Anarchistischer Monatsrückblick: Mai 2018

Rückblick auf die zurückliegenden vier Wochen aus anarchistischer Perspektive. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Lieber zu viele Links als keine. Wenn nichts anderes dabei steht, sind die verlinkten Texte auf deutsch.

1. Mai

In Albuquerque (USA) konnten sich Kinder an Piñata-Puppen austoben, deren Uniformen mit „police“ und „ICE“ (Abschiebebehörde in den USA) beschriftet waren. Weitere Fotos davon: [KDenRocker (1) | (2) | (3) | (4) | (5) (alle: englisch)]

Video von einer gigantischen anarchistischen und anarchosyndikalistischen Demo in Bandung in Indonesien: [anarkonesia (englisch)]. Bericht über May Day in Indonesien: [It’s Going Down (englisch)]

Über 300 Menschen fanden sich dieses Jahr zum anarchistischen 1. Mai in Dortmund ein. Kämpferisch zogen sie vom Sonnenplatz bis vor das anarchistische Zentrum Black Pigeon. Im Anschluss gab es dort noch ein Kulturprogramm. Auf dem Front-Transparent stand „Für eine Welt ohne Lohnarbeit“. Fotos: [Antifaschistische Gruppe Dortmund (1) | (2) | (3) | ANetzDo]. Video: [AFRR]
Umfangreiche Auswertung der anarchistischen Gruppe Dortmund mit vielen Fotos zu den Ereignissen. [AGDo]

Fotos vom anarchistischen 1. Mai in Dresden: [and.notraces]

Video von einem anarchistischen Demozug in Kiew, Ukraine:
[Революційна Дія/YouTube (ukrainisch)] | Anarchists of Belarus (englisch)]

In Paris wurden hunderte Aktivisten festgenommen. [Insurgente (spanisch)]. Bericht auf deutsch bei [Indymedia]: „Der 1. Mai in Paris – Nachbetrachtungen aus einer deutschen Perspektive“.

Bei der 1. Mai-Demo in London wurde der Genossin Anna Campbell gedacht, die als Freiwillige bei der YPJ in Rojava war und in Afrin gefallen ist. [Kurdistan Solidarity Campaign (englisch)]

Foto von 1. Mai-Demos aus mehreren Städten in Spanien gibt es bei [Kaos en la red (spanisch)].

Das Libertäre Bündnis Ludwigsburg hat seinen Redebeitrag zum 1. Mai in Stuttgart auf der Seite der [FdA-IFA] veröffentlicht.

May Day in Sylhet, Bangladesh [Freedom Press (englisch)]:

Fotos vom 1. Mai in Toledo postete die CNT Toledo auf ihrer Webseite: [CNTAITToledo (spanisch)]

In Wien wurde ein Transparent aus dem Fenster gehängt mit der Aufschrift „1. Mai 1886 wie heute – Gegen die Arbeit“ [Radikale Linke AT].

Bei der Demo in Wien wurde ein Transparent getragen auf dem stand „Jede Stunde ist eine zu viel! Für eine Welt ohne Lohnarbeit kämpfen!“. Ein Video davon: [Radikale Linke AT]. Ein Foto davon: [Autonome Antifa W]

Auf die autonome 1. Mai-Demo in Wuppertal gab es einen brutalen Angriff durch die Polizei. Bericht: [Enough is enough 14].

Aktionen zum 1. Mai aus aller Welt wurden zusammengetragen von [It’s going down (englisch)].

Die vergangenen vier Wochen:

Bangladesch

Ein Text über Anarcho-Syndikalismus in Bangladesch ist erschienen bei [It’s Going Down (englisch)].

BRD

Das Anarchistische Radio Berlin hat seinen neuen libertären Podcast herausgebracht. Ein ernster und satirischer Blick auf Ereignisse des letzten Monats aus libertärer Perspektive. Themen sind dieses Mal unter anderem die Mietendemo in Berlin, Landprojekte, amüsante Beispiele, wo laut bürgerlichen Medien „Anarchie herrscht“ und ein fundierter Bericht über eine Solidaritätswelle mit dem Wohnprojekt Esperanza auf Gran Canaria, die ermöglichte, dass die Bewohnnerinnen und Bewohner wieder Wasser haben. Die 60 Minuten sind eine perfekte Mischung aus informativ und unterhaltsam, auch das musikalische Programm kommt nicht kurz. Den Podcast anhören/herunterladen: [ARadio]

Der 3. Podcast vom Anarchistischen Radio Kassel ist online. Die Sendung „lili – libertäre Informationen lokaler Initiativen“ vom 5. Mai kann hier nachgehört werden: [A & O Kassel]

Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) hat die aktuelle Ausgabe ihrer monatlichen Zeitung Gaidao veröffentlicht. Themen der Mai-Ausgabe sind die anarchistische Bewegung auf Kuba, die Kraft der gegenseitigen Hilfe, die es den Bewohnerinnen und Bewohnern des Wohnprojekts Esperanza auf Gran Canaria ermöglichte, wieder Wasser zu haben, Union Coop, eine Vorstellung eines Buches über „die Aktionsliga der Bauarbeiter“ in der Schweiz, Reproduktionstechnologien zwischen Gegenwart und Zukunft, Peter Seyferths Verteidigung seines Gedankenexperiments über den „anarchistischen Staat“ und ein Plädoyer gegen politische Gruppen. Gaidao Nr 89 bestellen, herunterladen oder online lesen: [FdA-IFA]

In Ellwangen scheiterte die Abschiebung eines Mannes am solidarischen Widerstand anderer Geflüchteter. Als Vergeltungsaktion stürmten hunderte Bullen die Flüchtlingsunterkunft. [taz | Frankfurter Rundschau]
Die Bewohnerinnen und Bewohner der Landeserstaufnahmeeinrichtung Ellwangen luden zu einer Pressekonferenz ein und riefen zu einer Demonstration auf. [Flüchtlingsrat-BW | AktionBleiberecht]
Einen Demo-Bericht und Fotos twitterte das [Antirassistische Netzwerk Baden-Württemberg]

Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen [FdA] zeigte Solidarität mit dem neuen anarchistischen sozialen Zentrum in Havanna, Kuba [ARadio Berlin (englisch)]

In Berlin gab es eine Razzia gegen 5 Ziele, darunter die anarchistischen Bibliothek Kalabalik. EIne Mitteilung von Kalabalik zu den Durchsuchungen [Kalabalik]:

Offizieller Vorwand für die Razzien bei den Privatwohnungen war laut richterlichem Beschluss das Plakatieren eines Fahndungsaufrufs unter dem Titel „Terroristen gesucht“. Dieses zeigt die Fressen von Scholz, Dudde und Grote, den Verantwortlichen des G20-Gipfels letzten Sommer in Hamburg, sowie ihrer Schlägertruppen von der Bereitschaftspolizei. Beim Kalabal!k ging es primär um das Anbringen eines Outingplakates an der Tür, auf dem einige PMS`ler vom Staatsschutz abgebildet sind.

Weitere Infos/Fotos: [taz | de.Indymedia | Erik Peter/Twitter | Coni Berlin/Twitter | monotua030/Twitter]

In Stuttgart wurden zwei Wohnungen besetzt. Es zogen zwei Familien mit Kindern ein. [Kontext Wochenzeitung | Neues Deutschland]
Bedauerlicherweise wurden beide Wohnungen nach vier Wochen wieder geräumt. Rund 500 Menschen beteiligten sich noch am selben Abend an der spontan organisierten Demonstration und zeigten ihre Solidarität: „Wir sind alle Wilhelm-Raabe-Straße 4!“ [Beobachter News | Kontext Wochenzeitung]

In Berlin fand der Karneval der Besetzungen statt, eine groß angelegte Kampagne gegen den Leerstand und die Wohnungsnot. Leider wurde noch am selben Tag geräumt. [Berichte: taz (1) | taz (2) | Fotos: PM Cheung/Flickr | Kommentar: Spiegel]

Etc

Am 13. Mai 2018 wurde in Parma (Italien) die Gründung der neuen Internationalen von anarchosyndikalistischen und revolutionär-syndikalistischen Gewerkschaften vollzogen. Ihr Name lautet Internationale Arbeiter*innen Konföderation (IAK). Delegierte aus sieben Ländern hatten sich drei Tage über Statuten und Arbeitsschwerpunkte verständigt, um dem globalisierten Kapitalismus und den autoritären Entwicklungen in Europa und in Amerika eine kämpferische Internationale syndikalistischer Gewerkschaften entgegenzustellen. Gründungsmitglieder der IAK sind: CNT (Spanien), USI (Italien), FAU (Deutschland), IWW (USA und Kanada), ESE (Griechenland), FORA (Argentinien) und IP (Polen). [FAU | CNT/Twitter | CNT (2) (beide: spanisch) | Freedom Press (englisch) | Southern Wobbly/Twitter (englisch) | FAU Berlin/Facebook]

Die Nummer 90 des anarchistischen Magazins „Organise!“ ist erschienen. Diese Mai-Ausgabe umfasst 52 Seiten. Sie erscheint in gedruckter Form oder kann kostenlos als PDF heruntergeladen werden. [The Free online (englisch)]

Crimethinc hat einen Text darüber veröffentlicht, warum es keine revolutionären Regierungen geben kann und warum eine Befreiung mit autoritären Mitteln nicht möglich ist: [Crimethinc (englisch)]

Griechenland

Hunderte zogen aus Solidarität mit dem Anarcho-Kommunisten Tasos Theofilou durch die Innenstadt von Athen, da das Verfahren gegen ihn neu eröffnet werden soll. [th1an1 (englisch)]. Weitere Demo-Fotos: [lolos marios | na_tzi | Sotos Milou (alle: griechisch)]
Hintergründe zu dem Fall: [ABC Brighton (englisch)]

Die anarchistische Gruppe Rouvikonas hat das Athener Büro von Oxfam verwüstet. Rouvikonas sagte, dass diese Aktion Antwort darauf sei, dass Mitarbeiter von Oxfam an sexuellem Missbrauch von Kindern beteiligt gewesen seien und seitens ihrer Organisation versucht worden sei, diese Vorfälle zu vertuschen. [Anarchist agency (englisch)]

Aus Protest gegen die Abschottungspolitik der österreichischen Regierung warfen Rouvikonas vor dem Haus des österreichischen Botschafters in Griechenland Flugzettel ab. [Ekathemerini (englisch)]

Indonesien

Der Anarchist Brian Valentino wurde am 1. Mai festgenommen. Seitdem befindet er sich in Haft. Dort wurde er mehrfach geschlagen und gefoltert und ihm wird ein Anwalt verweigert. Anarchist Black Cross/Anti-Authoritarian Solidarity Yogyakarta rufen zu Solidarität mit dem Genossen auf. [mpalothia (englisch)]. Ein offener Brief von Brian Valentino, den er an seinem 21. Tag im Knast geschrieben hat: [Void Network Indonesia/Facebook (englisch)].

Kuba

In Havanna wurde ABRA, das erste anarchistische soziale Zentrum und die erste libertäre Bibliothek seit den 1950er Jahren, eröffnet. [FdA-IFA | ARadio Berlin (englisch) | Freedom News (englisch) | Black Rose federation (englisch/spanisch) | A las barricadas (spanisch) | Noticias anarquistas (portugiesisch)]

Österreich

Es gab wieder eine Hausbesetzung in Wien. Die Seite der Besetzerinnen und Besetzer mit dem vorläufigen Programm: [memuh]. Foto und Kurzbericht: [lightyear2000]

Bedauerlicherweise wurde bereits nach nicht mal ganz einer Woche wieder geräumt. Fotos von der Räumung: [Christopher Glanzl (1) | (2) | (3) | (4)]

Rojava

Die Angehörigen der in Rojava gefallenen Anarchisten Anna Campbell und Haukur Hilmarsson fordern, dass deren Leichen rücküberführt werden [Middleeast eye (englisch)]

Die Anarchistische Gruppe Bern sprach mit Peter Schaber vom Lower Class Magazine über Anarchismus, Frauenbefreiung und Internationalismus in Rojava: [Anarchistisch.ch]

Der Mediziner und Anarchist Michael Wilk berichtete gegenüber der Wochenzeitung von seinen Erfahrungen in Rojava [WOZ]

Spanien

Das MieterInnen-Syndikat Gran Canaria stellt vorübergehend seine Aktivitäten ein. Aufgrund verschiedener Faktoren befinde es sich seit einiger Zeit in einer Krise. Nun sei es an der Zeit, Erfolge und Fehler zu analysieren, um später „mit mehr Schwung und Klarheit“ zurückkehren zu können. [Sindicato de Inquilinas GC (spanisch)].

Neuigkeiten im Fall Operación ICE: Die Staatsanwaltschaft reduzierte die Anklagepunkte gegen die Beschuldigten von „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ auf „Verherrlichung von Terrorismus“. Als Beleg für diese „Verherrlichung“ nennt die Staatsanwaltschaft unter anderem einen Tweet der Angeklagten mit einem Zitat aus Dragonball Z: „Goku vive, la lucha sigue“ (Goku lebt, der Kampf geht weiter).
Die operación ICE war eine weitere Repressionswelle des spanischen Staats gegen die dortige anarchistische Bewegung. 6 Mitglieder des anarchistischen veganen Straight Edge Kollektivs SXE Madrid wurden zuhause überfallen, festgenommen und verhört. Ihre Wohnungen wurden gefilzt und zahlreiche Gegenstände beschlagnahmt. Einer der Betroffenen, Nahuel, wurde für eineinhalb Jahre in Untersuchungshaft gefangen gehalten. [El salto diario | El país (beide: spanisch)]

Türkei

In der Türkei wurden 6 Anarchist*innen in Gewahrsam genommen, die eine spontane Tamam-Aktion durchgeführt hatten. Bezug nehmend auf einen Ausspruch von Erdogan – „Wenn unsere Nation eines Tages ‚tamam‘ [es reicht, genug] sagt, dann werden wir auch Platz machen“ – gab es zahlreiche Proteste gegen ihn und die türkische Regierung allgemein, online und auf der Straße. [Video: LiseAnarşistFaaliyet | anarsistfaaliyet (englisch)]

Historische Jahrestage:

Zum Auffrischen der Erinnerung: Der Anarchistische Monatsrückblick vom Mai 2017 [Bodenfrost]

Ein im Mai 1968 von Anarchisten an der Sorbonne Universität in Frankreich erstelltes Flugblatt: [Libcom (englisch)]

1. Mai 1886: Generalstreik und Massendemonstrationen in den USA für den 8-Stunden-Arbeitstag. Allein in Chicago streikten 40.000 Arbeiterinnen und Arbeiter und 80.000 beteiligten sich an der Demonstration. Wenige Tage später wurden Arbeiterinnen und Arbeiter bei einem Polizeieinsatz getötet. Als Reaktion darauf wurde zu einer Kundgebung auf dem Haymarket-Platz in Chicago aufgerufen. Bei dieser Kundgebung explodierte eine Bombe, die mehrere Polizisten tötet. Obwohl die Urheberschaft der Bombe nie festgestellt werden konnte, setzte im Anschluss eine massive Repressionswelle gegen Anarchistinnen und Anarchisten ein. 8 Anarchisten wurden festgenommen und wegen Mordes angeklagt: August Spieß, Samuel Fielden, Michael Schwab, Georg Engel, Adolf Fischer, Oskar Neebe, Louis Lingg und Albert R. Parsons. Nach einem Schauprozess werden 7 zum Tod und einer zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Der erst 23 Jahre alte Lingg brachte sich im Gefängnis um. Parsons, Fischer, Spieß und Engel wurden erhängt. Fielden und Schwab konnten durch Gnadengesuche an den Gouverneur eine Umwandlung des Todesurteils in eine langjährige Haftstrafe erreichen. [Anarchismus.at]

Am 3. Mai 1917 wird María Pérez Lacruz in Spanien geboren. Besser bekannt war die Anarchistin unter dem Namen La Jabalina. Sie war Mitglied der Juventudes Libertarias (JJLL, Libertäre Jugend). Mit 19 Jahren schloss sie sich als Krankenpflegerin den Milizen der Columna de Hierro an, die die faschistischen Putschisten bekämpften. Nach dem Sieg der Faschisten 1939 wurde sie von eben diesen festgenommen, verhört und kahl geschoren, eine verbreitete Demütigungsmethode seitens der Franco-Faschisten zu jener Zeit. Am 9. Januar 1940 bekam La Jabalina ihr Kind, das ihr jedoch weggenommen wurde, ohne, dass sie es je zu Gesicht bekommen hätte. Vom weiteren Verbleib des Kindes ist nichts bekannt. Ein Schicksal, das von vielen anarchistischen, linken und republikanischen Müttern geteilt wurde, denen die Faschisten ihre Kinder wegnahmen. Vor einem Kriegsgericht wurde La Jabalina zum Tode verurteilt und am 8. August 1942 erschossen. [Wikipedia | Anarquismos14 | PuertoReal.CNT (alle: spanisch)]

Am 3. Mai 1937 stürmen Polizisten unter Führung eines Stalinisten die durch Anarchisten kontrollierte Telefonzentrale (Telefónica) in Barcelona. Dieser Angriff stellt den Beginn der sogenannten Maitage oder auch Maiereignisse dar. Ein Angriff der Autoritären auf die soziale Revolution, die in Spanien im Gange war. Auszug aus [Anarchismus.at]:

Die Meldung über den Angriff auf die Telefonica verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Stadt. Überall werden Barrikaden errichtet und die ArbeiterInnen treten in einen Generalstreik, von dem nur die kriegsnotwendige Industrie verschont bleibt. Die russische Zeitung Prawda verkündete bereits am 17. Dezember 1936: „Was Katalonien betrifft, so hat der Reinigungsprozess gegen Trotzkisten und Anarchosyndikalisten bereits begonnen; er wird mit der selben Energie durchgeführt werden wie in der Sowjetunion.“ Diesen Worten ließen die stalinistischen Vasallen und Geheimdienstagenten in Spanien Taten folgen – mit Folter und Ermordung wird gegen AnarchistInnen und linksoppositionelle KommunistInnen vorgegangenen. Auf der einen Seite der Barrikade stehen die AnarchistInnen von der anarcho- syndikalistischen CNT, der anarchistischen FAI und der ihnen nahestehenden Jugendbewegung (Juventudes Libertarias) mit den KämpferInnen der linkskommunistischen und häufig als trotzkistisch diffamierten POUM, auf der anderen die stalinistischen KommunistInnen – die PCE und ihr katalanischer Ableger – die PSUC, die regionalistische Partei „Etat Katalonia“ und republikanische Kräfte.

Weitere Infos zu den Maitagen: [Wikipedia | Museu d’Història de Catalunya/Twitter (katalanisch)]

Am 5. Mai 1937, während der Maitage, wird der italienische Anarchist Camillo Berneri durch Stalinisten ermordet. Ein offener Brief, den er weniger als einen Monat zuvor schrieb: [Libcom (englisch)]

Am 5. Mai 1945 wurde das KZ Mauthausen durch US-Amerikanische Truppen befreit. Eine 2008 von AnarchistInnen angebrachte Gedenktafel erinnert daran, dass dort auch zahlreiche Genossinnen und Genossen von Nazis gefangen gehalten und ermordet wurden [Anarchismus.at].

7. Mai 1972 stirbt Franco Sernatini an den Folgen der durch die Polizei erlittenen Foltern. Geboren wurde er am 16. Juli 1951 in Cagliari (Italien). Im Herbst 1971 schloss er sich der anarchistischen Gruppe Giuseppe Pinelli an. Am 5. Mai 1972 beteiligte er sich an dem Protest in Pisa, zu dem von der antifaschistischen Gruppe Lotta Continua (der Kampf geht weiter) aufgerufen worden war. Die Demonstration wurde von den Cops brutal zusammengeschlagen. Franco Sernatini wurde festgenommen und verhört. Bei dem Verhör wurde er erneut geschlagen. Er gab zu verstehen, dass es ihm nicht gut gehe, was seitens der Repressionsorgane ignoriert wurde, die seine Verletzungen nicht ernst nahmen. Nach zweitägiger Agonie fiel Franco Sertinini in seiner Zelle ins Koma. Er wurde in die Notaufnahme des Gefängnisses gebracht, wo er schließlich starb. [Libcom (englisch) | Wikipedia (spanisch) | Fotos von Denkmälern: Annabel27034387/Twitter | Lapidariamente (beide: italienisch)]

Das Ende der Maitage: Am 8. Mai 1937 werden in Barcelona die letzten Barrikaden der Anarchisten und der POUM demontiert. Die republikanische Regierung und die Stalinisten der kommunistischen Partei bauen ihre Kontrolle über die Stadt aus. [Libcom (englisch)]

Am 10. Mai 2016 werden in Aserbaidschan die Anarchisten Bayram und Giyas wegen regierungskritischer Graffiti zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt [Rovshana Emoet/Twitter (englisch)]

Am 14. Mai 1940 stirbt Emma Goldman. Ihr konsequenter Anarchismus, der Einsatz für die Freie Liebe und die Rechte der Frauen machten sie zu einer Galionsfigur sowohl der anarchistischen, als auch der feministischen Bewegung. Sie lehnte den Staat, die kapitalistische Wirtschaft und Religion ab und sah diese als unterdrückend und dem menschlichen Streben nach Freiheit entgegenstehend an. [Anarchismus.at | Wikipedia]

Am 15. Mai 1935 wird Utah Phillips geboren. Dem Folk-Sänger, Anarchisten und Mitglied der IWW (Wobblies) wird folgendes Zitat zugeschrieben: „The earth is not dying, it is being killed, and those who are killing it have names and addresses.“ (Die Erde stirbt nicht, sie wird getötet, und diejenigen, die sie töten haben Namen und Adressen). Er starb am 23. Mai 2008. [Linksnet | Wikipedia (englisch)]

15. Mai 2011 – Im Anschluss an eine Demo gegen Arbeitslosigkeit, Armut, Austerität, Überwachung und Korruption wird die Puerta del Sol, der zentrale Platz in Madrid, besetzt. Barcelona und immer weitere Städte schließen sich an. In ganz Spanien entstehen bunte Protestcamps, dezentral, aber miteinander vernetzt und gemeinsame Aktionen koordierend. Es ist die Geburtsstunde der Bewegung 15M (nach dem Datum), beziehungsweise der Indignados (die Empörten, nach dem Buch von Stéphane Hessel).

Wenn auch keine explizit anarchistische Bewegung, hatten doch viele AktivistInnen bei 15M hierarchiefreie Vorstellungen von Organisation und ließen diese auch einfließen.
Auf den Plätzen wurden Entscheidungen von allen gemeinsam getroffen, in sogenannten asambleas (Plena, Versammlungen). In Workshops und Vorträgen wurde unter anderem über Alternativen zum Kapitalismus nachgedacht und diskutiert. Auf einem großen Transparent stand „La crisis es el capitalismo“ (der Kapitalismus ist die Krise). Viele Menschen wurden gestärkt durch das frisch erlangte Bewusstsein, dass sie mit ihrer Notlage – Arbeitslosigkeit, Zwangsräumung, usw. – nicht allein dastehen, sondern dass es Abertausenden genau so geht wie ihnen. Und dass folglich der Ausweg aus der Misere nur kollektiv beschritten werden kann. Das Misstrauen gegenüber dem Parlamentarismus wurde in dem Demoruf „que no, que no, que no nos representan“ (sie repräsentieren uns nicht) zum Ausdruck gebracht. Direkte Aktion wurde angewandt. So wurde versucht, mit einer Menschenkette um das Regionalparlament in Barcelona ein Abstimmung der Parteien über Kürzung von Sozialausgaben zu verhindern. Aus den Platzversammlungen heraus entstanden im ganzen Land Solidaritätsgruppen, die versuchten, Zwangsräumungen durch Sitzblockaden zu verhindern, wie es zuvor die PAH (Plattform der von Hypotheken Betroffenen) bereits in Katalonien getan hatte.

Einige Monate später wurde die Bewegung, die ihrerseits durch den Arabischen Frühling inspiriert worden war, zu einem wichtigen Impuls für die antikapitalistische und basisdemokratische Bewegung Occupy Wall Street, die in New York entstand und sich rasant über die USA verbreitete.

Sowohl 15M in Spanien und Occupy Wall Street in den USA erlitten heftige Polizeigewalt. Mehrfach wurden Camps brutal geräumt und AktivistInnen verletzt und festgenommen und mit Repression überzogen.

Zwei Text zu 15M von Crimethinc: [Crimethinc (1) | Crimethinc (2) (beide: englisch)].

Die Anarchistische Föderation Gran Canaria teilte anlässlich des 6. und 7. Jahrestags ihre Erinnerungen und Erfahrungen mit 15M: [FAGC_Anarquista/Twitter (1) | FAGC_Anarquista/Twitter (2) (beide: spanisch)].

Am 20. Mai 1936 erscheint in Spanien die erste Ausgabe der anarchafeministischen Zeitschrift Mujeres libres (freie Frauen). Gegründet wurde die Zeitschrift von Lucía Sánchez Saornil, Mercedes Comaposada und Amparo Poch y Gascón. Alle drei waren Mitglieder der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT. Die Zeitschrift, die es auf 14 Ausgaben brachte, wurde zur Keimzelle der gleichnamigen Organisation. [Diagonal (spanisch) | Anarchismus.at | Wikipedia]

Am 25. Mai 1995 stirbt die russische Anarchistin Aida Basevich. [Libcom (englisch)]

Am 29. Mai 1830 wird Louise Michel geboren. Sie beteiligte sich aktiv an den Kämpfen um die Pariser Kommune und wurde dafür nach Neukaledonien verbannt. Als Anarchistin zurückgekehrt, setzte sie sich konsequent für die Befreiung von jeder Unterdrückung ein und unterstützte unter anderem den Kampf um die Befreiung der Frauen: „Sklave ist der Proletarier, Sklave aller Sklaven ist die Frau des Proletariers.“
Als die französischen AnarchistInnen für den 1. Mai 1890 eine Kundgebung planten, hielt Louise Michel kurz zuvor aufstachelnde Vorträge in Lyon und wurde daraufhin als geistesgestört in einer Nervenheilanstalt in Vienne festgehalten. Bei ihrer Beerdigung wurde sie von 120.000 Menschen zur letzten Ruhestätte begleitet. [Anarchismus.at | Wikipedia]

Am 30. Mai 1814 wurde Michail Bakunin geboren. Er gilt als Begründer des anarchistischen Kollektivismus und war in der Ersten Internationalen der bekannteste „Gegenspieler“ zu Karl Marx und der staatsfixierten Sozialismusvariante der deutschen Sozialdemokratie. [Anarchismus.at]

Termine:

Am 9. Juni 2018 findet im Gasparitsch in Stuttgart eine Veranstaltung zu der Kampagne „Make Rojava green again“ statt, mit einer Person, die dort gewesen ist.

11. Juni 2018: Internationaler Solidaritätstag für Marius Mason und alle anarchistischen Langzeit-Gefangenen [Enough is enough 14 (englisch)]

Der nächste vom Libertären Bündnis Ludwigsburg organisierte Umsonstflohmarkt wird am 16. Juni 2018 von 10 – 14 Uhr am Stadtkirchenplatz (hinter dem Marktplatz) in Ludwigsburg stattfinden. [LBQuadrat]

16./17. Juni 2018: Anarchistische Buchmesse in Malmö [enough is enough 14 (englisch)]

Juli 2018: Wasserbombenparade der Villa Galgenberg [Villa Galgenberg/Facebook]

1. – 8. August 2018: Anarchistisches Camp in Österreich [Enough is enough 14].

Für Frühjahr/Sommer 2018 kündigt Auf der Suche – eine anarchistische Gruppe aus Nürnberg – eine anarchafeministische Veranstaltungsreihe an: „Für einen feministischen Normalzustand“ [Auf der Suche]

31. August – 02. September 2018: Sommerfest der Villa Galgenberg. Das Programm befindet sich noch in Planung. [Villa Galgenberg/Facebook]

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