Anarchistischer Monatsrückblick: Februar 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

Die vergangenen vier Wochen:

Weil 9 Aktivisten aus dem Hambacher Forst in Untersuchungshaft gesteckt worden waren, wurde zu Solidaritäts-Aktionen aufgerufen. Dass am Vortag des dezentralen Aktionstags 5 davon wieder freigelassen wurden, tat der Mobilisierung keinen Abbruch. In zahlreichen Städten gingen Menschen auf die Straße, um die Freilassung der verbleibenden 4 zu fordern. Fotos vom Aktionstag: [Hambacher Forst]

In Stuttgart gab es eine Anti-Repressions-Kundgebung für die Gefangenen wegen G20 und dem Hambacher Forst. An einem Infotisch wurde die Möglichkeit angeboten, den Gefangenen Solidaritäts-Post zu schreiben. Zu diesem Zweck gab es Karten mit anarchistischen Motiven und vorbereitete Adress-Aufkleber.

Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) beteiligte sich ebenfalls an dem Aktionstag für den Hambacher Forst [FdA-IFA/Twitter]:

Eine der 9 Personen, die in Untersuchungshaft war, sprach nach ihrer Freilassung mit Radio Dreyeckland über den Hambacher Forst, Personalienverweigerung, Solidarität von Außen und Knasterfahrungen allgemein: [RDL]

„Der Hambacher Forst und die Anarchie“ lautet die Schlagzeile eines Artikels in der Februar-Ausgabe der anarchopazifistischen Zeitung Graswurzelrevolution: [Graswurzel]

In der Silberburg in Nürtingen fand ein Solidaritäts-Abend für den Hambacher Forst statt. Neben einem Vokü-Buffet wurden auch vegane Soli-Muffins angeboten. Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein Dokumentar-Film aus dem Hambacher Forst. Gezeigt wurde eine versuchte Räumung 2017 aus der Perspektive eines am Baum angeseilten Aktivisten. Das musikalische Programm bestritt das Duo Caribio und Wolf. Mit Gitarre, Ukulele und manchmal a capella trugen sie Arbeiter-, Protest- und Widerstandslieder vor, die teilweise textlich an das Thema das Abends angepasst worden waren.


Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen hat die neue Ausgabe ihrer Zeitung veröffentlicht. Themen sind unter anderem Afrin, Plattformismus, Widerstand gegen die rechte Regierung in Österreich, Interview mit einem einer Exilaktivistin der Kommunistischen Arbeiter*innenpartei zur Lage im Iran, ein Bericht zum Schauprozess von Ahmed H., der gegen die Grenzschließung in Ungarn protestiert hatte.
Die Gaidao Nr. 86 bestellen/online lesen/herunterladen: [FdA-IFA].

Das Anarchistische Radio Berlin hat den neuen Libertären Podcast veröffentlicht. Ein ernster und satirischer Blick auf Ereignisse des letzten Monats aus libertärer Perspektive. Einige der Themen: Auswege aus der Leistungsgesellschaft/Widerstand von Erwerbslosen, Dortmund/eine anarchistische Rundreise. Anhören und/oder Download: [ARadio]

Das Anarchistische Radio Berlin hatte die Gelegenheit mit dem A-Radio Wien eine Sendung zu gestalten. Diese geriet diese zu einer Art Rückblick auf das Jahr 2017. Mit dabei: Linksunten Indymedia, die Friedel54, der Kampf im Hambacher Forst und mehr. [ARadio]

In der Februar-Ausgabe vom Anarchistischen Hörfunk aus Dresden geht es um Seenotrettung im Mittelmeer. Der Aufhänger für dieses Thema war zu schauen, was aus Mission Lifeline wurde. Lange Zeit wurde für ein Boot gesammelt. Dieses ist schon seit einer Weile auf dem Meer im Einsatz. Beim Anarchistischen Hörfunk Dresden war ein Studiogast, der Teil des Mission Lifeline-Projektes ist, und am Telefon sprach ein Mensch direkt vom Schiff aus. [and.notraces]

Die Union Coop ist ein Zusammenschluss selbstverwalteter Betriebe. Zwei Mitglieder hatten – auf eher informeller Ebene – Gelegenheit verschiedene Initiativen in Spanien zu besuchen. Sie trafen sich nicht nur in verschiedenen Städten mit Mitgliedern der anarchosyndikalistischen Basisgewerkschaft CNT, sondern besuchten auch deren Stiftung und verschiedene Projekte der Kooperative ACTYVA. Auch für einen Abstecher zum Weingut des Verano Ácrata (anarchistischer Sommer) reichte die Zeit. Der ausführliche Bericht: [Union-Coop]

Peter Nowak führte für die Graswurzelrevolution ein Interview mit Union Coop [Peter-Nowak-Journalist].

Die [taz] berichtete über eine Initiative, die Gustav Landauer in Berlin ein Denkmal setzen will. Der Anarchopazifist und Anarchokommunist war an der Münchner Räterepublik im April 1919 beteiligt. Nach deren gewaltsamer Niederschlagung wurde er von rechten Freikorps-Soldaten in der Haft ermordet.

Mitglieder der Schwarz-Roten Bergsteiger und der FAU Dresden fertigen derzeit einen Ersatzstein für die Gedenktafel am Hirschgrund bei Kurort Rathen an. An diesem Ort sollen während des NS-Regimes die Rettung bedrohter Menschen und der Schmuggel antifaschistischer Literatur über die Grenze geplant worden sein. Die ursprüngliche Tafel wurde im Dezember 2017 gestohlen. [Sächsische Zeitung]

Für den Raum Köln und Aachen gibt es jetzt wieder ein neues Syndikat der FAU (Freie Arbeiter*innen Union). Offenen Treffen immer 1. und 3. Mittwoch im Monat [Duesseldorf.FAU | FAU Köln-Aachen].

Die Tagebücher von Erich Mühsam wurden von Jan Bachmann zu einem Comicband verarbeitet. Ein Vorabbesprechung des Buches, das am 1. März 2018 erscheinen wird: [Woxx.lu]

Die anarchistische Gefangene Lisa wurde in einen anderen Knast verlegt. Neue Anschrift für Solidaritätspost:
Lisa 2893/16/7
JVA Willich II
Gartenstraße 2
47877 Willich
[Solidaritat rebel (katalanisch) | Insurrection News worldwide (englisch)]

Griechenland

Brandanschlag auf ein türkisches staatliches Unternehmen in Athen aus Solidarität mit den Verteidigern von Afrin (Rojava) [Insurrection News Worldwide (englisch)]

Der anarchistische Gefangene  Konstantinos Giagtzoglou befindet sich derzeit im Hungerstreik. Infos: [The free online | Insurrection News worldwide (beide. englisch)]

Aus Solidarität mit Konstantinos Giagtzoglou gingen 500 Genossinnen und Genossen in Athen auf die Straße. Demo-Fotos und -berichte: [th1an1 (englisch) |  ANTIplhroforhsh (1) (griechisch) | ANTIplhroforhsh (2) (englisch)]

Aus Solidarität mit Konstantinos Giagtzoglou wurden Schaufenster in einer Luxus-Einkaufsmeile in Athen entglast. Berichte und Fotos: [Insurrection news worldwide | keep talking greece (beide: englisch)]

Indonesien

Über 6000 Uber-Fahrer sind in der radikalen Gewerkschaft Kommunitas Uber Mainstream (KUMAN) organisiert. KUMAN arbeitet mit der anarcho-syndikalistischen Initiative Persaudaraan Pekerja Anarko-Sindikalis zusammen. Die Black Rose Anarchist Federation aus den USA führte ein Interview mit zwei Aktivisten. [It’s Going Down (englisch)]

Österreich

Die IWW-Wien (Industrial Workers of The World) haben erste ihre Flugschrift für das Jahr 2018 herausgebracht. Sie heißt SOLID! und kann bei [IWW.OR.At] heruntergeladen werden. Über die Mail-Adresse wien@iww.or.at können auch kostenlos Exemplare bestellt werden.

Das Anarchist Black Cross Wien hat seinen neues Infoblatt Bruchstellen veröffentlicht. Themen sind der Fluchtversuch der anarchistischen Gefangenen Tamara Sol in Chile, der internationaler Tag der Solidarität mit Marius Mason und allen anarchistischen Langzeit-Gefangenen, Lisa, Untersuchungshaft nach Barrikaden-Räumung im Hambacher Forst, das in Thessaloniki von Faschisten angezündete besetzte Haus Libertatia und einiges mehr. Bruchstellen Nummer 31 als PDF zum Download: [ABC-Wien].

Russland

Anarchisten und Antifaschisten berichten, dass der Inlandsgeheimdienst sie unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gefoltert habe. [Jungle World]

Es wurde ein Fundraising eingerichtet für die Anwälte, die an den aktuellen Fällen von Hausdurchsuchungen und Verhaftungen von Anarchisten und Antifaschisten in St. Petersburg und Penza arbeiten. [Anarchist Black Cross Dresden]

Es wurde zu einer internationalen Woche der Solidarität mit den von Repression betroffenen Antifaschisten und Anarchisten in Russland aufgerufen. Bericht und Fotos von Aktionen weltweit: [Insurrection news worldwide (englisch)]

Schweiz

In Bern demonstrierten 200 Menschen für den Erhalt des räumungsbedrohten Squats Steigi69 und für mehr Freiraum. Weitere Fotos und Kurzbericht: [Anarchistische Gruppe Bern]

Spanien

30 Aktivisten der CGT haben ein Grundstück in Andalusien besetzt, wo ein Abschiebeknast errichtet werden soll [The free online (englisch) | Rojo y negro | Andalucía información (beide: spanisch)]

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria hat ein neues landwirtschaftliches Projekt begonnen, um sich zu erholen. Sie haben 70 Kilo Orangen auf einem befreiten Stück Land geerntet, die unter den beteiligten Familien verteilt werden. [FAGC/Twitter (1) | (2) (beide: spanisch)]

Erfolgreicher Arbeitskampf der CNT: Die Sektion der Hafenarbeiter aus Barcelona erreichte mit ihrer Androhung eines dreitägigen Streiks, dass drei entlassene Kollegen wieder eingestellt wurden. Mit den dreien hatten sich auch Kollegen solidarisiert, die in anderen Gewerkschaften organisiert sind. Gemeinsam konnten sie ausreichend Druck aufbauen, um Mooring & Port zum einlenken zu bewegen. [Directa (katalanisch) | Portuarios CNT (spanisch)]
Es stellte sich jedoch heraus, dass Mooring nicht Wort hält. Die Wiedereinstellung sollte zu inakzeptablen Bedingungen erfolgen. Die Hafenarbeiter beantworteten diesen Wortbruch mit einem Streik. Foto von einem Streikposten: [Portuaris CNT (spanisch)]
Nach nur einem Tag Streik konnten die Hafenarbeiter ihre Forderungen durchsetzen und es wurden neue Verträge unterzeichnet. [Portuarios CNT (1) | Portuarios CNT (2) | El salto (alle drei: spanisch) | Directa (katalanisch) | It’s Going Down (englisch) | Direkte Aktion]

Die CNT rief zu einem 24-stündigen feministischen Streik am 8. März auf. Auch die CGT hat sich dem Aufruf angeschlossen. Eine deutsche Version des Aufrufs auf der Seite der FAU Düsseldorf: [FAU.Duesseldorf].

Für den [Deutschlandfunk] schrieb Rilo Chmielorz einen Bericht über die libertäre Kulturzeitschrift Ajoblanco, die dank einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne wieder regelmäßig in Spanien erscheint.

Gegen Ermengol Gassiot, Generalsekretär der CGT Katalonien, wurde Haftbefehl erlassen. Er hatte an 2013 einem Protest in der UAB (Universitat Autònoma de Barcelona) teilgenommen. Dort ist er auch als Professor tätig. Wegen dieser Proteste gegen die Erhöhung der Studiengebühren fordert die Staatsanwaltschaft Haftstrafen zwischen 11 und 14 Jahren für ihn und die anderen Angeklagten. Ermengol Gassiot bezeichnet das ganze als politischen Prozess und teilte dem Gericht per Fax mit, dass er nicht aussagen werde. Daraufhin wurde der Haftbefehl erlassen. [CGT | Kaos en la red | ctxt | Público (alle: spanisch)].
Ermengol Gassiot wurde tatsächlich festgenommen [Junge Welt | Labour NetEl salto diario (spanisch) | Público (spanisch)]. Noch in der Nacht wurde er wieder freigelassen und von einer Gruppe solidarischer Menschen empfangen, die auf ihn gewartet hatten. [JoseopJoMateix (katalanisch)].
Fotos von einer Solidaritäts-Demo in Madrid für Ermengol Gassiot twitterte die anarchosyndikalistische Gewerkschaft Solidaridad Obrera: [Solidaridad Obrera (spanisch)]

Türkei

Der anarchistische Gefangene Şevket Aslan befindet sich erneut im Hungerstreik. Seine Forderungen umfassen die Anerkennung als anarchistischer Gefangener und die Überführung in einen anderen Trakt oder ein anderes Gefängnis, wo er mit anarchistischen Genossen zusammen sein kann. [Insurrection News Worldwide (englisch)]

Ausgabe 43 der anarchistischen Zeitung Meydan Gazetesi ist erschienen [Meydan Gazetesi/Facebook | Meydan Gazetesi (beide: türkisch)]

Die transsexuelle inhaftierte Anarchistin Diren Coşkun befindet sich seit 25. Januar im Todesfasten. Sie fordert ihr Recht auf Hormontherapie und geschlechtsangleichende Operation, findet aber kaum Gehör. [Cosmo ARD | Zeit | Enough is enough 14 | Insurrect News (beide: englisch)]

USA

Revolutionary Abolitionist Movement aus New York City posierte für ein Foto mit einem Transparent aus Solidarität mit Anarchisten und Antifaschisten in Russland: [RevAbolitionNYC (englisch)]

In Wheeling (West Virginia) kam es zu mehreren Razzien gegen Lager von Obdachlosen. Die Bullen beschlagnahmten dabei Zelte, Kleidung und persönliche Gegenstände. Die Gegenstände wurde in orangefarbenen Säcke gepackt und am Straßenrand zurückgelassen. Eine Gruppe von Anarchisten organisierte eine Demo vor dem Rathaus gegen diese Razzien. Im Anschluss an die Demo setzten sie auf direkte Aktion und sammelten mit mehreren Fahrzeugen die orangenen Säcke ein, um sie den Obdachlosen zurückzugeben. 20 Säcke konnten auf diese Weise zurückerlangt werden.
[It’s Going Down (englisch)]

Eine Solidaritäts-Demo für Afrin zog durch die Straßen von Chicago. Fotos davon twitterte die Black Rose Anarchist Federation. [Black Rose Chicago]

Eine neue Ausgabe von Anathema ist erschienen. Anathema ist eine anarchistische Zeitung aus Philadelphia. Download/online lesen: [Anathema (englisch)]

Historische Jahrestage:

Im Februar 1887 wurden in den USA die Verleger und Herausgeber der anarchistischen Zeitung Lucifer the lightbearer angeklagt, weil sie einen Brief veröffentlicht hatten, der Vergewaltigung in der Ehe verurteilte.
Im Februar 1890 kam Moses Harman, der letzte verbleibende Herausgeber von Lucifer the lightbearer, erneut vor Gericht wegen eines ähnlichen Artikels. Den Großteil der darauffolgenden sechs Jahre verbrachte er aufgrund der ursprünlichen Anklage im Knast. [Wikipedia (englisch)]

Am 1. Februar 1931 wird in Buenos Aires der italienische Anarchist Severino Di Giovanni erschossen. Geboren wurde er am 17. März 1901. Nach der Machtübernahme Mussolinis und der Faschisten wanderte er nach Argentinien aus. Dort beteiligte er sich an den internationalen Protesten gegen die Gefangennahme und drohende Hinrichtung von Sacco und Vanzetti. Er verübte mehrer Anschläge aus Protest gegen die mediale Hetze und die Todesurteile gegen Sacco und Vanzetti. [Wikipedia]

Am 2. Februar 2003 wird der italienische Insurrektionalist und Anarchist Alfredo Maria Bonanno wegen Enteignung und anderer Aktionen zu sechs Jahren Knast und 3000 Euro Geldstrafe verurteilt [Wikipedia].

Am 2. Februar 2011 erscheint in Madrid die erste Ausgabe der anarchistischen Zeitung Todo por hacer [Todo por hacer/Twitter (spanisch)].
Derzeit läuft eine Crowdunding-Kampagne, damit die Zeitung weiterhin kostenlos verteilt werden kann: [firefund (spanisch/englisch)]

Am 5. Februar 1919 beginnt der Streik der CNT beim Stromversorger „La Canadiense“ in Barcelona, der sich zum Generalstreik ausweitet und 70 % der Industrieproduktion Kataloniens zum Erliegen bringt. Als Erfolg dieses Streiks wird nach 44 Tagen erstmalig weltweit der 8-Stunden-Arbeitstag in Spanien durchgesetzt. Außerdem werden höhere Gehälter erzielt, die Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiter und die Freilassung tausender während des Streiks festgenommener Arbeiter. [Anarchismus.at | Wikipedia]

Am 6. Februar 1905 wird Soledad Estorach geboren. Sie war Mitglied der anarchosyndikalistischen CNT, der , Iberische Föderation der Libertären Jugend (FIJL, Federación Ibérica de Juventudes Libertarias) und Mitbegründerin der anarchafeministischen Organisation Mujeres libres und schrieb für deren gleichnamige Zeitung und für die Zeitung der Federación Anarquista Ibérica (FAI), Tierra y libertad.
Sie beteiligte sich aktiv an der sozialen Revolution 1936 in Spanien und war beim Barrikadenbau dabei.
Als sie wegen des Siegs der Faschisten nach Frankreich ins Exil fliehen musste, erfuhr sie, dass zwei Genossinen von den Mujeres Libres, darunter Pepita Carpena, gefangen waren. Unter Einsatz ihres Lebens kehrte sie mit dem Auto zurück und rette die beiden.
Von 1940 an lebte sie in Bordeaux. In den 1960ern verfasste sie Beiträge für eine Neuauflage der Zeitung Mujeres Libres. Am 14. März 1993 starb sie in Paris. [Wikipedia | Libcom (beide: englisch)]
Ein Text von ihr aus Tierry y libertad: [Anarchismus.at]

Am 7. Februar 1952 werden in Spanien 9 Mitglieder einer anarchistischen antifaschistischen Widerstandsgruppe names Tallion vom Franco-Regime zum Tode verurteilt. 5 davon werden im Monat darauf hingerichtet. Aufgrund internationaler Proteste werden bei den übrigen 4 die Urteile zu langjährigen Haftstrafen umgewandelt. Darunter ist auch Miguel García, der nach seiner Freilassung 1969 nach London zieht und dort mit dem schottischen Anarchisten Stuart Christie in der Gefangenenhilfsorganisation Anarchist Black Cross arbeitet. [Die Widerstandsgruppe Tallion:
Libcom (englisch) | Miguel García: Wikipedia]

Am 7. Februar 2008 stirbt in Valencia, Spanien, Pilar Molina Beneyto. Geboren wurde die Anarchafeministin 1949. Sie war in der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CGT organisiert und arbeitete als Dokumentalistin, Forscherin und Fotografin. Neben vielem anderem wirkte sie auch an der Zeitung der CGT – Rojo y negro (Rot und schwarz) – und an Radio Klara mit. [Wikipedia | Rojo y negro (beide: spanisch)

Am 8. Februar 1921 stirbt Peter Kropotkin, einer der einflussreichsten Theoretiker des kommunistischen Anarchismus.

Am 13. Februar wurde sein Leichnam nach Moskau überführt. Zehntausende folgten seinem Sarg. Die Leninregierung erwies sich äußerst großzügig: sie gewährte inhaftierten Anarchistinnen und Anarchisten für den Tag der Beerdigung Hafturlaub, vorausgesetzt, sie würden am nächsten Tag wieder in die Gefängnisse zurückkehren. Sie hielten alle Wort und kehrten zur Verblüffung der neuen Zaren tatsächlich hinter die Gefängnismauern zurück. Der Trauerzug der Zehntausenden geriet zur bis dahin mächtigsten Demonstration des russischen Anarchismus, und sie sollte für die vielen darauffolgenden Monate, Jahre und Jahrzehnte auch die letzte anarchistische Manifestation in der Sowjetunion und dem nachmaligen und vormaligen Russland bleiben. Denn schon bald gingen die alten Verfolgungen von neuem los: zahlreiche Anarchistinnen und Anarchisten wurden verhaftet, ermordet, verbannt, in Arbeitslager deportiert, ausgewiesen oder zur Auswanderung gezwungen.
[Drei Quellen für das Zitat: Anarchie-Mannheim | AFunke | Syndikalismus]

Zum Leben von Peter Kropotkin: [Wikipedia]

Am 11. Februar 1916 wird Emma Goldman in den USA festgenommen und zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt, weil sie einen Vortrag über Geburtenkontrolle gehalten und Schriften zur Verhütung verteilt hat. [DeutschlandRadioKultur | SWR2]

Am 11. Februar 1994 stirbt Mercedes Comaposada Guillén. Sie war Anarchistin, Mitglied bei der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT und eine der Gründerinnen der anarchafeministischen Organisation Mujeres libres (Freie Frauen).
Während der zweiten spanischen Republik gab sie Fortbildungskurse für Arbeiterinnen und Arbeiter, die von der CNT organisiert wurden. Sie schrieb regelmäßig für die Zeitung der FAI (Federación Anarquista Ibérica) Tierra y Libertad und Tiempos Nuevos, wo sie eine Kolumne hatte, in der Gesundheit und Sexualität thematisiert wurden.
Nach dem Sieg der Faschisten beim spanischen Bürgerkrieg 1939 ging sie nach Paris ins Exil. [Wikipedia]

Am 14. Februar 1937 stirbt der Düsseldorfer Anarcho-Syndikalist und Anarchist Anton Rosinke an den Folgen der Folter durch die Gestapo.
Nach der Machtergreifung der Nazis versuchte Anton Rosinke in Düsseldorf bewaffneten Widerstand zu organisieren und beteiligte sich am Aufbau eines illegalen Widerstandsnetzes der FAUD (Freie Arbeiter Union Deutschlands). Zunächst stellte er Flugblätter und ein Mitteilungsblatt her. Als das Mitteilungsblatt in Belgien gedruckt wurde, kümmerte er sich um die Verteilung und um die Verbreitung weiterer illegaler Schriften wie „Esst deutsche Früchte“ (1934, Tarntitel für die Broschüre „Was wir Anarcho-Syndikalisten wollen“).
1934 wurde Anton Rosinke kurzzeitig verhaftet.
Mit dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs 1936 konzentrierte sich der anarchosyndikalistische Widerstand darauf, über die dortige Lage zu informieren, Flüchtlinge und Freiwillige für die Internationalen Brigaden über die Grenze zu bringen und Geld zu sammeln.
Beim Sammeln solcher Solidaritätsgelder wurde Anton Rosinke am 27. Januar 1937 verhaftet und durch die Geheime Staatspolizei im Polizeipräsidium gefoltert.
Anlässlich seines 80. Todestages wurde 2017 ein Stolperstein für ihn verlegt. [Anarchismus.at | Wikipedia | Duesseldorf.FAU | RP Online]

Angesichts der bevorstehenden Machtergreifung der Nazis löst sich Mitte Februar 1933 ein Großteil der Ortsgruppen der anarchosyndikalistischen FAUD (Freie Arbeiter Union Deutschlands) auf. Der Beschluss zur Selbstauflösung und Fortsetzung der Tätigkeiten im Verborgenen wurde bereits beim Erfurter Kongress im März 1932 gefasst. Auf diesem Kongress wurden auch Fluchtwege und illegale Grenzübertrittsmöglichkeiten diskutiert.
Zu den Aktivitäten nach der Selbstauflösung gehörten Widerstand gegen den Faschismus, Geld sammeln, Unterstützung politischer Gefangener und ihrer Familien.
Im Falle einer Machtergreifung Hitlers hatte die FAUD den sofortigen Generalstreik gefordert, weil es darauf ankomme, den Faschismus zu hindern, sich den gesamten Staatsapparat zu unterwerfen. In den Jahren 1932 war die Mitgliederzahl der FAUD jedoch bereits so stark zurückgegangen, dass sie nicht die organisatorische Stärke hatte, einen solchen Generalstreik umzusetzen. Die Mitgliederzahlen der FAUD für 1932 schwanken zwischen 6000 und 10.000. Bei der Machtübernahme der Nazis dürfte die Zahl von 7000 kaum überschritten worden sein. [Anarchismus.at]

Am 18. Februar 1998 findet das erstes Solidaritäts-Konzert für den Infoladen in Wels (Österreich) statt. Das Motto lautet „Her mit dem Leben“. Es spielen vier Bands und es gibt „Vegane Volxküche, Infostände, billige Trankln“. Zum 20jährigen Jubiläum twitterte der Infoladen:
„Ja, wir sind nun 20 Jahre alt und kämpfen noch immer für die Freiheit und ein besseres Leben für alle. Wir werden weiter machen, keine Frage. Forever Anarchist.“ [Infoladen_Wels]

Am 24. Februar 1909 wird Ethel MacDonald geboren. Die schottische Anarchistin war während der sozialen Revolution in Spanien für den Radiosender der CNT in Barcelona tätig. Anarchisten in Glasgow hatten Geld gesammelt, das ihr die Reise ermöglichte. Nach dem Verrat der Bolschewiki, die im Rahmen ihrer Säuberungen die Anarchisten angriffen, geriet sie in Gefangenschaft. Als es gelang, sie gegen Kaution aus dem Gefängnis zu holen, verließ sie Spanien noch nicht. Stattdessen tauchte sie ein in den praktischen Widerstand und verhalf dabei vielen Genossinnen und Genossen zur Flucht. 1939 flüchtete sie schließlich aus Spanien und arbeitete wieder als Journalistin und Druckerin in Glasgow. Am 1. Dezember 1960 starb sie an Multipler Sklerose.

Am 25. Februar 1894 wird der Anarcho-Pazifist Ernst Friedrich geboren. Sein berühmtestes Werk ist das anti-militaristische Buch „Krieg dem Kriege“ [Wikipedia]. Unter Zeitgenossen war er umstritten. Auszug aus der Korrespondenz zwischen Paul Banholzer und der Redaktion der FAUD-Zeitung Syndikalist von 1920:

Vor einigen Tagen kamen einige befreundete Kommunisten von der Tagung der Freideutschen in Hofgeismar zurück. Sie äußerten sich äußerst abfällig über Syndikalismus und Anarchismus und zwar auf Grund der Ausführungen des anarchistischen Jugendführers Friedrich, der daselbst viel unhaltbares Zeug verzapft haben soll Ich weiß nun nicht, wie weit Friedruch als maßgebende Persönlichkeit gewertet werden muss – Kannst du mich darüber aufklären? Besten Gruß Paul Banholzer

Ernst Friedrich ist so wenig syndikalistisch als anarchistisch organisiert. Die Berliner Arbeiter-Börse hat längst über ihn ihr Urteil gesprochen. Er verweigerte jede Art Auskunft über Einnahmen und Ausgaben des von ihm herausgegebenen Blattes „Freie Jugend“, trotzdem die Herausgabe fast ausschließlich durch Gelder der syndikalistischen Organisation möglich gemacht wurde. Weil die Arbeiter-Börse und die Geschäfts-Kommission mit Friedrich, der zu allem eher taugt als zum Jugendleiter, gebrochen hat, deshalb intrigiert er im Lande gegen die Geschäfts-Kommission. Rundschreiben und Briefe richtet er an alle Adressen, die wir ihm seinerzeit aushändigten, als er sich bei uns einführte. Friedrich ist Schauspieler, seine ganze Tätigkeit ist die eines Schauspielers. Er ist nicht unfähig, aber ohne Charakter. (…)
[zitiert aus Helge Döhring: „Kein Befehlen, kein Gehorchen! – Die Geschichte der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend in Deutschland seit 1918“, Seite 358]

Am 25. Februar 2002 stirbt die spanische Anarchistin und CNT-Mitglied Isabel Mesa Delgado. Auch noch während des Franco-Regimes leistete sie klandestin Widerstand gegen den Faschismus, gründete eine Untergrund-Zeitung und engagierte sich in einer heimlichen Gruppe, die Gefangene unterstützte und anderweitig gegen den Faschismus aktiv war. [Libcom]

Termine:

3./4. März 2018: Die Federación Anarquista de México lädt zur 9. Anarchistische Buchmesse in Mexiko ein [Federación Anarquista de México (spanisch)]

7. März 2018: Die Libertäre Gruppe Karlsruhe zeigt ab 18.30 Uhr in „Die Kurbel“ den Film „Im Inneren Kreis“ über verdeckte Ermittlerinnen und deren verbotenen Beziehungen [FdAIFA/Twitter].

Für den 17. März 2018 wird zu einer Solidaritäts-Demo in Hamburg angesichts der Repression nach den Protesten gegen G20 aufgerufen [Indymedia]

24. bis 27. März 2018: Treffen der anarchistischen Jugend in Valencia (Spanien). Flyer mit Infos und Kontakt-Mail-Adresse: [AEL Murcia/Twitter (spanisch)]

26. – 28. April 2018: Anarchist-Black-Cross-Soli-Fest Nr. 6 in Wien [ABC Wien/Twitter]. Gefeiert wird unter anderem das 10jährige Bestehen der Gefangenenunterstützungsorganisation Anarchist Black Cross Wien.

Anarchistische 1. Mai Demo in Dortmund [1MaiDortmund]

11. Juni 2018: Internationaler Solidaritätstag für Marius Mason und alle anarchistischen Langzeit-Gefangenen [Enough is enough 14 (englisch)]

16./17. Juni 2018: Anarchistische Buchmesse in Malmö [enough is enough 14 (englisch)]

Für Frühjahr/Sommer 2018 kündigt Auf der Suche – eine anarchistische Gruppe aus Nürnberg – eine anarchafeministische Veranstaktungsreihe an: „Für einen feministischen Normalzustand“ [Auf der Suche]

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