster Tube].

Chile

Einen Brief von Juan Aliste Vegas aus dem Gefängniskrankenhaus übersetzte Anarchist Black Cross Wien ins Deutsche und veröffentlichte ihn auf ihrer Seite: [ABC-Wien].

England

Bei der zweiten Radikalen Buchmesse in Dorset (Dorset Radical Bookfair) wurde eine solidarische Grußbotschaft geschickt an die Anarchisten in Indonesien, die seit dem 1. Mai in Haft sind, und an alle anderen anarchistischen Gefangenen. Auf dem Transparent stand „Bis alle frei sind“ und „Kalian Tidak Sendiri“(„ihr seid nicht allein“). Gepostet wurde das Foto von der Anarchist Federation Bristol. [Anarchist Federation Bristol | Dorset Bookfair (beide: englisch)]

Etc

In der [Jungle world] erschien ein Artikel über Luigi Lucheni. Luigi Lucheni erstach vor 120 Jahren die Kaiserin von Österreich. Er verstand sich als Individual­anarchist und als Vertreter der Propaganda der Tat.

Griechenland

Mit einer Aktion in der österreichischen Botschaft in Athen protestierte die anarchistische Gruppe Rouvikonas gegen den in Österreich geplanten 12-Stunden-Tag. Ein Video der Aktion: [th1an1 (englisch)]

Der oberste Gerichtshof in Griechenland hat die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch von Tasos Theofilou abgelehnt. Der Anarchist Tasos Theofilou war von allen Anklagepunkten freigesprochen worden. Der Staatsanwalt Ioannis Aggelis legte daraufhin Berufung gegen dieses Urteil ein. [Enough is enough 14 (englisch) | Instinto salvaje | Publicación Refrectario (beide: spanisch)]

Indonesien

Im Vorfeld des Gefängnisstreiks bekam Palang Hitam Indonesia – das indonesische Anarchist Black Cross – Gelegenheit, sich im Parklife Space in Pontianak vorzustellen. Dabei berichteten sie auch über ihre bisherige Unterstützungstätigkeit für die Anarchisten, die am 1. Mai bei Demos festgenommen wurden und sich seitdem in Untersuchungshaft befinden. [Palang Hitam Indonesia (1) | (2) (beide: englisch)]

In der ersten Sendung eines Podcasts aus Pontianak wurde diskutiert über Anarchismus, die Geschichte des Anarchismus in Indonesien, Anarchist Black Cross, der Gefängnisstreik und anarchistische Literatur. Geplant ist, dass der Podcast künftig alle drei Wochen veröffentlicht wird. die zwei Macher des Podcasts bitten um Beiträge und Zusammenarbeit, sei es in Form von Kritik oder Ratschlägen oder in Form von eingesandten Liedern, Büchern und Fanzines, die besprochen werden sollen. [Palang Hitam Indonesia | Freedom paper (beide: englisch) | Budapodcast (englisch/indonesisch)]

Italien

Die insurrektionalistische Gruppe Haris Hatzimihelakis/Internazionale nera hat die Verantwortung übernommen für einen Bombenanschlag auf einen Sitz der rechtsextremen Partei Lega Nord in Villorba. Es wurde niemand dabei verletzt. [th1an1 | Ansa (beide: englisch) | CGT Girona | Revolución real ya (beide: spanisch)

Niederlande

Im Rahmen der weltweiten Solidaritätswoche für anarchistische Gefangene wurden in Den Haag mehrer Transparente aufgehängt. [Autonomen Den Haag (englisch)]

Österreich

Eine Solidaritätsaktion für UPIII, die wegen Protesten im Hambacher Forst zu 9 Monaten ohne Bewährung verurteilt wurde, gab es beim A-Camp in Haag. [Hambi bleibt | A-Camp]

Das Anarchist Black Cross Wien hat die neue Ausgabe seines informativen Newsletters veröffentlicht. Themen bei Bruchstellen #37 sind unter anderem solidarische Grüße aus Wien an die Betroffenen der G20– & CIGEO-Razzien, die weltweite Solidaritätswoche für anarchistische Gefangene, ein Update zu den anarchistischen Gefangenen in
Yogyakarta (Indonesien) und ein Aufruf, dass der Gefangene Eric King und seine Familie dringend Unterstützung brauchen. Download von Bruchstellen #37: [ABC-Wien].

Rojava

Eine ehemalige Aktivistin aus dem Hambacher Forst ist nach Rojava gegangen. In einem Brief an die ehemaligen Gefährten berichtet sie von ihren Eindrücken, die sie dort sammelt:

Die Menschen hier in Rojava sind auf dem Weg in die Freiheit. Kleine Mädchen hüpfen nachts allein in kurzen Hosen durch die Straßen, ohne Angst vor Männern, vor Daesh, vor dem Regime. Keiner kann ihr etwas tun. Die Städte werden wieder aufgebaut, die Landschaft, die Bäume blühen wieder. Überall wächst und blüht es. Die Daesh sind beinahe vernichtet. Sie haben Angst vor denen “mit den roten Schuhen” (kurdischen Kämpfer*innen). Das Regime hat fast nirgendwo mehr Macht. Geld interessiert hier niemanden. Kein Mensch hungert weil alle zusammen halten trotz der Schwierigkeiten von Embargo und Krieg. So viele Geflüchtete. Keine Hilfe aus dem Westen. Also organisieren sich die Geflüchteten sogleich selbst, bilden Kommissionen, lassen sich nicht unterkriegen. Ein Zeichen wie sehr Staaten nicht gebraucht werden.

[Hambacher Forst]

Schweiz

Die Anarchistische Gruppe Bern hat anlässlich der globalen Solidaritätswoche zusammen mit der RJG Bern und Einzelpersonen in einer gemeinsamen Transpi-Aktion an die zahlreichen anarchistischen Gefangenen auf der ganzen Welt erinnert. [anarchistisch.ch]

Spanien

Bei [Telepolis] erschien ein Artikel über das anarchistische, vegane und Straight Edge-Kollektiv SxE Madrid. Das Kollektiv war zur im Rahmen der operación ICE zur Zielscheibe staatlicher Repression geworden. Der fingierte Vorwurf lautete Terrorismus. Eines der Mitglieder von SxE Madrid, Nahuel, saß 16 Monate in Untersuchungshaft. Letztendlich wurden vor Gericht alle Anklagepunkte gegen ihn und die anderen fallen gelassen. Es kam zu Freisprüchen für alle angeklagten Mitglieder.

In einem Interview mit der spanischen Zeitung El diario berichtet Nahuel wie er die Hausdurchsuchung bei ihm und die Zeit in den verschiedenen Haftanstalten erlebt hat und welche Folgen die 16 Monate Knast auf ihn persönlich hatten. So berichtet er, dass es es ihm aufgrund der Isolation im Knast, der er ein Jahr ausgesetzt war, immer noch schwer falle, mit Menschen zu sprechen. Vor der Haft sei er ein fröhlicher Mensch gewesen, der viel gelacht habe. Das sei ihm abhanden gekommen, wie seine Freunde ihm sagten. Er befände sich nun aufgrund seiner Knasterfahrungen mit der täglichen Gewalt in einem dauerhaften Alarmzustand. [El diario (spanisch)]

Ebenfalls bei El diario erschien ein Artikel über die Repression gegen SxE Madrid und den Prozess [El diario (spanisch)].

Ein weitere Artikel bei El diario widmet sich den operación Pandora, operación Piñata und operación ICE: Drei stattlichen Repressionswellen „gegen einen anarchistischen Terrorismus, der nie existierte“, wie die Schlagzeile des Artikel lautet. In allen Fällen war es zu massiver Repression gegen Anarchisten gekommen, einschließlich Hausdurchsuchungen und Untersuchungshaft. In allen Fallen wurden die Verfahren letztendlich eingestellt. [El diario (spanisch)]

USA

Die anarchistische Föderation Black Rose/Rosa Negra hat in Los Angeles (Kalifornien) ihren 5. Kongress abgehalten. Dabei waren Genossinnen und Genossen aus ganz USA und Lateinamerika. [Black Rose/Rosa Negra (englisch)]. Es wurde eine solidarische Grußbotschaft gerichtet an die feministische Bewegung in Argentinien, die für ihr Recht auf legale, kostenlose und sichere Abtreibung kämpft. In Argentinien fand eine Abstimmung darüber statt. [Black Rose/Rosa Negra (englisch/spanisch) | It’s going down (englisch)]

Weltweit

Vom 23. bis zum 30. August fand bereits das sechste Jahr in Folge der weltweite Solidaritätstag für anarchistische Gefangene statt.  Der Termin wurde gewählt, weil am 23. August 1927 Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti hingerichtet wurden. [solidarity.international (englisch)]. Aktivitäten während der Solidaritätswoche in Dresden: [ABC DD].

Am ersten Jahrestag ihrer Ermordung wurde an vielen Orten rund um die Welt an Heather Heyer erinnert. Die 32-Jährige war bei einem Attentat getötet worden, als sie in Charlottesville (USA) gegen die rassistische Demo „Unite the right“ demonstrierte. Fotos und Kurzberichte von Gedenkaktionen: [Its going down (englisch)]. Infos über Heather Meyer: Wikipedia]

Historische Jahrestage:

Zum Auffrischen der Erinnerung – der Anarchistische Monatsrückblick vom August 2017: [Bodenfrost]

Am 3. August 1907 wird in Barcelona die lokale Gewerkschaftsföderation Solidaridad Obrera gegründet. Solidaridad Obrera wurde zur Keimzelle für die anarchosyndikalistische Gewerkschaftsföderation CNT [Wikipedia | Libcom (beide: englisch)].

Am 8. August 1897 erschießt der italienische Anarchist Michele Angiolillo den spanischen Premierminister. Nach der Tat lässt sich Angiolillo festnehmen. Noch im August wird er auf der Garrotte hingerichtet. Angiolillos Ziel war nicht zufällig gewählt: Der spanische Premierminister war verantwortlich für brutale Repression gegen Anarchistinnen. Hunderte von ihnen ließ dieser in den Knast werfen, wo ihnen mit Folter Geständnisse abgepresst wurden. [Wikipedia].

Vom 8. – 12. August 2012 findet ein anarchistisches Treffen in St. Imier statt. 3000 Anarchistinnen und Anarchisten aus aller Welt versammeln sich in der kleinen Gemeinde im Schweizer Jura mit damals gerade einmal 4800 Einwohnerinnen und Einwohnern. Anlass ist das 140. Jubiläum der ersten anti-autoritären Internationalen, die 1872 als Antwort darauf gegründet wurde, dass Marx die Anarchist*innen aus der Internationale Arbeiterassoziation (IAA) drängte. Gegründet wurde die antiautoritäre Internationale bei einem Kongress in St. Imier.

Zwei Ankündigungen: [Syndikalismus (1) | (2)]

Die ursprüngliche Seite der Veranstalter*innen, [anarchisme2012.ch], ist nicht mehr online. Allerdings sind noch mehrere Snapshots verfügbar im [Internet Archive].

Öffentliche Stellungnahme des IFA-Kongresses: [FdA-IFA]

Einige persönliche Impressionen: [FAU]

Eindrücke von dem Treffen hat auch der Dokumentar-Film „Projekt A – Eine Reise zu anarchistischen* Projekten in Europa“ verewigt [ProjektA-Film].

Presse-Berichte: [Tagesanzeiger | Spiegel | Blick.ch | Basler Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Weser Kurier | News.at | Sächsische Zeitung | Berner Zeitung]

Am 11. August 1917 erscheint die erste wöchentliche Ausgabe der russischen anarchosyndikalistischen Zeitung Golos Truda. Im März 1921 sagte Lenin, Führer der Bolschewiki, den „kleinbürgerlichen Elementen“, darunter vor allem den Anarchosyndikalisten, den Kampf an. Dies hatte sofort zur Folge, dass die Verlags- und Druckräumlichkeiten von Golos Truda in Sankt Petersburg und ein Büchergeschäft in Moskau von der Cheka geschlossen wurden und mit Ausnahme von sechs Mitglieder von Golos Truda festgenommen wurden. Trotz des Verbots der Zeitschrift setzten diese ihre Arbeit fort. Das Golos Truda-Kollektiv wurde schließlich 1929 vom stalinistischen Regime ausgelöscht. [Wikipedia].

Am 11. August 1964 wird der schottische Anarchist Stuart Christie festgenommen. Er hatte ein Attentat auf Franco versucht. Von einem Militärgericht wurde er zu 20 Jahren Knast verurteilt. Aufgrund des internationalen Drucks wurde er nach 3 Jahren freigelassen. Diese Erlebnisse hat er in dem autobiographischen Buch „Meine Oma, General Franco und ich“ verarbeitet und erzählt. Motivation war ihm unter anderem die Hinrichtung der jungen Anarchisten Francisco Granados und Joaquín Delgado 1963. [Pastebin | Wikipedia].

Am 12. August 1883 erscheint in Lyon die erste Ausgabe der Zeitung Le drapeau noir (die schwarze Fahne). Dadurch erhöht sich die Popularität dieses Symbols innerhalb der anarchistischen Bewegung. Die Anarchistin Louise Michel sprach sich anlässlich eines Treffens im Jahre 1882 in Paris erstmals öffentlich für die Verwendung der schwarzen Fahne aus. Dies, um sich besser von den autoritären und parlamentarischen SozialistInnen abgrenzen zu können. Am 9. März 1883, anlässlich einer Demonstration von 15.000 Arbeitslosen in Paris, schwenkte Louise Michel eine schwarze Fahne – ein schwarzer Rock an einem Besenstiel – um die Leute um sich zu vereinen.

Assoziiert wird die schwarze Fahne auch mit Streik. Sie steht für Antinationalismus, da sie die Negierung aller Nationalstaatsflaggen darstellt. Die schwarze Fahne steht zudem als Kontrast in eindeutiger Opposition zur weißen Fahne, dem Symbol des Aufgebens, des Sichbeugens.

Weitere Geschichte und Bedeutungen der schwarzen und der schwarz-roten Fahne: [Anarchismus.at]

Am 16. August 1907 wird in Versailles Georgete Léontine Roberte Kokoczynski geboren.

1925 zieht sie mit dem Anarchisten Fernand Fortin zusammen und gehört „Éducation Sociale“ an, eine von Fernand Fortin in Loches gegründete Gruppe. Dort fängt sie an sich an Demonstrationen und Festivals zu beteiligen. 1928 kehrt sie nach Paris zurück. Unter dem Künstlerinnennamen Mimosa wird sie Teil einer Theatergruppe, die mit Gesang, Gedichtslesungen und Schauspiel bei den libertären Treffen und Festivals bunte Akzente setzt.

Am 28. August 1936 ist sie bei einer Unterstützungs-Kundgebung für die soziale Revolution, die zu diesem Zeitpunkt in Spanien im Gange ist. Sie entschließt sich, sich direkter einzubringen. Am 18. September 1936 geht sie nach Spanien und schließt sich der Kolonne Durruti an. Sie kommt an die Aragon-Front. Dort kümmert sie sich, gemeinsam deutschen Anarchistinnen Augusta Marx und Madeleine Gierth, um Krankenstation und Küche.

Am 17. Oktober 1936 stirbt Georgete Léontine Roberte Kokoczynski bei der Schlacht von Perdiguera (in der Nähe von Zaragoza in Aragon). Mit ihr werden dutzende weitere Pflegerinnen und Pfleger und internationale Freiwillige getötet. Die genauen Umstände ihres Todes sind ungeklärt, aber es scheint, als wäre sie von franquistischen Truppen gefangen genommen und erschossen worden. [Kate Sharpley library| Working class history | The free library (alle drei: englisch) | Patxiacarata (spanisch)]

Am 17. August 1963 werden in Spanien die Anarchisten Francisco Granados Gata und Joaquín Delgado Martínez unschuldig hingerichtet.
Ihnen wurde vorgeworfen, für einen Bomben- anschlag auf eine Passbehörde verantwortlich zu sein. Innerhalb von nur 18 Tagen wurden sie festgenommen, in Haft verhört und gefoltert, vor einem Militärgericht hinter verschlossenen Türen zum Tode verurteilt und auf der Garrotte ermordet.

Die einzigen „Beweise“ gegen sie waren Aussagen, die unter Folter getroffen wurden. Granados (27) und Delgado (29) stritten jede Beteiligung an dem Anschlag ab. Auch der Consejo Ibérico de Liberación, dem Granados und Delgado angehörten, erklärte, dass die beiden nicht das geringste damit zu tun haben. Der Consejo Ibérico de Liberación war eine anarchistische Untergrund-Bewegung, die sich dem Kampf gegen das faschistische Franco-Regime verschrieben hatte.

1998 bekannten sich die Anarchisten Antonio Martin und Sergio Hernandez zu der Tat, die Granados und Delgado vorgeworfen worden war. Dennoch wurden Granados und Delgado nicht rehabilitiert, das Urteil von 1963 nicht rückgängig gemacht [Poumista | Kate Sharply Library (beide: englisch) | Portal Oaca | El país | Justicia y dictadura (alle drei: spanisch) ].

Am 20. August 1937 fand in Valencia der erste nationale Kongress der anarchofeministischen Organisation Mujeres Libres statt. Es waren Delegationen von lokalen Gruppierungen aus ganz Spanien vertreten. Auf dem Kongress wurde beschlossen, eine Föderation zu bilden. [Anarchismus.at | CNT Puerto Real | Rojo y negro (beide: spanisch)].

Am 23. August 1927 werden Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti in den USA auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Sacco und Vanzetti, zwei in der anarchistischen Arbeiterenbewegung aktive italienische Einwanderer, wurden 1920 unter dem Vorwurf verhaftet, in Massachusetts einen Raubmord begangen zu haben. Obwohl beide Alibis für die fragliche Zeit hatten und es im Gerichtsverfahren zahlreiche Unstimmigkeiten gab, wurden sie zum Tode verurteilt. Die Gerichtsfarce und der Justizmord lösten in der internationalen Arbeiterenbewegung einen Sturm der Empörung und eine weltweite Solidaritätskampagne aus, mit Massendemonstrationen und Petitionen.

1977 wurden Sacco und Vanzetti durch den Gouverneur von Massachusetts rehabilitiert. [Anarchismus.at | Wikipedia].

Am 24. August 1936 wird María Silva Cruz, genannt María la libertaria, in Spanien von Faschisten erschossen.

Geboren wurde sie 1915 in Casas Viejas, ein Dorf bei Cádiz, Spanien.

Ihre Großmutter, Catalina Jiménez, führt ihre Enkelin in die libertäre Ideenwelt ein. Bei Kerzenschein laß sie ihr stundenlang aus anarchistischen Romanen vor. Marías Vater, Juan Silva, war Mitglied der anarcho- syndikalistischen CNT, ebenso wie weitere Mitglieder ihrer Familie.

María gehörte einer Gruppe anarchistischer Frauen an, die sich „Amor y Armonía“ (Liebe und Harmonie) nannte. Diese Gruppe stand den Juventudes Libertarias, einer libertären Jugendorganisation, nahe.

1932 wurde sie bei einem Spaziergang von einem Guardia Civil aufgefordert, ihr schwarz-rotes Halstuch abzulegen. Als sie sich weigerte, wurde sie geschlagen. Sie setzte sich mit einer Ohrfeige zur Wehr. Der Guardia Civil drohte ihr: „Das wirst du mir bezahlen, du Anarchistin!“ Von da an war sie unter diesem Namen bekannt, la libertaria (die Anarchistin).

Als am 11. Januar 1933 in Casas Viejas der libertäre Kommunismus ausgerufen wurde, patrouillierte sie mit einer schwarz-roten Fahne und einer Pistole durch die Straßen des Dorfes.
Als die Guardia Civil in das Dorf einfiel, und den anarchistischen Aufstand auf mörderische Weise niederschlug, versteckte sich María in der Hütte ihres Großvaters, Francisco Cruz Gutiérrez, bekannt als „Seisdedos“ (Sechsfinger). Als die republikanischen Repressionsorgane die Hütte in Brand steckten, gelang es María und ihrem Vetter als einzigen, lebend zu entkommen. Alle anderen wurden beim Versuch von der Guardia Civil niedergeschossen.

Die Guardia Civil richtete ein entsetzliches Blutbad unter den Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern an, das die Regierung – erfolglos – zu vertuschen versuchte. María wurde festgenommen und kam in das Gefängnis von Medina. Dort wurde sie sexuell belästigt, ihr wurde medizinische Versorgung verweigert und Post an sie wurde zensiert.

Am 21. Februar 1933 wurde sie freigelassen. Höchstwahrscheinlich um den Druck zu verringern, dem sich die Regierung ausgesetzt sah, als das Massaker von Casas Viejas in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Gemeinsam mit ihrem Partner Miguel ging sie nach Madrid und später nach Paterna. 1935 brachte sie ihren Sohn Sidonio zur Welt.

Im Juli 1936 besetzten putschende Truppen Paterna. María fiel im August den Franco-Faschisten in die Hände. Über ihren Aufenthaltsort bis zur Ermordung gibt es widersprüchliche Angaben. Ungeklärt ist ebenfalls der genaue Ort ihrer Ermordung und was danach mit ihrer Leiche geschah. [Wikipedia | CNT Puerto Real (beide: spanisch)]

24. August 1944: Paris wird befreit. Die erste alliierte Einheit in der seit vier Jahren durch Nazis besetzten Stadt ist „La Nueve“ (die Neunte). Sie besteht zum größten Teil aus spanischen Anarchisten, Sozialisten und Kommunisten. [Deutschlandfunk Kultur | Libcom (englisch)].

Nach zwanzigmonatiger Untersuchungshaft findet vom 26. bis 28. August 1936 ein Gerichtsverfahren gegen sieben Anarchosyndikalisten statt. Dieses Gerichtsverfahren stellt das definitive Ende der in den Jahren 1933 und 1934 bestehenden illegalen Organisationsstrukturen der FAUD (Freie Arbeiter Union Deutschland) in Südwestdeutschland, südlich der Main-Linie, dar.

Zugleich weist dieser Prozess vor dem Zweiten Senat des Volksgerichtshofs in Darmstadt eine weitere Besonderheit auf: Es ist die erste juristische Verhandlung des Volksgerichtshofs gegen die FAUD und somit gegen die anarchosyndikalistische Bewegung überhaupt. Insgesamt gelang es der Gestapo durch Unterwanderung und Spitzelwesen, aber auch infolge von Unvorsichtigkeiten einzelner Widerstandsaktivisten, bis 1935/36 annähernd das gesamte organisatorische Gefüge des Arbeiterwiderstandes gegen die Nazis lahmzulegen. [FAU]

Am 30. August 2009 stirbt der anarchistische Schriftsteller und Aktivist Horst Stowasser an einer Blutvergiftung. Sein Buch „Freiheit pur“ ist eine zugängliche und umfassende Einführung in das Thema Anarchismus. Es kann als PDF kostenlos heruntergeladen werden bei [Mama Anarchija]. Die gedruckte Version ist unter dem Titel „Anarchie!“ erhältlich. Eine Gedenkseite für ihn auf [DadA Web].

Termine:

Die Aktivist*innen haben aktuell die Annahme dass es zwischen dem 22. August und dem 22. September 2018 zu Großräumungen im Hambacher Forst bis hin zu deiner Räumung der Besetzung kommen kann. Die größte Stütze der Annahmen seien ihne zugespielte Informationen, die sich gezielt auf diesen Zeitraum festlegen. [Hambacher Forst]

31. August – 01. September 2018: Sommerfest und Wasserbombenparade der Villa Galgenberg. Das Programm: [Villa Galgenberg/Facebook (1) | (2)]

September 2018: 7. anarchistische Buchmesse in Montevideo, Uruguay [contrainfo (englisch)]

Am 9. September 2018 findet von 11 – 19 Uhr die zweite Auflage des anarchistischen Parkfests im Blücherpark (Dortmund, Hafenviertel) statt. [Anarchistische Gruppe Dortmund]


9. – 16. September 2018: Libertäre Tage in Dresden. Das Programm: [and.notraces | FAU Dresden]


Am 15. September 2018, ab 14 Uhr, feiert der Infoladen in Wels seinen zwanzigsten Geburtstag. [Infoladen Wels]


15. September 2018: 12. Anarchistische Buchmesse in Dublin [Enough is enough 14 (englisch)].

22. September 2018: Solidaritätskonzert für den Infoshop 56a in London, den es bereits seit 1991 gibt. [56a infoshop (englisch)]

20. – 21. Oktober 2018: Anarchist festival in London [anarchistfest (englisch)]

26. – 28. Oktober 2018: anarchistische Buchmesse in Lissabon [Contrainfo | contrainfo (englisch)]

Vorschau auf anarchistische Buchmessen 2018: [Anarchist bookfairs | Freedom news (beide: englisch)]

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